07.12.2018

Gefährlich wie ein Herzinfarkt Lungenembolie: Symptome werden oft nicht erkannt

Die Anzeichen für eine lebensgefährliche Lungenembolie werden oft nicht erkannt. Dabei ist schnelle Hilfe wichtig.

Foto: ©iStock/anilakkus

Die Anzeichen für eine lebensgefährliche Lungenembolie werden oft nicht erkannt. Dabei ist schnelle Hilfe wichtig.

Eine Lungenembolie ist so gefährlich wie ein Herzinfarkt. Doch viele Menschen kennen die Anzeichen nicht. Dabei ist schnelles Handeln gefragt.

Eine Lungenembolie, umgangssprachlich auch als Lungeninfarkt bezeichnet, kommt meist plötzlich. Das haben wir beispielsweise am plötzlichen Tod der beliebten Radio-Moderatorin Stefanie Tücking gesehen. Symptome treten meist ohne Vorwarnung auf und sind dazu noch schwer zu deuten – und wenn das auch noch nachts passiert, wie es bei Steffi Tücking der Fall war, kommt die Hilfe oft zu spät. Denn bei einer Lungenembolie ist schnelles Handeln gefragt.

Eine Embolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel oder eine andere Ablagerung sich irgendwo im Körper löst, in ein Blutgefäß geschwemmt wird und dieses dabei verstopft. In Falle der Lungenembolie verstopft ein solches Gerinnsel eine Lungenarterie. Dadurch kann sauerstoffarmes Blut nicht mehr vom Herz in die Lunge gelangen. Embolien in der Lunge rühren meist von Gerinnseln aus den Venen, Thrombosen. Neben Blutgerinnseln können aber auch Fettablagerungen, Luft, Zellen, sogar Fruchtwasser oder Fremdkörper für eine Embolie sorgen. Setzt sich die Arterie zu, muss schnell gehandelt werden.

Symptome einer Lungenembolie werden oft zu spät erkannt

Wird innerhalb der ersten Stunden gezielte Hilfe geleistet, sind die Überlebenschancen gut. Doch oft greift die Therapie zu spät, weil die Symptome nicht richtig gedeutet werden. Denn die Anzeichen einer Lungenembolie sind nicht immer eindeutig. Sie können sehr unterschiedlich sein und treten auch in Zusammenhang mit anderen Krankheiten auf wie Asthma, Bronchitis oder Kreislaufproblemen auf. Auf diese Anzeichen sollten Sie achten:

  • plötzliche Luftnot

  • schnelles Atmen

  • Rasseln beim Atmen

  • Brustschmerzen

  • Kreislaufschwäche

  • Herzrasen

Betroffene berichten beispielsweise darüber, dass sie auf einmal nicht mehr die Treppe hochkamen, sich hinsetzen und schwer nach Luft ringen mussten.

Ist nur ein kleines Blutgefäß der Lunge blockiert, sind die Symptome entsprechend schwach. Stark sind sie, wenn ein größeres Gefäß verstopft wird. Dann kann die Lungenembolie lebensbedrohlich werden. Bei einer solchen fulminanten Lungenembolie kommt es innerhalb weniger Minuten bis Stunden zu starker Luftnot, der Kreislauf kann versagen. Dabei können auch schwere Komplikationen wie Rechtsherzversagen, Herzrhythmusstörungen, Schock oder ein Lungeninfarkt auftreten – auch im Nachgang.

Auf jeden Fall gilt: Lassen Sie jedes dieser Anzeichen vom Arzt abklären!

Ursache der Lungenembolie ist meist eine Beinvenenthrombose

Ausgelöst wird eine Lungenembolie meist durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das aus einer tiefen Bein- oder Beckenvene stammt. Die Lungenembolie ist also oft die Folge einer Thrombose in den Beinvenen, die nicht entdeckt und nicht behandelt wurde.

Der Blutpfropf kann sich aus den Beinen oder dem Becken lösen – etwa bei Anstrengung und wenn der Blutdruck rasch nach oben geht, beispielsweise bei plötzlicher körperlicher Anstrengung. Mit dem Blutfluss gelangt das Gerinnsel dann in die Lungenarterien und verstopft sie. Das dahinter liegende Lungengewebe kann dadurch nicht mehr arbeiten und der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff.

Die sogenannten Virchow-Trias, drei Faktoren, können eine Thrombose und damit auch eine Embolie begünstigen:

  1. Langsamerer Blutfluss als normal
  2. Verletzungen oder Veränderungen der Blutgefäß-Innenwand
  3. Veränderte Blutzusammensetzung mit höherer Gerinnungsneigung.

