08.06.2018

Häufiges Fußproblem Hallux valgus – so helfen Schiene und OP

Die Fußfehlstellung Hallux valgus ist vor allem bei Frauen häufig.

Foto: iStock/SKashkin

Die Fußfehlstellung Hallux valgus ist vor allem bei Frauen häufig.

Hallux valgus ist mehr als ein kosmetisches Problem. Was bringen Hilfsmittel wie Schiene oder Polster und wann muss der Ballenzeh operiert werden?

Frauen wird oft nachgesagt, dass sie gar nicht genug Schuhe kaufen können – am besten schmale High Heels. Doch die schicken, aber unbequemen Schuhe haben fatale Folgen für die Füße: Das ständige Quetschen der Zehen und die übermäßige Belastung des Vorfußes führen zu einem der häufigsten Fußprobleme – dem sogenannten Ballenzeh, medizinisch Hallux valgus.

Hallux valgus: Das sind die Risikofaktoren

Neben zu engen und hohen Schuhen spielen aber noch weitere Auslöser eine Rolle, etwa

  • genetische Veranlagung

  • Fußfehlstellungen wie Spreizfuß oder Knickfuß

  • Bindegewebeschwäche

  • Arthritis

  • Übergewicht

Hallux valgus – was ist das genau?

Aber was ist darunter eigentlich zu verstehen? Rund zehn Millionen Deutsche, die meisten davon Frauen, leiden unter dem schmerzhaften Schiefstand des großen Zehs. Der Mittelfußknochen zum großen Zeh weicht von seiner normalen Lage ab und wandert etwas nach innen. Das Großzehengrundgelenk schiebt sich nach außen und erscheint als auffallende Beule.

Der große Zeh kippt nach innen und neigt sich enger zu den Nachbarzehen. Diese Bedrängung der anderen Zehen führt bei ihnen zu Fehlstellungen wie Hammerzehen.

Vor Auftreten des Hallux bemerken viele Betroffene aber erst einmal einen Spreizfuß: Der vordere Fußteil wird breiter inklusive Schmerzen in den Zehen und vermehrter Hornhautbildung, Schwielen und Hühneraugen. Zum Ausgleich fängt die große Zehe nun oft an, sich zu den mittleren Zehen zu schieben.

Symptome und Folgen des Hallux valgus:

  • Druckstellen

  • ausgeprägte Hornhaut und Hühneraugen

  • Schmerzen

  • Schleimbeutelentzündungen, Arthritis und Arthrose im Grundgelenk der Großzehe, da sich das Gelenk aufgrund der Fehlstellung schneller abnutzt

  • Schwellungen

  • Oft wird es unmöglich, normale Schuhe zu tragen. Vor allem das angeschwollene Großzehengrundgelenk schmerzt und die Schmerzen können nach und nach den gesamten Vorfuß betreffen.

Hallux valgus mit Schiene, Bandagen und Polster behandeln

Bis Sie diese Symptome und Folgen bei sich entdecken, sollten Sie jedoch nicht warten. Bereits bei den ersten Anzeichen von Hallux valgus, wenn das Grundgelenk der Großzehe sich leicht nach außen schiebt, sollten Sie einen Orthopäden aufsuchen. Der Facharzt wird meist zu folgenden, einfachen Maßnahmen raten:

  • Fußgymnastik etwa mit der Faszienrolle, um die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern, Sehnen und Muskeln zu trainieren und damit Fehlstellungen entgegenzuwirken

  • orthopädische Einlagen, die per Rezept verschrieben werden

  • Hallux-valgus-Schienen (Nachtschienen), die den Schiefstand ausgleichen

  • Bandagen

  • Zehenpolster

  • Zehenspreizer wie Schaumstoffkeile

Medizinische Hilfsmittel wie Schiene, Bandage und Spreizer korrigieren den Schiefstand – allerdings nur für die Dauer der Anwendung. Sie können die Fehlstellung daher nicht rückgängig machen, vermeiden aber, dass der Hallux valgus noch schlimmer wird. Und genau deshalb ist es so wichtig, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

Wann ist bei Hallux valgus eine Operation nötig?

Sind die Schmerzen sehr groß und lässt sich die Zehe auch mit der Schiene nicht mehr in die normale Position bewegen (fixierte Deformität), rät der Orthopäde zu einer Operation.

Für die Hallux-valgus-OP stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, die je nach Anforderung auch kombiniert werden. Die Ziele der Operation:

  • Knochenumstellung

  • Korrektur der Gelenkkapsel

  • Muskel- und Sehnenzug wieder ins natürliche Gleichgewicht zu bringen

Dabei werden unter anderem winzige Schrauben und Metallimplantate verwendet, die nach dem Verheilen oft nicht wieder entfernt werden müssen. Je nach Ausmaß der Operation erfolgt der Eingriff ambulant oder erfordert einige Tage Klinikaufenthalt.

OP mit sich auflösenden Schrauben: Gute Heilung, aber immer noch langwierig

Damit der Fuß später nicht noch einmal geöffnet und operiert werden muss, werden heute oft Schrauben genutzt, die sich im Körper nach einiger Zeit auflösen, anfangs aber trotzdem so fest wie Metallschrauben sind. Die vom Körper abbaubaren Schrauben bestehen beispielsweise aus einer Magnesium-Legierung – Magnesium in Verbindung mit Seltenen Erden. Diese Stoffe sind nicht toxisch im Körper und werden mit der Zeit langsam vom Körper abgebaut und aufgenommen. Das frei werdende Magnesium hilft anschließend noch dabei, die Knochen zu mineralisieren und an Stelle der Schrauben wieder aufzubauen. Die Abbauprodukte des Materials wirken zudem antibakteriell und infekthemmend.

Nach der Operation muss für mehrere Wochen ein Spezialschuh oder aber Schienen getragen werden. Der Fuß darf in der Regel erst nach vier bis sechs Wochen teilweise und nach acht bis zwölf Wochen voll belastet werden. Eine Schwellung kann am Fuß zudem drei bis zwölf Monate bestehen. Sie sollten also den Termin einer Hallux-Operation sorgfältig wählen. Auch Physiotherapie ist jetzt wichtig, um die Fußmuskulatur zu stärken und das Bindegewebe zu straffen. Dann ist auch ein Rückfall, ein sogenanntes Rezidiv, unwahrscheinlicher.

Beeinträchtigt werden kann das OP-Ergebnis übrigens durch frühere Hallux-OPs, Durchblutungsstörungen, Diabetes oder auch Osteoporose.

Sowohl wer sich gerade von einem Hallux valgus erholt als auch wer vorbeugen möchte, sollte weitgehend auf hohe und enge Schuhe verzichten und lieber flaches, bequemes Schuhwerk tragen, das dem Fuß auch über den Tag hinweg gut tut. Denn während des Tages werden Füße breiter sowie länger.

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