04.10.2019

Gefährliche Gefäßaussackungen Aneurysma im Kopf oder Bauch – eine tickende Zeitbombe

Meist wird ein Aneurysma zufällig entdeckt.

Foto: istock/Mark Kostich

Meist wird ein Aneurysma zufällig entdeckt.

Ein erweitertes Blutgefäß platzt plötzlich. Im schlimmsten Fall droht dann innerliches Verbluten. Was Sie über das Aneurysma wissen sollten.

Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine Aussackung einer Schlagader. Diese Erweiterung kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen, etwa durch Bluthochdruck oder Arteriosklerose. Der Name Aneurysma stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Erweiterung".

Aneurysma im Kopf besonders gefährlich

In den meisten Fällen wird ein Aneurysma nur zufällig entdeckt, etwa bei einer Gefäßuntersuchung mit dem Ultraschall. Das Tückische am Aneurysma: Es verursacht meist keine Symptome, wenn es jedoch platzt (Ruptur), führt das zu schweren inneren Blutungen und oft besteht Lebensgefahr. Die Anzeichen: stechende, massive Schmerzen in dem Bereich, in den sich das Blut ergießt und Ohnmacht durch den hohen Blutverlust.

Ein Aneurysma im Kopf geht bei einer Ruptur etwa mit plötzlichen, stärksten Kopfschmerzen einher. Es entsteht eine sogenannte Subarachnoidalblutung (SAB). Der Druck auf das Gehirn steigt damit massiv an. Lebenswichtige Bereiche können dadurch zerdrückt werden.

Symptome erst spät – aber dann heftig

Meist bleibt ein Aneurysma unbemerkt, erst wenn es sehr groß ist, können erste Symptome auftreten. Reißt es, geht dies durch die plötzliche innere Blutung mit extremen Schmerzen einher.

Symptome vor dem Riss sind bei großen Aneurysmen (bei Männern ab einer Größe von fünf Zentimetern und bei Frauen ab 4,5 Zentimeter) sind etwa Schmerzen in Bauch und Rücken bei einem Aneurysma in der Bauchaorta oder Schluck- und Atemprobleme bei einem im Brustraum, sowie anhaltenden Kopfschmerzen bei einer Erweiterung im Kopf.

Beim Platzen treten in der entsprechenden Gegend, sowie auch in den Extremitäten, plötzliche, extrem starke, schneidende Schmerzen auf.

Aneurysma – die Folgen ähneln jenen des Schlaganfalls

Ein Aneurysma kann jeden treffen, auch bis dahin gesunde Menschen – so etwa die deutsche Moderatorin Monica Lierhaus und die kanadische Folksängerin Joni Mitchell.

Bei der Sängerin platzte nachts plötzlich eine Gefäßaussackung im Gehirn, von der sie vorher noch nie etwas gespürt hatte. Die Folgen waren wie bei einem Schlaganfall, bei dem ebenfalls ein reißendes Blutgefäß im Gehirn die Ursache sein kann. Joni Mitchell musste wieder sprechen und laufen lernen.

Bei Monica Lierhaus dagegen wurde ein Aneurysma im Gehirn entdeckt, bevor es geplatzt war. Eine Gefäßoperation sollte die riskante Aussackung glätten. Doch während des Eingriffs im Kopf Kopf platzte das Aneurysma. Lierhaus brauchte viele Jahre, um die Folgen dieser Komplikation zu überwinden.

Aneurysma tritt vor allem im Bauch und im Kopf auf

Die Gefäßaussackung betrifft in der Regel Schlagadern (Arterien). Diese Gefäße transportieren das sauerstoffreiche Blut vom Herzen weg – und zwar mit hohem Druck. Deshalb kann es in den Arterien zu Aussackungen kommen, vor allem in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma).

Am häufigsten betroffen sind:

  • Hauptschlagader im Bauchraum (Bauchaortenaneurysma)
  • Hauptschlagader im Brustkorb (thorakales Aneurysma)
  • Gehirnarterien (intrakranielles oder zerebrales Aneurysma)
  • Beckenarterien (Beckenaneurysma)
  • Herz (Herzwandaneurysma)

Prinzipiell kann die Erweiterung aber überall im Körper auftreten. Reißt das Aneurysma, ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch: Nur rund 20 Prozent der Betroffenen überleben – meist mit schweren Folgeschäden.

Aneurysma spurium – das "falsche" Aneurysma

Dabei ist Aneurysma nicht gleich Aneurysma. Medizinisch werden Aneurysmen in drei Gruppen eingeteilt, die sich danach richten, welche Art der Gefäßveränderung der Aussackung zugrunde liegt. Das sind:

  • Aneurysma verum: Beim echten Aneurysma sind alle drei Gefäßschichten erweitert – die Intima, also die innerste Schicht, die Media (mittlere) und die Adventitia, die äußerste Schicht der Ader.
  • Aneurysma spurium: Beim "falschen" Aneurysma oder Pseudoaneurysma ist ein Riss im Blutgefäß entstanden. Dieses Leck wird jedoch von außen durch Gewebe oder die Adventitia abgedichtet.
  • Aneurysma dissecans: Beim gespaltenen Aneurysma bildet sich ein Hohlraum zwischen den Gefäßschichten. In diesem Bereich kann bei einem kleinen Leck in der Intima Blut fließen, sich dort sammeln und eine Aussackung bilden.

Risikofaktoren: ältere Menschen eher gefährdet

Dass aber sonst eher ältere Menschen gefährdet sind, hängt mit Gefäßverkalkung zusammen. Die Arteriosklerose – Ursachen, die Sie vielleicht noch nicht kennen ist Hauptursache für Aneurysmen, die erst später entstehen. Daher sind die Risikofaktoren für verkalkte Gefäße auch indirekt Risikofaktoren für Aneurysmen:

Hilfreich ist es daher, den Blutdruck möglichst zu regulieren und am besten noch mit dem Rauchen aufzuhören.

Bis zu fünf Prozent aller Deutschen sollen ein Aneurysma haben, viele wissen nichts von dieser tickenden Zeitbombe. Dabei könnte ein Bauchaortenaneurysma mit einer einfachen, schmerzfreien Ultraschalluntersuchung frühzeitig entdeckt werden. Meist sind Männer über 65 Jahren betroffen, hier geht man von vier bis acht Prozent aus. Bei den Frauen ab 65 sind es 0,5 bis 1,5 Prozent – allerdings kann ein Aneursyma auch schon früher platzen.

Dass Monica Lierhaus kinderlos geblieben ist, hängt mit ihrem Aneurysma zusammen. Später sagte sie, dass ihres wahrscheinlich schon eher geplatzt wäre – also vor der Operation –, hätte sie ein Kind zur Welt gebracht.

Therapie: im Vorfeld entfernen, später wieder aufbauen

Wird ein Aneurysma vor einer Ruptur entdeckt, ist eine operative Entfernung sinnvoll. Natürlich ist diese mit Risiken verbunden, wie der Fall von Monica Lierhaus zeigt. Dennoch ist dies der bessere Weg, wenn die Erweiterung schon größer ist oder schnell wächst. Bei der OP wird das betroffene Gefäßstück durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Neben der Möglichkeit einer offenen Operation gibt es mittlerweile auch endovaskuläre Verfahren. Hier wird mit einem Katheter gearbeitet, über den die Ärzte die Protese einsetzen.

Ist das Aneurysma geplatzt, aber der Patient hat überlebt, ist in den meisten Fällen mit einer langen Rehabilitationsphase zu rechnen, ähnlich wie nach einem schweren Schlaganfall.

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