Aktualisiert: 21.05.2021 - 11:01

Schmerzen beim Wasserlassen Blasenentzündung behandeln: Antibiotika nicht immer nötig

Hausmittel gegen Blasenentzündung

Hausmittel gegen Blasenentzündung

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Verschreiben Ärzte Antibiotika zu leichtfertig? Bei Blasenentzündungen können Schmerzmittel reichen, sagt auch die aktuelle S3-Leitlinie. Lesen Sie, was Frauen dazu wissen sollten.

Blasenentzündungen, medizinisch Zystitis, bekommen vor allem Frauen – kaum eine hat das lästige Brennen und die oft unerträglichen Schmerzen beim Wasserlassen nicht schon mal erlebt. Ursache sind Bakterien, die aus der Intimregion oder dem Darm in die Blase eingewandert sind und dort eine Entzündung hervorrufen, die Zystitis genannt wird.

Weil die Beschwerden so ausgeprägt sind, gehen die meisten Betroffenen möglichst schnell zum Arzt und lassen sich gegen die Bakterien Antibiotika verschreiben. Manche Frauen, die bereits öfter einen Harnwegsinfekt hatten, halten zu Hause sogar ein entsprechendes Antibiotikum für diesen Notfall bereit. Dabei sind Antibiotika bei Blasenentzündung gar nicht immer nötig. Die aktuelle Behandlungs-Leitlinie bevorzugt bei unkomplizierten Infektionen sogar andere Therapien wie Ibuprofen, Phytopharmaka und Mannose.

Schmerzmittel oder Antibiotika bei Blasenentzündung?

Antibiotika haben wie jedes Medikament Nebenwirkungen – und einen ganz entscheidenden Nachteil. Nimmt man sie zu oft, können sie dafür sorgen, dass Bakterien sich irgendwann sozusagen an sie gewöhnen und damit unempfindlich gegen die eigentlich starke Therapie werden. Das nennt man dann Antibiotika-Resistenz. Und die stellt die Weltgesundheit vor enorme Probleme. Umso wichtiger ist es, Antibiotika eben nur zu verabreichen, wenn sie wirklich notwendig sind, also keine andere Therapie anschlägt.

Wissenschaftler vom Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben schon vor Jahren untersucht, ob es Alternativen zur Antibiotika-Behandlung bei Blasenentzündung gibt. Dabei verglichen sie die Wirkung von gängigen Medikamenten, die Schmerzen lindern und Entzündungen bremsen, mit der von Antibiotika.

Studie zu Blasenentzündung: 500 Frauen nahmen teil

An der Studie nahmen damals mehrere Hausarztpraxen in Norddeutschland teil. Frauen, die mit den Anzeichen einer Blasenentzündung zum Hausarzt kamen und sich bereit erklärten, an der Studie teilzunehmen, bekamen entweder ein Antibiotikum oder das Schmerzmittel. Die Patientinnen selbst wussten nicht, ob sie vom Arzt das Antibiotikum oder das Schmerzmittel bekommen hatten. Insgesamt handelte es sich um knapp 500 Frauen.

Oft geht es auch ohne Antibiose

Beiden Gruppen wurde geraten, wieder in die Praxis zu kommen, wenn sich die Beschwerden durch das verabreichte Medikament nicht bessern oder gar verschlimmern würden. Das Ergebnis: Nur ein Drittel der Frauen, die ein Schmerzmittel anstelle eines Antibiotikums bekommen hatten, musste nochmals zum Arzt. Zwei Drittel wurden also ohne Antibiotikum wieder gesund.

"Die Ergebnisse unserer Studie sind eine Grundlage, um mit Patientinnen bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt zu überlegen, ob sie zunächst auf Antibiotika verzichten möchten", sagt Jutta Bleidorn vom Institut für Allgemeinmedizin der MHH. "Wir können belegen: Für sonst gesunde Frauen mit leichten bis mittelschweren Symptomen ist die symptomatische Behandlung häufig ausreichend und das Risiko von Komplikationen gering."

