02.10.2019

Jetzt ist wieder Impf-Zeit Ist die Grippeimpfung sinnvoll? 4 Mythen im Experten-Check

Grippeschutz - darum sollten Sie sich impfen lassen
Mi, 02.10.2019, 09.56 Uhr

Grippeschutz - darum sollten Sie sich impfen lassen

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Noch immer haben viele Menschen Vorbehalte gegenüber der Grippeimpfung. Doch Experten können die meisten (Schein-)Argumente entkräften!

Nur etwa ein Viertel der Deutschen lässt sich gegen die Grippe impfen. Viele zweifeln daran, ob die Impfung tatsächlich schützt oder nicht im Gegenteil sogar krank macht. Wie sinnvoll ist der alljährliche Pieks also? Leider kursieren jede Menge Mythen zur Grippeimpfung. Verschiedene Studien beschäftigten sich mit diesem Thema und haben die Argumente der Impfgegner genau unter die Lupe genommen:

Grippeimpfung: Mythen halten sich hartnäckig

Wie es bei vielen Impfungen – Stichwort: Masern – so ist, kursieren auch jede Menge Mythen, oft geschürt durch Impfgegner, die andere verunsichern. Aber nicht alle davon sind wahr. Die vier größten Mythen klären wir hier auf:

1. Mythos: "Der Impfstoff löst die Grippe erst aus."

Das glaubten fast 50 Prozent der Befragten in einer amerikanischen Studie. Informiert über die Fakten zu Grippe und der Schutzimpfung schwand dieser Prozentsatz. Die Angst vor einer Grippeinfektion durch die Impfung ist nämlich unbegründet. Der Impfstoff enthält abgetötete, gereinigte und aufbereitete Bestandteile von Grippeviren, keine aktiven, vollständigen Viren, die eine Influenza auslösen könnten.

Dazu erklärte etwa Paul van Buynder, Professor für Public Health an der Griffith University in Australien auf der 6. ESWI Influenza-Konferenz: "Stellen Sie sich vor, ich werfe jetzt Ihr I-phone an die Wand und es zerbricht in tausend Einzelteile. Versuchen Sie jetzt mal mit einem der Splitter zu telefonieren online zu gehen." So verhalte es sich eben auch mit der Grippeimpfung. Bestandteile des Virus können keine Grippe auslösen, dazu sind sie gar nicht in der Lage.

Falls tatsächlich kurz nach der Impfung die Grippe ausbricht, hat das einen anderen Grund: Das Immunsystem braucht etwa ein bis zwei Wochen, bis es nach der Impfung die richtige Abwehr gegen Grippeviren aufgebaut hat. Erst dann wirkt die Impfung. Wer sich kurz vor oder nach der Impfung mit Influenza-Viren ansteckt, kann deshalb trotzdem krank werden. Ebenso kann es sich um eine einfache Erkältung, einen grippalen Infekt, handeln. Gegen diesen schützt die Grippeimpfung nicht. Mehr dazu: Grippe oder Erkältung? Ähnliche Symptome, andere Krankheit

Was passieren kann: Die Einstichstelle kann sich vorübergehend röten und leicht anschwellen. Auch können Schmerzen im Arm auftreten, die sich ähnlich wie Muskelkater anfühlen. Das passiert bei 1 bis 10 von 100 Geimpften und tritt genauso bei anderen Impfungen auf.

Leichte Abgeschlagenheit (die aber nicht mit den Symptomen einer voll ausgebrochenen Grippe vergleichbar ist) und ein fiebriges Gefühl können auftreten, da das Immunsystem auf die Impfung reagiert (sog. Immunreaktion) und sich auf den Impfstoff einstellt. Diese Symptome klingen aber schnell wieder ab. Nach einer Impfung sollten Sie sich generell für ein, zwei Tage schonen und keinen Sport machen, der den Körper zusätzlich belastet. Auch dies kann bei jeder Art von Impfung auftreten, eher aber bei Lebendimpfstoffen, wie sie etwa gegen Masern, Mumps und Röteln eingesetzt werden.

