Aktualisiert: 12.09.2019 - 11:51

Häufige Todesursache Blutvergiftung: Wie man ihre Anzeichen erkennt und Leben rettet

Eine Blutvergiftung ist immer ein Notfall. Treten die Symptome bei Ihnen oder jemandem im Umfeld auf, ist ein Notarzt Pflicht, um Leben zu retten.

Foto: iStock/shapecharge

Eine Blutvergiftung ist immer ein Notfall. Treten die Symptome bei Ihnen oder jemandem im Umfeld auf, ist ein Notarzt Pflicht, um Leben zu retten.

Am 13. September ist Welt-Sepsis-Tag: Obwohl die Blutvergiftung mehr Leben fordert als Brust- oder Darmkrebs, kennen viele die Symptome nicht. Dabei ist schnelles Handeln extrem wichtig. Was muss man darüber wissen?

Rund 150.000 Deutsche pro Jahr erleiden eine Sepsis, so die medizinische Bezeichnung für Blutvergiftung. Ein Drittel der Betroffenen überlebt die den ganzen Körper betreffende Entzündung nicht – das belegen aktuelle Zahlen der deutschen Sepsis-Hilfe.

Roter Strich unter der Haut – wirklich Anzeichen einer Blutvergiftung?

Warum müssen so viele Menschen an Blutvergiftung sterben? Oft kommt jede Hilfe zu spät, weil die Symptome einer Sepsis allgemein zu wenig bekannt sind. Einzig vom Symptom "roter Streifen unter der Haut" haben manche Menschen schon gehört. Doch dieses deutliche, äußere Anzeichen einer Blutvergiftung tritt nur dann auf, wenn die Entzündung von einer Wunde ausgeht. "Sepsis ist ein Notfall, der umgehend professionell behandelt werden muss", erklärt Dr. Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). "Einer Blutvergiftung geht stets eine lokale Infektion voraus", sagt der Mediziner.

Meist entwickelt sich die Sepsis aber aus einer Infektion durch Bakterien, etwa

  • Lungenentzündung (häufigste Ursache einer Blutvergiftung)
  • Blinddarmentzündung
  • Harnwegsinfekt
  • einem eitrigen Zahn
  • Hirnhautentzündung

Alarmsignale erkennen: Die Symptome einer Sepsis

Dann sind die Anzeichen nicht so eindeutig wie der sichtbare Strich unter der Haut. Andere Sepsis-Symptome treten auf:

  • Schwächegefühl
  • Herzrasen und hoher Puls
  • Fieber, evtl. mit Schüttelfrost, oder Untertemperatur (weniger als 36 Grad)
  • Blutdruckabfall: der obere, systolische Blutdruck liegt bei 100 mmHg oder darunter
  • schnelle und flache Atmung, mindestens 22 Atemzüge pro Minute
  • Verwirrtheit: Desorientierung, Unruhe oder Schläfrigkeit
  • verminderte Urinausscheidung (Nierenfunktion bereits gestört)

Ist eine bakterielle Hirnhautentzündung (durch Meningokokken), also eine Meningitis Ursache für die Blutvergiftung, können sich auf der Haut rote Flecken bilden, die sich schnell vergrößern und dunkelrot oder bläulich werden, ähnlich Blutergüssen. Auch blutgefüllte Bläschen können entstehen.

Bei einem Harnwegsinfekt als Ursache tritt zudem das dabei typische Brennen beim Wasserlassen auf.

Wichtig: Sollten diese Symptome auftreten, liegt der Verdacht auf eine Blutvergiftung sehr nahe. In dem Fall sollte sofort ein Arzt gerufen werden! Es handelt sich um einen absoluten Notfall!

Eine Blinddarmentzündung lässt sich auch durch verschiedene Anzeichen erkennen. Welche das sind, sehen Sie im Video:

Blinddarmentzündung erkennen
Blinddarmentzündung erkennen

Roter Streifen kein klassisches Symptom

Oft sind einige dieser Symptome etwa bei einer Grippe vorhanden. Doch treten

  • Fieber oder Untertemperatur
  • erhöhter Puls
  • plötzliche Verwirrtheit
  • schnelle Atmung

gemeinsam auf, sollten Sie unverzüglich den Notarzt rufen. Denn bei Sepsis gilt: Jede Minute zählt, bereits nach kurzer Zeit kann ein septischer, oft tödlicher Schock eintreten. Dann kommt es zum Multiorganversagen.

