Aktualisiert: 04.01.2021 - 15:38

Unangenehme Bettgenossen Hausstauballergie: Was tun gegen ständige Beschwerden?

Ständig läuft vor allem morgens die Nase, der Niesreiz ist kaum zu unterdrücken? Das könnte an einer Hausstauballergie liegen. Zum Glück gibt es einige Tipps, wie Sie sie loswerden – denn behandeln sollten Sie sie.

Foto: Getty Images/PeopleImages

Ständig läuft vor allem morgens die Nase, der Niesreiz ist kaum zu unterdrücken? Das könnte an einer Hausstauballergie liegen. Zum Glück gibt es einige Tipps, wie Sie sie loswerden – denn behandeln sollten Sie sie.

Wer eine Hausstauballergie – auch Hausstaubmilbenallergie genannt – hat, leidet fast ununterbrochen, Tag und Nacht. Trotzdem gibt es Möglichkeiten die Symptome zu bekämpfen.

Hausstaubmilben sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge kaum erkennbar sind – und wir alle haben sie im Haus. Doch die etwa 0,2 Zentimeter kleinen Spinnentiere können eine schwere Allergie auslösen. Genauer gesagt sind nicht die Milben die Ursache der Hausstauballergie. Der Auslöser, also das Allergen, sind Eiweißstoffe im Kot der Milbe. Der Milbenkot zerfällt, seine Partikel vermischen sich mit dem Hausstaub, werden aufgewirbelt und eingeatmet.

Empfindliche Menschen reagieren darauf mit einer Allergie, die bereits wenige Minuten nach dem Kontakt mit dem Hausstaub beginnt. Deshalb wird diese Allergie als Hausstauballergie bezeichnet, obwohl sie genau genommen auf die Exkremente der Milbe zurückzuführen ist und nicht auf andere Bestandteile des Staubs.

Hausstaubmilbenallergie – das sind die Ursachen

Hausstaub setzt sich zusammen aus Hautschuppen von Mensch und Tier, kleinen Härchen, Textil- und Kunststofffasern, Pollen, Pilzsporen und Holzpartikeln, sowie aus Milben (bis zu 15.000 pro Gramm Staub!) und Milbenkot. Und in letzterem finden sich 95 Prozent der allergieauslösenden Stoffe. Die Milben leben in der Wohnung vor allem dort, wo sie nahen Kontakt zum Menschen haben: In Matratzen, Decken und Polstermöbeln. Denn Milben fressen die Hautschuppen des Menschen. Täglich verlieren wir davon bis zu zwei Gramm. Von dieser Menge können sich mehr als eine Million Hausstaubmilben mindestens einen Tag lang ernähren. Die Allergenbelastung ist deshalb im Schlafzimmer und Wohnzimmer am stärksten. Milben lieben Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent – und vor allem im Bett ist es schön warm und feucht.

Die Hausstauballergie kommt extrem häufig vor und nimmt immer weiter zu. Aktuell sind etwa zehn bis 15 Prozent der Deutschen betroffen, darunter vor allem Kinder, erklärt der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Jedes fünfte Kind reagiert bereits überempfindlich auf Milbenallergene. Warum sich die Hausstaubmilbenallergie so ausbreitet, ist nicht geklärt. Eine Rolle spielen vermutlich folgende Punkte:

Zunehmende Hygiene führt dazu, dass sich das Immunsystem unterfordert fühlt und damit auf harmlose Stoffe wie die Eiweißstoffe im Milbenkot überreagiert. Stichwort Hygiene: Das Vorurteil, Hausstauballergie entsteht, weil die Wohnung schmutzig ist, stimmt nicht. Hausstaubmilben befinden sich in jeder Wohnung und haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) betont.

Verbesserte Wärmedämmung in den Wohnungen unterbindet den Luftaustausch in den Räumen. Schadstoffe sammeln sich an und damit auch die Exkremente der Milben in der Raumluft. Außerdem steigt die Luftfeuchtigkeit – ein wichtiger Faktor für optimale Lebensbedingungen der Hausstaubmilben.

