Aktualisiert: 06.04.2020 - 17:45

Experten-Tipps Selbstdiagnose und -medikation oder besser ab zum Arzt?

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Sie sollten sich fragen: "Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe?" Nur dann kann eine Selbstmedikation hilfreich sein. Aber achten Sie auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen!

Foto: iStock/Thomas_EyeDesign

Sie sollten sich fragen: "Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe?" Nur dann kann eine Selbstmedikation hilfreich sein. Aber achten Sie auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen!

Selbstdiagnose und Selbstmedikation haben im digitalen Zeitalter sogar noch zugenommen. Unsere Experten erklären, wann Sie besser einen Arzt aufsuchen.

"Mein Doktor, der bin ich." Laut Umfrage denken das 42 Prozent der Deutschen und verarzten sich bei Alltagsbeschwerden wie Kopfweh oder Rückenschmerzen selbst... Doch Selbstdiagnose und Selbstmedikation sind riskant. Manchmal ist es ratsam, besser einen Arzt aufzusuchen, denn dafür sind Ärzte da.

Vor allem in Zeiten von Corona macht jeder drei Kreuze, der nicht im Wartezimmer eines Arztes oder der Notaufnahme. Auch die Angst vor Ansteckung hält manche Menschen zurück, einen Arzt aufzusuchen. Stattdessen wird im Internet recherchiert, was die Beschwerden zu bedeuten haben könnten.

Hat man sich selbst eine Diagnose gestellt, geht es auch schon in die nächste Runde und die Online-Apotheken werden nach frei verkäuflichen Medikamenten gecheckt, die Heilung bringen könnten. Aber: "Frei verkäufliche Mittel sind keine Bonbons!", sagt Prof. Gerd Glaeske im Interview und erklärt, was man bei einer Selbstmedikation beachten sollte.

Risiken einer Selbstmedikation

Bei jeder fünften Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneien treten Probleme auf. Der häufigste Fehler bei der Selbstmedikation ist eine falsche Dosierung.

"Viele Patienten überschätzen ihre Wirkung, unterschätzen aber ihre Nebenwirkungen", erklärt Prof. Gerd Glaeske. "Rund ein Drittel der Patienten deuten ihre Beschwerden nicht richtig, verarzten sich mit den falschen Medikamenten. Und viele übersehen, dass auch frei verkäufliche Präparate Wechselwirkungen mit rezeptpflichtigen Mitteln haben. Es sind ja keine Bonbons."

Zwei Beispiele: "Viele Patienten bekommen als Mittel gegen Osteoporose Bisphosphonate verschrieben. Zusätzlich nehmen sie Calcium in Eigenregie ein. Das kann die Wirkung der rezeptpflichtigen Mittel blockieren. Oder bei Menschen, die den Blutverdünner Marcumar einnehmen, kann Acetylsalicylsäure zu Blutungen führen."

Der häufigste Fehler bei der Selbstmedikation: Falsche Dosierung

Weil Anwender frei verkäufliche Präparate – auch pflanzliche – oft nicht als hochpotente Arzneimittel ansehen, dosieren sie sie nicht selten zu hoch, nehmen sie zu häufig am Tag und zu lange ein. Daraus kann sich bei einigen Arzneigruppen eine körperliche und psychische Gewöhnung entwickeln. Zum Beispiel bei leicht stimulierenden, koffeinhaltigen Schmerzmittel, bestimmten Abführmitteln, abschwellenden Nasentropfen, Erkältungssäften mit hochprozentigem Alkohol oder etwa müde machenden Antiallergika.

Wie wirken Abführmittel?
Wie wirken Abführmittel?

Spielregeln für eine sichere Selbstmedikation

Der Experte empfiehlt: "Sie sollten sich fragen: Weiß ich genau, welche Art von Beschwerden ich habe? Kenne ich ihre Ursache? Nur dann finden Sie das richtige Mittel. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Beachten Sie auf dem Beipackzettel Warnhinweise und Gegenanzeigen. Auch bei pflanzlichen Arzneien."

Denn Johanniskraut z. B. erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut, bei einer Überdosierung von Eukalyptus kann es zu Übelkeit kommen.

Statt Selbstdiagnose besser ab zum Arzt

Nicht jedes Wehwehchen ist gleich ein Grund, zur Tablette zu greifen oder zum Arzt zu rennen. Viele Beschwerden gehen von alleine wieder weg. Doch bevor man sich selbst therapiert, sollte die Ursache der Beschwerden bekannt sein. Es gibt Kennzeichen und Symptome, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten.

Wenn es sich um bisher nie aufgetretene Probleme handelt und Sie sich auch über die Ursache völlig im Unklaren sind, ist ein Arztbesuch ratsam. Bei häufiger auftretenden Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder sich während der Selbstmedikation sogar noch verschlimmern, sollten Sie ebenfalls dem Profi die Diagnose überlassen.

Ganz wichtig: "Seh- oder Hörstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Ängste und Depressionen gehören immer in ärztliche Hand", sagt Prof. Gerd Glaeske.

Ohne Arzt geht es in diesen Fällen nicht:

  • Die Beschwerden treten plötzlich auf, sind stark, ungewohnt.
  • Die Erkrankung kommt in kurzen Abständen immer wieder.
  • Beschwerden bessern sich nicht in drei bis vier Tagen oder werden schlimmer.
  • Bei Fieber über 39 Grad.
  • Bei Ohrenschmerzen mit Fieber, starken Schmerzen, Atemnot.

Krankheiten, die Ärzte häufig in Deutschland diagnostizieren:

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Habe ich das Coronavirus oder nicht? Mit einer Selbstdiagnose kommen Sie nicht weit. Ein Test muss Auskunft geben. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt und des Deutschen Roten Kreuzes haben ein Verfahren entwickelt, mit dem man viel schneller und großflächiger auf das neuartige Coronavirus testen könnte.

Leichtsinnige Selbstmedikation: Gerade in Bezug auf das Coronavirus kursieren derzeit viele Gerüchte. Ein Beispiel: Vitamin D soll dagegen schützen. Warum das zu viel versprochen ist und sogar gefährlich werden kann, lesen Sie hier.

Fieber ist ein Symptom, das nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Erfahren Sie mehr auf unserer Themenseite.

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