07.11.2016

FALSCHE FETTVERTEILUNG Lipödem: Reiterhosen kommen nicht durch die Ernährung!

Foto: iStock/Leonardo Patrizi

Dicke Pobacken und Oberschenkel, sonst aber schlank? Wie Sie das Lipödem erkennen und was gegen die krankhafte Fettgewebsverteilung hilft.

Dieses Problem betrifft fast nur Frauen – schlanke Taille, aber am Gesäß und seitlich an den Oberschenkeln vermehren sich die Fettpölsterchen scheinbar ungehindert. Noch dazu ist dort die Haut uneben, Cellulite (Orangenhaut) bildet sich.

Allgemein heißt es dann, das seien „Reiterhosen“. Trotz aller Bemühungen, sie wegzutrainieren oder -hungern, bleiben die Fetteinlagerungen. Und sobald wieder normal gegessen wird, vermehrt sich das Fettgewebe vor allen an diesen Stellen weiter.

Denn das Reiterhosensyndrom oder Säulenbein, medizinisch Lipödem, kommt nicht von zu viel Essen. Es handelt sich nicht um Adipositas mit ihren dramatischen Folgen, sondern die Fettverteilung im Körper ist krankhaft gestört.

Die Ursachen dafür sind noch unbekannt. Weil jedoch vor allem Frauen betroffen sind, könnten weibliche Hormone wie Östrogene eine wichtige Rolle spielen – und zwar besonders Schwankungen dieser Hormonspiegel. Denn die Fettgewebsvermehrung beginnt oft

  • nach der Pubertät

  • nach einer Schwangerschaft

  • mit Beginn der Wechseljahre

Zusätzlich scheint es eine genetische Bereitschaft zu geben, Reiterhosen zu entwickeln.

An diesen Anzeichen erkennen Sie das Lipödem

Doch wie erkennen Sie, ob es sich wirklich um ein Lipödem handelt oder nur um „normale“ Fettpolster durch zu kalorienreiche Ernährung? Folgende Symptome sind neben der Fettansammlung an Oberschenkeln, Gesäß und Hüften typisch:

  • Alle Symptome treten symmetrisch auf.

  • Ihre Beine fühlen sich extrem schwer an.

  • Die betroffenen Bereiche sind besonders empfindlich, reagieren auf kleinsten Druck mit Schmerzen.

  • Hier bekommen Sie auch bei kleineren Stößen schon blaue Flecke.

Besonders fatal: Das Lipödem hat die Tendenz, fortzuschreiten. Im ersten Stadium der Krankheit kommt es nur zu etwas Fettansammlungen und Orangenhaut an Po und Oberschenkeln, danach vermehrt sich das Fettgewebe an Po und Beinen weiter, reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln. Es kommt zu Wassereinlagerungen. Auch an den Armen bilden sich nach und nach Fettwülste; zuletzt können sogar Hand- und Fußrücken betroffen sein.

Therapie von Lipödemen: So wird behandelt

Eines vorweg: Das Lipödem lässt sich nicht heilen. Doch verschiedene Therapien können das Fortschreiten abbremsen und die Beschwerden lindern. Dazu gehören:

  • eine spezielle, ständige Diät (bitte nur in Absprache mit dem Arzt, der Ernährungsplan muss individuell aufgebaut sein)

  • Lymphdrainage, um das Gewebe zu entstauen

  • leichter Sport wie Walking, Schwimmen, Radfahren

Auf der sichersten Seite befinden Sie sich, wenn Sie diese Maßnahmen im Rahmen einer Reha durchführen. Die kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE) umfasst Diät, Bewegung, Lymphdrainage und spezielle Bandagierungen. Ansprechpartner für die Behandlung eines Lipödems sind Phlebologe, Lymphologe oder Gefäßspezialist.

Fettabsaugung gegen Lipödem

Erst wenn die Rehamaßnahmen wenig Erfolg gebracht haben, besteht noch die Option einer Operation. Infrage kommt die Liposuktion (Fettabsaugung). Stellen Sie dabei zuerst einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse.

Die gesetzlichen Kassen übernehmen zwar die Kosten für eine Operation meistens nicht, betont die Lipödem Hilfe Deutschland. Doch manchmal gelingt es, dass wenigstens ein Teil erstattet wird. Die medizinische Liposuktion bei einem Lipödem kostet bis zu 5.000 Euro.

Die Erfolge dieser Operation sind meist beachtlich, die Körperkonturen stimmen wieder. Allerdings gibt es keine Garantie, dass nach einigen Jahren nicht erneut die krankhafte Fettgewebsvermehrung an Schenkeln und Po beginnt.

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