06.12.2016

UNGESUNDE HAUT Acne inversa: Was hilft gegen die Hautkrankheit?

Vor allem die leichten Formen der Acne inversa werden oft mit gewöhnlicher Akne, Abszessen oder einem eingewachsenen Haar verwechselt.

Foto: iStock/Jacob Wackerhausen

Vor allem die leichten Formen der Acne inversa werden oft mit gewöhnlicher Akne, Abszessen oder einem eingewachsenen Haar verwechselt.

Bei Acne inversa handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die bei Betroffenen in Schüben ausbricht. Was hilft dagegen?

Dr. Gertraud Krähn-Senftleben ist Fachärztin für Dermatologie und Allergologie und behandelt seit vielen Jahren Patienten mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Wir sprachen mit der Expertin über Ursachen, Symptome und Heilungschancen von Acne inversa.

Ursachen und Symptome der chronischen Hauterkrankung Acne inversa

bildderfrau.de: Was genau ist Acne inversa?

Dr. Gertraud Krähn-Senftleben: Bei Acne inversa handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die meistens in Schüben auftritt. Akute Krankheitsphasen wechseln sich mit sogenannten Ruhephasen ab, in denen die Patienten weitestgehend symptomfrei leben.

Welche Symptome treten bei dieser Hauterkrankung auf?

Zu den typischen Symtomen von Acne inversa zählen entzündliche Hautveränderungen wie wiederkehrende Knoten, die an mehreren Körperstellen gleichzeitig auftreten können. Die Abszesse heilen zwar immer wieder ab, kehren aber oft wieder. Der Zustand der Hautveränderungen ist je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich ausgeprägt und lässt sich in drei Krankheitsstufen unterteilen:

Bei leichten Formen treten an den für die Krankheit typischen Stellen Schwellungen, kleinere Knoten, Mitesser und Geschwüre auf. Bei den mittelschweren Krankheitsformen sind mehrere Körperbereiche betroffen und infolge der wiederholten Entzündungen bilden sich vereinzelt Narben und Fisteln.

In schweren Fällen gehen die Abszesse teilweise sogar auf und setzen dabei eitrige Flüssigkeiten frei. Die Haut ist häufig großflächig entzündet, was große Narben hinterlässt. Besonders in den Phasen mit starken Beschwerden wird die Lebensqualität der Betroffenen durch die Krankheit nachhaltig beeinflusst.

Welche Körperregionen sind am stärksten betroffen?

Typischerweise treten die Entzündungsherde in Bereichen auf, in denen sich vermehrt Hautfalten bilden oder die besonders stark behaart sind. So sind die Achsel- und Leistengegend, die Partie unter der Brust, der Bereich rund um das Gesäß, der Genitalbereich und die Innenseiten der Oberschenkel charakteristische Stellen, die betroffen sein können.

Die medizinische Fachbezeichnung „Acne inversa“ wurde erst 1989 eingeführt. Da die Symptome anderen Krankheitsbildern ähneln, wird die Erkrankung häufig verwechselt. Wie lässt sich Acne inversa zweifelsfrei feststellen?

Vor allem die leichten Formen der Acne inversa werden oft mit gewöhnlicher Akne, Abszessen oder einem eingewachsenen Haar verwechselt. Leider sind lange Diagnosezeiten häufig die Folge. Ich rate daher jedem Patienten, der den Verdacht hat, an Acne inversa erkrankt zu sein , einen Dermatologen aufzusuchen. Nur ein Facharzt kann beurteilen, ob es sich bei den Hautveränderungen um Acne inversa oder eine andere Erkrankung handelt.

Welche Ursachen für Acne inversa sind der Medizin bisher bekannt?

Man geht davon aus, dass die Krankheitsursache von Acne inversa eine Fehlsteuerung des Immunsystems ist. Dies hat zur Folge, dass die oberen Enden der Haarwurzelkanäle verstopfen. Durch die verstopften Haarwurzelkanäle schwillt der Haarbalg, also der Teil des Haares, der die Haarwurzel umschließt, an.

Irgendwann reißen die geschwollenen Haarbälge dann auf und es bilden sich Abszesse, die eine starke Entzündung der betroffenen Hautflächen verursachen. Die entzündeten Hautareale heilen zwar wieder ab, können sich aber erneut entzünden. Sicher ist, dass die Erkrankung nichts mit mangelnder Hygiene oder falscher Ernährung zu tun hat.

Wer gehört zur Risikogruppe?

Gibt es spezielle Risikofaktoren, die die Krankheit begünstigen können?

In der Forschung geht man grundsätzlich davon aus, dass bei den Erkrankten eine genetische Veranlagung für Acne inversa vorhanden ist. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen sind im familiären Umfeld weitere Personen an Acne inversa erkrankt. Außerdem nimmt man an, dass es zwischen Rauchen, Übergewicht und Acne inversa einen Zusammenhang gibt, der allerdings noch nicht vollständig geklärt ist.