Diese drei Faktoren treten etwa infolge von zu wenig Bewegung (langsamer Blutfluss), bei Verletzungen oder Entzündungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente auf. Unter anderem kann auch die Pille das Thrombose- und Schlaganfallrisiko erhöhen. Und auch in der Schwangerschaft steigt aufgrund der hormonellen Umstellung sowie durch gehinderten Blutfluss durch die wachsende Gebärmutter das Embolie-Risiko. Und auch ein hohes Lebensalter, Übergewicht oder auch die genetische Veranlagung können ausschlaggebend sein.

Lungenembolie ist oft lebensgefährlich: So wird therapiert

Hat das Blutgerinnsel eine große Lungenvene verstopft, besteht Lebensgefahr. Der Kreislauf kann zusammenbrechen und das Herz versagen. Das passiert vor allem innerhalb der ersten beiden Stunden nach Eintritt der Lungenembolie. Nur sofort einsetzende Hilfe kann diese Folgen vermeiden. Dieses Glück hatte die Radiomoderatorin nicht: Stefanie Tücking verstarb an einer unentdeckten Lungenembolie.

Kontaktieren Sie bei den oben auftretenden Symptomen also wenn möglich schnell den Notarzt.

Bis dieser eintrifft, sollte der Patient möglichst ruhig bleiben und sich so wenig wie möglich bewegen. Leidet der Betroffene an Atemnot, hilft es, den Oberkörper leicht erhöht zu lagern. Wenn möglich, sollte der Betroffene mit Sauerstoff versorgt werden. Sollte es zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommen, werden Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig. Der Notarzt kann den Patienten dann weitgehend stabilisieren und eventuell bereits gerinnungshemmende Medikamente verabreichen.

Zur Therapie der Lungenembolie im Krankenhaus gehören dann:

  • Medikamente, die das Gerinnsel auflösen (etwa Heparin), vor allem, wenn die Embolie weniger schwer ausfällt. Die Therapie dauert sieben bis zehn Tage und wird dann mit Tabletten fortgeführt.

  • Bei schweren Lungenembolien wird oft eine Fibrinolyse gemacht, die das Blutgerinnsel auflöst. Die Therapieform wird angewendet, wenn der rechte Herzteil zu versagen droht. Medikamente werden direkt in die Vene gebracht.

  • Sauerstoffzufuhr über eine Nasensonde, um Lunge und Blut wieder ausreichend zu versorgen.

  • Freimachen des verstopften Blutgefäßes über einen Katheter oder per Operation. Beim Legen eines Katheters wird das Gerinnsel so verkleinert, dass die Gerinnselteile statt einer großen viele kleine Lungenembolien verursachen. Mit diesen kommt das Herz aber erst einmal meist besser zurecht. Nach der Akuthilfe können die kleinen Embolien mithilfe von Medikamenten aufgelöst werden. Das Gerinnsel kann aber auch über eine offene Operation (pulmonale Embolektomie) entfernt werden.

Im Anschluss muss der Patient gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, um weitere Thrombosen und Embolien zu vermeiden. Diese Cumarine werden – je nach Schwere der Embolie – über einen längeren Zeitraum eingenommen, meist drei bis sechs Monate lang – eventuell aber auch dauerhaft.

Vorbeugen gegen Thrombosen und damit gegen Lungenembolien

Rund 60.000 Menschen pro Jahr in Deutschland erleiden eine Lungenembolie, jeder Zehnte von ihnen stirbt daran. Oft verläuft dieser Gefäßengpass in der Lunge deshalb so tragisch, weil die Anzeichen nicht gleich richtig erkannt wurden. Am besten ist es allerdings, Blutgerinnseln direkt vorzubeugen, damit Lungenembolien gar nicht erst entstehen können:

  1. Sollten Sie an Übergewicht leiden, sollten Sie mit Bewegung und gesunder Ernährung dagegen angehen. Das hält auch den Blutfluss im gesunden Rahmen und stärkt Gefäße und Herz.
  2. Regelmäßige Bewegung hält die Venen gesund. Ebenso können Stützstrümpfe und Kompressionsstrümpfe helfen. Wie Sie Kompressionsstrümpfe anziehen, verraten wir Ihnen.
  3. Zusätzlich sollten Sie bei längerem Sitzen, etwa auf der Arbeit, auf Reisen in Bahn, Auto und vor allem im Flugzeug genügend Wasser trinken und sich die Beine immer mal wieder vertreten.
  4. Sollten Sie durch Unfälle oder Erkrankungen bettlägerig sein oder vor allem die Beine wenig bewegen können, sprechen Sie Ihren Arzt auf eventuelle gerinnungshemmende Medikamente an.

So halten Sie Ihre Venen fit und die Gefahr für Lungenembolien sinkt. Ebenso beugen Sie so weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Seite