09.10.2017

Jetzt ist wieder Impf-Zeit Ist die Grippeimpfung sinnvoll? 4 Mythen im Experten-Check

Der Impfstoff gegen Grippe enthält inaktive Viren, kann also die Influenza nicht auslösen.

Foto: iStock/wissanu01

Der Impfstoff gegen Grippe enthält inaktive Viren, kann also die Influenza nicht auslösen.

Noch immer haben viele Vorbehalte gegenüber der Grippeimpfung. Doch die meisten (Schein-)Argumente können Experten entkräften!

Nur etwa ein Viertel der Deutschen lässt sich gegen die Grippe impfen. Viele zweifeln daran, ob die Impfung tatsächlich schützt oder nicht im Gegenteil sogar krank macht. Wie sinnvoll ist der alljährliche Piks also? Verschiedene Studien beschäftigten sich mit diesem Thema und haben die Argumente der Impfgegner genau unter die Lupe genommen:

>> Darum raten Experten im Herbst zur Grippe-Impfung

1. "Der Impfstoff löst die Grippe erst aus."

Das glaubten fast 50 Prozent der Befragten in einer amerikanischen Studie. Informiert über die Fakten zu Grippe und der Schutzimpfung schwand dieser Prozentsatz. Die Angst vor einer Grippeinfektion durch die Impfung ist nämlich unbegründet. Der Impfstoff enthält abgetötete, gereinigte und aufbereitete Bestandteile von Grippeviren, keine aktiven, vollständigen Viren, die eine Influenza auslösen könnten.

Falls tatsächlich kurz nach der Impfung die Grippe ausbricht, hat das einen anderen Grund: Das Immunsystem braucht etwa ein bis zwei Wochen, bis es nach der Impfung die richtige Abwehr gegen Grippeviren aufgebaut hat. Erst dann wirkt die Impfung. Wer sich kurz vor oder nach der Impfung mit Influenza-Viren ansteckt, kann deshalb trotzdem krank werden.

2. "Die Grippeimpfung wirkt nur selten und ist deshalb nicht sinnvoll."

Tatsache ist, dass die Schutzrate der Grippeimpfung bis zu 75 Prozent beträgt. Da die Viren sich aber von Saison zu Saison verändern, ist auch die Wirksamkeit des jeweils neu entwickelten Impfstoffs großen Schwankungen unterworfen.

Die Impfung schlägt umso schlechter an, je älter ein Mensch ist. Eine aktuelle Studie zeigt außerdem, dass die Wirkung der Grippeschutzimpfung durch Statine herabgesetzt werden könnte. Statine sind Medikamente, die den Blutfettspiegel senken.

>> Grippeschutz: Darum sollte man sich impfen lassen

3. "Von der Grippeimpfung kann ich eine schwere Allergie bekommen."

Die Grippeimpfung wird meist sehr gut vertragen. Ausnahme: Wer auf Hühnereiweiß stark allergisch reagiert, kann tatsächlich Probleme bekommen. Wer also nicht genau weiß, ob er Hühnereiweiß verträgt, sollte vor der Impfung seinen Arzt darauf aufmerksam machen. Der Allergietest zeigt dann, ob tatsächlich eine ausgeprägte Hühnereiweißallergie vorliegt. In diesem Fall, so der aktuelle Wissensstand, sollten Sie von der Grippeimpfung absehen.

Hintergrund: Für die Herstellung des Impfstoffs werden Grippeviren in Hühnereiern vermehrt. Danach werden die Viren abgetötet, biotechnologisch gereinigt, zerlegt und für die Grippeschutzimpfung aufbereitet. Der Impfstoff kann also minimale Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Seit kurzem gibt es jedoch eine weitere Methode, das Grippeserum herzustellen. Dazu ist kein Hühnereiweiß mehr nötig, sondern nur eine Zellkultur. Das heißt, auch Allergiker müssen nicht mehr zwingend auf die Impfung verzichten.

4. "Schwangere dürfen sich nicht gegen Grippe impfen lassen."

Im Gegenteil: Experten empfehlen vor allem Schwangeren die Grippeimpfung, weil während der Schwangerschaft das Immunsystem nicht so stark ist wie sonst. Allerdings rät die STIKO (die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts), sich eher nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe impfen zu lassen. In diesem Schwangerschaftsabschnitt treten häufiger Fehlgeburten (sogenannte Spontanaborte) auf. Sie haben zwar nichts mit der Grippeimpfung zu tun. Doch die betroffenen Frauen könnten darin einen Zusammenhang vermuten und sich Vorwürfe machen, wenn sie sich in diesem Zeitraum einer Grippeschutzimpfung unterzogen haben.

Studien: Grippeimpfung schützt auch vor Schlaganfall

Die Argumente gegen eine Grippeimpfung lassen sich also in all diesen Punkten entkräften. Und ganz im Gegenteil gibt es sogar noch einige Fakten, die für den Pikser sprechen – ganz abgesehen davon, dass er vor der mitunter lebensgefährlichen Influenza schützen kann.

So scheint die Grippeimpfung das Risiko für einen Schlaganfall sowie einen Herzinfarkt um ein Viertel zu reduzieren. Das ist das Ergebnis zweier britischer Studien mit Patienten, die bereits einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hatten und einer Kontrollgruppe, die bis dahin gesund gewesen war.

>> Mehr Mythen und Fakten zur Grippeschutzimpfung

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