29.10.2018

Gefährliche Essstörung Bulimie: Das sind die Ursachen und Folgen

Bulimie ist eine heimliche Störung. Betroffene stopfen kalorienreiches Essen in sich hinein und versuchen im Anschluss, die aufgenommenen Kalorien zum Beispiel durch Erbrechen wieder loszuwerden.

Foto: ©iStock/Kontrec

Bulimie ist eine heimliche Störung. Betroffene stopfen kalorienreiches Essen in sich hinein und versuchen im Anschluss, die aufgenommenen Kalorien zum Beispiel durch Erbrechen wieder loszuwerden.

Unkontrollierte Essanfälle und danach alles erbrechen, um schlank zu bleiben: Bulimie ist eine Sucht, die zu massiven Schäden führt.

Essstörungen nehmen immer mehr zu, wie diverse Untersuchungen von Krankenkassen und Ärzten zeigen. Dabei handelt es sich nicht nur um Magersucht, auch Bulimie betrifft 13 Prozent mehr Menschen als noch vor wenigen Jahren.

Ursache für Bulimie meist Stress

Der Grund, warum Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht) immer häufiger auftreten: Stress und Leistungsdruck, die wichtigsten Risikofaktoren für Bulimie, nehmen zu und belasten vor allem Frauen immer mehr. Ein Großteil der etwa 600.000 Bulimiker in Deutschland sind Frauen. Weitere Ursachen der Bulimie:

  • psychische Belastung wie Einsamkeit

  • Minderwertigkeitsgefühle und mangelndes Selbstbewusstsein

  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper durch falsche Vorbilder

  • Perfektionismus

Häufig tritt Bulimie auch gemeinsam mit einer Depression oder selbstverletzendem Verhalten (SVV) auf ("Ritzen", "Schneiden", Trichotillomanie und andere selbstverletzende Zwangsstörungen).

Was ist Bulimie?

Typisch für die psychische Krankheit: Nach außen ist alles normal, das Essverhalten eher kontrolliert, gesundheitsbewusste Ernährung spielt eine große Rolle. Doch Essanfälle quälen und werden heimlich befriedigt.

Bei Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) werden zwanghaft Unmengen von Lebensmitteln hinuntergeschlungen. Um danach auf keinen Fall dick zu werden, greifen Bulimiker zu unterschiedlichen Maßnahmen, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) informiert:

  1. Erbrechen herbeiführen, Abführmittel und andere Medikamente einnehmen (Purging-Typ, purging ist englisch und bedeutet säubern, entfernen)
  2. Hungern und/oder exzessiv Sport treiben (Non-Purging-Typ)

Diese Folgen hat Bulimie

Die meisten Bulimiker versuchen, durch heimliches Erbrechen die Essattacken wieder auszugleichen. Mit der Zeit steigern sich die Anfälle und treten mehrmals pro Woche auf. Die gesundheitlichen Folgen für Seele und Körper können verheerend sein:

  • Der saure Mageninhalt schadet dem Zahnschmelz, die Zähne werden grau und bräunlich.

  • Die Speicheldrüsen schwellen dauerhaft an, weil sie beim Erbrechen ständig stark aktiviert werden. Bulimiker haben dadurch oft "Hamsterbäckchen".

  • Der Mineralstoffhaushalt gerät ins Ungleichgewicht, die Folgen können Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden sein.

  • Die Menstruation bleibt aus, Unfruchtbarkeit droht.

  • Haarausfallaufgrund von fehlenden Nährstoffen

  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche

  • Angst- und Zwangsstörungen können entstehen

Die Diagnose: Wie lässt sich die Bulimie erkennen?

Meist wissen die Betroffenen selbst, dass sie an einer Ess-Brech-Sucht leiden. Ein Test auf Bulimie mit mehreren Fragen zum Essverhalten ist deshalb nur selten nötig. Der Schritt, sich wegen Bulimie professionelle Hilfe etwa bei einer Beratungsstelle zu holen, fällt jedoch schwer.

Maßgebliche Symptome sind aber folgende:

  • Wiederkehrende Essanfälle, die über drei Monate oder länger anhalten und mindestens zweimal pro Woche auftreten,
  • dauernde Beschäftigung mit dem Thema Essen,
  • Essanfälle im Geheimen,
  • meist ist der Gedanke, zu dick zu sein, vorhanden, unabhängig vom tatsächlichen Gewicht und
  • es wird krampfhaft versucht, trotz Essanfällen eine Gewichtszunahme zu verhindern – eben etwa durch Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln oder anderen Medikamenten wie Diuretika und Schilddrüsenmedikamenten oder auch zwischenzeitliche, übertriebene Sportphasen.

Auch fallen die Anzeichen für Essstörungen vielen Außenstehenden nur schwer auf. Einen Verdacht sollten Sie ganz behutsam ansprechen. Denn auch, wenn Betroffenen das Problem bewusst ist, so sollen es andere möglichst nicht mitbekommen. Betroffene schämen sich oder fühlen sich dadurch noch unzureichender und stigmatisierter.

Therapie kann Bulimie dauerhaft bekämpfen

Dabei gibt es erfolgreiche Therapien, die ambulant oder stationär durchgeführt werden können. Wichtig ist jedoch, möglichst früh damit zu beginnen. Dann sind die Chancen, Bulimie dauerhaft loszuwerden, wieder ein normales Essverhalten zu erlernen und die Folgen der Ess-Brech-Sucht auszugleichen, sehr groß. In der Behandlung wird erlernt, ein gesundes Essgefühl zu entwickeln, vor allem mithilfe eines strukturierten Tagesablaufes und geplantem Essen.

Nicht in jedem Fall aber hilft diese Art der Verhaltenstherapie, gerade wenn zu lange gewartet wurde, kann Therapieresistenz auftreten. Dann können aber auch noch Medikamente helfen, etwa Antidepressiva mit Fluoxetin, das die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt, denn letzteres spielt in manchen Fällen der Erkrankung eine genetisch bedingte Rolle.

Eine Bulimie sollte immer mit ärztlicher Behandlung einher gehen, da eben auch körperliche Schäden auftreten können. Darüber hinaus helfen vielen Betroffenen auch Selbsthilfegruppen. Lediglich auf Selbsthilfe, etwa durch Foren oder Blogs, sollten Sie jedoch nicht vertrauen. Hier leitet selten jemand vom Fach die Diskussionen, was wiederum zu sogenannten Triggermomenten führen kann oder Ratschläge gegeben werden, die vielleicht dem einen geholfen haben, bei anderen aber fatal sein können.

Andere Essstörungen sind die bereits genannte Magersucht (Anorexie bzw. Anorexia nervosa), die reine Esssucht ohne Erbrechen oder anderweitiges Ankämpfen, auch Binge-Eating-Störung genannt, oder die relativ neue Orthorexie nervosa, der Zwang, gesund zu essen.

Den meisten, die von einer Esstörung betroffen sind, fällt es schwer, darüber öffentlich zu reden. Einen mutigen Schritt hat Jana gemacht, die auf einer Lesetour von ihrer Essstörung berichtet hat.

Seite