03.07.2019

Blutarmut Anämie: Wie Sie Ursachen und Symptome erkennen

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Do, 04.07.2019, 15.44 Uhr

Behandlung und Ernährung bei Anämie

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Blutarmut hat viele Ursachen. Eine Anämie kann durch Vitamin- oder Eisenmangel entstehen, aber auch ernste Krankheiten wie Leukämie als Grund haben.

Blutarmut, wie Anämie auf Deutsch heißt, ist eigentlich gar keine Krankheit, sondern ein Symptom dafür, dass im Körper etwas nicht in Ordnung ist. Die Ursachen können relativ harmlos und leicht zu beheben sein. Doch es gibt auch schwerwiegende Auslöser.

Wie entsteht eine Anämie?

Eine "Blutarmut" bedeutet nicht, dass Sie weniger Blut im Sinne der Menge im Körper haben. Vielmehr bezeichnet die Anämie eine verminderte Hämoglobin-Konzentration im Blut. Hämoglobin ist der "Blutfarbstoff", ein Protein, das Hauptbestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist. Es ist eisenhaltig und kann mit seinem Eisenion Sauerstoff aufnehmen und diesen transportieren – von der Lunge aus in jede Zelle des Körpers. Auf dem Rückweg, nachdem es seinen kurzzeitig gebundenen und so mitgenommenen Sauerstoff abgegeben hat, transportiert es das von den Zellen abgegebene Kohlendioxid (CO2) zurück zur Lunge, damit wir es ausatmen können.

Ist nun zu wenig Hämoglobin im Blut, können die Körperzellen nicht mehr zu Genüge mit Sauerstoff versorgt werden – entsprechend weniger CO2 wird abtransportiert.

Anämie: Die Symptome des Symptoms

Zwar ist die Blutarmut, wie schon erwähnt, selbst ein Symptom, sie zeigt aber eigene Symptome, an denen sie sich recht gut erkennen lässt. Die klassischen Symptome sind:

  • andauernde Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche
  • regelmäßige Kopfschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Schwindel
  • schnelles Frieren oder Frösteln
  • Ohrenrauschen
  • bei Belastung manchmal sogar Herzrasen

Blasse Haut hingegen ist als Symptom eher unspezifisch. Sie entsteht, da sich die Blutgefäße zusammenziehen, wenn ihnen Sauerstoff fehlt. Dazu kommen Symptome je nach Form der Anämie – auf die Formen kommen wir später noch zu sprechen. Bei Eisenmangel-Anämie zum Beispiel können das brüchige Haare und Nägel sowie entzündete Schleimhäute und eingerissene/entzündete Mundwinkel als mögliche Symptome sein. Bei einer durch Vitamin-B12-Mangel ausgelösten Anämie können Gedächtnis- und Verdauungsstörungen sowie Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Zungenbrennen auftreten. Liegen innere Blutungen vor, kommt es zu Teerstuhl oder Blut im Urin oder sogar zum Kreislaufzusammenbruch.

Bei einer starken Anämie kann sich der Herzschlag beschleunigen, um das "verbleibende" Blut schneller durch den Körper zu pumpen (Tachykardie). Dabei wird der Puls schwächer. Betroffene bemerken auch Schweißausbrüche sowie Schwindel bis hin zu Atemnot und Ohnmacht.

Ursachen für Anämie: meist harmlos, manchmal ernst

Es gibt verschiedene Ursachen, die eine Anämie auslösen, wie wir bereits aufgrund der verschiedenen Formen erfahren haben. So kann sie kurzzeitig durch hohen Blutverlust entstehen, aber auch etwa aufgrund eines Gendefektes angeboren sein oder im Laufe des Lebens durch einseitige Ernährung auftreten. Zudem können chronische Krankheiten schuld sein. Auch altersbedingte Anämie kommt vor.

Entsprechend werden verschiedene Formen der Anämie unterschieden, je nach Menge an Hämoglobin im roten Blutkörperchen sowie deren Aussehen. Liegen zu kleine Blutkörperchen mit zu wenig Hämoglobin vor, spricht man auch von Mikrozytärer, hypochromer Anämie. Darunter fällt die Eisenmangel-Anämie. Sind die Blutkörperchen zu groß mit viel Hämoglobin, werden sie in der Milz zu früh abgebaut. Das nennt man Makrozytäre, hyperchrome Anämie. Sie kommt vor bei Folsäure- oder Vitamin-B-12-Mangel. Liegt ein starker Blutverlust vor, spricht man von Normozytärer, normochromer Anämie. Dazu kommen noch zahlreiche Sonderformen.