Hausstaubmilbenallergie – die Symptome

Die Anzeichen der Hausstauballergie sind sehr unterschiedlich. Folgende sind möglich:

  • Allergischer Schnupfen (Fließschnupfen wie bei Heuschnupfen) mit Niesattacken und laufender Nase. Vor allem morgens ist die Nase total verstopft, weil die Schleimhäute angeschwollen sind.
  • Allergische Bindehautentzündung mit Juckreiz, roten Augen und Augentränen
  • Bronchien und Lunge reagieren mit Husten und Asthma. Vor allem nachts kann der Husten stark beeinträchtigen.
  • Auf der Haut bildet sich Ausschlag mit kleinen, roten Quaddeln, starker Juckreiz.
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Die Symptome der Hausstauballergie plagen Betroffene das ganze Jahr über, im Winter oft sogar noch mehr als im Sommer. Denn in der kalten Jahreszeit halten wir uns öfter in geschlossenen (und beheizten) Räumen auf. Das unterscheidet diese Allergie vom Heuschnupfen, der nur im Frühjahr und Sommer auftritt, wenn die Pollen fliegen.

Typisch für die Hausstauballergie ist auch der sogenannte Etagenwechsel. Das bedeutet: In den ersten Jahren betrifft die Milbenallergie meist die Nase, also die oberen Atemwege. Wird die Erkrankung nicht behandelt, breitet sich die Allergie zusätzlich auf die unteren Atemwege aus. Asthma kann entstehen. Vor allem bei Kindern tritt dieser Etagenwechsel auf und die Hausstauballergie zieht allergisches Asthma nach sich.

Der Allergietest bei Hausstauballergie

Bei Verdacht auf eine Hausstauballergie sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Mit verschiedenen Untersuchungen kann er feststellen, ob der Verdacht zutrifft, oder ob andere Innenraum-Allergene Fließschnupfen und Asthma auslösen. Beim Allergietest gibt es mehrere Verfahren:

  • Hauttest – dabei werden verschiedene Allergene auf die Haut (Epikutantest, Patchtest) gegeben oder in die Haut geritzt (Pricktest, Intrakutantest). Kurz danach zeigt sich an der Stelle des verantwortlichen Allergens eine allergische Reaktion mit Quaddeln und Juckreiz.
  • Bluttest – die Blutprobe verrät, ob allgemein eine Allergie vorliegt. Weitere Blutuntersuchungen können zeigen, auf welche Allergene der Körper sensibilisiert ist.
  • Provokationstest – hier wird das Allergen inhaliert oder auf die Nasenschleimhäute aufgetragen.

Besteht bereits allergisches Asthma, sind zusätzlich ein Lungenfunktionstest und eventuell Röntgen der Lunge angebracht.

Behandlung von Hausstauballergie mit Medikamenten

Bei der Milbenallergie ist es schwierig, die Auslöser, also den Milbenkot, gänzlich zu vermeiden. Eine Behandlung ist deshalb meist unumgänglich. Die wichtigsten Medikamente gegen Hausstauballergie sind:

Je nach Schwere der Hausstauballergie müssen Antihistaminika täglich eingenommen werden. Kortison wird dagegen nur über einen kürzeren Zeitraum oder im Notfall genutzt. Beide Wirkstoffgruppen gibt es als Tabletten, Spray, Salbe oder Zäpfchen. Diese Medikamente bekämpfen jedoch nicht die Ursache der Hausstauballergie, sondern nur die Symptome.

Hausstauballergie mit Hyposensibilisierung "heilen"

An der Ursache setzt jedoch die Hyposensibilisierung an. Die Methode wird auch als spezifische Immuntherapie, Allergie-Impfung oder Desensibilisierung bezeichnet. Der Körper verliert dabei nach und nach seine Überempfindlichkeit gegen den Milbenkot und reagiert wieder normal. Die Milbenallergie verliert sich also.

