Aktualisiert: 12.01.2020 - 15:26

Nerv unter Druck Ischias: Wenn Rückenschmerzen bis in den Fuß schießen

“Ich hab Ischias” – Was bedeutet das eigentlich?

“Ich hab Ischias” – Was bedeutet das eigentlich?

Kaum auszuhaltende Schmerzen vom Rücken bis in den Fuß deuten oft auf Probleme mit dem Ischiasnerv hin. Doch was bedeutet das eigentlich?

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Ischiasschmerzen können noch schlimmer ausfallen als ein Hexenschuss. Was man über den größten Nerv des Körpers wissen sollte und welche Übungen helfen, wenn er gereizt oder gar eingeklemmt ist.

Der Ischiasschmerz kommt wie ein elektrischer Schlag ganz plötzlich, zieht sich von der Lendenwirbelsäule über das Gesäß bis in den Fuß. Betroffene sagen, das sei noch schlimmer als ein Hexenschuss, weil der Schmerz den halben Körper betreffen kann, vom Rücken bis in die Zehen reicht. Doch was genau macht der Ischias eigentlich – und warum kann er so gigantische Schmerzen verursachen?

Ischias – der längste Nerv im Körper

Die Erklärung für den so ausgedehnten Ischiasschmerz: Der dafür verantwortliche Ischias, eigentlich Nervus ischiadicus, ist der längste Nerv im Körper. Er ist an seinem Ansatz, im Lenden-Kreuzbein-Nervengeflecht, fast so dick wie ein kleiner Finger, und wird dann, je weiter er über Oberschenkel und Waden nach unten in die Füße gelangt, immer schmaler. Ist er gereizt, etwa durch

oder sogar eingeklemmt, kann das zu massiven Problemen in all den genannten Bereichen führen. Mediziner sprechen dann von Ischialgie, umgangssprachlich werden die Beschwerden oft einfach als "Ischias" bezeichnet.

Diese Symptome kennzeichnen Ischiasbeschwerden

Dabei kommt es neben den bis in den Fuß ziehenden Schmerzen zu einer Reihe von typischen Symptomen:

  • Schmerzen verstärken sich beim Husten und Pressen
  • Schmerzen, wenn bei gebeugter Hüfte das Knie durchgestreckt werden soll
  • Muskelschwäche im betroffenen Bein
  • Kribbeln, pelziges Gefühl (Taubheitsgefühl)

Zum Arzt sollten Sie auf jeden Fall gehen, wenn Schwäche, Taubheitsgefühl und womöglich Lähmungserscheinungen auftreten. Sofortige Hilfe ist nötig, wenn Sie Probleme bei der Entleerung von Blase und/oder Darm beobachten.

Diese Übungen sind bei Ischiasschmerzen sinnvoll

Meistens ist Ischialgie harmlos, etwa wenn eine Verspannung die Ursache ist. Dann verschwinden die Schmerzen oft nach sechs bis acht Wochen von selbst. Unterstützen können Sie diesen Heilungsprozess, indem Sie den Ischias entlasten. Dabei helfen diese Übungen:

  • Stufenlagerung: Legen Sie sich auf den Rücken, die Unterschenkel werden durch einen Hocker so gestützt, dass sie mit den Oberschenkeln einen 90-Grad-Winkel bilden. Das entspannt vor allem die Nervenwurzel des Ischias im Lendenwirbelbereich.
  • Kutscherstellung: Setzen Sie sich bequem auf einen Stuhl, die Beine leicht geöffnet. Beugen Sie den Oberkörper nach vorne und lagern Sie die Ellbogen auf die Knie; Unterarme und Hände fallen entspannt zwischen die Beine. Lassen Sie nun Ihren Kopf locker nach vorne hängen und spüren Sie, wie sich Ihre Wirbelsäule entspannt und dehnt.
  • Inaktive Dehnung der Wirbelsäule: Stellen Sie sich zwischen zwei gleich hohe Tische. Stützen Sie sich rechts und links mit den Händen ab und lassen Sie Becken und Beine locker hängen, die Füße sollten nicht den Boden berühren.

Von Schmerztabletten bis Taping: Ischiasschmerzen behandeln

Ischiasschmerz spricht aber auch gut auf Wärme an. Weitere konservative Maßnahmen zur Behandlung der Nervenschmerzen sind Schmerzmittel und Krankengymnastik. Auch Kinesiotape an den betroffenen Stellen hat sich in manchen Fällen gegen Ischias bewährt. Die Klebebänder sollen die Schmerzsensoren beeinflussen und den Heilungsprozess anregen – auch wenn dies nicht wissenschaftlich erwiesen ist.

Vorsicht, Verwechslung: Ischias statt Bandscheibe

Gefährlich wird's, wenn der Schmerz verwechselt und Bandscheibenprobleme dafür verantwortlich gemacht werden. Insbesondere bei einem Phänomen kann das passieren: In manchen Fällen übt der sogenannte Musculus piriformis, der birnenförmige Muskel am Gesäß, Druck aus. Dieser Muskel sitzt unter den Gesäßmuskeln und kommt im Beckenknochen dem Ischiasnerv recht nah. So kann der Muskel bei Verkrampfungen auf den Nerv treffen und ihn einklemmen. Viele verwechseln die Schmerzen des sogenannten Piriformis-Syndroms mit einem Bandscheibenvorfall. Diese Ischias-Probleme werden umgangssprachlich auch "Pseudo-Ischias" genannt.

Ein Indiz kann diese Übung sein, die Sie unter ärztlicher Begleitung durchführen sollten: Strecken Sie das Bein gegen Widerstand und drehen Sie es nach außen oder spreizen sie es bei gebeugter Hüfte ab. Zieht der Schmerz bis in den Zeh. ist das ein Indiz auf Bandscheibenvorfall. Zieht er nur bis zum Oberschenkel, ist eher der Piriformis-Muskel das Problem. Betroffen sind übrigens vor allem Menschen, die ihre Geldbörse in der Gesäßtasche tragen oder regelmäßig lange sitzen.

Sie können Ihre Rückenschmerzen nicht richtig zuordnen? Insbesondere Beschwerden im unteren Rücken können viele Ursachen haben. Mehr Infos? Daran erkennen Sie die häufigsten Rückenleiden.

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