Sicher ist, dass ein höheres Körpergewicht die Beschwerden negativ beeinflusst. Da Acne inversa bei Frauen im gebärfähigen Alter gehäuft auftritt, geht man außerdem davon aus, dass auch hormonelle Faktoren für den Ausbruch der Hautkrankheit eine Rolle spielen.

Ist Acne inversa weit verbreitet und welche Gruppe ist überdurchschnittlich häufig von Acne inversa betroffen? Gibt es unterschiedliche Heilungsmethoden bei Männern und Frauen?

Circa 1% der Bevölkerung leidet an der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Es ist aber davon auszugehen, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegt, denn die Diagnose von Acne inversa ist nicht immer einfach und viele Betroffene gehen aufgrund von Schamgefühlen nicht zum Arzt. Bis zur Diagnosestellung vergehen so oft mehrere Jahre.

Grundsätzlich kann die Erkrankung in jedem Alter auftreten. Am häufigsten im jungen Erwachsenenalter Anfang 20. Bei Frauen scheint die Wahrscheinlichkeit an Acne inversa zu erkranken drei- bis fünfmal höher zu sein als bei Männern. Männer haben hingegen häufiger eine schwere Form der Hautkrankheit. Die Therapiemöglichkeiten, die zur Verbesserung des Krankheitsbildes eingesetzt werden sind die gleichen.

Konservative Therapiemethoden und Heilmittel

Gegen Acne inversa hilft oft nur noch eine Operation. Wird die Krankheit jedoch früh genug erkannt, können auch konservative Therapiemethoden helfen. Welche sind das zum Beispiel?

Acne inversa ist nicht heilbar. Mit einer geeigneten Therapie können die Symptome jedoch gut kontrolliert und die Lebensqualität der Betroffenen stark verbessert werden. Ob eine medikamentöse Therapie oder eine OP infrage kommt, hängt vom Krankheitsbild und den individuellen Bedürfnissen der Patienten ab. So kann durch eine medikamentöse Therapie von Acne inversa in vielen Fällen schon eine Verbesserung des Hautzustandes erzielt werden.

Der Einsatz von Antibiotika wirkt z. B. gegen die Bakterien, die sich in den veränderten Hautstellen angesiedelt haben. Dadurch können die Entzündungen reduziert werden. In der Regel bewirken Antibiotika aber keine vollständige Abheilung. Mit sogenannten Biologika kann der Entzündungsprozess langfristig unterbrochen werden.

Durch ihre Wirkungsweise werden bestimmte Botenstoffe blockiert, durch die die Entzündung ausgelöst und aufrechterhalten wird. Bei einer OP kommen unterschiedliche chirurgische Techniken zum Einsatz. Welche davon angewendet wird, hängt von den betroffenen Hautregionen und dem Schweregrad ab.

Wichtig ist, dass die Erkrankung früh diagnostiziert wird, damit so schnell wie möglich mit einer geeigneten Therapie begonnen werden kann und körperliche sowie psychosoziale Folgen der Erkrankung minimiert werden können.

Zu welchen Problemen und akuten Komplikationen kann es bei einer auftretenden Acne inversa-Erkrankung kommen?

Die Hautveränderungen der Acne inversa sind meist sehr schmerzhaft, unangenehm und können zu Schamgefühlen und Stigmatisierung des Betroffenen führen. Die Krankheit wird von den Patienten oft als sehr große Belastung wahrgenommen und ist meist mit Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Fast jeder Lebensbereich kann beeinträchtigt sein.

So wirkt sich die Krankheit auf die sozialen Beziehungen, den Beruf oder die Freizeitgestaltung der Patienten aus. Das führt natürlich zu einem enormen psychischen Stress für die Erkrankten. Wenn die psychische Belastung, die mit der Krankheit einhergeht zu groß wird, kann es auch hilfreich sein, eine psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Zu beachten ist ferner, dass andere Erkrankungen wie zum Beispiel entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, rheumatologische Erkrankungen, erhöhte Blutzucker- und Fettwerte und sogar Krebserkrankungen häufiger bei Menschen mit Acne inversa auftreten. Ansprechpartner sind HausärztIn und die oder die behandelnde DermatologIn.

Gibt es auch Hausmittel, die bei akuter Erkrankung Linderung versprechen?

Wenn Sie wiederkehrende, schmerzhafte Knoten oder Abszesse an den typischen Körperregionen bemerken, zögern Sie nicht und suchen Sie einen Dermatologen auf. Falls der Krankheitsbefund bereits vorliegt, ist es empfehlenswert, den eigenen Lebensstil an die Erkrankung anzupassen.

So können sich beispielsweise eine gesundheitsbewusste Ernährung und ein konsequenter Rauchstopp positiv auf das allgemeine Wohlbefinden und den Krankheitsverlauf von Acne inversa auswirken.

Unter www.acneinversa.de finden Patienten umfangreiche Hilfestellungen zu Therapiemöglichkeiten, praktische Tipps zum Umgang mit Acne inversa im Alltag, aber auch Ernährungsempfehlungen und Hinweise was z. B. beim Thema Wundpflege zu beachten ist.

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