Bei der Hyposensibilisierung wird das Allergen zuerst in geringsten Anteilen, danach in langsam zunehmender Menge zugeführt, bis die normale Belastung mit dem Milbenallergen erreicht ist. Dies geschieht als

  • Injektion oder
  • Tropfen, die unter die Zunge gegeben werden (sublinguale Immuntherapie, SLIT).

Anfangs erfolgt die Behandlung wöchentlich, später vergrößern sich die Abstände. Nach zwei bis drei Jahren ist die Hyposensibilisierung abgeschlossen. Sie ist vor allem bei Kindern sehr erfolgreich. Je länger die Hausstauballergie bereits besteht, desto schlechter werden die Erfolgsaussichten.

"Hausmittel": So verhindern Sie Symptome ohne Medikamente

Die ganze Wohnung umgestalten, weil jemand auf Hausstaubmilben allergisch ist? Wenn Sie es geschickt anstellen, ist das oft gar nicht nötig. Wenige, dafür aber wirksame Maßnahmen reichen oft schon:

  • Lüften Sie regelmäßig und sorgen Sie für trockene, nicht überheizte Räume.
  • Verbannen Sie langflorige Teppiche aus Ihrer Wohnung. Ansonsten Teppiche regelmäßig einmal die Woche saugen. Glatte Böden, die mindestens zweimal pro Woche feucht gewischt werden, sind besser. Hier können sich Hausstaub und damit auch Milbenkot schlechter festsetzen.
  • Falls das nicht möglich ist: Benutzen Sie einen Staubsauger mit speziellem Feinstaubfilter.
  • Gestalten Sie Ihre Räume möglichst ohne Staubfänger wie Polstermöbel, offene Regale, Kissen, faltenreiche Vorhänge.
  • Oft lässt sich das nicht überall durchführen. Dann sind spezielle Milben-Sprays sinnvoll, mit denen Sie Möbel und Textilien behandeln können. Sie enthalten Pflanzenextrakte aus dem Öl des Niembaums. Ihr Wirkstoff Margosa-Extrakt (Mahalin) lässt die Milben absterben.
  • Kuscheltiere macht ein kurzer Besuch in der Tiefkühltruhe milbenfrei. Oder Sie kaufen waschbare Kuscheltiere.
  • Verbannen Sie Milben möglichst wirksam aus dem Bett: Spezielle Matratzenbezüge sperren Milben ein (Encasing), zusätzlich gibt es milbendichte Bettwäsche.
  • Decken Sie Ihre Matratze am Tag möglichst nicht ab, lassen Sie die Bettwäsche zurückgeschlagen am Bettende auslüften.
  • Der DAAB empfiehlt, Matratzen nach spätestens fünf bis sechs Jahren auszutauschen.
  • Waschen Sie Ihre Bettwäsche möglichste alle zwei Wochen bei mindestens 60 Grad. Diese Temperaturen überstehen die Milben nicht.
  • Luftreiniger können die Allergene reduzieren.
  • Meiden Sie Räume, in denen geraucht wird.

Urlaub in den Bergen bedeutet Auszeit für die Hausstauballergie

Und wenn Sie mal eine Zeit absolut ohne Hausstaubmilben und Allergie verbringen möchten: Planen Sie Ihren Urlaub richtig. Die Reise ans Meer ist dabei nicht die beste Wahl. In der feuchten Luft gedeihen die Milben gut. Eine Auszeit von der Hausstauballergie, auch Hausstaubmilbenallergie genannt, bietet dagegen das Hochgebirge. Über 1500 Metern Höhe gibt es praktisch keine Hausstaubmilben mehr. Für sie ist es dort zu kalt und zu trocken. Ein Urlaub in den Bergen ist deshalb bei Hausstaubmilbenallergie ideal.

Weitere hilfreiche Tipps rund um Allergien und Intoleranzen lesen Sie auf unserer Themenseite! Dort klären wir auch auf über Themen wie Waschmittel-Allergie oder nennen Ihnen die 12 besten Hausmittel gegen Heuschnupfen!

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