11.04.2016

Hilfe bei lästigen Knötchen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft richtig behandeln

Mo, 13.08.2018, 09.43 Uhr

Hämorrhoiden

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Hämorrhoiden gehören zu den häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden. Sie sind zwar nicht gefährlich, jedoch sehr unangenehm. Was Sie tun können, damit Hämorrhoiden bei der Geburt nicht größer werden und danach am besten ganz verschwinden.

Hämorrhoiden kommen in der Schwangerschaft ziemlich häufig vor, etwa bei jeder zweiten Frau. Warum bekommen so viele Schwangere die unangenehmen Knötchen im Analbereich bekommen?

Die Schwangerschaftshormone programmieren den gesamten Körper auf weit, weich und elastisch, damit das Baby Platz hat, wachsen kann und die Geburt ohne Komplikationen verläuft. Diese Wirkung betrifft

  • Haut
  • Blutgefäße
  • Bindegewebe
  • Beckenboden.

Ursachen für Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Doch wenn sich Gefäße weiten, Bindegewebe und Beckenboden weich werden, können sich als Nebenwirkung auch die kleinen Blutgefäße im After erweitern. Sie bilden das sogenannte Hämorrhoidalpolster. Dieses Schwellkörpersystem dichtet gemeinsam mit dem Schließmuskel den After ab.

Durch die Schwangerschaft bereits erweitert, reagieren die Blutgefäße auf Druck besonders empfindlich. So drückt die wachsende Gebärmutter zunehmend auf den Enddarm. Vor allem Pressen belastet diesen Bereich stark – etwa bei Verstopfung. Gerade Schwangere leiden häufig an Verstopfung, weil im Zuge der hormonellen Umstellung der Darm träge wird.

Nicht zuletzt kann aber auch das starke und lange Pressen bei der Geburt Hämorrhoiden auslösen. Es entsteht ein Blutstau, die Adern vergrößern sich weiter und kleine Aussackungen sowie Knötchen (Krampfadern) entstehen.

>> Krampfadern entfernen: veröden, verkleben oder ziehen?

Hämorrhoiden – Anzeichen und Ausprägung

Hämorrhoiden lösen typische Symptome aus. Der After brennt, juckt und nässt. Nach dem Stuhlgang tut er noch eine Zeitlang weh und kann auch etwas bluten. Dann ist die Hämorrhoide eingerissen.

Wenn bei Ihnen diese Anzeichen auftreten, sollten Sie am besten mit Ihrem Arzt darüber reden. Ansprechpartner ist der Gynäkologe oder aber ein Proktologe, also ein Facharzt für Enddarmerkrankungen.

Je nach Ausprägung werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade eingestuft. Diese Einteilung ist wichtig, weil sich danach auch die Behandlung richtet:

Grad 1: Das Hämorrhoidalpolster ist leicht geschwollen.

Grad 2: Beim Pressen wölbt das Gewebe kurz nach außen (Vorfall). Nach dem Stuhlgang verschwindet es wieder nach innen.

Grad 3: Die Hämorrhoiden bleiben außen, lassen sich jedoch manuell vorsichtig wieder innen platzieren.

Grad 4: Die Knötchen befinden sich ständig außerhalb und lassen sich nicht mehr nach innen verschieben.

Hämorrhoiden sanft, aber sicher behandeln

In der Schwangerschaft eignen sich vor allem rezeptfreie Hämorrhoiden-Salben und -Zäpfchen mit milden Wirkstoffen, die desinfizieren, Entzündungen vorbeugen und die Gefäße leicht zusammenziehen. Das sind etwa:

  • Hamamelis
  • Ringelblume
  • Rosskastanie
  • Schafgarbe
  • Zink.

Diese Mittel sind vor allem bei Hämorrhoiden Grad 1 und Grad 2 empfehlenswert. Wenn die Hämorrhoiden jedoch stark stören, also vor allem Grad 3 oder 4 entsprechen, behandelt der Arzt sie mit verschreibungspflichtigen Zäpfchen und Salben, die unter anderem lokal betäubende Wirkstoffe oder Kortison enthalten können. Selbstverständlich achtet der Arzt dabei darauf, ausschließlich Wirkstoffe in einer Dosierung zu empfehlen, die während der Schwangerschaft unbedenklich sind.

