Aktualisiert: 08.04.2016 - 14:00

Sinnvolle Impfungen Impfung – wichtig auch für Erwachsene

Vor allem Auffrischimpfungen werden oft vergessen.

Foto: ©iStock/Paolo74s

Vor allem Auffrischimpfungen werden oft vergessen.

Die meisten Kinder sind geimpft. Doch mit dem Impfschutz von Erwachsenen sieht es weniger gut aus. Aber welche Impfungen sind wichtig und welcher Impfschutz besteht?

Impfungen schützen und retten Leben. Krankheiten wie Kinderlähmung (Polio) und Diphtherie wurden damit eingedämmt und sind damit bis jetzt aus Deutschland verschwunden. Zuverlässig schützen Impfungen vor Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken, Röteln und Mumps – die Zahl der Todesfälle und bleibenden Schäden durch diese Infektionskrankheiten sank auf diese Weise erheblich.

Impfungen – Grundimmunisierung und Auffrischimpfung

90 Prozent der Kinder in Deutschland sind geimpft. Damit ist für die meisten Erwachsenen das Thema abgehakt. Sie wurden ja ebenfalls als Kind geimpft. Dabei hält der Impfschutz nicht automatisch lebenslang. Für vollständigen Impfschutz sind Auffrischungen oder regelmäßige neue Impfungen nötig.

Doch wie sieht es mit Ihrem Impfschutz aus? Auskunft gibt der Impfpass. Gehen Sie ihn gemeinsam mit Ihrem Hausarzt durch. Viele Menschen haben allerdings das Problem, den Impfpass nicht zu finden oder keinen zu haben. Dann erinnert man sich kaum daran, welche Impfungen man wann hatte.

Ein Bluttest kann Auskunft darüber geben, gegen welche Infektionskrankheiten Sie geimpft sind. Allerdings sind diese Tests nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht immer aussagekräftig. Auf Nummer sicher geht man, wenn man sich nochmal impfen lässt. Die STIKO sieht dabei kein Risiko, eine „Überimpfung“ gibt es nicht.

Impfkalender für Erwachsene

Folgende Impfungen werden für Erwachsene empfohlen:

  • Diphtherie: Eine Auffrischimpfung ist alle zehn Jahre nötig. Diphtherie tritt zwar in Deutschland wegen hoher Impfraten nur noch äußerst selten auf. Doch die Infektionskrankheit ist in anderen Ländern noch sehr verbreitet und wird deshalb immer wieder nach Deutschland eingeschleppt. Auslöser der Diphtherie sind bestimmte Bakterien. Die Krankheit kann Schleimhäute und Organe dauerhaft schädigen und sogar tödlich sein.
  • Polio: Kinderlähmung gilt in Europa als ausgerottet. In vielen Ländern der Welt ist das Virus jedoch noch aktiv und kann damit jederzeit mit Reisenden nach Deutschland gelangen. Wer als Kind gegen Polio geimpft wurde, braucht als Erwachsener eine Auffrischimpfung. Wer nicht geimpft wurde, sollte die Grundimmunisierung durchführen lassen.
  • Tetanus: Der tödliche Wundstarrkrampf wird durch Bakterien ausgelöst, die sich überall befinden können, vor allem in der Erde. Erwachsene sollten alle zehn Jahre ihren Tetanusschutz mit einer Impfung auffrischen lassen.
  • Keuchhusten: Die einmalige Impfung schützt. Sinnvoll ist eine Kombinationsimpfung mit Tetanus, Diphtherie und Polio. Keuchhusten kann zwar harmlos verlaufen, aber auch gefährliche Komplikationen auslösen, etwa Lungenentzündung oder in Einzelfällen Hirnhautentzündung.
  • Masern: Wer vor 1970 geboren wurde, hat die Masern mit großer Wahrscheinlichkeit bereits gehabt und muss nicht geimpft werden. Für alle danach Geborenen ist die Masernimpfung jedoch auch im Erwachsenenalter sinnvoll. Die Anzahl der Maserninfektionen in Deutschland steigt in den letzten Jahren massiv an. Masern können vor allem beim Erwachsenen zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung führen.
  • Grippe (Influenza): Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Senioren, chronisch Kranke und alle, die viel Kontakt mit Menschen haben, sollten sich jedes Jahr im Herbst gegen Grippe, auch Influenza genannt, impfen lassen. Die Impfung schützt nur eine Saison. Denn die Grippeviren verändern sich immer wieder, so dass der Influenza-Impfstoff jedes Jahr angepasst werden muss.
  • Pneumokokken: Dabei handelt es sich um Bakterien, die Lungenentzündung auslösen. Bakterielle Lungenentzündung ist bei Senioren eine der häufigsten Komplikationen und Todesursachen. Die Pneumokokken-Impfung wird deshalb über 60-Jährigen empfohlen.
  • FSME: Die Abkürzung steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Krankheit wird durch Zeckenbiss (Link zum Zeckenschutz) übertragen und kann Gehirn, Gehirnhaut und Rückenmark entzünden. Die Impfung besteht aus einer Grundimmunisierung (drei Impfungen innerhalb eines Jahres) sowie einer Auffrischimpfung nach drei Jahren und danach alle fünf Jahre. Die FSME-Impfung ist wichtig für alle Menschen, die sich in FSME-Risikogebieten viel im Freien, also im Wald und auf Wiesen aufhalten. Zu den FSME-Risikogebieten gehören Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz.
  • Röteln: Wichtig ist die Masern-Mumps-Röteln-Impfung für Frauen, die ein Baby planen und als Kind noch nicht gegen Röteln geimpft wurden. Eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft kann dramatische Folgen haben. Das Ungeborene kann Rötelnembryopathie bekommen, was gegebenenfalls Herzfehler, geistige Behinderung, Blind- und Taubheit nach sich zieht. Auch eine Totgeburt ist möglich.
  • Reiseimpfungen: Vor allem bei Fernreisen sollten Sie sich gegen gefährliche Infektionskrankheiten impfen lassen, die in Ihrem Urlaubsland grassieren, etwa Cholera, Gelbfieber, Hepatitis, Malaria, Tollwut oder Typhus. Informieren Sie sich etwa acht Wochen vor Ihrem Reiseantritt bei Ihrem Hausarzt oder einem Reisemediziner, welche Impfungen Sie brauchen.