2. Mythos: "Die Grippeimpfung wirkt nur selten und ist deshalb nicht sinnvoll."

Tatsache ist, dass die Schutzrate der Grippeimpfung bis zu 75 Prozent beträgt. Da die Viren sich aber von Saison zu Saison verändern, ist auch die Wirksamkeit des jeweils neu entwickelten Impfstoffs großen Schwankungen unterworfen. Daher gab es etwa in der Grippesaison 2017/18 so viele Fälle, bei denen die Impfung nicht gewirkt hat – geimpft wurde mit einem Dreifachimpfstoff, der den sich in dieser Saison ausgebreiteten Virusstamm nicht abgedeckt hat. Das war nicht voraussehbar. Seit der Saison 2018/19 wird ein Vierfachimpfstoff genutzt, die Zahl der Grippefälle ist im Vergleich zum Vorjahr wieder rapide gesunken.

Die Impfung schlägt umso schlechter an, je älter ein Mensch ist. Eine Studie im Journal of Infectious Diseases zeigt beispielsweise außerdem, dass die Wirkung der Grippeschutzimpfung durch Statine herabgesetzt werden könnte. Statine sind Medikamente, die den Blutfettspiegel senken.

3. Mythos: "Von der Grippeimpfung kann ich eine schwere Allergie bekommen."

Die Grippeimpfung wird meist sehr gut vertragen. Ausnahme: Wer auf Hühnereiweiß stark allergisch reagiert, kann tatsächlich Probleme bekommen. Wer also nicht genau weiß, ob er Hühnereiweiß verträgt, sollte vor der Impfung seinen Arzt darauf aufmerksam machen. Der Allergietest zeigt dann, ob tatsächlich eine ausgeprägte Hühnereiweißallergie vorliegt. In diesem Fall, so der aktuelle Wissensstand, sollten Sie von der Grippeimpfung absehen.

Hintergrund: Für die Herstellung des Impfstoffs werden Grippeviren in Hühnereiern vermehrt. Danach werden die Viren abgetötet, biotechnologisch gereinigt, zerlegt und für die Grippeschutzimpfung aufbereitet. Der Impfstoff kann also minimale Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Allergiker könnten also an einer der schwersten Nebenwirkung der Grippeimpfung leiden.

Aber: Seit kurzem gibt es eine weitere Methode, das Grippeserum herzustellen. Dazu ist kein Hühnereiweiß mehr nötig, sondern nur eine Zellkultur. Das heißt, auch Allergiker müssen nicht mehr zwingend auf die Impfung verzichten.

4. Mythos: "Schwangere dürfen sich nicht gegen Grippe impfen lassen."

Im Gegenteil: Warum und vor allem wann der Grippeschutz wichtig sein kann und man sich impfen lassen sollte? Vor allem, wenn man schwanger ist!Experten empfehlen vor allem Schwangeren die Grippeimpfung, weil während der Schwangerschaft das Immunsystem nicht so stark ist wie sonst.

Allerdings rät die STIKO (die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts), sich eher nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe impfen zu lassen. In diesem Schwangerschaftsabschnitt treten häufiger Fehlgeburten (sogenannte Spontanaborte) auf. Sie haben zwar nichts mit der Grippeimpfung zu tun. Doch die betroffenen Frauen könnten darin einen Zusammenhang vermuten und sich Vorwürfe machen, wenn sie sich in diesem Zeitraum einer Grippeschutzimpfung unterzogen haben.

Ab dem 4. Monat wird die Impfung aber empfohlen. Wer chronische Krankheiten und damit sowieso ein schwaches Immunsystem hat, darf und sollte aber vorher.

Studien: Grippeimpfung schützt auch vor Schlaganfall

Die Argumente gegen eine Grippeimpfung lassen sich also in all diesen Punkten entkräften. Und ganz im Gegenteil gibt es sogar noch einige Fakten, die für den Piekser sprechen – ganz abgesehen davon, dass er vor der mitunter lebensgefährlichen Influenza schützen kann.

So scheint die Grippeimpfung das Risiko für einen Schlaganfall sowie einen Herzinfarkt um ein Viertel zu reduzieren. Das ist das Ergebnis zweier britischer Studien mit Patienten, die bereits einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hatten und einer Kontrollgruppe, die bis dahin gesund gewesen war.

Studien:

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