Sowohl die rezeptfreien als auch die rezeptpflichtigen Salben und Zäpfchen behandeln jedoch nur die Symptome, nicht die Hämorrhoiden selbst. Ob weitere, invasive Maßnahmen nötig sind, um die erweiterten Gefäße ursächlich zu therapieren, entscheidet der Arzt gemeinsam mit der Patientin. Meistens ist es sinnvoll, damit bis nach der Geburt zu warten.

Sieben Tipps gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Folgende Hausmittel und Tipps helfen Ihnen dabei, Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zu lindern oder sogar zu vermeiden:

  1. Kein Pressen beim Stuhlgang! Sorgen Sie deshalb für weichen Stuhl, indem Sie ballaststoffreich essen.
  2. Trinken Sie viel. Flüssigkeit macht den Stuhl weicher.
  3. Bei Verstopfung essen Sie täglich morgens und abends etwas Flohsamen. Die Samenschalen dieser Heilpflanze haben eine enorme Quellkraft, dadurch wird der Stuhl weich. Ihre Schleimstoffe machen den Darminhalt geschmeidig und pflegen die Schleimhaut. Am besten zwei Teelöffel in Joghurt einrühren und viel Wasser dazu trinken.
  4. Vermeiden Sie langes Sitzen und schweres Tragen. Beides belastet den Enddarm.
  5. Bewegen Sie sich viel. Gehen, Schwimmen und Gymnastik bringen auch den Darm in Schwung.
  6. Gerade bei Schwangeren können Hämorrhoiden beim Sitzen schmerzen. In dieser Haltung drückt die Gebärmutter besonders stark auf den Enddarm. Ein Hämorrhoidenkissen oder ein aufblasbarer Sitzring können diese Region entlasten. Benutzen Sie diese Sitzhilfen jedoch nicht zu lange, weil sie die Durchblutung im Analbereich einschränken.
  7. Pflegen Sie Ihren After sorgfältig. Das bedeutet, nach jedem Stuhlgang den Analbereich mit kühlem Wasser aus dem Duschschlauch abbrausen, danach sauber tupfen ohne zu reiben und eine Hämorrhoiden-Salbe auftragen.

Noch ein Tipp zu Verstopfung in der Schwangerschaft: Übrigens haben Eisentabletten, die viele Schwangere zur Blutbildung einnehmen, als Nebenwirkung Verstopfung. Falls Sie betroffen sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Manchmal helfen pflanzliche Alternativen, den bei Schwangerschaft typischen Eisenmangel auszugleichen.

Hämorrhoiden nach der Geburt

Viele Frauen haben während der ganzen Schwangerschaft keine Hämorrhoiden. Erst nach der Geburt sind sie dann plötzlich da. Die Ursache: Starkes Pressen bei der Geburt. Selbstverständlich lässt sich die Pressphase bei einer Geburt nicht verhindern. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass eine aufrechte Gebärposition das geringste Risiko für Hämorrhoiden bedeutet. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Hebamme und Ihrem Arzt.

Hämorrhoiden, die während der Schwangerschaft oder der Geburt aufgetreten sind, verschwinden danach leider meist nicht mehr. Grad 1 und Grad 2 lassen sich jedoch mit der richtigen Pflege sowie der Vermeidung von Verstopfung gut behandeln und sie verstärken sich wenigstens nicht.

Ausgeprägte Hämorrhoiden kann der Proktologe einige Zeit nach der Geburt meist erfolgreich behandeln – etwa mit der Gummibandligatur. Dabei bindet der Arzt die Hämorrhoide fast schmerzfrei ab. Vom Blutfluss abgeschnitten schrumpft sie langsam und fällt nach spätestens einer Woche mitsamt dem Gummiband einfach ab. Eine weitere Möglichkeit ist die Sklerosierung, also die Verödung. Dabei setzt der Arzt eine Injektion in die Hämorrhoide. Sie stirbt ab und das restliche Gewebe zieht sich wieder in den Analkanal zurück.

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