19.01.2017

Tipps für empfindliche Augen Was wirklich gegen trockene Augen hilft

Was kann man gegen trockene Augen tun?

Foto: iStock/SanneBerg

Was kann man gegen trockene Augen tun?

Gerade im Winter jucken und brennen unsere Augen häufig. Lange Bürotage vor dem Computer belasten unsere empfindlichen Augen zusätzlich. Andrea Wohlers, Apothekerin und Expertin für trockene Augen, gibt hilfreiche Tipps zur Vorbeugung und Behandlung eines unserer wichtigsten Sinnesorgane.

bildderfrau.de: Können Sie sich bitte kurz unseren LeserInnen vorstellen und uns sagen, was sie hauptberuflich machen?

Andrea Wohlers: Ich bin hauptberuflich Apothekerin und Trainerin, das heißt. dass ich Apothekenmitarbeiter fortbilde, Coachings in Apotheken gebe und Kommunikationsworkshops leite. In der Apotheke arbeite ich als Chefvertretung auf Abruf.

Wann spricht man davon, dass Augen "trocken" sind?

Von trockenen Augen sprechen wir, wenn der Tränenfilm die Augen nicht vollständig bedeckt. Die natürliche Schutzfunktion, die unter anderem auch für die Speicherung der Feuchtigkeit in der Augenoberfläche zuständig ist, geht verloren. Das Augenepithel ist nicht mehr ausreichend versorgt und trocknet aus.

Das kann daran liegen, dass nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird oder aber daran, dass es zu übermäßiger Verdunstung der vorhandenen Tränenflüssigkeit kommt. Gründe dafür gibt es viele. Es können körpereigene und äußere Faktoren dazu führen.

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Welche Symptome sind typisch für trockene Augen?

Die Patienten klagen häufig über rote, gereizte, juckende und brennende Augen. Das ist zunächst wenig spezifisch. Typisch ist eher ein Fremdkörpergefühl. Es fühlt sich an, als hätte man ein Sandkorn oder eine Wimper im Auge.

Trockene Augen sind oft direkt nach dem Aufwachen besonders gereizt und verklebt. Das liegt daran, dass nachts nur wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird. Auch bei Augen, die beim kleinsten Luftzug schon tränen, fehlt der Schutz durch den Tränenfilm. Trockene Augen sind häufig entzündet.

Welche äußeren Einflüsse begünstigen trockene Augen?

Äußere Faktoren, die den Tränenfilm beeinträchtigen, sind zum Beispiel Klimaanlagen, Gebläse im Auto oder trockene Heizungsluft. Aber auch Bildschirmarbeit oder der häufige Blick auf's Smartphone trocknen Augen aus. Das ist besonders bei jungen Menschen von Bedeutung, die eigentlich noch keine Probleme mit trockenen Augen haben sollten.

Auch Kontaktlinsen stören den feinen Tränenfilm. Deshalb sollten Kontaktlinsenträger die Augen regelmäßig befeuchten. Bei der Anwendung von Augenbefeuchtungsmitteln ist darauf zu achten, dass sie unkonserviert sind, da Konservierungsmittel austrocknende Wirkung auf die Augen haben und die Augen zusätzlich reizen.

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Was kann man gegen trockene Augen tun?

Die wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige Verwendung von Augenbefeuchtungsmitteln. Das heißt tatsächlich drei- bis fünfmal am Tag zu tropfen, damit das Auge rund um die Uhr geschützt ist. Am besten gewöhnt man sich an, nach jedem Toilettengang nicht nur die Hände zu waschen, sondern auch die Augen zu befeuchten.

Die Augenbefeuchtungsmittel sollten unbedingt ohne Konservierungsmittel und Phosphate sein, damit sie über einen langen Zeitraum gut vertragen werden und keine Schäden hinterlassen. Dafür eignen sich Produkte mit langkettiger Hyaluronsäure besonders gut, da unser Auge zu einem großen Teil aus Hyaluronsäure besteht und die Tropfen hervorragend vertragen werden.

