Aktualisiert: 11.05.2021 - 15:18

Wie viele Stunden müssen vergehen? Pille und Durchfall – wie sicher ist dann die Verhütung?

Durch Erbrechen oder starken Durchfall kurz nach der Einnahme verliert die Pille ihre Wirkung. Was ist dann zu tun?

Foto: Getty Images/Tat'âna Maramygina / EyeEm

Durch Erbrechen oder starken Durchfall kurz nach der Einnahme verliert die Pille ihre Wirkung. Was ist dann zu tun?

Wenn Sie mit der Pille verhüten, müssen Sie bei Durchfall vorsichtig sein. Die Wirkung der Hormontabletten kann dabei nämlich verloren gehen. Es kommt allerdings darauf an, welche Pille Sie einnehmen und wann Sie sie genommen haben.

Durchfall ist immer unangenehm, keine Frage. Krämpfe und der ständige Gang zur Toilette belasten. Für Frauen bedeutet Durchfall jedoch ein zusätzliches Problem. Wenn Sie mit der Pille verhüten, besteht das Risiko, dass die Wirkung der Hormone ausbleibt. Was Sie bei der Kombination Pille und Durchfall beachten sollten.

Pille wird bei Durchfall nicht richtig verdaut

Die Magen-Darm-Passage, die sonst viele Stunden dauert, beträgt bei Durchfall oft nur eine Stunde oder weniger. Wenn Sie also beispielsweise morgens nach dem Frühstück die Pille einnehmen, wird das Präparat normalerweise einige Stunden danach verdaut. Die Schleimhäute in den Verdauungsorganen nehmen die Hormone auf und leiten sie in den Blutkreislauf. So entfaltet sie ihre empfängnisverhütende Wirkung.

Bei Durchfall – insbesondere bei wässrigem Durchfall – allerdings rutscht die Tablette sozusagen unverdaut durch Magen und Darm. Das Medikament verlässt ungenutzt oder zumindest nicht gänzlich verdaut wieder den Körper.

Dabei besteht die sogenannte "Sechs-Stunden-Regel". "Drei bis sechs Stunden braucht der Körper, um die notwendige Hormondosis aufzunehmen", zitiert "t-online" die Gynäkologin Bettina Toth. "Dabei ist die Aufnahme abhängig davon, was die Frau zuvor gegessen hat. Abhängig von der Nahrung dauert die Magen-Darm-Passage eine bis sechs Stunden und erst im Dünndarm wird die Pille resorbiert. Kommt es vor dieser Zeit zu Durchfall, kann man sich auf die Wirkung der Antibabypille nicht verlassen", erklärt die Direktorin der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck.

Die Sechs-Stunden-Regel gilt auch bei Erbrechen. Sprich: Wenn die Pille nicht mindestens sechs Stunden im Körper war, ist ihre Wirkung nicht vollständig gegeben.

Durchfall: Vor allem bei der Minipille besteht Risiko für Schwangerschaft

Wenn Sie mit der Pille verhüten und Durchfall bekommen, gilt also folgende Faustregel: Tritt der Durchfall in den ersten ein bis sechs Stunden auf, nachdem Sie die Pille eingenommen haben, besteht vermutlich kein empfängnisverhütender Schutz mehr. Es ist also so, als hätten Sie die Pille an diesem Tag vergessen.

Pille vergessen

Je nach Art der Pille, sollten Sie dann eine weitere schlucken – und zwar innerhalb von drei Stunden (Mini- oder Mikropille) oder zwölf Stunden (normale Pille). Wird diese Frist nicht eingehalten oder besteht der Durchfall länger, sollten Sie unbedingt zusätzlich mit einem Kondom verhüten. Erst im nächsten Zyklus hat sich der Schutz durch die Pille wieder aufgebaut. Die Pille sollten Sie für den verbleibenden Zyklus dennoch weiter nehmen, um den Körper nicht aus dem Rhythmus zu bringen.

Wichtig: Verschiedene Pillen haben auch verschiedene Wirkweisen und unterscheiden sich teilweise in ihrer sogenannten "Toleranzzeit". In jeder Packungsbeilage steht aber das für Ihre Pille richtige Verhalten bei Durchfall und Erbrechen genau beschrieben. Den Beipackzettel sollten Sie daher immer gründlich lesen.

Vorsicht bei Antibiotika und der Pille

Auch die Einnahme von Antibiotika kann die Wirkung der Pille einschränken. Sollten Sie also eine Antibiotika-Therapie machen, bitte beim Geschlechtsverkehr dann immer auf ein Kondom zurückgreifen. Nur so sind Sie sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft geschützt.

Der Grund: Antibiotika verändern die Zusammensetzung der Darmflora, so dass es auch hier während der Therapie zu Durchfall und Erbrechen kommen kann. Zudem können sie den Abbau der Pillen-Wirkstoffe beschleunigen. Auch das mindert die kontrazeptive, also empfängnisverhütende Wirkung.

Durchfall bei Vaginalring und Hormonpflaster

Wenn Sie auf andere Weise hormonell verhüten – mit einem Hormonpflaster oder einem Vaginalring oder auch einer Hormonspirale – sind Durchfall, Erbrechen und auch Antibiotika übrigens nicht problematisch. Anders als mit der Pille gelangen die Hormone bei diesen Verhütungsmethoden nämlich über die Haut und die Scheidenschleimhaut ins Blut und müssen nicht den Umweg über den Darm nehmen.

Dasselbe gilt übrigens auch für hormonfreie Verhütungsmittel wie die Kupferspirale oder Kupferkette. Auch ihre Wirkung wird weder durch Durchfall und Erbrechen noch durch Antibiotika-Einnahme eingeschränkt.

Was genau ist überhaupt Durchfall und woher kommt er? Und wie oft ist Stuhlgang eigentlich normal? Mehr dazu lesen Sie auf unserer Themenseite Verdauung.

Augen auf bei der Pillen-Wahl! Verhütungsmittel im Test: Nicht einmal die Hälfte der Pillen ist zu empfehlen!

Quellen: pro familia, pharmazeutische-zeitung.de, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), t-online.de

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