Aktualisiert: 08.07.2020 - 12:48

Eine milde Form des Autismus Asperger-Syndrom: An diesen Symptomen erkennen Sie es!

Wichtig beim Asperger-Syndrom: Rückzugsmöglichkeiten. Gerade zu viele soziale Kontakte können anstrengend sein.

Foto: imago/Westend61

Wichtig beim Asperger-Syndrom: Rückzugsmöglichkeiten. Gerade zu viele soziale Kontakte können anstrengend sein.

Ist eine Person nur etwas eigenbrötlerisch und hat spezielle Interessen? Oder verbirgt sich dahinter das Asperger-Syndrom? So erkennen Sie die milde Form von Autismus bei Erwachsenen!

Pierre, der Protagonist des französischen Spielfilms "Birnenkuchen mit Lavendel" hat das Asperger-Syndrom. Obwohl er seltsam distanziert und wortkarg wirkt, gewinnt er das Herz einer jungen Witwe und überzeugt auch ihre Kinder von sich. Er ordnet den chaotischen Alltag der kleinen Familie und rettet sie mit kühlem Verstand vor dem wirtschaftlichen Untergang. Und lernt dabei auch selbst etwas wichtiges: Nämlich Emotionen auszudrücken.

Fast jeder kennt jemanden, der zwar in mancherlei Hinsicht besonders begabt, aber nicht unbedingt sehr zugänglich, nicht unfreundlich, aber auch nicht herzlich ist. Viele stellen sich dann die Frage: Will die Person einfach nicht, ist sie etwas arrogant – oder handelt es sich um die Entwicklungsstörung Asperger-Syndrom und der- oder diejenige kann einfach nicht anders?

Menschen mit Asperger-Syndrom sind oft hochintelligent, tun sich aber schwer, soziale Kontakte zu knüpfen – obwohl sie das gerne würden. So sind viele ungewollt einsam.

Festzuhalten ist noch, dass es sich in diesem Sinne um keine geistige Behinderung handelt, sondern eher um eine neurobiologische – bzw. eine andere Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn. Wer an Asperger-Syndrom oder einer anderen Form des Autismus leidet, kann sich zwar einen Schwerbehindertenausweis ausstellen lassen, muss das aber nicht. Es können natürlich zusätzliche geistige Behinderungen auftreten.

Charakteristische Symptome des Asperger-Syndroms bei Erwachsenen sind:

  • Kommunikation ist schwierig, denn der Betroffene nimmt alles wortwörtlich. Ironie, Metaphern und Wortwitze werden nicht verstanden.
  • Die Aufmerksamkeit richtet sich immer nur auf eine Sache, das Interessengebiet ist sehr eingeschränkt. Daraus leitet sich oft eine Inselbegabung (Savant-Syndrom) ab, etwa für Mathematik. Schüler mit Asperger-Syndrom können daher durchaus Probleme in der Schule haben, obwohl sie eigentlich sehr intelligent sind – es fehlt einfach das Interesse für die meisten Themen .
  • Sich in andere hineinzuversetzen gelingt Menschen mit Asperger-Syndrom nicht. Die Reaktionen anderer sind für sie daher nicht nachvollziehbar und unverständlich.
  • Mimik und Gestik wirken seltsam starr.
  • Beziehungen wie Freundschaften oder Partnerschaften zu knüpfen, fällt Menschen mit Asperger-Syndrom sehr schwer.
  • Small-Talk ist schwer möglich.
  • Rituale und Zwanghaftigkeit bestimmen das Leben weitgehend.
  • Stereotype Bewegungen sind charakteristisch.
  • Selbständig arbeiten fällt leicht, Teamwork dagegen ist schwierig.
  • Gestörte Sinneswahrnehmungen: Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, Geräuschen oder Gerüchen.
  • Manchmal ein geringes Bedürfnis nach Sex, oder Unsicherheit weil die nötige Empathie fehlt.

Es gibt allerdings spezielle Therapien, die Menschen mit Asperger-Syndrom dabei helfen, sich soziale Fähigkeiten anzutrainieren. Auch individuelle Stärken werden dabei gefördert, damit sie sich sinnvoll einsetzen lassen. Unter anderem können Verhaltenstherapie und Kommunikationstraining helfen. Aber auch Ergotherapie und Physiotherapie sind gerade bei körperlicher Ungeschicklichkeit hilfreich.

Ab wann kann das Asperger-Syndrom festgestellt werden?

Erste Symptome zeigen sich bei Kindern um das dritte Lebensjahr herum. Neben auffälligen Interessen teils für außergewöhnliche Themen fällt bei Kindern mit Asperger-Syndrom vor allem eine gewisse Ungeschicklichkeit und Probleme mit motorischen Fähigkeiten auf. Interaktion und Mimik finden verhältnismäßig wenig statt, dafür können Selbstgespräche auftreten.

Die Diagnose allerdings ist schwierig, vor allem bei Erwachsenen. Verschiedene Tests auf Autismus liefern für das Asperger-Syndrom nur grobe Informationen.

Diese Stärken gehen mit dem Asperger-Syndrom einher!

Auch wenn Betroffene oft Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen oder Empathie haben, so geht das Asperger-Syndrom auch mit Stärken oder besonderen Fähigkeiten einher:

  • Die Sprachentwicklung setzt oft früh ein, Kinder lernen manchmal das Sprechen vor dem Laufen.
  • Gutes logisches und abstraktes Denken und Ideenreichtum
  • Hoher Sinn für Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, sehr zuverlässig und loyal
  • Gute bis hohe Intelligenz: Mancher kann sein Spezialinteresse gut in den Alltag oder sogar den Beruf integrieren.

Eine berühmte Persönlichkeit mit Asperger-Syndrom ist übrigens Greta Thunberg, die junge Umweltaktivistin, die sich mit eisernem Willen für den Klimaschutz einsetzt. Sie selbst schreibt bei Twitter: "Ich habe Asperger und das bedeutet, dass ich manchmal ein bisschen anders als die Norm bin. Und – unter den richtigen Umständen – kann Anderssein eine Superkraft sein."

Asperger-Syndrom und Autismus

Das Asperger-Syndrom gehört zwar zum sogenannten Autismusspektrum, worunter bestimmte Entwicklungsstörungen zusammengefasst werden. Anders als beim Autismus sind Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom jedoch normal begabt oder verfügen sogar über hohe Intelligenz. Symptome, die Kontakt und Kommunikation betreffen, sind auch nicht so ausgeprägt wie beim Autismus. Das Asperger-Syndrom wird deshalb auch als milde Form des Autismus bezeichnet, kann sich allerdings in ganz unterschiedlicher Schwere und Ausprägung bei Betroffenen zeigen.

Rund 0,5 bis zwei Prozent der Menschen sollen von Asperger betroffen sein, davon viermal so viele Männer wie Frauen. Genaue Zahlen existieren nicht. Auch die Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht. Vermutlich gibt es eine genetische Veranlagung für das Asperger-Syndrom. Man geht auch davon aus, dass Infektionen, Krankheiten oder Medikamente in der Schwangerschaft diesen Aspekt beeinflussen können, ebenso wie das Alter der Eltern. Wissenschaftliche Belege dafür, dass verschiedene Ausprägungen von Autismus, etwa auch das Asperger-Syndrom, durch Impfungen ausgelöst werden können, gibt es übrigens keine.

Das Asperger-Syndrom in den Medien

Das Asperger-Syndrom ist in den letzten Jahren verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Erntete man früher bei der Erwähnung von Asperger meistens nur einen ratlosen Blick, ist die milde Form von Autismus heute vielen bereits ein Begriff. Einen Beitrag dazu haben auch diverse Unterhaltungsmedien geleistet: In Büchern, Filmen und Serien spielen mittlerweile viel öfter als früher Menschen mit Asperger-Syndrom die Hauptrolle. "Birnenkuchen mit Lavendel" wurde ja bereits erwähnt. Eine weitere Romanheldin, die vermutlich Asperger hat – die Diagnose wird nicht klar ausgesprochen, sondern lediglich angedeutet – ist Lisbeth Salander, die Protagonistin in den "Millenium"-Krimis des schwedischen Autors Stieg Larsson. Sie sind eher ein Serien-Typ? Dann empfehlen wir Ihnen die Netflix-Serie "Atypical", die den autistischen Teenager Sam beim Erwachsenwerden begleitet.

Begleitkrankheiten wie ADHS und Depression

Gewisse Begleiterkrankungen treten bei vielen Asperger-Patienten auf. Diese kommen vor allem dann vor, wenn Stresssituationen auftreten, die eine Änderung der gewohnten Umgebung oder des gewohnten Tagesablaufes mit sich bringen. Dazu gehören etwa ADS oder ADHS und andere Aufmerksamkeitsstörungen, Zwangsstörungen oder Depression. Mancher zeigt Formen von aggressivem Verhalten, Tourette und auch Schizophrenie.

Weitere Informationen zum Asperger-Syndrom sowie zum gesamten Autismus-Spektrum finden Sie in den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). Interessant ist auch ein Blick auf den Blog der Aspergerfrauen sowie die Seite Autismus-Kultur.

Mehr Informationen zum Asperger-Syndrom sowie diversen psychischen Erkrankungen zeigt Ihnen unser Video:

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