11.08.2017

Plötzlich wie Watte im Ohr Hörsturz: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Hörsturz-Symptome können sich unterschiedlich zeigen. Lesen Sie alles Wichtige zu den typischen Anzeichen, den Ursachen und der Behandlung.

Foto: iStock/MorePixels

Hörsturz-Symptome können sich unterschiedlich zeigen. Lesen Sie alles Wichtige zu den typischen Anzeichen, den Ursachen und der Behandlung.

Haben Sie das Gefühl, plötzlich Watte im Ohr zu haben? Ist Ihnen etwas schwindelig? Das könnten erste Anzeichen für einen Hörsturz sein – sie reichen aber noch viel weiter. Wer dauerhafte Hörschäden verhindern will, muss dann schnell handeln!

 

Rund 150.000 Menschen in Deutschland sind pro Jahr von Hörsturz betroffen, wie die Deutsche Tinnitus Liga warnt. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gehen noch von wesentlich höheren Zahlen aus. Dabei sind nicht nur ältere Menschen gefährdet: Auch junge Männer und Frauen können einen Hörsturz bekommen – Stichwort Stress. Eine Durchblutungsstörung im Innenohr ist die Ursache, wenn eine plötzliche Hörminderung auftritt. Die Auslöser sind häufig Stress, aber auch Infektionen und Viren könnten eine Rolle spielen.

Ein Hörsturz ist äußerst unangenehm und macht einfach Angst. Wenn Sie plötzlich nicht mehr richtig hören, sind die wichtigsten Fragen: Was ist das, woher kommt die Hörminderung, geht das wieder vorüber oder muss ich jetzt womöglich mein Leben lang ein Hörgerät tragen? Erfahren Sie alles Wichtige zu den Hörsturz-Symptomen, Ursachen und der Behandlung.

Achten Sie auf diese Hörsturz-Symptome

Meist betrifft der Hörsturz nur ein Ohr und kommt plötzlich – oder Sie bemerken etwa nach dem Aufwachen, dass etwas mit einem Ohr nicht mehr stimmt:

  • Hörminderung auf einem Ohr: Sie hören gar nichts mehr auf dieser Seite oder nur hohe oder tiefe Töne.
  • Sie haben ein Gefühl, als würde Watte im Ohr stecken.
  • Es fühlt sich an, als hätten Sie Wasser im Ohr, wie manchmal nach dem Haarewaschen oder Tauchen.
  • Druckgefühl im Ohr
  • Auf dem Ohr mit der Hörminderung quält ein hoher Ton oder ein anderes Geräusch ohne erkennbare Geräuschquelle ( Tinnitus).
  • Zusätzlich kann Schwindel auftreten.

Oft versuchen Betroffene dann, das Ohr zu säubern. Sie vermuten, dass Ohrenschmalz das Ohr verstopft. Doch alle Bemühungen helfen nichts.

>> Wenn es im Ohr pfeift: 5 wichtige Fragen zu Tinnitus

Ursachen vom Hörsturz: Durchblutungsstörungen im Innenohr durch Stress

Fest steht, dass sich unter Stress der Gefäßtonus verändert. Vor allem die kleinen Gefäße – wie sie auch das Innenohr versorgen – funktionieren schlechter. Weniger Blut und Sauerstoff gelangen ins Innenohr. Die dortigen Haarzellen können die mechanischen Schallwellen nicht mehr in elektrische Impulse umwandeln. Deshalb spricht der Arzt bei einem Hörsturz auch von "Innenohrschwerhörigkeit". Die Folgen: Nervenreize gelangen nicht mehr oder nur verändert ins Gehirn.

Jeder Deutsche geht im Jahr durchschnittlich 17 Mal zum Arzt. Aber weshalb? Wir zeigen die 30 Krankheiten, die Ärzte besonders oft diagnostizieren.

Hörtest bei Hörsturz

Jedes der Hörsturz-Symptome sollte von einem HNO-Arzt abgeklärt werden. Die Untersuchungen funktionieren recht einfach und tun nicht weh.

