23.04.2019

Psoriasis Schuppenflechte: Darum ist die Behandlung so wichtig

Psoriasis tritt in Schüben auf und betrifft zum Beispiel Kopfhaut, Knie und Ellbogen. Die Schuppenflechte ist allerdings nicht ansteckend – kann Patienten aber körperlich und auch psychisch sehr belasten.

Foto: ©iStock/Suze777

Psoriasis tritt in Schüben auf und betrifft zum Beispiel Kopfhaut, Knie und Ellbogen. Die Schuppenflechte ist allerdings nicht ansteckend – kann Patienten aber körperlich und auch psychisch sehr belasten.

Bei Schuppenflechte kommt es auf die perfekte Pflege an, damit sich die Haut beruhigt. Was Sie dazu wissen sollten – und warum wir Menschen, die unter Psoriasis leiden, trotzdem berühren können.

Die Haut wird rot und es bilden sich silbrig glänzende Schuppen, die ständig abfallen. Bei Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis, leidet nicht nur die Haut, sondern auch die Psyche. Denn die chronisch-entzündliche Hautkrankheit, die in Schüben auftritt, ist zwar nicht ansteckend, sieht aber unschön aus – und das stößt bei manchen Mitmenschen auf Ablehnung – dabei sind alleine in Deutschland rund zwei Millionen Menschen betroffen.

Zur besonderen Belastung wird Schuppenflechte, wenn sich die schuppigen Hautveränderungen an ständig sichtbaren Stellen bilden wie dem Kopf, den Armen, Beinen oder dem Dekolleté. Das ist nicht nur quälend für Stars wie Kim Kardashian. Das Model hat seit Jahren Psoriasis und spricht auch offen darüber. Schuppenflechte gilt nämlich nicht nur als Schönheitsmakel, sondern wird oft von der Umgebung als unangenehm empfunden.

Was ist Schuppenflechte überhaupt?

Die "autoimmun vermittelte Entzündungskrankheit" Psoriasis bringt das Immunsystem der an Schuppenflechte erkrankten Patienten dazu, körpereigenes Gewebe anzugreifen. Es wird dadurch eine Art Verletzung vorgetäuscht – und die Haut reagiert mit dem Bilden neuer Hautzellen.

Experten gehen davon aus, dass die Erkrankung erblich bedingt ist – jedoch bedeute die Veranlagung nicht automatisch, dass der Betroffene auch erkrankt, stellt Dr. Ralph von Kiedrowski, Dermatologe aus Selters im Westerwald und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) im Zuge der Aufklärungskampagne "Bitte berühren" für mehr Offenheit im Umgang mit Schuppenflechte klar: "Die Erkrankung bricht nicht immer aus. Es kann sogar vorkommen, dass beide Elternteile unter Schuppenflechte leiden, ihr Kind jedoch nicht erkrankt."

Mittlerweile vermuten Ärzte, dass weit über 40 Genorte für die Veranlagung verantwortlich sind, erklärt zudem Prof. Dr. Kristian Reich, Spezialist für Immunologie am Dermatologikum Hamburg, im Interview mit BILD der FRAU, in dem er auch auf die richtige Therapie bei Schuppenflechte eingeht..

Auslöser und Gründe sind vielseitig

Ausgelöst wird die Erkrankung oft, wenn zur Veranlagung noch Umwelteinflüsse oder persönliche Auslöser hinzukommen, etwa Stress, Hormonschwankungen in Pubertät oder Schwangerschaft, Infektionen oder als Reaktion auf bestimmte Medikamente. Da Psoriasis in Schüben auftritt, können auch diese Schübe neben dem ersten Ausbruch durch diese sogenannten "Trigger" (engl. für Auslöser) erfolgen.

Unterschieden wird zwischen dem Psoriasis-Typ-1 oder Frühtyp, der familiär gehäuft auftritt und meist im Alter zwischen 15 und 25 Jahren zum ersten Mal ausbricht, sowie dem etwa ab 50 oder 60 auftretenden, meist schwächeren Psoriasis-Typ-2 (Spättyp).

"Die Symptome und der Verlauf einer Schuppenflechte sind individuell ganz unterschiedlich," erklärt Dr. von Kiedrowski. Durch Sonderformen oder aber auch Vorbehandlungen kann die Diagnose schwierig verlaufen. Ein Hinweis ist das dünne Häutchen, das nach dem vorsichtigen Entfernen einer Schuppe bleibt. Wird dieses entfernt, tritt eine punktförmige, leichte Blutung auf, der sogenannte "blutige Tau", auch "Auspitz-Phänomen" genannt.