>> Typhus – vor Reisen an die Impfung denken

Impfungen – von harmlosen bis zu gefährlichen Nebenwirkungen

Die Zahl der Impfgegner vor allem unter jungen Eltern wächst. Manche lassen ihre Kinder nicht mehr impfen. So erklärt sich, dass die Masernfälle sprunghaft angestiegen sind und damit auch tödliche Masern-Komplikationen wie eine spezielle Gehirnentzündung (SSPE: subakute sklerosierende Panenzephalitis), die erst Jahre nach der Maserninfektion auftreten kann. Impfgegner befürchten jedoch gerade das Gegenteil, nämlich dramatische Nebenwirkungen der Impfung.

Tatsache ist, dass Impfungen bereits Millionen Menschen das Leben gerettet haben. Gefährliche Nebenwirkungen der modernen Impfstoffe sind dagegen die Ausnahme. Früher war das anders. 80 Prozent der Impfkomplikationen entstanden durch Impfungen, die die STIKO deshalb heute nicht mehr empfiehlt: Pocken und Tuberkulose. Alle anderen, von den Experten heute empfohlenen Impfstoffe sind unbedenklich. Es kommt in der Regel höchstens zu harmlosen Nebenwirkungen wie Rötungen und Juckreiz.

Mehr zum Thema Tuberkulose: Tuberkulose – Tbc-Symptome oft erst Jahre nach Ansteckung

Impfungen – Nebenwirkungen erwünscht?

Bei zwei bis 20 Prozent der Geimpften erscheinen leichte, lokale Nebenwirkungen wie

  • Schwellung an der Einstichstelle
  • Rötung
  • leichte Schmerzen in diesem Bereich.

Bei einem bis zehn Prozent der Patienten treten nach einer Impfung leichte Allgemeinreaktionen auf, wie

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall.

Diese Nebenwirkungen sind meist harmlos und verschwinden nach ein bis zwei Tagen. Diese Folgen zeigen eines auf jeden Fall: Ihr Körper reagiert auf die Impfung und baut einen Schutz gegen die Krankheit auf. Die Impfung wirkt also.

Impfung – gefährliche Hilfsstoffe?

Mit Skepsis sehen Impfgegner vor allem Produktionsrückstände und Hilfsstoffe (etwa Wirkungsverstärker) in den Impfstoffen. Sie können Allergikern Probleme bereiten. Viren und Bakterien für Impfstoffe werden zum Beispiel oft in Hühnereiern gezüchtet. Früher enthielt das Impfserum deshalb Anteile von Hühnereiweiß. Das ist an sich harmlos, nicht jedoch für Menschen mit einer Allergie auf Hühnereiweiß.

Heute müssen diese Patienten keine Angst mehr haben, weil die Impfstoffe durch hochtechnisierte Verfahren kaum mehr nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Nur bei einer schweren Hühnereiweißallergie kann es nach wie vor Probleme geben. Wer eine Allergie auf Hühnereiweiß hat, sollte seine Bedenken bereits vor dem Impfen mit seinem Arzt besprechen.

Daneben werden auch bestimmte Hilfsstoffe in Impfseren von einigen Patienten kritisch gesehen. Das sind etwa

  • Thiomersal (oder Thimerosal): Die Quecksilberverbindung wurde früher Impfstoffen häufig zugesetzt, um sie haltbar zu machen (Konservierungsmittel). Heute gibt es fast nur noch Impfstoffe, die kein Thimerosal enthalten oder es stehen Alternativ-Impfstoffe zur Verfügung ohne Quecksilber.
  • Aluminiumsalze – als Wirkverstärker: Sie gelten als harmlos, sind jedoch für die lokale Rötung an der Einstichstelle verantwortlich. Aluminiumsalze sind unverzichtbar, weil sie dafür sorgen, dass die modernen, milden Impfstoffe trotzdem eine hohe Wirkung entfalten.

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