Der rote Streifen auf der Haut ist dagegen kein typisches Symptom. Dieser deutet vielmehr auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin, etwa hervorgerufen durch eine örtliche Entzündung wie einen infizierten Mückenstich. Eine Lymphangitis kann aber durchaus auch zu einer Blutvergiftung führen. Das heißt: Auch mit einer Lymphangitis sollten Sie schnell zum Arzt gehen!

Blutvergiftung: Amoklauf des Abwehrsystems

Warum Blutvergiftung so gefährlich ist: Normalerweise ist unser Immunsystem Profi darin, lokale Infektionen direkt am Entzündungsherd einzudämmen. Wenn es das Immunsystem aber einmal nicht schafft, eine lokale Infektion beispielsweise der Lunge einzugrenzen, etwa weil es zu schwach ist, können die Erreger und Gifte, die sie produzieren, den ganzen Körper überschwemmen. In diesem Fall gerät das Abwehrsystem außer Kontrolle, weil es überaktiviert wird. Es versucht, gleichzeitig an allen Stellen mit den unterschiedlichsten Aktionen die Bakterien zu bekämpfen – und greift dabei auch körpereigene Zellen an.

Dabei jagt das Immunsystem immer mehr Botenstoffe und Abwehrzellen durch den ganzen Körper. Doch dieser heftige Abwehrkampf wirkt kaum gegen die Erreger, schadet aber dem Körper:

  • Blutgefäße weiten sich und werden durchlässig
  • die Blutgerinnung gerät aus der Balance, Blutgerinnsel bilden sich
  • Organe werden nicht mehr richtig durchblutet.

Diese körperweite Entzündungsreaktion heißt "systemisches inflammatorisches Response-Syndrom" (SIRS). Setzt jetzt keine intensivmedizinische Behandlung ein, führt die Sepsis über Gewebeschäden und Organversagen unweigerlich zu Schock und Tod. Deshalb ist es lebenswichtig, die Symptome einer Blutvergiftung zu kennen und sofort den Notarzt unter der 112 zu rufen. Dann stehen die Chancen gut, den Patienten zu retten.

Leben nach einer Sepsis

Bei der auf den Notfall folgenden Therapie, meist auf der Intensivstation, werden Antibiotika gegeben. "Wichtig ist zudem, die Entzündungsursache zu ermitteln und gezielt zu behandeln", erklärt Dr. Schenkel.

Verschiedene Maßnahmen, etwa Impfungen, können schon im Vorfeld helfen, Infektionen vorzubeugen – und somit auch das Risiko für eine Sepsis senken. "Bestimmten Risikogruppen wird zum Beispiel eine Impfung gegen die saisonale Grippe sowie gegen Pneumokokken empfohlen, die eine bakterielle Lungenentzündung auslösen können", sagt Dr. Schenkel. "Die Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für die Entwicklung einer Sepsis."

Warum frühestmögliche notärztliche Behandlung außerdem wichtig ist: Rund ein Sechstel der Menschen, die eine Blutvergiftung überleben, leiden danach an gesundheitlichen Beeinträchtigungen, etwa Nerven- und Muskelschädigungen, chronischem Nieren- und Leberversagen oder Konzentrationsschwäche. Auch psychische Spätfolgen sind möglich, etwa eine posttraumatische Belastungsstörung.

Krankheiten, die Ärzte häufig in Deutschland diagnostizieren

Wer ist besonders gefährdet?

Warum genau das Immunsystem bei einer Blutvergiftung so außer Kontrolle gerät, ist, wie bereits erwähnt, bis heute nicht richtig geklärt. Theoretisch kann das jedem passieren. Bestimmte Personengruppen sind allerdings eher gefährdet:

  • Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, etwa durch angeborene Immunschwäche, chronische Krankheiten (Diabetes, Krebs, Aids) oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente,
  • Frühchen und sehr alte Menschen,
  • frisch operierte Personen oder
  • Patienten, denen die Milz entfernt wurde.

Herz und Kreislauf können bei einer Blutvergiftung außer Takt geraten. Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Themenseite. Und weitere Informationen zur Blutvergiftung erhalten Sie auch bei der Sepsis-Hilfe oder bei der UPD unter der kostenfreien Nummer 0800 011 77 22.

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