29.10.2019

Weit verbreitetes Augenproblem Bindehautentzündung: Wie ansteckend ist sie wirklich?

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Do, 19.09.2019, 09.44 Uhr

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Rote Augen sind nur eines der Anzeichen einer Bindehautentzündung. Wie hoch ist das Risiko, sich damit anzustecken – und wie kann man sich schützen?

Die Bindehautentzündung, medizinisch Konjunktivitis, wird unter anderem von Viren und Bakterien hervorgerufen, oft im Zuge einer Erkältung. Denn Schnupfenerreger wie Adenoviren können nicht nur die Schleimhäute der Atmungsorgane befallen, sondern auch die Augen: Die Bindehaut entzündet sich, wird rot, schmerzt, tränt und das Auge verklebt.

Es besteht das Risiko, dass sich die Entzündung von der Bindehaut auf die Hornhaut ausbreitet (Keratokonjunktivitis epidemica). Die Hornhaut kann dadurch eintrüben, wodurch die Sehkraft dauerhaft eingeschränkt werden kann. Weil das Auge durch die Viren geschwächt ist, vermehren sich dort zusätzlich Bakterien.

Die Bindehautentzündung: Wie entsteht sie?

Die Bindehaut (Tunica conjunktiva) ist die Haut zwischen Auge und Augenlid, die als Schleimhaut auch den weißen sichtbaren Teil des Augapfels sowie das Innere der Augenlider überzieht und vor Fremdeinwirkungen schützt. Wird die Bindehaut gereizt, etwa durch Bakterien, Viren oder auch mechanische Einflüsse, reagiert sie mit Rötung, da der Körper sie zur Abwehr vermehrt mit Blut füllt. Gleichzeitig werden wie bei jeder Entzündungsreaktion vermehrt Eiweißstoffe und weiße Blutkörperchen ausgeschüttet.

Es wird eine weißlich-gelbe Flüssigkeit abgesondert. Das Auge verklebt, tränt vermehrt – und das Ganze tut auch noch weh. Am schlimmsten sind die Symptome der Bindehautentzündung am Morgen, wenn die Augen über längere Zeit verschlossen waren. Viele Betroffene haben ihre große Mühe, das betroffene Auge (oder beide) überhaupt zu öffnen.

Weitere Symptome können etwa erhöhte Lichtempfindlichkeit, eine schlechtere Sehkraft oder das Gefühl eines Fremdkörpers im Auge sein. Auch Kopfschmerzen gesellen sich dann gerne dazu. Kommt Übelkeit hinzu, ist ein Gang zum Arzt sehr zu empfehlen, da auch eine ernstere Erkrankung dahinter stecken könnte.

Die häufigsten Ansteckungsquellen bei Bindehautentzündung

Meist lösen Viren (bei Erwachsenen) oder Bakterien (bei Kindern) eine Konjunktivitis aus. Adenoviren oder Herpesviren sind hier zu nennen, im bakteriellen Bereich Pneumokokken, Staphylokokken, Streptokokken, Hämophilius oder Chlamydien.

Gerade im Rahmen einer Erkältung wird die Entzündung meist durch Adenoviren hervorgerufen. Dazu kommen dicke Lymphknoten am Hals. Zudem startet die Entzündung an einem Auge. Die Bindehautentzündung kann sich aber leicht von einem auf beide Augen ausbreiten – vor allem durch Berührung mit den Fingern über eine Schmierinfektion.

Besonders tückisch an dieser Art der Bindehautentzündung ist nämlich: Sie ist extrem ansteckend. Die Viren befinden sich an den Augen und in der Tränenflüssigkeit. Weil die Augen tränen und brennen, greift man sich unbewusst ständig daran. Mit den Händen verteilen sich dann die Krankheitserreger auf Gegenständen wie Türgriffen, dem Telefon oder Handtüchern. Achten Sie deshalb auf sorgfältigste Hygiene und halten Sie Abstand, wenn jemand in Ihrer Umgebung an einer bakteriellen oder viralen Bindehautentzündung leidet. Doch auch über die Luft kann eine durch Bakterien oder Viren hervorgerufene Bindehautentzündung ansteckend sein.

Handtücher, Waschlappen und Co sollten immer nur von einer Person verwendet, niemals geteilt werden. Und auch Bettwäsche sollte im Falle einer Bindehautentzündung am besten via Kochwäsche gewaschen werden.

Sind Chlamydien der Auslöser bei Erwachsenen, muss der Partner auf jeden Fall mitbehandelt werden. Eine Chlamydien-Infektion zeigt nämlich nicht immer Symptome, kann aber unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen. Chlamydien können sich an allen Schleimhäuten im Körper ansiedeln.

