02.11.2016

STUDIEN BELEGEN Ungewollte Nebenwirkungen: So gefährlich ist Paracetamol

Eine Überdosierung von Paracetamol kann schwere Nebenwirkungen zur Folge haben. Vor allem die Leber kann schwer geschädigt werden.

Foto: iStock/skynesher

Eine Überdosierung von Paracetamol kann schwere Nebenwirkungen zur Folge haben. Vor allem die Leber kann schwer geschädigt werden.

Paracetamol ist nicht so harmlos, wie bislang gedacht. Studien belegen gefährliche Nebenwirkungen - vor allem während der Schwangerschaft.

Paracetamol ist eines der beliebtesten Mittel bei Schmerzen und Fieber. Das Schmerzmittel ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich und soll auch für Schwangere unbedenklich sein. Mehrere Studien aus den letzten Jahren belegen jedoch, dass Paracetamol alles andere als harmlos ist.

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Eine Überdosis Paracetamol kann tödlich sein. Die Einnahme kann zu Leberversagen führen, außerdem ist das Risiko für Herzinfarkt, Magengeschwür und Schlaganfall erhöht. In Deutschland gibt es deswegen seit 2013 nur kleine Mengen des Schmerzmittels frei zu kaufen.

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Aber auch bei richtiger Dosierung ist die Einnahme von Paracetamol nicht ungefährlich. Pharmakologe Kay Brune von der Universität Erlangen-Nürnberg sagt gegenüber dem "Express": "Selbst bei erlaubter Dosierung kann die Leber nachhaltig geschädigt werden."

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Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht die Gefahr von ADHS und Asthma

Laut Packungsbeilage können Schwangere Paracetamol bedenkenlos einnehmen. Eine Studie aus Dänemark belegt aber, dass der Wirkstoff gravierende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes haben kann. Für die Studie wurden knapp 65.000 dänische Mütter und ihre zwischen 1996 und 2002 geborenen Kindern untersucht. Fast 50 Prozent der Mütter nahmen während der Schwangerschaft Paracetamol ein.

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Brune: "Gerade zur Wirkung auf Kinder bei schwangeren Frauen sind entscheidende Studien rausgekommen. Sie zeigen, dass die physische wie auch psychische Entwicklung dieser Kinder eingeschränkt ist. Die Gefahr, an Asthma zu erkranken und nur eine eingeschränkte Fertilität zu haben, ist erhöht. Diese Kinder leiden auch häufiger an ADHS.“ Nehmen Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol ein, steigt die Gefahr an ADHS zu erkranken um 37 Prozent.

Schlechte motorische Entwicklung

Eine norwegische Studie mit 48.631 Kindern kam 2013 zu ähnlichen Ergebnissen: Neben verstärkter Hyperaktivität stellten die Forscher bei den Kindern eine schlechtere gesamtmotorische Entwicklung und ein gestörtes Kommunikationsverhalten fest, wenn ihre Mütter länger Paracetamol genommen hatten.

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Zudem gibt es Hinweise, dass Paracetamol bei Neugeborenen Hodenhochstand auslösen kann, was die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und das Risiko für Hodenkrebs erhöht.

Paracetamol hat auch einen Einfluss auf die Psyche

Die Einnahme von Paracetamol kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben. Das Medikament führt zu einer Art Emotionslosigkeit. US-Psychologen fanden heraus, dass Paracetamol Gefühle dämpft und Menschen die Fähigkeit nimmt, sich in andere hinein versetzen zu können.

Eine weitere Studie zeigt, dass Menschen sich unter dem Einfluss von Paracetamol leichter von Dingen trennen. Das gilt sogar für das eigene Geld.

Das sollten Sie bei der Einnahme von Paracetamol beachten

Weltweit sind etwa 600 Medikamente auf dem Markt, die Paracetamol enthalten. Der Wirkstoff steckt nicht nur in reinen Schmerzmitteln, sondern auch in Kombinationspräparaten. Beispielsweise haben viele Erkältungsmittel unter anderem Paracetamol als Bestandteil.

Obwohl Paracetamol frei verkäuflich ist, sollte man nicht bei jedem Problem zur Tablette greifen. Bei der Einnahme des Schmerzmittels sollte auf jeden Fall die Dosierungsvorgabe genau eingehalten werden. Grundsätzlich sollte Paracetamol ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage in Folge eingenommen werden und nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat. Sind die Beschwerden dann noch nicht weg, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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