Dabei kann jede Störung der Blutbildung, aber auch im Abbau des Bluts eine Anämie hervorrufen. Typische weitere Anämie-Ursachen sind:

  • Infektionen
  • Nierenprobleme
  • Stoffwechselstörungen wie etwa Schilddrüsenerkrankungen
  • Erbkrankheit der roten Blutkörperchen; diese Mutation heißt Sichelzellanämie
  • Störung der Knochenmarkfunktion: aplastische Anämie, dabei werden allgemein zu wenig Blutzellen gebildet.
  • zu kurze Lebenszeit der roten Blutkörperchen (Erythrozyten): hämolytische Anämie, etwa bei Milzvergrößerung; in diesem Organ werden die Erythrozyten abgebaut
  • Leukämie
  • Tumoren: So zeigen Studien, dass beispielsweise auch Lungenkrebs Anämie auslösen kann – lange bevor er diagnostiziert wird

Eisenmangelanämie tritt bei Frauen häufig auf

Eisenmangel ist jedoch die häufigste Ursache für Anämie. Eisen ist ein wichtiger Baustein für die Blutbildung. Eisenmangelanämie betrifft meist Frauen. Denn ausgelöst wird diese spezielle Blutarmut oft durch

  • starke Menstruation sowie
  • erhöhten Eisenbedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Auch bei einer chronischen Blutung durch ein unentdecktes Magengeschwür kann es zu Blutarmut kommen.

Wann der Arzt helfen sollte

Lassen Sie jedes der oben genannten Anzeichen sicherheitshalber von einem Arzt abklären. Das gilt vor allem dann, wenn Sie Blut in Stuhl, Urin oder Erbrochenem entdecken oder an Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Störungen leiden. Mit einem einfachen Bluttest lassen sich zum Beispiel

  • Eisenwert
  • Vitamine
  • Schilddrüsenfunktion
  • das Vorliegen von Infektionen

überprüfen. Dies sind die mit Abstand häufigsten Auslöser einer Blutarmut. Ist die Ursache gefunden, lässt sie sich in den meisten Fällen schnell beheben. Eine genaue Untersuchung des Blutbildes gibt dem Arzt weitere Auflschlüsse. Sind die Ursachen weiterhin unklar, können eine Endoskopie (Magen- und Darmspiegelung), ein Okkultblut-Test oder eine Knochenmarkdiagnostik folgen. Und falls tatsächlich eine ernsthafte Erkrankung hinter der Anämie steckt, ist es umso besser, je früher sie entdeckt wird. Achten Sie deshalb genau auf die Symptome der Blutarmut!

Behandlung von Anämie: Welche Maßnahmen sind hilfreich?

Je nach Form der Blutarmut sprechen verschiedene Behandlungen an:

Bei Anämie durch Mangel (Eisen, Folsäure, B12) kann dieser durch die richtige Ernährung, nach Arztempfehlung vielleicht auch durch die Einnahme entsprechender Präparate (immer Rücksprache halten!), ausgeglichen werden.

Hier können Sie selbst – am Besten in ärztlicher Begleitung – viel für sich und Ihren Körper tun, indem Sie Ihre Ernährung entsprechend anpassen. Genügend Folsäure etwa findet sich in Bohnen, Spargel, Kopfsalat und Weißkohl. Wer Fleisch isst, kann auch Leber probieren. Gerade Schwangere sollten auf einen hohen Folsäurespiegel achten. Die Ernährung in der Schwangerschaft ist äußerst wichtig. Aber auch für Nicht-Schwangere ist Folsäure enorm wichtig!

Vitamin B12 findet sich in Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten. Leben Sie vegan, sollten Sie hier dringend ärztlichen Rat einholen.

Eisen findet sich ebenfalls in Leber und rotem Fleisch, in geringeren Konzentrationen auch in Petersilie, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide und Nüssen. Damit der Darm das Eisen aber aufnehmen kann, braucht es zudem Vitamin C. Hier kann ein Schuss Zitronensaft im Salatdressing (zusammen mit ein paar Nüssen und Petersilie als Topping) helfen. Und frisch gepresster Orangensaft schmeckt immer zum Essen!

Frauen, die unter einer starken Monatsblutung leiden, kann der Gynäkologe möglicherweise weiterhelfen, indem etwa die Ursachen herausgefunden werden. Dann können Hormone oder andere Maßnahmen ausprobiert werden.

Bei Blutungen eines Magengeschwüres sollte dieses entfernt werden.

Krankheiten, die Ärzte häufig in Deutschland diagnostizieren

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