05.12.2016

Obacht! Sichere Selbstmedikation und wann es ohne Arzt nicht geht

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"Sie sollten sich fragen: Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe?"

Foto: iStock/Thomas_EyeDesign

"Sie sollten sich fragen: Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe?"

Mein Doktor, der bin ich. Das denken schon 42 Prozent der Deutschen und verarzten sich bei Alltagsbeschwerden wie Kopfweh oder Rückenschmerzen selbst...

„Frei verkäufliche Mittel sind keine Bonbons!“, verrät uns im Interview der Pharma-Experte Prof. Gerd Glaeske und erklärt was man bei der Selbstmedikation alles beachten sollte.

BILD der FRAU: Bei jeder fünften Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneien treten Probleme auf. Warum?

Prof. Gerd Glaeske: Viele Patienten überschätzen ihre Wirkung, unterschätzen aber ihre Nebenwirkungen. Rund ein Drittel der Patienten deuten ihre Beschwerden nicht richtig, verarzten sich mit den falschen Medikamenten. Und viele übersehen, dass auch frei verkäufliche Präparate Wechselwirkungen mit rezeptpflichtigen Mitteln haben. Es sind ja keine Bonbons.

Was heißt das konkret?

Viele Patienten bekommen z. B. als Mittel gegen Osteoporose Bisphosphonate verschrieben. Zusätzlich nehmen sie Calcium in Eigenregie ein. Das kann die Wirkung der rezeptpflichtigen Mittel blockieren. Oder bei Menschen, die den Blutverdünner Marcumar einnehmen, kann Acetylsalicylsäure zu Blutungen führen.

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Worauf muss ich bei der Dosierung achten, wenn ich ohne Ärzterat Medikamente nehme?

Weil Anwender frei verkäufliche Präparate - auch pflanzliche – oft nicht als hochpotente Arzneimittel ansehen, dosieren sie sie nicht selten zu hoch, nehmen sie zu häufig am Tag und zu lange ein. Daraus kann sich bei einigen Arzneigruppen eine körperliche und psychische Gewöhnung entwickeln. Nehmen Sie zum Beispiel leicht stimulierende, koffeinhaltige Schmerzmittel, bestimmte Abführmittel, abschwellende Nasentropfen, Erkältungssäfte mit hochprozentigem Alkohol oder etwa müde machende Antiallergika.

Gibt es grundsätzliche Spielregeln für eine sichere Selbstmedikation?

Sie sollten sich fragen: Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe? Kenne ich ihre Ursache? Nur dann finden Sie das richtige Mittel. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Beachten Sie auf dem Beipackzettel Warnhinweise und Gegenanzeigen. Auch bei pflanzlichen Arzneien.

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Denn Johanniskraut z. B. erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut, bei einer Überdosierung von Eukalyptus kann es zu Übelkeit kommen. Ganz wichtig: Seh- oder Hörstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Ängste und Depressionen gehören immer in ärztliche Hand.

Ohne Arzt geht es in diesen Fällen nicht

  • Die Beschwerden treten plötzlich auf, sind stark, ungewohnt.
  • Die Erkrankung kommt in kurzen Abständen immer wieder. Die
  • Beschwerden bessern sich nicht in drei bis vier Tagen oder werden schlimmer.
  • Bei Fieber über 39 Grad.
  • Bei Ohrenschmerzen mit Fieber, starken Schmerzen, Atemnot.

Krankheiten, die Ärzte häufig in Deutschland diagnostizieren

Noch ein Tipp: Aloe Vera, die Wundpflege von der Fensterbank

Seit Jahrtausenden gilt die Wüstenpflanze als Heil- und Pflegemittel für die Haut. Bei folgenden Beschwerden lohnt es sich, eines der dickfleischigen Blätter abzuschneiden und den austretenden Pflanzensaft aufzutragen.

  • Kleine Schnittverletzungen heilen schneller.
  • Bei leichten Verbrennungen (und Sonnenbrand) kühlen die Inhaltsstoffe und beruhigen die Haut.
  • Wegen der antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung der Aloe vera lohnt auch eine Behandlung von Pickeln und Pusteln.
  • Hautirritationen werden gelindert.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in der BILD der FRAU Nr. 47.

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