28.10.2016 - 11:37

LEBEN RETTEN Tetanus-Impfung: Ein kleiner Piks, der große Hoffnung bringt

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Jasmin Gerat ist Aktionsbotschafterin der Initiative "Pampers für UNICEF" und engagiert sich für Tetanus-Impfungen in Äthiopien, denn alle elf Minuten stirbt weltweit ein Neugeborenes an Tetanus

Jasmin Gerat ist Aktionsbotschafterin der Initiative "Pampers für UNICEF" und engagiert sich für Tetanus-Impfungen in Äthiopien, denn alle elf Minuten stirbt weltweit ein Neugeborenes an Tetanus

Tetanus - für uns nur ein Häkchen im Impfpass. Aber alle elf Minuten stirbt weltweit ein Baby am Wundstarrkrampf! Schauspielerin Jasmin Gerat (37) will helfen, dieses Elend zu beenden.

Hier zu sein, sagt Jasmin Gerat, das sei ihr eine Herzensangelegenheit. „Ich habe selbst zwei Töchter und das große Glück, dass sie unter besten hygienischen Bedingungen aufwachsen dürfen. Das ist nicht selbstverständlich.“

Wir stehen vor einer Steinhütte in Birboo fi chole. Das Dorf liegt in der Region Oromia, Äthiopien, Ostafrika. Man sieht, dass hier seit vielen Jahren nichts mehr gemacht wurde, überall das Geld fehlt. Trotzdem ist die marode Hütte ein Ort der Hoffnung, des Fortschritts - wir sind zu Besuch in der Gesundheitsstation.

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Für die Tetatnus-Impfung reisen die Frauen weit an

24 Frauen sind heute gekommen, um sich impfen zu lassen. Einige sind hochschwanger, viele haben ihre kleinen Kinder dabei. Auch Amaroo hat mit Tochter Meri (8 Monate) den Weg auf sich genommen - zu Fuß, wie alle anderen. Oft ein stundenlanger Marsch.

Amaroo ist 36 Jahre. Dass sie viel älter aussieht, daran ist das harte Leben schuld, es hat ihr Gesicht gezeichnet. Amaroo hat noch fünf weitere Kinder zur Welt gebracht, alle leben. Fast ein Wunder in einem Land, in dem 80 Prozent der Landbevölkerung von medizinischer Versorgung nahezu abgeschnitten sind und 25 Millionen Menschen so arm, dass sie ums nackte Überleben kämpfen. In dem es immer wieder Dürren und Hungersnöte gibt.

Die Kinder wirken zerbrechlich, viele haben Wachstumsstörungen - und müssen trotzdem mit aufs Feld. Oder sind stundenlang mit ihrer Mutter zum Fluss unterwegs, um Wasser zu holen. Sie schlafen oft zwischen Tieren, im Dreck, wo die Ansteckungsgefahr am größten ist.

Ein Wunder auch, weil Amaroo heute ihre erste Impfung bekommt. Und es mindestens zwei davon braucht, um den Neugeborenen bei der Geburt Schutz zu bieten. Nach zwei Monaten steht dann auch für das Baby der wichtige Piks an. Amaroo ist als Nächste dran. Jasmin Gerat, die Schauspielerin aus dem fernen Berlin, geht lächelnd auf sie zu, streicht ihr beruhigend über den Arm. Dann erhält Amaroo vor der Hütte ihre Impfung. Jede Spritze eine Dosis Hoffnung.

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Tödlicher Glücksbringer: Nach der Geburt wurden die Babys mit Asche und Kuhdung eingerieben

Der ehemalige Gesundheitshelfer Hussein Mohammed ist für die Ausweitung der Impfprogramme zuständig. Mit gesenktem Blick erzählt er von seiner Zeit vor 25 Jahren im Krankenhaus: „Impfung war ein Fremdwort. Viele Kinder starben bei Hausgeburten. Es war Brauch, die Neugeborenen mit Asche und Kuhdung einzureiben. Das sollte Glück bringen.“

Tatsächlich kamen so über die mit dreckigen Messern durchtrennte Nabelschnur Keime in den Babykörper. Die Folge: „Tetanus. Starke Krämpfe, die das Gesicht zu einem teuflischen Lächeln einfrieren lassen.“ Er schüttelt traurig den Kopf.

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„Viele Mütter schämten sich, glaubten, ihr Kind sei verflucht. Sie versteckten es - und die Kleinen starben oft innerhalb weniger Tage unter schrecklichen Qualen. Die Frauen wussten es einfach nicht besser.“

Jasmin Gerat nickt. „Aufklärung ist so wichtig!“ Darum ist sie Botschafterin des Projekts „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“, mit dem Pampers seit zehn Jahren UNICEF unterstützt. „Ich möchte helfen, Mütter zu informieren“, sagt die 37-Jährige, „damit sie das Richtige für sich und ihr Kind tun können.“

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Lebensrettende Aktion, die schon Erfolge verzeichnet

Ein Einsatz, der Leben rettet: 1990 starben von 1000 Neugeborenen in Äthiopien noch 205. Heute sind es 59 - noch immer 59 zu viel. „Wir müssen auch die Frauen in den abgelegensten Orten erreichen“, erklären die Gesundheitshelferinnen Mariama Tuna und Meseret Hailu das nächste große Ziel.

Die beiden treffen sich nach den Impfungen mit der „Women’s development army“ (WDA). Eine „Armee“ aus freiwilligen Frauen, die sich regelmäßig über Vorsorge, Stillen, Ernährung, Malaria und HIV informieren lassen - und das Wissen dann in ihre Dörfer tragen. „Äthiopien ist ein traditionsreiches Land“, sagt Dr. Getachew Wako von UNICEF. „Wir können den Menschen nicht verbieten, so zu leben, wie sie es immer getan haben. Sie müssen den Zweck verstehen.“

Impfstationen, Schwangerenkonferenzen, Gesundheitszentren - Schritt für Schritt entsteht ein Netzwerk der Hilfe. „Das in einem Land hinzukriegen, in dem über 80 Sprachen gesprochen werden – das ist beeindruckend“, findet Jasmin Gerat.

Als die Schauspielerin sich von den Müttern in Birboo fi chole verabschiedet, hat sie Tränen in den Augen. Es gibt lange Umarmungen. „Ich fühle mich den Frauen hier so verbunden“, sagt sie. „Egal woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben, wollen wir am Ende das Gleiche: das Beste für unsere Kinder.“

DIE HILFSAKTION

Seit 2006 unterstützt Pampers das Kinderhilfswerk UNICEF mit der Aktion „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“. Von November bis Januar wird für jedes verkaufte Windelpaket mit UNICEF-Logo der Gegenwert einer Tetanus-Impfdosis gespendet. In 19 Ländern - darunter Ghana, Indonesien und Niger – hat diese Aktion bereits geholfen, Tetanus zu besiegen. Ins- gesamt konnten durch die gemeinsame Kampagne 100 Millionen Mütter und Babys vor Tetanus geschützt werden.

Was ist Tetanus?

Der Wundstarrkrampf wird durch Bakterien übertragen, die sich im Erdreich oder auch in Tierfäkalien befinden. Hygienische Mängel führen bei der Geburt oft zur Infektion von Mutter und Kind. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, kommt jede Hilfe zu spät - Tetanus bei Neugeborenen endet meist tödlich. Die Bakterien lösen Muskelkrämpfe aus, die zum Atemstillstand führen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in der aktuellen BILD der FRAU Nr. 41.

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