22.07.2016

Früherkennung der Entwicklungsstörung Autismus beim Kind – Test und Checkliste

Sehr begabt, aber wenig zugänglich: So wirken Kinder mit Autismus auf ihre Umgebung.

Foto: ©iStock/Linda Epstein

Sehr begabt, aber wenig zugänglich: So wirken Kinder mit Autismus auf ihre Umgebung.

Entwickelt sich das Baby normal oder gibt es Hinweise auf Autismus? Auf welche Symptome Sie achten sollten, damit frühzeitig Hilfe einsetzt.

Jedes Kind hat spezielle Charakterzüge und von Geburt an eine eigene Persönlichkeit. Manchmal fallen jedoch im Verhalten sowie in der Beziehung zu den Eltern und Personen im engeren Umfeld bestimmte Symptome auf, die sich von Gleichaltrigen abheben.

Autismus-Test gehört nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9

An frühkindlichen Autismus denken dabei jedoch nur wenige Eltern und Ärzte. Dabei verhalten sich Kinder mit Autismus bereits als Baby auffällig. Oft werden dahinter körperliche Ursachen vermutet und der Säugling wird untersucht, ob organisch alles in Ordnung ist. Diese Untersuchungen bringen keinen Befund und die Eltern fühlen sich im Stich gelassen. Auch die Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9) enthalten keinen Autismus-Test.

Diese Symptome kennzeichnen Autismus

Dabei sind die Symptome beim Kind relativ gut zu erkennen. Sie betreffen vor allem Motorik, Sozialverhalten, die Sprache und die Wahrnehmung. Dazu gehören etwa folgende Anzeichen des frühkindlichen Autismus:

  • kaum Reaktion auf Stimmen und Geräusche, das Kind scheint taub zu sein

  • wenig Augenkontakt, Sehschwäche wird deshalb vermutet

  • sehr ruhiges Baby

  • kaum Lachen, wenn die Mutter das Baby in den Arm nimmt oder mit ihm spricht

  • Sprechprobleme, etwa am Ende des fünften Monats kann das Baby noch keine Silben bilden, Beispiel „Da-Da-Da“ oder „Ma-Ma-Ma“, was der normalen Sprachentwicklung entsprechen würde.

  • streckt die Arme nicht nach der Bezugsperson aus, was andere Babys etwa mit einem halben Jahr gerne machen

  • reagiert nicht auf seinen Namen

  • macht das Verhalten anderer nicht nach, kann also nur schlecht imitieren, was für die Entwicklung jedoch wichtig wäre

  • stereotype Bewegungen, dreht etwa dauern seine Händchen vor den Augen oder ein bestimmtes Spielzeug

  • zeigt allgemein wenig Interesse an seiner Umgebung

Meist treten mehrere dieser Symptome für Autismus auf. Dann sollten Sie mit dem Kinderarzt sprechen. Weiterhelfen können auch ein sozialpädiatrisches Zentrum oder Selbsthilfegruppen wie der Bundesverband "Hilfe für das autistische Kind" e.V. Spezielle Autismus-Test helfen dann dabei, die Entwicklungsstörung zu diagnostizieren.

Autismus und Asperger-Syndrom

Es ist wichtig, Autismus möglichst frühzeitig zu erkennen. Zwar lässt sich die Entwicklungsstörung nicht heilen. Doch Förderprogramme unterstützen das Kind dabei, sich möglichst normal zu entwickeln und keine starken Defizite zu behalten. Dabei werden soziale und kommunikative Fähigkeiten trainiert. Denn anders als Menschen mit dem Asperger-Syndrom, einer weiteren Störung aus dem Autismusspektrum, kommt es zu Entwicklungsverzögerungen. Intelligenzminderungen können auftreten, aber ganz im Gegenteil auch sogenannte Inselbegabungen (Savant-Syndrom) etwa für Mathematik, Musik oder Malerei.

Sichere Zahlen, wie viele Kinder in Deutschland autistisch sind, gibt es nicht. Vergleichszahlen aus anderen europäischen Ländern und den USA legen aber nahe, dass etwa zwei von tausend Kindern betroffen sein könnten.

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