Nicht ansteckend, aber sollte behandelt werden: Allergie und Co

Auch Allergene wie Pollen können eine Bindehautentzündung hervorrufen. Betroffene, die an Heuschnupfen leiden, kämpfen oft auch mit einer Entzündung der Augen. Hier handelt es sich um die Rhinokonjunktivitis, auch allergische Konjunktivitis genannt. In diesem Fall sind meist beide Augen betroffen, zu den Symptomen gesellt sich auch noch Juckreiz.

Auslöser können Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare sein. Auch Schmutz und trockene Luft können die Entzündung begünstigen, wenn dadurch die Bindehaut gereizt wird. Dann haben es auch Viren und Bakterien leichter.

Zudem können Medikamente die Bindehaut schwächen – ironischerweise etwa Augentropfen zur Behandlung roter Augen, und zwar dann, wenn sie regelmäßig und durchgängig eingenommen werden. Die Tränenproduktion geht durch die gefäßverengenden Wirkstoffe zurück und die Augen werden trocken – und entzünden sich schneller. Trockene Augen können aber verschiedene Gründe haben – und so zur Bindehautentzündung führen. Hier wiederum helfen kurzzeitig eingenommene Augentropfen gegen trockene Augen.

So lange dauert die Bindehautentzündung

Besonders fies: Bis die Augeninfektion ausbricht, können bis zu zwölf Tage vergehen. Bereits in dieser Zeit besteht das Risiko, dass die Krankheitserreger übertragen werden. Während der Bindehautentzündung und noch eine Woche danach besteht weiterhin Ansteckungsgefahr. Die Erkrankung dauert bis zu vier Wochen.

Ist die Entzündung bakteriell bedingt, kommt es selten zu Problemen, ohne Behandlung heilt die Erkrankung in mehr als der Hälfte der Fälle in ein bis zwei Wochen ab, im Falle einer viralen Entzündung dauert meist etwas länger, bedarf aber auch nicht immer einer Behandlung.

Dauert eine Bindehautentzündung aber länger als vier Wochen, sollten Sie definitiv spätestens (!) zum Arzt gehen. Dann besteht die Gefahr, dass sie chronisch wird.

Das oben genannte Risiko, dass die Bindehautentzündung auf die Hornhaut übergeht und eine Hornhautentzündung (Kreatitis) auslöst, ist vor allem bei Kontaktlinsenträgern erhöht, aber insgesamt sehr gering – sie betrifft laut "gesundheitsinformation.de" nur rund 3 von 10.000 Betroffenen, die eine Bindehautentzündung haben und Kontaktlinsenträger sind.

Behandlung: Hausmittel oder Cremes gegen Konjunktivitis?

Eine Bindehautentzündung kann praktisch jeder bekommen. Vor allem Babys und Kleinkinder sind allerdings gefährdet, weil ihr Immunsystem noch dazulernen muss. Und auch bei älteren Menschen oder solchen, deren Immunsystem generell geschwächt ist, tritt sie häufiger auf. Mit Babys oder geschwächten Menschen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Bei den ersten Anzeichen einer Bindehautentzündung sollten Sie schon allein aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr lieber nicht zu Hausmitteln greifen, sondern zum Augenarzt gehen. Ob kalte oder lauwarme Auflagen als Hausmittel helfen, ist nicht hinreichend belegt. Da man nicht sagen kann, ob sie nicht vielleicht sogar schädlich sind, sollten Sie auf Experimente verzichten.

Die Konjunktivitis kann vielfältige Ursachen haben, Erkältung oder Allergien sind nur einige davon. Entsprechend unterschiedlich fällt die Therapie aus. Meist handelt es sich aber um Augentropfen und -salben mit Antibiotika, Antiallergika oder Kortison. Bei Allergie kommen beispielsweise Antihistaminika in Form von Augentropfen zum Einsatz.

Sollte Ihr Arzt Ihnen aber auf Verdacht Antibiotika verschreiben, ohne vorher eine genaue Anamnese aufgenommen zu haben, sollten Sie vorsichtig sein. Denn die meisten Bindehautentzündungen sind viral. Bestehen Sie in diesem Fall darauf, dass ein Abstrich Ihrer Augenflüssigkeit genommen und überprüft wird. Bei einer viralen Entzündung helfen Antibiotika nicht! In diesem Falle können nur die Symptome der Erkrankung behandelt werden.

Hinweis für Kontaktlinsenträger: Linsen immer gut reinigen!

Tragen Sie normalerweise Kontaktlinsen, sollten Sie diese während der Erkrankung mit einer Bindehautentzündung nicht tragen und die Linsen gut reinigen. Am besten entsorgen Sie die bisher getragenen Linsen einfach und greifen in der Zeit der Erkrankung auf eine Brille zurück. Auch den Aufbewahrungsbehälter sollten Sie gründlichst reinigen, wenn Sie ihn wiederverwenden wollen.

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