13.04.2016

Frauen öfter betroffen Beschwerden am unteren Rücken: ein Schmerz - viele Ursachen!

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Es liegt nicht daran, dass Frauen angeblich mehr stöhnen und klagen: Schmerzen am unteren Rücken treten bei Frauen faktisch häufiger.

Moderne Studien belegen: Frauen leiden intensiver als Männer an Rückenschmerzen. Tatsächlich liegt gerade diesen Rückenbeschwerden bei Frauen im Bereich der Lendenwirbelsäule aufgrund der physiologischen Unterschiede zwischen Frau und Mann auch eine höhere Anzahl an Ursachen zugrunde. Unterschieden werden kann in diejenigen Krankheitsursachen für Schmerzen am unteren Rücken, welche beiden Geschlechtern gemeinsam sind und in solche Schmerzrisikofaktoren, die ausschließlich frauenspezifisch sind.

Ursachen und Symptome für Rückenschmerzen

Bei der Vielfalt möglicher Ursachen für Ihre Rückenschmerzen am unteren Rücken sollten Sie doch stets im Blick haben, dass in fast 90 Prozent aller auftretenden Fälle gar keine Grunderkrankung diagnostiziert werden kann. Vielmehr liegen Muskelverspannungen zugrunde, die aus Fehlbelastungen von Skelett und Bewegungsapparat resultieren. Schließlich muss der untere Teil der Wirbelsäule das ganze Gewicht des Oberkörpers mittragen.

Häufig lassen sich die Ursachen für Schmerzen am unteren Rücken an ganz anderen Körperstellen lokalisieren. Sie beruhen beispielsweise auf einer Fehlhaltung wie einem Rundrücken oder einer gebeugten Kopfhaltung. Dann versucht die Wirbelsäule beim Austarieren der menschlichen Statik nach unten hin einen Ausgleich zu diesem Heraustreten aus der eigentlichen Körperachse zu schaffen. Sie schwingt an anderer Stelle in die Gegenrichtung aus, um das Ungleichgewicht in der Aufrichtung aufzufangen. Es wird dabei versucht, zusätzlich durch Muskelanspannung zu weit aus der Achse verlagerte Körperteile zu halten.

Durch diese ständige Überanstrengung entstehen Verspannungen und in der Folge Schmerzen. Auch ungleich lange Beine, die einen Beckenschiefstand hervorrufen, führen zu einer Fehlstellung der Lendenwirbelsäule und können Schmerzen verursachen. Und schließlich beruhen Schmerzen am unteren Rücken in dem heutzutage meist extrem anstrengenden Arbeitsalltag häufig auf mangelnder psychischer Ausbalanciertheit, auf Stress oder Burnout-Symptomatik bis hin zu Depressionen.

Dass durch solche über einen längeren Zeitraum permanent auftretende Schmerzen eine Gefahr zur Chronifizierung, das heißt zu dauerhaften Beschwerden und Beeinträchtigungen entsteht, liegt auf der Hand.

Was können Sie gegen Rückenschmerzen tun

Die gute Nachricht dabei ist: Sie können selbst aktiv dazu beitragen, eine Linderung dieser Schmerzen, oft bis hin zur Beschwerdefreiheit, zu bewirken, indem Sie in Ihrer Lebensführung und im Umgang mit dem eigenen Körper positive Änderungen herbeiführen. Physiotherapeutische und präventive Maßnahmen, Ausgleichssport, Krankengymnastik und Haltungskorrekturen, Entspannungstechniken und Psychotherapie oder ein Umorientieren hin zu einer gesunden Lebensführung stellen nur einige der Möglichkeiten dar, die Ihnen dabei helfen, Muskelverhärtungen aufzulösen.

Selbst bei Bandscheibenvorfällen der Lendenwirbelsäule wird heute nicht mehr so oft operiert. Die oben genannten - konservativen - Methoden können hier meist Linderung verschaffen. Unverzichtbar wird eine Operation allerdings, wenn durch die Verlagerung der Bandscheiben und Wirbel bereits ein solcher Druck auf bestimmte Nerven ausgeübt wird, dass sich Taubheitsgefühle zu Lähmungserscheinungen hin steigern.

Ähnliches gilt für die Behandlung der Spinalkanalstenose , die Verengung des Rückenmarkkanals, welche im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbal) häufiger als bei den Halswirbeln auftritt. Mit zunehmendem Alter und Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule steigert sich die Wahrscheinlichkeit, an einer Verengung des Spinalkanals zu erkranken, was übrigens nicht zwangsläufig zu Schmerzen führen muss. Erst wenn Physiotherapie und Schmerzmedikation die Beschwerden nicht lindern können, wird eine Operation erwogen.

Erweist sich eine Schmerztherapie als sinnvoll, können je nach Diagnose Muskelrelaxantien, also die Skelettmuskulatur entspannende Medikamente oder Akupunktur verordnet werden; aber auch Opioide und Antirheumatika sowie weitere Schmerzmittel sind im Einsatz.

Bei Frauen kommen je nach Lebensphase weitere Auslöser für Schmerzen im unteren Rücken hinzu:

  • Am häufigsten treten die durch Regelschmerzen verursachten Rückenbeschwerden auf. Das wiederholte krampfartige Zusammenziehen der Gebärmutter während der Menstruation verursacht ziehende Schmerzen, die vom Unterleib bis in den Lendenwirbelsäulenbereich ausstrahlen. Hier kann eine Wärmflasche zur Entspannung beitragen, auch eine Gabe von Magnesium wirkt krampflösend. Wenn Sie ähnliche Schmerzen außerhalb der Regel spüren, sollten Sie ärztlich abklären lassen, ob eventuell eine gynäkologische Erkrankung (Endometriose oder Myome ) vorliegt.
  • Dass während einer fortschreitenden Schwangerschaft durch die höhere Belastung der Wirbelsäule bzw. eine Ausweichhaltung ins Hohlkreuz verstärkt Schmerzen im unteren Rücken ausgelöst werden, ist weithin bekannt.
  • Oftmals sind auch die Wechseljahre der Frau, wenn der Körper sich "im Umbau" befindet, von Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich begleitet. Nach Abschluss der Wechseljahre, so berichten viele Frauen, legen sich die Schmerzen wieder. Gravierender ist der Befund, wenn die Schmerzen durch Osteoporose, also beginnenden Knochenschwund, erzeugt werden. Diese Erkrankung tritt bei Frauen aufgrund des nun sinkenden Östrogenspiegels häufiger auf als bei Männern. Durch eine Knochendichtungsmessung können Sie Ihren Verdacht ärztlich untersuchen lassen, damit eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden kann.

Gerade Frauen bewältigen heute eine Gratwanderung zwischen familiären Pflichten und Beruf. Diese psychische und körperliche Doppelbelastung führt häufig zu vermehrten Rückenschmerzen. Zusätzlich zu den oben bereits genannten Behandlungsmethoden gilt für Frauen: Vermeiden Sie im stressigen Alltag nach Möglichkeit Schuhe mit hohen Absätzen, die die Symptomatik meist noch negativ beeinflussen!

Während frühere Rückenschulen oft einseitig Sitzen oder Gehen mit stets gerade gehaltenem Rücken gelehrt haben, gilt nach neueren Erkenntnissen die Devise einer dynamischen und vielseitigen Bewegung, um Rückenschmerzen vorzubeugen oder zu vermindern. Auch auf dem Bürostuhl sollten Sie häufig einen Haltungs- und Positionswechsel vornehmen, um eine einseitige Beanspruchung der Wirbelsäule und des unteren Rückens zu vermeiden.

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