17.09.2018

Plötzlich wie Watte im Ohr Hörsturz: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Mo, 13.08.2018, 14.02 Uhr

Hörsturz

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Haben Sie das Gefühl, plötzlich Watte im Ohr zu haben? Ist Ihnen etwas schwindelig? Das könnten erste Anzeichen für einen Hörsturz sein – sie reichen aber noch viel weiter. Wer dauerhafte Hörschäden verhindern will, muss dann schnell handeln!

Rund 150.000 Menschen in Deutschland sind pro Jahr von Hörsturz betroffen, wie die Deutsche Tinnitus Liga warnt. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gehen noch von wesentlich höheren Zahlen aus. Dabei sind nicht nur ältere Menschen gefährdet: Auch junge Männer und Frauen können einen Hörsturz bekommen – Stichwort Stress.

Eine Durchblutungsstörung im Innenohr ist die Ursache, wenn eine plötzliche Hörminderung auftritt. Die Auslöser sind häufig Stress, aber auch Infektionen und Viren könnten eine Rolle spielen. Im Anschluss treten eine Reihe von Hörsturz-Symptomen auf, die dringend ernst genommen werden sollten.

Ein Hörsturz ist äußerst unangenehm und macht einfach Angst. Wenn Sie plötzlich nicht mehr richtig hören, sind die wichtigsten Fragen: Was ist das, woher kommt die Hörminderung, geht das wieder vorüber oder muss ich jetzt womöglich mein Leben lang ein Hörgerät tragen? Erfahren Sie alles Wichtige zu den Symptomen, Ursachen und der Behandlung.

Achten Sie auf diese Hörsturz-Symptome

Meist betrifft der Hörsturz nur ein Ohr und kommt plötzlich – oder Sie bemerken etwa nach dem Aufwachen, dass etwas mit einem Ohr nicht mehr stimmt:

  • Hörminderung auf einem Ohr: Sie hören gar nichts mehr auf dieser Seite oder nur hohe oder tiefe Töne.
  • Sie haben ein Gefühl, als würde Watte im Ohr stecken.
  • Es fühlt sich an, als hätten Sie Wasser im Ohr, wie manchmal nach dem Haarewaschen oder Tauchen.
  • Auch ein Druckgefühl im Ohr kann auftreten.
  • Auf dem Ohr mit der Hörminderung quält ein hoher Ton oder ein anderes Geräusch ohne erkennbare Geräuschquelle (Tinnitus).
  • Zusätzlich kann Schwindel auftreten.

Oft versuchen Betroffene dann, das Ohr zu säubern. Sie vermuten, dass Ohrenschmalz das Ohr verstopft. Doch alle Bemühungen helfen nichts.

Ursachen vom Hörsturz: Durchblutungsstörungen im Innenohr durch Stress

Fest steht, dass sich unter Stress der Gefäßtonus verändert. Vor allem die kleinen Gefäße – wie sie auch das Innenohr versorgen – funktionieren schlechter. Weniger Blut und Sauerstoff gelangen ins Innenohr. Die dortigen Haarzellen können die mechanischen Schallwellen nicht mehr in elektrische Impulse umwandeln. Deshalb spricht der Arzt bei einem Hörsturz auch von "Innenohrschwerhörigkeit". Die Folgen: Nervenreize gelangen nicht mehr oder nur verändert ins Gehirn.

Ein Hörsturz kann aber auch noch andere Ursachen haben, etwa eine chronische Entzündung in Ohrnähe, eine Virusinfektion, eine Verletzung am Ohr, aber auch Herz-Kreislauf-Beschwerden, Tumore, Fehlstellungen der Halswirbelsäule oder psychosomatische Gründe. Daher ist eine umfassende Anamnese wichtig.

 

Hörtest bei Hörsturz

Jedes der Hörsturz-Symptome sollte von einem HNO-Arzt abgeklärt werden – und zwar innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Symptome. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt ist die erste Anlaufstation, sollten Sie unter Hörsturz-Symptomen leiden. Ein Krankenhaus oder eine Notaufnahme sind in der Regel nicht notwendig, aber Ihr HNO-Arzt wird Sie mit den Symptomen schnellstmöglich behandeln. Die Untersuchungen funktionieren recht einfach und tun nicht weh.

  • Nach allgemeiner Anamnese, in der Sie Ihre Beschwerden schildern, wird der Arzt das Ohr zunächst untersuchen und nachsehen, ob nicht tatsächlich Ohrenschmalz die Hörminderung verursacht.
  • Danach führt er mehrere Hörtests durch. Der Stimmgabeltest zeigt etwa, ob eine Mittelohr- oder eine Innenohrschwerhörigkeit vorliegt. Dabei schlägt der Arzt eine Stimmgabel an und setzt sie auf bestimmte Kopfregionen. Beim Hörsturz ergibt sich dann die Diagnose: Innenohrschwerhörigkeit.
  • Mit einem größeren Hörtest, dem Tonschwellenaudiogramm, wird anschließend überprüft, in welchen Bereichen der Betroffene hört und in welchen nicht.
  • Eine Druckmessung des Innenohrs hilft abschließend dabei, andere Erkrankungen für die Hörminderung auszuschließen – wie eine Schädigung am Hörnerv.

Behandlung bei einem Hörsturz

Die gute Nachricht: Wenn ein Hörsturz zeitnah behandelt wird, sind die Chancen groß, dass sich die Innenohrschwerhörigkeit vollständig legt. Damit die Therapie jedoch schnell einsetzt, ist es wichtig, die Anzeichen eines Hörsturzes gleich zu erkennen. Nicht immer ist es nämlich so, dass bei einem Hörsturz plötzlich ein Ohr taub ist, wie viele meinen. Außerdem kann es sein, dass bei einem Hörsturz mit Tinnitus die quälenden Ohrgeräusche weiterhin bestehen. Nur sehr selten heilt ein Hörsturz ohne Behandlung wieder aus.

Es gibt verschiedene Therapien eines Hörsturzes. Allerdings zählen nicht alle zur Kassenleistung, obwohl sie sich in der Praxis meist bewähren. Lassen Sie sich von Ihrem HNO-Arzt beraten und entscheiden Sie mit ihm gemeinsam, welche Therapien Sie wählen:

  • Kortison: Das Medikament wirkt gegen Entzündungen und lässt Gewebe abschwellen. Die Tabletten müssen in der Regel nur wenige Tage eingenommen werden. Auch Vitamin-B-Präparate helfen.
  • Infusionstherapie: Damit wird das Blut verdünnt und das Innenohr wieder besser versorgt. Der Patient erhält dabei in der Arztpraxis Infusionen.
  • Intratympale Therapie: Mit einer Spritze wird Glukokortikoid direkt in die betroffene Stelle gespritzt – unter örtlicher Betäubung. Die Behandlung kommt zum Einsatz, wenn eine Therapie mit Medikamenten nicht angeschlagen hat.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie (hyperbare Oxygenierung): Dabei setzen Sie sich in einen speziellen Raum, in dem etwas Überdruck herrscht. In dieser Druckkammer atmen Sie reinen Sauerstoff. Der Überdruck veranlasst, dass der eingeatmete Sauerstoff besser wirkt. Das Innenohr, das bei einem Hörsturz nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt wurde, bekommt jetzt wieder Sauerstoff und kann sich regenerieren.
  • Ginkgo-Präparate können zusätzlich gegen die Innenohrschwerhörigkeit, den Tinnitus und den Schwindel sinnvoll sein.
  • Ist Stress der Auslöser des Hörsturzes, kann auch die biomentale Therapie nach Geuel Abhilfe schaffen. Hier wird psychoanalytisch vorgegangen, um durch positives Denken und Entspannung von Geist und Körper Stressfaktoren zu eliminieren.

Hörsturz – die Dauer, bis das Ohr wieder funktioniert

Manchmal reicht bereits eine der Therapien aus, und das Ohr erholt sich innerhalb von ein bis zwei Tagen vollständig. Der Hörsturz dauert also meist nicht lange, wenn er richtig behandelt wird. Manchmal ist es auch sinnvoll, zwei oder sogar drei der Behandlungen zu kombinieren, damit die Innenohrschwerhörigkeit verschwindet. Die Heilungschancen der Hörsturz-Symtome sind sehr hoch.

Sie können aber selbst mithelfen, einen Hörsturz wieder abheilen zu lassen – oder ihm gleich vorzubeugen:

  • Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen – viel Obst und Gemüse, nur wenig Fleisch.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig: Spazieren gehen, locker laufen – kein Extremsport.
  • Verzichten Sie erst einmal auf Nikotin und auch Alkohol.
  • Gönnen Sie sich und Ihrem Körper ausreichend Ruhe, planen Sie Pausen ein, vermeiden Sie stress.
  • Vermeiden Sie starke Lärmbelastung und tragen Sie in lauten Umgebungen einen Gehörschutz.

Ein Hörgerät ist im Notfall eine gute Option

Wenn die Hörminderung nur einen Teilbereich betroffen hat, Sie also noch die hohen, die mittleren oder die tiefen Töne hören, liegen die Heilungschancen hoch. Nicht ganz so günstig ist die Prognose, wenn der Hörsturz das Ohr komplett taub gemacht hat. Doch auch in diesen (seltenen) Fällen sollten Betroffene sich nicht mit Schwerhörigkeit abfinden. Es gibt inzwischen hochtechnisierte und unauffällige Hörgeräte, die gutes Hören in jeder Lebenssituation unterstützen.

Sie leiden unter Pfeifen im Ohr? Wir beantworten Ihnen wichtige Fragen zu Tinnitus.

Ein Hörstürz kann als Symptom Schwindel hervorrufen und hängt mit Kreislauf-Problemen zusammen. Mehr zum Thema Herz-Kreislauf lesen Sie auf unserer Themenseite.

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