Aktualisiert: 06.04.2016 - 14:00

Harmlos oder krankhaft? Schwere Schwangerschaftsübelkeit – was hilft?

Die Schwangerschaftsübelkeit, auch Emesis gravidarum genannt, ist eine der häufigsten Beschwerden bei werdenden Müttern.

Foto: ©iStock/gilaxia

Die Schwangerschaftsübelkeit, auch Emesis gravidarum genannt, ist eine der häufigsten Beschwerden bei werdenden Müttern.

Übelkeit und Erbrechen kennen vor allem zu Beginn einer Schwangerschaft die meisten Frauen. Diese Schwangerschaftsbeschwerden sind harmlos. Gefährlich wird es jedoch, wenn übermäßiges Schwangerschaftserbrechen quält.

Morgendliche Übelkeit und Erbrechen sind oft das erste Anzeichen für eine Schwangerschaft. Rund 80 Prozent der Frauen sind betroffen und damit ist Schwangerschaftsübelkeit, medizinisch Emesis gravidarum, die häufigste Schwangerschaftsbeschwerde. Und auch, wenn das für die Mutter alles andere als angenehm ist: Ihre Gesundheit und die des Babys sind nicht gefährdet. Meist gibt sich das nach dem dritten Monat von selbst wieder, dann, wenn sich der Körper daran gewöhnt hat, dass neues Leben in ihm entsteht.

Wenn Schwangerschaftsübelkeit zur Krankheit wird

Anders sieht das für die 0,5 bis zwei Prozent der schwangeren Frauen aus, bei denen Übelkeit und Erbrechen extrem ausgeprägt sind. Sie leiden an unstillbarem Erbrechen, müssen sich ständig übergeben, nicht nur während der ersten Wochen der Schwangerschaft, sondern oft bis zu deren Ende. Der Arzt nennt diese Krankheit Hyperemesis gravidarum. Die Bezeichnung stammt aus dem Lateinischen und bedeutet hyper = viel und emesis = Erbrechen, Gravidarum = Schwangerschaft.

Extreme Schwangerschaftsübelkeit – die Ursachen

Gefährdet für diese „Schwangerschaftsübelkeit extrem“ sind Frauen, die bereits einmal schwanger waren, ein Mädchen oder Zwillinge erwarten. Das zeigt die Erfahrung. Die tatsächlichen Ursachen für Hyperemesis gravidarum sind medizinisch jedoch noch nicht ganz geklärt. Vermutlich spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Chorion-Gonadotropin)
  • Östrogen
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Leberfunktionsstörungen
  • der Magenkeim Helicobacter pylori
  • Essstörungen wie Bulimie und Magersucht
  • Emotionale Anspannungen und Stress

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Schwangerschaftsübelkeit – was ist normal und ab wann wird es gefährlich?

Die Anzeichen von Hyperemesis gravidarum:

  • Erbrechen mehr als fünfmal pro Tag, also wesentlich häufiger als bei der harmlosen Schwangerschaftsübelkeit
  • Gewichtsabnahme von mehr als fünf Prozent
  • Schwächegefühl

Achtung: Bei diesen Anzeichen sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Das ständige Erbrechen kann Mutter und Kind gefährden.

Der Arzt befragt die Frau, wie die Schwangerschaftsübelkeit und das Erbrechen auftreten. Ein Bluttest sowie ein Urintest runden die Untersuchung ab. Liegen die Ergebnisse vor, lässt sich Hyperemesis gravidarum in zwei Schweregrade einteilen:

Grad 1: Die Frau muss häufig erbrechen und fühlt sich krank, aber ihre Blutwerte stimmen noch.

Grad 2: Erbrechen und Krankheitsgefühl wie bei Grad 1, zusätzlich ist der Stoffwechsel beeinträchtigt, Flüssigkeit und Elektrolyte (vor allem Natrium und Kalium) fehlen.

Diese gefährlichen Folgen kann Hyperemesis gravidarum haben

Beim Erbrechen verliert der Körper massiv Flüssigkeit und Elektrolyte. Wenn keine Nahrung mehr behalten werden kann, mangelt es zusätzlich an Nährstoffen. Der Verlust von Flüssigkeit, Elektrolyte und Nährstoffen versetzt den Körper in einen massiven Hungerzustand. Der Stoffwechsel entgleist, im Urin lässt sich sogenannter Ketonkörper feststellen. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Ersatz für die mangelnde Glukose von Kohlenhydraten und Zucker.

Setzt dann nicht frühzeitig die Behandlung ein, drohen Unterversorgung des Babys, im schlimmsten Fall kommt es zu Austrocknung (Dehydration), einem Kreislaufzusammenbruch der Frau, Herzrhythmusstörungen und Organversagen. Deshalb bestand bei Hyperemesis gravidarum früher, bevor technische Maßnahmen wie die Infusionstherapie entwickelt wurden, sogar Lebensgefahr für Mutter und Kind.

Hyperemesis gravidarum – Behandlung mit Medikamenten und Infusionen

Je nachdem, wie ausgeprägt die übermäßige Schwangerschaftsübelkeit ist, empfiehlt der Arzt folgende Therapien:

Bei Grad 1 der Hyperemesis gravidarum eignen sich mehrere kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten mit fettarmer Kost, um den Magen zu schonen. Außerdem ist es sinnvoll, bereits vor dem Aufstehen, also noch im Bett, ein leichtes Frühstück zu nehmen, etwa Tee und Toast. Manchmal sind auch niedrig dosierte Medikamente gegen Übelkeit und Antihistaminika sinnvoll. Dabei achtet der Arzt selbstverständlich darauf, dass es sich nur um Wirkstoffe handelt, die dem Baby nicht schaden. Diese Behandlung kann die Frau zu Hause durchführen, also ambulant.

Bei Grad 2 ist meist ein kurzer Klinikaufenthalt nötig. Über eine Infusion in die Vene erhält die Frau alle Nährstoffe, Elektrolyte und Flüssigkeit, die sie und das Kind brauchen. Mit dieser künstlichen Ernährung werden beide richtig „aufgepäppelt“, ohne Umweg über den Magen. Die Übelkeit nimmt also ab. Falls das noch nicht reicht, bekommt die Schwangere spezielle Medikamente gegen Brechreiz und Übelkeit.

Herzogin Kate war übrigens zur Behandlung der Hyperemesis gravidarum während ihrer ersten Schwangerschaft einige Tage in der Klinik. Bei ihrer zweiten wurden die nötigen Vorkehrungen zu Hause im Kensington-Palast getroffen, so dass Ärzte sie in ihrem gewohnten Umfeld behandelt konnten und sie nicht von Baby George getrennt war.

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