11.04.2016

Schwache Blase Harninkontinenz bei Frauen: Weit verbreitet, dennoch schambehaftet

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Foto: ©iStock/grinvalds

Viele Frauen sind betroffen, kaum eine spricht darüber: Harninkontinenz - umgangssprachlich auch als Blasenschwäche bezeichnet!

Harninkontinenz ist immer noch ein Tabuthema, obschon jede vierte Frau in ihrem Leben zumindest kurzfristig mit der Krankheit zu tun hat, sei es durch eine Schwangerschaft oder aufgrund des gestiegenen Alters. Der Begriff Harninkontinenz (auch als Blasenschwäche, Harnverlust oder Urinabgang bezeichnet) beschreibt eine Fehlfunktion des Körpers im Bereich der Blase, Harnwege oder der Verschlussmuskeln. Hierdurch kann die betroffene Person den Austritt von Urin nicht mehr zurückhalten und es kommt zu einem unfreiwilligen Urinabgang, welcher als sehr unangenehm empfunden wird.

Viele Ursachen für Blasenschwäche

Die Harninkontinenz hat je nach Ursache viele Gesichter. Die Art der Blasenschwäche muss zunächst von Ihrem Haus- oder Frauenarzt festgestellt werden, da sich hiernach die jeweilige Therapie richtet. Eine Variante des Harnverlustes ist etwa die Belastungsinkontinenz. Hierbei kommt es durch unterschiedliche druckauslösende Einwirkungen auf den Körper wie etwa langes Stehen, schweres Heben, Nießen oder sogar Lachen dazu, dass der Urin unfreiwillig abgeht. Andere Betroffene klagen darüber, dass sie immer wieder einen übermäßig großen Harndrang spüren (Dranginkontinenz) oder dass sie das Gefühl haben, ihre Blase laufe ständig über (Überlaufinkontinenz). Im umgekehrten Fall spüren einige Personen nicht mehr, wann die Blase überhaupt gefüllt ist und können den Vorgang der Blasenentleerung nur noch eingeschränkt steuern (Reflexinkontinenz).

Die Symptome und Varianten der Harninkontinenz sind also vielfältig. Letztlich besteht auch die Möglichkeit, dass verschiedene Arten aufeinandertreffen (Mischinkontinenz).

Schwangerschaft, Übergewicht, Beckenbodenprobleme - Vielfältige Ursachen der Harninkontinenz

So vielfältig die Symptome der Harninkontinenz sind, so unterschiedlich sind auch die Auslöser hierfür. Bei vielen Frauen zwischen 20 und 40 kann vor allem eine Schwangerschaft der Grund des plötzlichen Harnabgangs sein. Zunächst drückt der Fötus natürlich auf die Blase, da sich diese direkt neben der weiterwachsenden Gebärmutter befindet. Andererseits kann eine Schwangerschaft die Beckenbodenmuskulatur angreifen und schwächen, so dass diese den Blasenschließmuskel nicht mehr ausreichend stützen können. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass bei Frauen die Beckenbodenmuskulatur im Vergleich zu Männern per se schwächer ausgebildet und anfälliger für Bindegewebsstörungen ist. Dadurch kann die Muskulatur im Beckenboden etwa durch eine Schwangerschaft übermäßig gedehnt werden oder sogar einreißen, was dann zu einer Harninkontinenz führt. Andere Ursachen für eine extreme Belastung der Beckenbodenmuskultur sind etwa Übergewicht oder harte körperliche Arbeit.

Durch eine Schwangerschaft, Operationen, Tumore oder durch Entzündungen sowie neurologische Erkrankungen kann es aber auch zu einer Drang- bzw. Reflexinkontinenz kommen. Hierbei ist nicht ein gewisser Druck oder ein schwaches Beckenbodensystem der Auslöser der Blasenschwäche. Vielmehr erhält die Betroffene etwa durch eine Nervenschädigung beispielsweise immer wieder Signale, dass die Blase voll ist und entleert werden muss, obwohl diese noch gar nicht vollständig gefüllt ist. Es kann aber auch dazu kommen, dass plötzlich ein unkontrollierbarer Harndrang entsteht und der Gang auf die Toilette nicht mehr rechtzeitig erfolgen kann (Reizblase). Gerade bei Frauen in den Wechseljahren tritt diese Form der Harninkontinenz aufgrund des Mangels an Östrogen häufig auf.

Ungewollten Harnabgang in den Griff bekommen

Ist eine Schwangerschaft der Grund für die Harninkontinenz, so können viele frischgebackene Mütter spätestens zwölf Monate nach der Geburt aufatmen, da die Blasenschwäche durch die Rückbildung der Gebärmutter und die erneute Stärkung der Beckenbodenmuskulatur oftmals von allein wieder verschwindet. Durch Beckenbodentraining nach der Schwangerschaft kann dieser Vorgang beschleunigt werden.

Für alle Frauen gilt es jedoch, die Beckenbodenmuskulatur vor allem im Hinblick auf kommende Schwangerschaften oder die Erschlaffung des Bindegewebes im Alter regelmäßig zu trainieren. Ein solches Training ist ganz einfach auch daheim oder unterwegs möglich. Während Sie an der Bushaltestelle sitzen oder im Büro können Sie die Beckenbodenmuskulatur immer wieder anspannen und diese so ohne großen Aufwand stärken. Wirksam ist ebenfalls eine Gewichtsreduktion bei stark fettleibigen Frauen.

Möglichkeit einer Östrogentherapie

Betroffenen in den Wechseljahren kann darüber hinaus eine Östrogentherapie helfen. Sind Nervenschädigungen der Auslöser für die harninkontinenz kann unter Umständen eine Elektrostimulation Linderung verschaffen. Kommt es jedoch aufgrund anderer Krankheiten zu einem unfreiwilligen Harnabgang, so ist vornehmlich diese Krankheit zu therapieren. Besprechen Sie eine auftretende Blasenschwäche aber in jedem Fall mit Ihrem Arzt.

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