Aktualisiert: 03.12.2020 - 15:01

Warnsignale beachten! Vorsicht, Schlaganfall! An diesen 9 Anzeichen erkennen Sie den Notfall

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Auf welche Anzeichen man achten sollte und was im Verdachtsfall genau zu tun ist, im Video!

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Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall. Ihn richtig zu erkennen, ist allerdings schwierig. Und längst sind nicht nur ältere Menschen betroffen. Oft sehen die Symptome wenig dramatisch aus – doch das täuscht. Bei welchen Warnzeichen Sie den Notarzt rufen sollten!

Nicht immer kommt ein Schlaganfall plötzlich oder ruft deutliche Anzeichen hervor. Doch schnelles Handeln ist immer wichtig. Oft gibt es bei dem medizinisch Apoplex genannten Notfall aber nur eher unauffällige Warnzeichen: Sie beeinträchtigen den Betroffenen wenig und sind oft nur vorübergehend. Doch wenn schnell reagiert wird, sind die Nachwirkungen oft nicht so drastisch. Wie Sie einen Schlaganfall erkennen und rechtzeitig reagieren können, lesen Sie hier.

Notruf! So reagiert man richtig
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Schlaganfall erkennen: 9 häufige Anzeichen und Vorboten des Apoplex

Weniger gefährlich sind diese Mini-Schlaganfälle (transitorisch ischämische Attacken, kurz TIA) deshalb nicht. Sie können trotzdem das Gehirn schädigen. Außerdem sind sie manchmal Vorboten eines großen Schlaganfalls: Bei rund 40 Prozent aller Patienten, die später einen Schlaganfall erleiden, waren im Vorfeld eines oder mehrere der neun folgenden Symptome aufgetreten:

  1. Kurze Lähmung im Gesicht: Davon ist etwa ein Mundwinkel oder Augenlid betroffen. Die Lähmung, Taubheit oder Schwäche kann auch eine ganze Körperhälfte betreffen und sich dann schnell wieder auflösen.
  2. Sehstörungen wie Doppelbilder, eine Einschränkung des Gesichtsfelds oder kurze Blindheit
  3. starke Kopfschmerzen, die sich anders anfühlen als sonst
  4. Sprachstörungen (Aphasie), die sich nicht nur beim Sprechen selbst äußern, sondern auch das Vermögen beeinträchtigen, Sprache zu verstehen
  5. kurzfristige Desorientierung, die Raum, Personen und Zeit betreffen kann
  6. Drehschwindel
  7. Unsicherheit beim Gehen und plötzliche Stürze
  8. Ohnmacht
  9. Krampfanfall

Auch wenn solche Warnzeichen nur ein oder zwei Stunden anhalten und dann wieder verschwinden: Zögern Sie nicht und rufen Sie die Notrufnummer 112 an. Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, wird der Patient schnellstmöglich in die nächste Klinik gebracht.

Der FAST-Test hilft beim schnellen Erkennen von Schlaganfällen

Es gibt aber einen Trick, einen Schlaganfall schnell zu erkennen. Und den können – und sollten – sich auch Laien gut einprägen. Haben Sie den Verdacht, jemand hat gerade einen Schlaganfall? Dann nutzen Sie den "FAST-Test" und schauen sich Gesicht (Face), Arme (Arms), Sprache (Speech) genau an und achten Sie auf die Zeit (Time). Mit drei kleinen Übungen können Sie so eine schnelle Schlaganfall-Diagnose stellen und schnellstmöglich den Notarzt informieren:

  1. Face: Bitten Sie die Person, einmal zu lächeln. Geht das nur halbseitig und schief, ist eine Körperseite gelähmt.
  2. Arms: Bitten Sie die Person nun, beide Arme nach vorne auszustrecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Auch das geht nicht bei einer Lähmung.
  3. Speech: Bitten Sie die betroffene Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Spricht die Person ungewohnt undeutlich und hat möglicherweise Probleme, den Satz zu wiederholen, deutet das auf eine Sprachstörung durch Schlaganfall hin.
  4. Time: Gibt es Probleme bei diesen drei Aufgaben? Dann keine Zeit verlieren und den Notarzt kontaktieren.

Bei Verdacht auf Schlaganfall schnell handeln

Beim Erkennen eines Schlaganfalls gilt der Leitsatz "time is brain": Je schneller die Behandlung startet, desto höher sind die Chancen, dass die Folgen des Schlaganfalls abgewendet werden können. Das sind nicht nur Lähmungen oder anhaltende Sprachprobleme – noch immer stirbt einer von fünf Patienten mit Schlaganfall innerhalb der ersten Wochen.

Die erste und wichtigste Maßnahme ist es daher, den Notarzt zu rufen. Geben Sie direkt am Telefon die Symptome an. Ist das geschehen, sollten Sie den Patienten weiter unterstützen:

  1. Helfen Sie dem Patienten dabei, sich mit erhöhtem Oberkörper bequem hinzusetzen.
  2. Sind Körperteile gelähmt, polstern Sie diese.
  3. Bei verlorenem Bewusstsein stabile Seitenlage herstellen und Puls und Atmung kontrollieren.
  4. Im geschlossenen Raum: Lüften, um für möglichst viel Sauerstoff zu sorgen.
  5. Ruhe bewahren und beim Patienten bleiben, bis der Notdienst eingetroffen ist.