  • Nach allgemeiner Anamnese, in denen Sie Ihre Beschwerden schildern, wird der Arzt das Ohr zunächst untersuchen und nachsehen, ob nicht tatsächlich Ohrenschmalz die Hörminderung verursacht.
  • Danach führt er mehrere Hörtests durch. Der Stimmgabeltest zeigt etwa, ob eine Mittelohr- oder eine Innenohrschwerhörigkeit vorliegt. Dabei schlägt der Arzt eine Stimmgabel an und setzt sie auf bestimmte Kopfregionen. Beim Hörsturz ergibt sich dann die Diagnose: Innenohrschwerhörigkeit.
  • Mit einem größeren Hörtest, dem Tonschwellenaudiogramm, wird anschließend überprüft, in welchen Bereichen der Betroffene hört und in welchen nicht.
  • Eine Druckmessung des Innenohrs hilft abschließend dabei, andere Erkrankungen für die Hörminderung auszuschließen – wie eine Schädigung am Hörnerv.

Behandlung bei einem Hörsturz

Die gute Nachricht: Wenn ein Hörsturz zeitnah behandelt wird, sind die Chancen groß, dass sich die Innenohrschwerhörigkeit vollständig legt. Damit die Therapie jedoch schnell einsetzt, ist es wichtig, die Anzeichen eines Hörsturzes gleich zu erkennen. Nicht immer ist es nämlich so, dass bei einem Hörsturz plötzlich ein Ohr taub ist, wie viele meinen. Außerdem kann es sein, dass bei einem Hörsturz mit Tinnitus die quälenden Ohrgeräusche weiterhin bestehen. Nur sehr selten heilt ein Hörsturz ohne Behandlung wieder aus.

Es gibt verschiedene Therapien eines Hörsturzes. Allerdings zählen nicht alle zur Kassenleistung, obwohl sie sich in der Praxis meist bewähren. Lassen Sie sich von Ihrem HNO-Arzt beraten und entscheiden Sie mit ihm gemeinsam, welche Therapien Sie wählen:

  • Kortison: Das Medikament wirkt gegen Entzündungen und lässt Gewebe abschwellen. Die Tabletten müssen in der Regel nur wenige Tage eingenommen werden.
  • Infusionstherapie: Damit wird das Blut verdünnt und das Innenohr wieder besser versorgt. Der Patient erhält dabei in der Arztpraxis Infusionen.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie (hyperbare Oxygenierung): Dabei setzen Sie sich in einen speziellen Raum, in dem etwas Überdruck herrscht. In dieser Druckkammer atmen Sie reinen Sauerstoff. Der Überdruck veranlasst, dass der eingeatmete Sauerstoff besser wirkt. Das Innenohr, das bei einem Hörsturz nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt wurde, bekommt jetzt wieder Sauerstoff und kann sich regenerieren.
  • Ginkgo-Präparate können zusätzlich gegen die Innenohrschwerhörigkeit, den Tinnitus und den Schwindel sinnvoll sein.

Hörsturz – die Dauer, bis das Ohr wieder funktioniert

Manchmal reicht bereits eine der Therapien aus, und das Ohr erholt sich innerhalb von ein bis zwei Tagen vollständig. Der Hörsturz dauert also meist nicht lange, wenn er richtig behandelt wird. Manchmal ist es auch sinnvoll, zwei oder sogar drei der Behandlungen zu kombinieren, damit die Innenohrschwerhörigkeit verschwindet. Die Heilungschancen der Hörsturz-Symtome sind sehr hoch.

Ein Hörgerät ist im Notfall eine gute Option

Das gilt vor allem, wenn die Hörminderung nur einen Teilbereich betroffen hat, Sie also noch die hohen, die mittleren oder die tiefen Töne hören. Nicht ganz so günstig ist die Prognose, wenn der Hörsturz das Ohr komplett taub gemacht hat. Doch auch in diesen (seltenen) Fällen sollten Betroffene sich nicht damit abfinden. Es gibt inzwischen hochtechnisierte und unauffällige Hörgeräte, die gutes Hören in jeder Lebenssituation unterstützen.

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