Aktualisiert: 06.08.2020 - 09:52

Gestörte Fettverteilung Lipödem: Reiterhosen kommen nicht durch die Ernährung!

Sport ist wichtig, hilft bei Lipödem aber "nur" gegen die akuten Beschwerden – abnehmen unmöglich.

Foto: iStock/Leonardo Patrizi

Sport ist wichtig, hilft bei Lipödem aber "nur" gegen die akuten Beschwerden – abnehmen unmöglich.

Dicke Beine und Arme, sonst aber schlank? Wie Sie das Lipödem erkennen und was gegen die krankhafte Fettgewebsverteilung hilft.

Das Wichtigste vorweg: Das Reiterhosensyndrom, medizinisch Lipödem, hat nichts mit Adipositas zu tun. Dieses Problem, das fast nur Frauen betrifft, rührt her von einer krankhaft gestörten Fettverteilung im Körper. Die Erkennungszeichen: Die Taille ist meist schlank, dafür sind die Beine und/oder die Arme sehr stämmig. Noch dazu ist dort die Haut uneben.

Tritt das Phänomen vor allem am Hintern und den Oberschenkeln auf, spricht die Allgemeinheit gerne von "Reiterhosen". Doch bei anderen sind dann doch eher die Unterschenkel, die gesamten Beine ("Säulenbein"), die Arme oder alle Extremitäten betroffen. Das, was Betroffene zur Verzweiflung bringt: Trotz aller Bemühungen, die Fetteinlagerungen wegzutrainieren oder -hungern, bleiben sie. Und sobald wieder normal gegessen wird, vermehrt sich das Fettgewebe vor allem an diesen Stellen weiter.

Lipödem: Fettzellen vermehren sich krankhaft

Denn das Lipödem kommt nicht von zu viel Essen. Die Ursachen für die falsche Fettverteilung und das "Wuchern" der Fettzellen in bestimmten Bereichen sind noch unbekannt. Weil jedoch vor allem Frauen betroffen sind, könnten weibliche Hormone wie Östrogene eine wichtige Rolle spielen – und zwar besonders Schwankungen dieser Hormonspiegel. Denn die Fettgewebsvermehrung beginnt oft

  • nach der Pubertät
  • nach einer Schwangerschaft
  • mit Beginn der Wechseljahre

Zusätzlich scheint es eine genetische Bereitschaft zu geben, Reiterhosen zu entwickeln.

An diesen Anzeichen erkennen Sie das Lipödem

Doch wie erkennen Sie, ob es sich wirklich um ein Lipödem handelt oder nur um "normale" Fettpolster durch zu kalorienreiche Ernährung und/oder zu wenig Bewegung? Folgende Symptome sind neben der Fettansammlung an Oberschenkeln, Gesäß und Hüften typisch:

  • Alle Symptome treten symmetrisch auf.
  • Ihre Beine fühlen sich extrem schwer an.
  • Die betroffenen Bereiche sind besonders empfindlich, reagieren auf kleinsten Druck mit Schmerzen.
  • Hier bekommen Sie auch bei kleineren Stößen schon blaue Flecke.

Besonders fatal: Das Lipödem hat die Tendenz, fortzuschreiten. Im ersten Stadium der Krankheit kommt es nur zu etwas Fettansammlungen und Orangenhaut an Po und Oberschenkeln, danach vermehrt sich das Fettgewebe an Po und Beinen weiter, reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln. Es kommt zu Wassereinlagerungen. Auch an den Armen bilden sich nach und nach Fettwülste; zuletzt können sogar Hand- und Fußrücken betroffen sein. Es wird daher in verschiedenen Stadien gemessen.

Therapie von Lipödemen: So wird behandelt

Eines vorweg: Das Lipödem lässt sich nicht heilen. Doch verschiedene Therapien können das Fortschreiten abbremsen und die Beschwerden lindern. Dazu gehören:

  • eine spezielle, ständige Diät (bitte nur in Absprache mit dem Arzt, der Ernährungsplan muss individuell aufgebaut sein)
  • Lymphdrainage, um das Gewebe zu entstauen
  • leichter Sport wie Walking, Schwimmen, Radfahren

Auf der sichersten Seite befinden Sie sich, wenn Sie diese Maßnahmen im Rahmen einer Reha durchführen. Die kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE) umfasst Diät, Bewegung, Lymphdrainage und spezielle Bandagierungen. Ansprechpartner für die Behandlung eines Lipödems sind Phlebologe, Lymphologe oder Gefäßspezialist.

Fettabsaugung gegen Lipödem

Erst wenn die Reha-Maßnahmen wenig Erfolg gebracht haben, besteht noch die Option einer Operation. Infrage kommt die Liposuktion (Fettabsaugung). Stellen Sie dabei zuerst einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse. Ab Lipödem Stadium III kann die Liposuktion seit 1. Januar 2020 als Kassenleistung abgerechnet werden. Jedoch sind die Bedingungen so hoch gesetzt, dass nur wenige Ärzte und Kliniken den Eingriff als Kassenleistung durchführen. Die Liste wird aber erweitert. Wer derzeit dabei ist, finden Sie beim Lipödemportal.

Wenn die Kosten für eine Operation nicht übernommen werden, betont die Lipödem Hilfe Deutschland, so kann man es dennoch versuchen. Manchmal gelingt es, dass wenigstens ein Teil erstattet wird. Die medizinische Liposuktion bei einem Lipödem kostet bis zu 6.000 Euro – pro Eingriff.

Die Erfolge dieser Operation sind meist beachtlich, die Körperkonturen stimmen wieder. Allerdings gibt es keine Garantie, dass nach einigen Jahren nicht erneut die krankhafte Fettgewebsvermehrung an Schenkeln und Po beginnt.

Wie das Leben mit Lipödem ist, hat uns Nina Uhlenbrock erzählt. Die 37-Jährige hat 2017 die Selbsthilfegruppe "LipLife" gegründet. Und auch Julia Specht leidet am Lipödem. Wie sie aber mit der Krankheit leben gelernt hat, erzählt Sie BILD der FRAU im Interview. Da Lipödem leider immer noch eine eher unbekannte Krankheit ist, haben Betroffene mit viel Druck von außen zu kämpfen. Umso wichtiger, dass starke Frauen wie Nina und Julia von ihrer Geschichte erzählen und Mut machen, nach vorne zu blicken!

Mehr zum Thema Wechseljahre lesen Sie auf unserer Themenseite.

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