Schwierig macht die Diagnose aber auch die Ähnlichkeit zu Pilzerkrankungen oder Ekzemen, daher wenden Hautärzte auch Blutuntersuchungen, Abstriche und evtl. sogar Gewebeproben an.

Behandlung bei Schuppenflechte von außen und innen

Heilen lässt sich Schuppenflechte nicht. Doch verschiedene Behandlungen können das Hautbild deutlich verbessern. Sie richten sich nach dem aktuellen Hautzustand. Wenn die Haut durch einen Schub bedingt gerade "blüht", können Medikamente die Entzündung und überschießende Immunreaktion hemmen. Doch auch, wenn die Psoriasisherde gerade abgeheilt sind, ist eine Behandlung sinnvoll.

Basispflege bei Schuppenflechte

Die Haut braucht bei Schuppenflechte ständig, auch in der beschwerdefreien Zeit, spezielle Pflege. Dazu gehören:

  • fettreiche Salben und Cremes

  • rückfettende Ölbäder

  • harnstoffhaltige Pflegeprodukte

  • Vaseline

Pflege und Behandlung eines Psoriasis-Schubs

Haben sich neue Herde gebildet und treten Verhornungen und Schuppen wieder auf, sollten sie am besten ganz vorsichtig von der Haut abgelöst werden. Damit lässt sich ständiges, unkontrolliertes Abschuppen verhindern und die Haut wird schneller wieder glatt. Das Ablösen unterstützen spezielle Shampoos, Bäder, Salben, Gele und Cremes, die am besten auch Entzündungen hemmen sollten. Einfach abkratzen sollten Sie die schuppige Haut aber niemals! Hier ist immer Rücksprache mit dem behandelnden Dermatologen zu halten!

Geeignete Wirkstoffe sind:

  • Milchsäure

  • Harnstoff

  • Dithranol

  • Vitamin-A-Säure

  • Vitamin-D3-Analoga

  • Kortison

Schuppenflechte mit Lichttherapie und Medikamenten behandeln

Sind die Hautveränderungen sehr ausgeprägt, können kontrollierte Bestrahlungen mit UV-A- und UV-B-Licht das Hautbild verbessern (Psoralen plus UV-A = PUVA-Lichttherapie; UV-B-Lichttherapie).

Auch Medikamente spielen bei der Behandlung schwerer Schuppenflechte eine wichtige Rolle. Wirkstoffe sind etwa:

  • Fumarate: Sie führen bei mindestens der Hälfte der Patienten zu Beschwerdefreiheit.

  • Methotrexat (MTX) ist etwa ebenso effektiv wie Fumarate. Beide Medikamentengruppen sind also hochwirksam und können deshalb Nebenwirkungen auslösen.

  • Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge): eher schwach wirksam, deshalb oft in Kombination mit einer UV-Lichttherapie

Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland haben Schuppenflechte, so der Deutsche Psoriasis-Bund. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen kann die Schuppenflechte auch die Gelenke treffen. Diese Gelenkbeteiligung wird als Psoriasis-Arthritis bezeichnet, weil die Erkrankung in ihren Symptomen der Arthritis ähnelt, also Gelenkentzündungen mit Schwellung auslöst.

Vorbehalte gegenüber Erkrankten: Schuppenflechte ist nicht ansteckend!

Leider schreckt die schuppige Haut bei Psoriasis-Patienten, ähnlich wie bei atopischer Dermatitis, der Neurodermitis, oder bei Ekzemen und anderen Hautentzündungen, viele Menschen ab, die nicht davon betroffen sind. Das kann bis zur sozialen Ausgrenzung führen. Abwertende Blicke und Berührungsängste führen zu psychischen Problemen bei Betroffenen. Dabei hat Psoriasis nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – und ansteckend ist sie schon gar nicht.

Unterstützen möchte das die vom BVDD initiierte Aufklärungskampagne "Bitte berühren", die sich auch die sozialen Medien zunutze macht. Denn dort melden sich immer mehr Betroffene von sich aus zu Wort, merkt auch Dr. Ralph von Kiedrowski: "Es hat uns erstaunt, wie viele Psoriasis-Betroffene als Blogger in Social Media engagiert sind und in dieser Weise andere motivieren, sich ebenfalls einzubringen", sagt er.

Die Kampagne möchte Menschen einladen, ihre eigene Geschichte zu erzählen und zu beweisen: "Wir sind mehr als unsere Haut". Auf bitteberuehren.de gibt es neben Infos zur Schuppenflechte und zur Kampagne auch eine Arztsuche.

Bei uns lesen Sie mehr zum Thema Hautpflege auf unserer Themenseite.

Seite

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen