26.02.2019

Milder Autismus Asperger – diese Anzeichen verraten das Syndrom

Wichtig beim Asperger-Syndrom: Rückzugsmöglichkeiten. Gerade ein "Zuviel" an sozialem Kontakt kann anstrengend sein.

Foto: imago/Westend61

Wichtig beim Asperger-Syndrom: Rückzugsmöglichkeiten. Gerade ein "Zuviel" an sozialem Kontakt kann anstrengend sein.

Wie Sie den milden Autismus beim Erwachsenen erkennen... Ist man nur etwas eigenbrötlerisch oder verbirgt sich dahinter das Asperger-Syndrom?

Im französischen Spielfilm "Birnenkuchen mit Lavendel" hat Pierre das Asperger-Syndrom. Obwohl er seltsam distanziert und wortkarg wirkt, gewinnt er das Herz einer jungen Witwe und überzeugt auch ihre Kinder. Er ordnet den chaotischen Alltag der kleinen Familie und rettet sie mit kühlem Verstand vor dem wirtschaftlichen Untergang. Und lernt dabei, Emotionen auszudrücken.

Fast jeder kennt jemanden, der manchmal besonders begabt, aber nicht sehr zugänglich, nicht unfreundlich, aber auch nicht herzlich ist. Viele stellen sich dann die Frage: Will die Person einfach nicht, ist sie etwas arrogant – oder handelt es sich um die Entwicklungsstörung Asperger-Syndrom, und der- oder diejenige kann einfach nicht anders?

Menschen mit Asperger-Syndrom sind oft hochintelligent, tun sich aber schwer, soziale Kontakte zu knüpfen – obwohl sie das gerne würden. So sind viele ungewollt einsam.

Festzuhalten ist noch, dass es sich in diesem Sinne um keine geistige Behinderung handelt, sondern eher um eine neurobiologische – bzw. eine andere Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn. Wer an Asperger-Syndrom oder einer anderen Form des Autismus leidet, kann sich einen Schwerbehindertenausweis ausstellen lassen, muss dies aber auch nicht tun. Es können dennoch natürlich zusätzlich geistige Behinderungen auftreten.

Wichtige Symptome des Asperger-Syndroms bei Erwachsenen sind:

  • Kommunikation ist schwierig, denn der Betroffene nimmt alles wortwörtlich. Ironie, Metaphern und Wortwitze werden nicht verstanden.

  • Die Aufmerksamkeit kann sich immer nur auf eine Sache richten, das Interessengebiet ist sehr eingeschränkt. Daraus leitet sich oft eine Inselbegabung (Savant-Syndrom) ab, etwa für Mathematik. Schüler mit Asperger-Syndrom können daher durchaus Probleme in der Schule haben, obwohl eigentlich eine hohe Intelligenz vorliegt – es wird sich nur eben nicht genügend für alles andere interessiert.

  • Sich in andere hineinzudenken gelingt Menschen mit Asperger-Syndrom nicht. Die Reaktionen anderer sind für sie daher nicht nachvollziehbar und unverständlich.

  • Mimik und Gestik wirken seltsam starr.

  • Beziehungen wie Freundschaft oder Partnerschaft zu knüpfen fällt sehr schwer.

  • Small-Talk ist schwer möglich.

  • Rituale und Zwanghaftigkeit bestimmen das Leben weitgehend.

  • Stereotype Bewegungen sind charakteristisch.

  • Selbständig arbeiten fällt leicht, Teamwork dagegen ist schwierig.

  • Gestörte Sinneswahrnehmungen: Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen und Geräuschen oder Gerüchen.

  • Bei Erwachsenen: manchmal wenig Bedürfnis nach Sex oder Unsicherheit, weil die nötige Empathie fehlt

Es gibt allerdings spezielle Therapien, die Menschen mit Asperger-Syndrom dabei helfen, sich soziale Fähigkeiten anzutrainieren. Auch individuelle Stärken werden dabei gefördert, damit sie sich sinnvoll einsetzen lassen. Unter anderem können Verhaltenstherapie und Kommunikationstraining helfen. Aber auch Ergotherapie und Physiotherapie sind gerade bei körperlicher Ungeschicklichkeit hilfreich.

Ab wann kann das Asperger-Syndrom festgestellt werden?

Erste Symptome zeigen sich bei Kindern um das dritte Lebensjahr herum. Neben auffälligen Interessen teils für außergewöhnliche Themen fällt bei Kindern mit Asperger-Syndrom vor allem eine gewisse Ungeschicklichkeit und Probleme mit motorischen Fähigkeiten auf. Interaktion und Mimik finden wenig statt, dafür können Selbstgespräche auftreten.

Die Diagnose allerdings ist schwierig, vor allem bei Erwachsenen. Verschiedene Tests auf Autismus liefern für das Asperger-Syndrom nur grobe Informationen.

Die Stärken beim Asperger-Syndrom

Auch wenn Betroffene oft Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen oder Empathie haben, so leiten sich auch Stärken ab:

  • Die Sprachentwicklung setzt oft früh ein, Kinder lernen manchmal das Sprechen vor dem Laufen.
  • Gutes logisches und abstraktes Denken und Ideenreichtum
  • Hoher Sinn für Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, sehr zuverlässig und loyal
  • Gute bis hohe Intelligenz: Mancher kann sein Spezialinteresse gut in den Alltag oder sogar den Beruf integrieren.

Asperger-Syndrom und Autismus

Das Asperger-Syndrom gehört zwar zum sogenannten Autismusspektrum, worunter bestimmte Entwicklungsstörungen zusammengefasst werden. Anders als beim Autismus sind Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom jedoch normal begabt oder verfügen sogar über hohe Intelligenz. Symptome, die Kontakt und Kommunikation betreffen, sind auch nicht so ausgeprägt wie beim Autismus. Das Asperger-Syndrom wird deshalb auch als milde Form des Autismus bezeichnet, kann sich allerdings in ganz unterschiedlicher Schwere und Ausprägung bei Betroffenen zeigen.

Rund 0,5 bis zwei Prozent der Menschen sollen betroffen sein, davon viermal so viele Männer wie Frauen. Genaue Zahlen existieren nicht. Auch die Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht. Vermutlich gibt es eine genetische Veranlagung für das Asperger-Syndrom. Man geht auch davon aus, dass Infektionen, Krankheiten oder Medikamente in der Schwangerschaft beeinflussen können, ebenso wie das Alter der Eltern. Wissenschaftliche Belege dafür, dass Autismus in verschiedenen Formen, etwa auch das Asperger-Syndrom durch Impfungen ausgelöst werden könne, gibt es übrigens keine.

Begleitkrankheiten wie ADHS und Depression

Gewisse begleitende Erkrankungen fallen bei Asperger-Patienten auf, vor allem wenn Stresssituationen auftreten, die eine Änderung der gewohnten Umgebung oder des gewohnten Tagesablaufes mit sich bringen. Dazu gehören etwa ADS oder ADHS und andere Aufmerksamkeitsstörungen, Zwangsstörungen oder Depression. Mancher zeigt Formen von aggressivem Verhalten, Tourette und auch Schizophrenie.

Weitere Informationen zum Asperger-Syndrom sowie zum gesamten Autismus-Spektrum finden Sie in den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). Interessant ist auch ein Blick auf den Blog der Aspergerfrauen sowie die Seite Autismus-Kultur.

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