13.08.2018

Eingeklemmter Nerv Karpaltunnelsyndrom: So entsteht es, so werden Sie es los

Taubheit, Kribbeln und Schmerzen in der Hand können auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen.

Foto: © iStock/KittisakJirasittichai

Taubheit, Kribbeln und Schmerzen in der Hand können auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen.

Schmerzen in den Händen? Einfache Tests zeigen, ob der Grund dafür ein Karpaltunnelsyndrom ist. Welche Therapien helfen dann?

Zuerst werden Daumen, Mittel- und Zeigefinger öfter mal taub, vor allem in der Nacht. Später schlafen dann die Finger oder die ganze Hand ein. Zum Arzt gehen die meisten jedoch erst, wenn Schmerzen auftreten. Diese typischen Symptome für das Karpaltunnelsyndrom sollten aber möglichst schon früher vom Arzt untersucht werden, denn die Beschwerden in der Hand können auch in den ganzen Arm ausstrahlen. Das Karpaltunnelsyndrom wird auch kurz KTS oder Medianus-Kompressions-Syndrom genannt. Frauen sind übrigens rund drei- bis viermal häufiger davon betroffen als Männer. Meist tritt das Syndrom ab dem 35. Lebensjahr auf.

Das Karpaltunnelsyndrom bringt diverse Symptome mit sich

Die Symptome, vor allem aber die Schmerzen treten meist unter Belastung auf, etwa beim

  • Telefonieren

  • Radfahren

  • Föhnen

  • Arbeiten mit schweren Maschinen

Die Taubheit tritt, wie schon erwähnt, bevorzugt nachts auf, weil die Hand im Schlaf oft angewinkelt wird.

Neben der Taubheit sowie Kribbeln in der Hand, vor allem zwischen Daumen und Mittelfinger, haben Betroffene im späteren Verlauf vor allem mit Schmerzen beim Greifen zu kämpfen. Sogar der Muskel am Handballen kann sich durch KTS abbauen. Das taube Gefühl lässt sich meist durch Schütteln der Hand wieder beheben. Mit der Zeit bleiben Missempfinden und Schmerzen aber permanent bestehen. Greifbewegungen können sogar das Gefühl eines elektrischen Schlags hervorrufen.

Karpatunnelsyndrom – was ist das genau?

Ursache für diese Beschwerden ist ein eingeklemmter Nerv. Dabei handelt es sich um den Nervus medianus, den mittleren Armnerv, der bis in die Hand führt. Er ist verantwortlich für die Sensorik der Handinnenfläche und die Motorik von Daumen und teilweise der Finger. Der Nervus medianus verläuft vom Arm aus durch den Karpaltunnel, der sich im Bereich der Handwurzel innen befindet. Durch den Karpaltunnel führen auch die Beugesehnen.

Ist der Karpaltunnel verengt, gerät der Nervus medianus unter Druck. Das kann ihn dauerhaft schädigen. Die Ursachen für die Verengung des Karpaltunnels sind:

  • anlagebedingt,

  • Handgelenksverletzungen wie Bruch der Speiche oder der Handwurzelknochen,

  • Rheuma,

  • Arthrose oder

  • geschwollene Sehnen durch Sehnenscheidenentzündung.

Eine genaue Ursache lässt sich schwer ermitteln, aber oft tritt das Karpaltunnelsyndrom in Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Arthritis auf. Auch hormonelle Veränderungen können ausschlaggebend sein. Oder aber mechanische Irritation, wie etwa Verrenkungen, knöcherne Fehlstellungen, Verletzungen, Tumoren oder Ganglien (Nervenknoten), können KTS hervorrufen.

So funktioniert der Test auf das Karpaltunnelsyndrom

Bei Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom sollten Sie besser nicht abwarten, sondern zum Neurologen gehen. Denn wird der Druck auf den Nerv nicht gemildert, kann es im schlimmsten Fall sogar zu Lähmungen kommen.

Drei Tests zeigen Ihnen, ob womöglich ein Karpaltunnelsyndrom vorliegt. Die ersten beiden funktionieren nach dem Prinzip der Symptom-Provokation, der dritte ist ein Test der Motorik:

  1. Hoffmann-Tinel-Test: Klopfen Sie mit dem Mittelfinger fest auf die Innenseite am Handgelenk, dort wo der Karpaltunnel verläuft. Löst das Missempfindungen wie Ameisenlaufen, Kribbeln oder Schmerzen aus, könnte der Nervus medianus eingeklemmt sein.
  2. Phalen-Test: Beugen Sie das Handgelenk möglichst stark nach innen. Bilden sich innerhalb einer Minute die genannten Beschwerden, weist das ebenfalls auf ein Karpaltunnelsyndrom hin.
  3. Flaschen-Test: Hier soll der Patient eine Flasche umfassen. Kann der Daumen aufgrund des KTS nicht ausreichend abgespreizt werden, gelingt dies nicht.

Karpaltunnelsyndrom: Therapie erfolgt mit Schiene oder Operation

Hat der Neurologe etwa mit elektrophysiologischer Diagnostik den Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom bestätigt und untersucht, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist, werden im frühen Stadium der Krankheit folgende Therapien empfohlen:

  • Handgelenksschiene für die Nacht (denn beim Schlafen beugen viele Menschen die Handgelenke nach innen und üben damit großen Druck auf den Nervus medianus aus)
  • Kortison, kurzfristig als Tabletten oder Injektion in den Karpalkanal

Bessern sich die Beschwerden nicht oder kommt es bereits zu Ausfallerscheinungen, kann eine Operation den Nerv dauerhaft vom Druck befreien.

So funktioniert die Operation bei Karpaltunnelsyndrom: Der Handchirurg spaltet das Bindegewebsband (Karpalband, Ligamentum carpi transversum) über dem Karpaltunnel. Sehnen und Nervus medianus bekommen dadurch etwas mehr Raum. Die Operation kann offen oder endoskopisch über einen kleinen Schnitt in der Beugefalte des Handgelenks durchgeführt werden.

Nach etwa vier Wochen ist die Hand wieder belastbar, und die Verengung bildet sich in der Regel nicht mehr. Vor allem in noch nicht ganz so ausgeprägten Stadien bessern sich die Beschwerden durch den größeren Raum um den Nerv meist sofort. Ist der Nerv aber schon geschädigt, kann es rund ein halbes Jahr dauern, bis das Empfinden wieder zurückkehrt und alle Symptome verschwunden sind. Ein Muskelabbau, dessen Beginn schon lange zurückliegt – mehr als ein Jahr –, lässt sich aber nicht mehr rückgängig machen.

Frühzeitig zum Arzt!

Vorbeugen können Sie einem Karpaltunnelsyndrom nicht – aber mithilfe der Tests der Erkrankung vielleicht frühzeitig auf die Schliche kommen und sie so schnell behandeln lassen. Das kann dann zumindest Folgeschäden verhindern.

Sie leiden am Karpaltunnelsyndrom aufgrund einer rheumatischen Erkrankung? Dann schauen Sie für weitere Infos auf unserer Rheuma-Themenseite vorbei. Und weitere Infos zu Arthrose, wie Sie Gelenkbeschwerden vorbeugen sowie zur richtigen Ernährung bei Arthrose haben wir ebenfalls für Sie.

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