20.05.2016

Darmentzündung Morbus Crohn – Neue Therapien gegen das Darmleiden

Foto: © iStock/vitapix

Massiver Durchfall ist typisch für Morbus Crohn. Bisher haben kaum Medikamente geholfen. Doch neue, teils ungewöhnliche Therapien geben Hoffnung.

Normalerweise ist Durchfall nach wenigen Tagen überstanden. Anders ist das bei Morbus Crohn, einer chronischen Darmentzündung. Hier treten die Darmprobleme immer wieder auf. Beschwerdefreie Zeiten wechseln sich ständig mit Krankheitsschüben ab. Die Anzeichen von Morbus Crohn:

  • starke Bauchschmerzen
  • Durchfall, der auch Wochen anhalten kann
  • Bauch- und Darmkrämpfe

Ernährung bei Morbus Crohn

Auch die Ernährung wird oft zum Problem. Wer Morbus Crohn hat, verträgt viele Lebensmittel nicht. Ballaststoffe und alles, was bläht, kann bei ihnen bereits einen Schub auslösen.

Die ständigen Durchfälle schwächen den Körper. Die Betroffenen nehmen ab und können während eines Schubs oft nicht einmal ihre alltäglichen Aufgaben bewältigen. Zusätzlich begünstigen die ständigen Darmentzündungen die Entstehung von Geschwüren und Fisteln im Darm.

Der Leidensdruck ist also groß. Besonders belastend dabei: Morbus Crohn ist bis heute nicht heilbar. Gängige Medikamente sind Kortison gegen die Entzündung und andere Wirkstoffe (zum Beispiel TNF-alpha-Blocker), um die Überreaktion des Darms zu dämpfen. Allerdings wirken diese Medikamente im gesamten Körper und entwickeln dabei auch Nebenwirkungen.

Morbus Crohn – die neuen Medikamente

Vielversprechend sind neue Arzneimittel wie Vedolizumab. Der Wirkstoff setzt gezielt im Darm an und kann verhindern, dass sich Entzündungszellen an die Darmwand haften. Vedolizumab wird als Infusion gegeben und sollte längerfristig angewendet werden.

Daneben gibt es noch weitere Ansätze:

  • Die Darmflora mit Würmern beeinflussen. Die Parasiten zeigten sich in Studien erfolgreich gegen Darmentzündungen wie Morbus Crohn. Dabei muss jedoch noch untersucht werden, welcher Mechanismus genau für diesen positiven Effekt verantwortlich ist.
  • Mit einer Stuhlspende die Darmflora und damit die Darmfunktion normalisieren. Dabei wird etwas Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm des Erkrankten übertragen (Mikrobiomtransfer). Die Therapie hat sich bei hartnäckigem Durchfall bereits bewährt und könnte auch bei Morbus Crohn eine Therapieoption werden.
  • Der Wirkstoff Mongersen soll ein bestimmtes Molekül hemmen, das bei der Darmentzündung eine Rolle spielt. In ersten Studien hat sich Mongersen als sehr erfolgreich erwiesen.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nehmen zu

Immer mehr Menschen leiden an chronischen Darmentzündungen, meist Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Anders als bei Colitis ulcerosa ist bei Morbus Crohn jedoch nicht nur die Darmschleimhaut betroffen, sondern alle Schichten der Darmwand. Letztendlich kann die Entzündung sogar jeden Abschnitt der Verdauungsorgane – von Mund bis After – befallen.

>> Bauchschmerzen mit Durchfall weisen auf Colitis ulcerosa hin

Die Ursache für Morbus Crohn ist noch immer nicht ganz geklärt. Vermutlich reagiert der Darm auf bestimmte, harmlose Bakterien zu stark. Damit wäre Morbus Crohn eine Autoimmunerkrankung. Eine neue Hypothese geht davon aus, dass es sich um eine Barrierestörung zwischen Dickdarm und Dünndarm handelt. Rund 300.000 Menschen in Deutschland leiden unter Morbus Crohn.

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen