22.08.2018

Nur Impfung schützt Masern: Gefährliche Kinderkrankheit – auch für Erwachsene

Die ersten Anzeichen von Masern sind wie bei einer Erkältung: Schnupfen, Halsweh und Fieber. Erst danach treten die roten Pusteln auf.

Foto: ©istock/deucee_

Die ersten Anzeichen von Masern sind wie bei einer Erkältung: Schnupfen, Halsweh und Fieber. Erst danach treten die roten Pusteln auf.

Masern sind extrem ansteckend. Zwar gibt es die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, doch manche Eltern lassen ihre Babys nicht impfen. So erkranken wieder mehr Kinder und Erwachsene an Masern. Aktuell steigen die Zahlen rapide.

Kaum eine andere Krankheit ist so ansteckend wie Masern. Die Viren werden über Tröpfcheninfektion übertragen und können dabei einige Meter Abstand überwinden. Das Ansteckungsrisiko beträgt nachweislich 100 Prozent. Wer nicht geimpft ist oder noch keine Masern hatte und sich in einem Raum mit einem Menschen aufhält, der mit dem Masern-Virus infiziert ist, kann davon ausgehen, dass er gut eine Woche später daran erkrankt. Besonders tückisch: Masern sind bereits einige Tage vor Auftreten des typischen Ausschlags ansteckend. Die vermeintliche Kinderkrankheit kann auch Erwachsene treffen und verläuft in dieser Altersgruppe besonders dramatisch.

Im Anfangsstadium denkt keiner an Masern

Die Infektionskrankheit unterteilt sich in zwei Phasen. Die Anzeichen im Anfangsstadium der Masern:

  • Grippeähnliche Symptome mit Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Schnupfen

  • Halsschmerzen

  • Bauchschmerzen

  • Bindehautentzündung

  • Weiße Beläge mit rotem Rand auf der Wangenschleimhaut (Koplik-Flecken)

Das Anfangsstadium dauert bis zu fünf Tage. Dabei steigt das Fieber erst und sinkt dann wieder.

Masern – die typischen Anzeichen

Danach beginnt die zweite Phase, das Hauptstadium der Masern. Erst jetzt zeigt sich der Ausschlag, der für Masern typisch ist: kleine, rosa-bräunliche Flecken, die sich zuerst hinter den Ohren bilden. Von dort aus breiten sie sich über den gesamten Körper aus, werden größer und können teilweise sogar verschmelzen. Nur Hand- und Fußsohlen bleiben frei. Außerdem kann das Fieber nochmal stark ansteigen.

Masern – eine gezielte Therapie gibt es nicht

Meist gehen Eltern mit ihrem kranken Kind oder erkrankte Erwachsene erst dann zum Arzt, wenn die ersten Flecken auftreten. Bei den Symptomen im Anfangsstadium denken viele, es handele sich nur um eine Erkältung. Der Arzt sieht meist bereits am Ausschlag, dass es Masern sind. Eine Blutuntersuchung zeigt außerdem, ob es sich nicht womöglich um Scharlach oder Röteln handelt, die ähnliche Hauterscheinungen auslösen.

Die Behandlung von Masern ist schwierig. Gegen die Viren gibt es keine speziellen Medikamente. Der Körper muss die Krankheitserreger ohne Hilfe besiegen. Bettruhe und Schonung sind angebracht. Nach Absprache mit dem Arzt sind fiebersenkende Mittel sinnvoll sowie Medikamente, die das Abhusten erleichtern. Bei Fieber ist es wichtig, viel zu trinken. Ein abgedunkelter Raum sorgt dafür, dass die lichtempfindlichen Augen nicht gereizt werden.

Ausschlag, Husten und Fieber dauern eine knappe Woche, dann klingen die Masern meist langsam ab. Erst vier Tage, nachdem der letzte Fleck abgeheilt ist, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

Masern – gefährliche Komplikationen

Allerdings verlaufen Masern nicht immer problemlos. Die Erkrankung kann die Gesundheit nachhaltig schädigen. Vor allem bei unter Fünfjährigen und Erwachsenen über 20 Jahren können schwerwiegende Folgeerkrankungen entstehen. Jeder Fünfte bekommt eine gefährliche bakterielle Infektion. Das sind vor allem:

  • Mittelohrentzündung

  • Bronchitis

  • Lungenentzündung

  • Masernkrupp (starke Entzündung der Kehlkopfschleimhaut)

  • Entzündungen der Augenhornhaut

  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Die gefährlichste Komplikation ist die Gehirnentzündung. Sie tritt etwa eine Woche, nachdem sich die ersten Hautflecken gebildet haben, auf, und zwar bei einem von 1000 Patienten. Die Anzeichen der Gehirnentzündung durch Masern sind:

  • Hohes Fieber

  • Krampfanfälle

  • Bewusstseinsstörungen

  • starke Kopfschmerzen

Noch Jahre nach den Masern: Tödliche Gehirnentzündung

Außerdem gibt es eine tödliche Folgeerkrankung von Masern: Bis zu acht Jahre nach der Infektion kann eine spezielle Form der Gehirnentzündung entstehen, die SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis). Sieben von 100.000, die zuvor an Masern erkrankt waren, sind betroffen. Die Gehirnentzündung kann nicht behandelt werden. Vor allem Kinder, die als Baby Masern hatten, sind gefährdet. In dieser Altersgruppe ist das Risiko sogar noch höher und liegt bei einem von 5.000 Kindern. Weil Masern so gefährlich sind und dabei hochansteckend, sind sie übrigens meldepflichtig. Jeder Verdacht und jeder Fall von Masern muss dem zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden.

All diese Folgekrankheiten könnten verhindert werden, wenn es erst gar nicht zu einer Masernerkrankung kommt. Sicheren Schutz bietet nur die Masernimpfung.

Masern – so wichtig ist die Impfung

Wer einmal Masern gehabt hat, bleibt sein Leben lang immun. Wenn Sie vor 1970 geboren sind, können Sie also davon ausgehen, dass Sie die Masern bereits überstanden haben. Jahrgänge ab den 80ern wurden meist als Baby gegen die Masern geimpft. Die Masernimpfung ist Teil einer Kombinationsimpfung. Die erste Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung (MMR-Impfung) wird empfohlen, wenn das Baby etwa ein Jahr alt ist. Nach einem Jahr ist die zweite Impfung nötig. Erst dann besteht vollständiger Schutz.

Allerdings gibt es große Impflücken vor allem bei dieser zweiten Impfung. Viele Eltern lassen ihr Baby gar nicht erst impfen – in den vergangenen Jahren gab es immer weniger Impfungen gegen Masern. Das liegt zwar auch an einer vermehrt impfkritischen Haltung, aber auch schlicht am Vergessen oder an nicht genügend Informationen.

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Zahlen steigen europaweit rapide an – Impfschutz wichtiger denn je

Unter den Hunderten von Masernfällen, die es pro Jahr in Deutschland gibt, sind vor allem über 20-Jährige betroffen. Die Zahl der Masernerkrankungen ist vor allem 2018 rapide angestiegen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich im ersten Halbjahr 2018 europaweit bereits über 41.000 Kinder und Erwachsene mit dem Virus infiziert. Mindestens 37 Tote gab es in den ersten sechs Monaten. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 gab es europaweit knapp 24.000 Masernkranke, 2016 nur knapp 5.300.

Die meisten Erkrankungen gab es in diesem Jahr bisher in der Ukraine – mehr als die Hälfte aller Infektionen sind dort aufgetreten. In Deutschland ist die Zahl laut Robert-Koch-Institut (RKI) im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 (800 Fälle) zwar zurückgegangen auf 387 Fälle. Bis 15. August 2018 lag die Zahl bei 448 Menschen. Aber hier tritt das Virus vor allem regional bedingt auf. Selten kommt die Erkrankung im Saarland, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt vor. In Ballungszentren wiederum häufen sich die Fälle. Vor allem NRW ist durch seine hohe Stadt- und Bevölkerungsdichte betroffen, ebenso treten vermehrt Erkrankungen in Berlin auf. Der Grund: Hier leben viele Menschen auf relativ engem Raum zusammen – und die Zahl an nicht geimpften Menschen ist mittlerweile hoch, auch durch viele Touristen.

Masernimpfung – welche Nebenwirkungen gibt es?

Mit Impfschutz hätten Masern keine Chance. Impfen ist deshalb auch für Erwachsene wichtig. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber. Die Impfung wird in jedem Alter gut vertragen. Nebenwirkungen, die manchmal auftreten, sind harmlos. So reagieren etwa fünf Prozent der Geimpften mit leichten, nicht ansteckenden "Impfmasern" – das bedeutet etwas Fieber und geringfügiger Hautausschlag. Beides klingt rasch wieder ab und zeigt nur, dass die Abwehrkräfte reagiert haben und sich ein sicherer Schutz aufgebaut hat.

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