Leitlinie angepasst: Nicht immer Antibiotika nötig

Die sogenannte S3-Leitlinie sieht nun vor: Zwar sollen für akute, auch unkomplizierte Harnwegsinfekte erst einmal Antibiotika in Betracht gezogen werden. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Urologie in der Leitlinie. Doch Ärzt:innen sind dazu angehalten, kritisch zu diagnostizieren und Antibiotikatherapien, wenn möglich, zu vermeiden.

Primärziel der Therapie bei unkomplizierten Blasenentzündungen sei, dass die belastenden Beschwerden zügig abklingen. Das bedeutet so viel wie: Bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden könne auch eine symptomatische Therapie etwa mit dem entzündungshemmenden Schmerzmittel Ibuprofen in Erwägung gezogen werden. Schließlich würden 30 bis 50 Prozent der Harnwegsinfekte selbstständig ausheilen und die Komplikationsrate sei mit 2 Prozent gering. Dagegen sei eine mögliche bakterielle Resistenzentwicklung ernstzunehmen.

In jedem Fall Rücksprache mit dem Arzt halten

Ärzt:innen sollen dafür mit ihren Patientinnen ins Gespräch gehen und die Therapieoptionen durchsprechen und abwägen. Dabei solle auch darauf hingewiesen werden, dass die rein symptomatische Behandlung ohne Antibiotika mitunter mit einer höheren Symptomlast einhergehen könne.

Prophylaxe mit Mannose und Phytotherapeutika

In die Leitlinie aufgenommen sind nun allerdings auch erstmals Prophylaxe-Möglichkeiten, die helfen sollen, dass es gar nicht erst zu einer Zystitis kommt. Vor allem betrifft dies Frauen, die unter wiederkehrenden Infekten leiden. Ihnen kann nun unter anderem auch D-Mannose empfohlen werden. In einer kontrollierten Studie nämlich erwies sich eine regelmäßige, tägliche Einnahme von D-Mannose bei Frauen mit wiederkehrender Zystitis als ähnlich effektiv wie eine Langzeitprophylaxe mit einem Langzeitantibiotikum – ohne die Nebenwirkungen des antibiotischen Mittels.

D-Mannose ist ein Einfachzucker, übrigens auch in Cranberries enthalten, der an die Bakterien binden kann und so verhindert, dass sie sich an die Schleimhaut anhaften. D-Mannose wird kaum verstoffwechselt, sondern über den Urin nahezu vollständig wieder ausgeschieden, was sie direkt an den Ort des Geschehens, die Harnwege, bringt.

Ebenfalls positiv bewertet werden in der Leitlinienun Phytotherapeutika zum Vorbeugen vor wiederkehrenden Infektionen. Insbesondere genannt sind Trockenextrakte von Bärentraubenblättern, Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel, die den Harntrakt desinfizieren können. Aber auch hier ist unbedingt ärztliche Rücksprache notwendig. Denn pflanzlich heißt nicht gleich harmlos: In Bärentraubenblättern etwa ist der Gehalt an Gerbstoffen hoch, die bei empfindlichen Menschen durchaus Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und andere Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen können.

Unterstützend mit Hausmitteln arbeiten

Und was, wenn's trotzdem passiert ist? Es gibt beispielsweise diverse Hausmittel bei Blasenentzündung, die bei leichten Infekten bereits helfen können oder die Therapie unterstützen. So sollten Betroffene vor allem viel trinken – am besten rund zwei Liter Tee, der Nieren und Blase durchspült. Eine Wärmflasche kann zudem die Schmerzen lindern.

Sollten Sie jedoch merken, dass die Symptome der Blasenentzündung nicht besser werden, Fieber dazukommt oder die Schmerzen in den Rücken wandern, ist schnelles Handeln gefragt. Melden Sie sich dann umgehend bei Ihrem Arzt, um Nierenprobleme zu vermeiden.

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