Anschließend kann es hilfreich sein, Zeit und Datum der ersten Symptome zu notieren und dem Notdienst die Daten mitzugeben.

Ursachen für Schlaganfall sind verstopfte oder geplatzte Blutgefäße

Der Schlaganfall ist in Deutschland nach Krebs und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Knapp 270.000 Schlaganfälle pro Jahr ereignen sich laut der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Das zeigt, wie essentiell es ist, die Symptome für einen Schlaganfall rechtzeitig zu erkennen.

Beim Schlaganfall oder Gehirnschlag handelt es sich immer um eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns. Dabei unterscheiden Ärzte je nach Auslöser zwei Formen des Apoplex: den ischämischen Schlaganfall, auch ischämischer Infarkt, Hirninfarkt oder weißer Infarkt genannt, und den hämorrhagischen Schlaganfall oder roten Hirninfarkt.

Ischämischer Schlaganfall: Dabei verstopft ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Blutgefäß im Gehirn – oder das Gefäß ist durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) extrem verengt. Die hinter dem Gefäßverschluss liegenden Bereiche werden nicht mehr durchblutet. Dieser Blutmangel heißt medizinisch Ischämie. Bleibt das Blutgefäß länger verschlossen, können die betroffenen Areale absterben. Bei etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle handelt es sich um einen ischämischen Infarkt.

Hämorrhagischer Schlaganfall: Wenn ein Blutgefäß im Gehirn reißt, kommt es zu einer Gehirnblutung. Dadurch erhöht sich der Druck auf das umliegende Gewebe. Wie beim ischämischen Schlaganfall kann dadurch Gewebe zerstört werden, hier allerdings durch den Druck des Blutergusses statt durch mangelnde Versorgung. Die Bezeichnung hämorrhagisch bedeutet "blutend". Bei bis zu 20 Prozent aller Schlaganfälle handelt es sich um einen hämorrhagischen Infarkt. Ursachen für diese Form des Schlaganfalls sind

Schlaganfall gezielt vorbeugen

Die häufigsten Ursachen für den Schlaganfall sind Bluthochdruck und Arteriosklerose. Durch gesunde Lebensweise lassen sich diese Risiken senken. Dazu gehört:

  • Übergewicht abbauen
  • täglich mindestens eine halbe Stunde an die frische Luft gehen
  • Bewegung in den Alltag einbauen und mindestens zweimal die Woche Sport treiben
  • täglich frisches Obst und Gemüse essen
  • Fleisch und Wurst nur selten auf den Tisch bringen
  • Alkoholkonsum einschränken
  • mit dem Rauchen aufhören

Nicht immer lassen sich mit diesen Maßnahmen Bluthochdruck und Arteriosklerose verhindern. Dann spielen meist genetische Faktoren eine Rolle. Entsprechende Medikamente wie etwa Blutdrucksenker helfen in diesem Fall dabei, das Risiko für einen Schlaganfall trotzdem zu minimieren.

Kleine Übung: Ist Ihr Schlaganfall-Risiko erhöht?

Es gibt einen kleinen Trick, den japanische Forscher aus Kyoto herausgefunden haben und mit dem sich in kurzer Zeit testen lässt, ob ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko vorliegt:

  • Stellen Sie sich für 20 Sekunden auf ein Bein und halten Sie dabei die Augen offen. Ist es nicht möglich, die Balance zu halten, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass bereits Mikroblutungen oder gar Mini-Infarkte stattgefunden haben. Eine MRT-Aufnahme kann hier weitere Abhilfe schaffen. Ein Termin beim Hausarzt wäre hier ratsam.

Schlaganfall ist nicht nur ein Altersphänomen: Auch junge Menschen betroffen

Dabei sind auch jüngere Menschen angesprochen. Meistens betrifft ein Schlaganfall zwar Menschen über 50 Jahre. Doch bis zu 15 Prozent aller Patienten sind unter 50 Jahre alt. In dieser Altersgruppe sind vor allem Frauen gefährdet, bei denen mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Das können etwa Übergewicht, Rauchen und die Einnahme der Pille sein. Dabei kann sich das Risiko für einen Schlaganfall vervielfachen, wie Studien warnen. "Höhere Hormonlevel, vor allem Östrogen, gefährden die Integrität von Blutgefäßen", erklärt etwa Dr. Nicole Weinberg, Kardiologin am kalifornischen Providence Saint John's Health Center. "Sie beeinflussen, wie sehr sich die Gefäße weiten und zusammenziehen. Das kann sie anfälliger für Risse in den Arterien oder für Blutgerinnsel machen."

Doch nicht nur die Pille kann Schuld sein, auch Schwangere sind durch einen erhöhten Östrogenspiegel gefährdeter.

Fazit: Symptome ernst nehmen und Notarzt kontaktieren

Wer die oben genannten Symptome für einen Schlaganfall rechtzeitig erkennt, kann Leben retten. Zögern Sie nicht, in diesem Fall sofort den Notarzt zu rufen. So sinkt auch die Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen. Wie Sie bei einem Schlaganfall am besten Erste Hilfe leisten, lesen Sie hier. Und übrigens: Auch in Corona-Zeiten ist der Notarzt lebenswichtig!

Auf unserer Schlaganfall-Themenseite haben wir Ihnen weitere nützliche Informationen zusammengestellt.

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