Gibt es Personengruppen, die besonders häufig an trockenen Augen leiden?

Besonders betroffen sind Menschen, die viel am Bildschirm arbeiten und sich in klimatisierten Großraumbüros mit künstlichem Licht aufhalten. Man spricht sogar vom Office-Eye-Syndrom. Aber auch Kontaktlinsenträger müssen sehr auf genügend Augenbefeuchtung achten. In der zweiten Lebenshälfte sind trockene Augen sehr verbreitet.

Wann sollte man bei trockenen Augen einen Arzt aufsuchen? Und was kann der Arzt tun?

Generell sollten Sie bei einer Rötung der Augen, die sich innerhalb von kurzer Zeit nicht wieder zurückbildet, immer zum Augenarzt gehen. Dies gilt insbesondere, wenn das Auge juckt, tränt oder lichtempfindlich ist. Ein weiteres Alarmzeichen ist, wenn nur ein Auge betroffen ist oder es zu Sehbeeinträchtigungen gekommen ist. Dann sollten Sie keine Zeit verstreichen lassen.

Falls es sich um ein trockenes Auge handelt, kann der Arzt kann feststellen, wie der Tränenfilm zusammengesetzt ist. Mit Hilfe verschiedener Tests untersucht er, ob es sich eher um eine zu geringe Flüssigkeitsproduktion oder eine zu geringe Fettphase im Tränenfilm handelt. Entsprechend wird seine Therapieempfehlung sein.

Außerdem kann er anhand der Beschaffenheit der Augenoberfläche feststellen, wie schwer der Schaden am Auge bereits ist.

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Können auch ernsthafte Krankheiten hinter trockenen Augen stecken?

Das kann der Fall sein. Dies können rheumatische Erkrankungen wie das sogenannte Sjögren-Syndrom sein, aber auch Lupus erythematodes oder Polyarthritis. Auch Patienten mit einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) leiden häufig unter trockenen Augen.

Hauterkrankungen führen dazu, dass der Tränenfilm nicht genügend Fettbestandteile enthält und dadurch das Auge nicht ausreichend schützt. Das kann bei einer Rosacea oder bei Neurodermitis der Fall sein. Hormonelle Veränderungen gehen ebenfalls häufig mit einem trockenen Auge einher. Das beobachtet man in den Wechseljahren, bei Pillenverwenderinnen oder auch bei Schilddrüsenstörungen. Manche Medikamente führen ebenfalls zu trockenen Augen, z.B. ß-Blocker, Diuretika oder Antidepressiva.

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Warum leiden gerade im Winter so viele Menschen an trockenen Augen?

Im Winter ist die Außenluft kalt und bindet nur wenig Luftfeuchtigkeit. Meistens halten wir uns in geheizten Räumen auf, die ebenfalls sehr trocken sind. Man geht nur wenig oder nur für kurze Zeit an die frische Luft und lüftet auch die Räume weniger als in wärmeren Jahreszeiten. Die trockene Umgebungsluft führt also maßgeblich zur erhöhten Verdunstung des Tränenfilms und damit zu trockenen Augen.

Kann man etwas tun, damit die Augen erst gar nicht austrocknen?

Trockene Augen haben häufig Ursachen, die wir nicht ändern können, z.B. Krankheiten, Stoffwechselveränderungen, Medikamente oder einfach das Alter. Worauf wir aber achten können ist, sich genügend an frischer Luft zu bewegen, ausreichend zu trinken und Bildschirmarbeit zu vermeiden. Auch die Zufuhr von Omega-Fettsäuren kann den Tränenfilm schützen. Achten Sie auf genügend Schlaf, damit auch die Augen sich regenerieren können.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die viel am Computer sitzen, damit die Augen nicht austrocknen?

Wer viel am Bildschirm sitzt, sollte auf genügend Pausen, auch für die Augen achten. Den Augen tut es genauso wie dem Körper gut, Gymnastik zu machen. Das ist z.B. Rollen der Augen, Zukneifen, in die Ferne schauen oder eine wohltuende Augenmassage. Auch warme Kompressen haben eine entspannende Wirkung und fördern außerdem den Fettstoffwechsel im Tränenfilm.

Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Belüftung der Räume. Zur Befeuchtung empfehle ich Augentropfen mit Hyaluronsäure und Euphrasia. Das wirkt reizlindernd und befeuchtend auf natürlicher Basis.

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Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Augen?

Trockene Luft, gerade im Winter, fördert die verstärkte Verdunstung des Tränenfilms. Kalte Luft führt dazu, dass die Augen leicht tränen. Auch ein tränendes Auge ist ein Anzeichen für einen nicht ausreichend schützenden Tränenfilm.

Trockene Augen sind stärker lichtempfindlich als gut befeuchtete Augen. So kann auch strahlender Sonnenschein für die Augen eine Qual sein. In der Allergiezeit leidet das trockene Auge besonders, da Allergene leichter an die schlecht geschützte Augenoberfläche gelangen können. Ein effektiver Tränenfilm schützt also auch vor Allergien.

Beeinflussen trockene Augen die Sehkraft?

Ja, durchaus. Wir merken das selbst, wenn wir müde sind. Dann fällt uns das Scharfsehen schwer. Das liegt daran, dass gegen Abend die Tränenproduktion nachlässt. Kleine Kinder reiben sich dann reflexartig die Augen: Zeit ins Bett zu gehen!

Wenn die Augen dauerhaft trocken sind, können wir also deutlich schlechter fokussieren. Ich kenne Patienten, die dachten, sie bräuchten eine Brille, hatten jedoch einfach nur trockene Augen.

Können von trockenen Augen dauerhafte Schäden am Auge entstehen?

Wenn trockene Augen über längere Zeit nicht behandelt werden, gehen Zellen in der äußeren Schicht der Hornhaut zugrunde. Das Auge ist häufig gerötet, es kann eine chronische Hornhaut- und Bindehautentzündung entstehen. In sehr schweren Fällen kann die Hornhaut ihre Transparenz verlieren und trüb werden, wodurch der Sehvorgang beeinträchtigt wird. Im schlimmsten Fall kann dieses zur Erblindung führen.

Sind die Hornhautepithelien erst einmal geschädigt, kann es sehr lange dauern, bis sie sich wieder vollständig regeneriert haben.

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Was kann man gegen gerötete Augen tun?

Zunächst muss man klären, warum die Augen gerötet sind. Liegt eine Allergie vor oder ist das Auge akut gerötet, beispielsweise durch eine Infektion? Oder handelt es sich um ein chronisch trockenes Auge? In leichteren Fällen kann der Rat aus der Apotheke hilfreich sein. Ansonsten sollte der Arzt die Ursache für gerötete Augen klären.

Was kann man tun, wenn trockene Augen trotz Befeuchtung brennen und jucken?

Zunächst sollte geklärt werden, ob das Augenbefeuchtungsmittel konserviert ist. Konservierungsmittel verursachen häufig gereizte und brennende Augen. Möglicherweise wird auch ein Inhaltsstoff nicht vertragen. Ich habe gute Erfahrungen mit langkettiger Hyaluronsäure gemacht, da es eine körpereigene Substanz ist, die sehr gut verträglich ist.

Dennoch kann es vorkommen, dass die Augen brennen. Das liegt dann häufig daran, dass die Augen so trocken sind, dass jede Form der Befeuchtung als Reiz empfunden wird. Dann ist es besonders wichtig, dass intensiv weitergetropft wird. Nach kurzer Zeit sollte sich das Brennen und Jucken verlieren. Wenn es sehr stark ausgeprägt ist, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

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