18.03.2016

Wenn Sex krank macht Syphilis - Hochansteckende Geschlechtskrankheit auf dem Vormarsch

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Foto: ©iStock / jarun011

Die Zahl der Syphilis-Infizierten steigt seit der Jahrtausendwende stetig an. Erfahren Sie mehr über Symptome, Krankheitsverlauf und Therapie.

Durch den Erreger Treponema ausgelöst, kann Syphilis beim Sex übertragen werden. Die Infektionskrankheit gilt dabei als tückisch, da sie zumeist lange unerkannt bleibt. In den meisten Fällen ist die Krankheit jedoch gut heilbar.

Die sogenannte Lustseuche

Die Syphilis, auch als "Lustseuche", Franzosenkrankheit oder "Lues" bezeichnet, war eine der ersten Seuchen der Neuzeit. Historiker vermuten seit einiger Zeit, dass diese von Seeleuten um Kolumbus ins europäische Festland gebracht wurde. Gemäß Aufzeichnungen brach die erste Syphilis-Epidemie 1495 in Europa aus. Nur zwei Tage zuvor stationierte Kolumbus mit seiner Schiffsbesatzung am Hafen von Neapel.

Von Italien aus soll sich die Krankheit anschließend in ganz Europa verbreitet haben. Im 18. Jahrhundert grassierte sie dann auch in Deutschland. Vor allem Stadtbewohner litten unter Syphilis. Ärzte versuchten der Erkrankung noch bis zu Beginn des 20. Jahrhundert mit giftigem Quecksilber beizukommen, was allerdings zu lebensbedrohlichen Schwermetallvergiftungen führte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand die Syphilis dank der Entdeckung des Penicillins fast vollständig.

Zuletzt stieg die Zahl an Syphilis-Fällen in Deutschland jedoch so stark an, wie zuletzt vor 25 Jahren. Mit etwa 5.700 Neuerkrankungen pro Jahr ist inzwischen für Deutschland ein neues Rekordniveau erreicht, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Dabei glaubten die Experten, Syphilis unter Kontrolle zu haben.

Wie wird Syphilis übertragen

Syphilis zählt zu den sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten. Sie wird durch Bakterien ausgelöst und über Kontakte der Schleimhäute vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen. Unter den Geschlechtskrankheiten gilt sie als "Chamäleon": Weil die Symptome von Syphilis weder schmerzhaft noch sichtbar sind, bleibt die Bakterieninfektion oftmals sehr lange unentdeckt.

Dabei nutzt der Erreger allerdings die Zeit, um sich im gesamten Körper zu verteilen. Kleine, schmerzfreie Geschwüre im Genitalbereich bleiben unbemerkt oder werden von den Betroffenen für Herpes gehalten. Wenige Zeit später ist womöglich der Fleck verschwunden und die Sache in Vergessenheit geraten.

Anzeichen von Syphilis und Therapieformen

Irgendwann macht sich die Erkrankung dann doch dauerhaft bemerkbar. Dabei reichen die Beschwerden von schmerzlosen Hautveränderungen bis hin zu geistiger Umnachtung. Typisch sind etwa auch rote Flecken an Fußsohlen und an Handflächen. Bei diesen Flecken handelt es sich um Geschwüre (Ulcera) und Lymphknotenschwellungen. Kurze Zeit später bilden sich Veränderungen an den inneren Organen und schmerzhafte Hautknötchen.

Vorzugsweise treten die Geschwüre in der Scheide und auf den Schamlippen auf. Bei einer Infektion durch Oralverkehr, kann das Geschwür auch auf der Mundschleimhaut sichtbar werden. Jedoch treten lediglich in etwa 50 Prozent der Fälle Beschwerden bei Syphilis auf, so dass die Hälfte der Infektionen ohne Symptome bleibt. Die Symptome variieren hierbei in Abhängigkeit davon, welches der vier Stadien erreicht ist.

Die verschiedenen Stadien der Syphilis

Die ersten beiden Stadien werden Frühsyphilis, die letzten beiden hingegen Spätsyphilis genannt. In der Regel zeigen sich erste Syphilis-Anzeichen wie rote Geschwüre etwa 10 bis 90 Tage nach der Infektion. Während dieses Primärstadiums heilen sämtliche Syphilis Beschwerden auch ohne Behandlung binnen vier bis sechs Wochen von selbst wieder ab.

Drei bis sechs Wochen später - während des Sekundärstadiums - kommen grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit und Fieber hinzu. Nach etwa drei bis fünf Jahren erreicht der Erreger das Tertiärstadium und greift Muskeln, Knochen, Magen, Luft- und Blutwege sowie weitere innere Organe an. Bei Nichtbehandlung kommt es nach ungefähr 10 bis 20 Jahren zu schweren Störungen der Nerven und inneren Organe einhergehend mit dem Kontrollverlust über Darm und Blase sowie einem gestörten Temperaturempfinden. Zudem kommt es zu nicht mehr umkehrbaren Lähmungen und Hirnschädigungen.

Penicillin zur Bekämpfung von Syphilis

Bei der Behandlung der Syphilis ist Penicillin das Mittel der Wahl. Dies stellt das einzige Antibiotikum dar, gegen das noch heute keine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) des Erregers festgestellt wurde. Wird die Erkrankung im Primär- oder Sekundärstadium diagnostiziert, genügt zumeist eine Behandlung mit Penicillin über einen Zeitraum von zwei Wochen. Die Symptome im Tertiärstadium lassen sich mit Kortison behandeln.

Im Anschluss an eine Penicillin-Therapie sind in den ersten zwei Jahren regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich - erstmalig zwei bis vier Wochen nach der letzten Penicllingabe, danach in immer größeren Zeitabständen. Bei jeder Therapie sollte sich auch der Partner mitbehandeln lassen. Denn gemäß Statistik sind mehr als die Hälfte der Sexualpartner ebenfalls infiziert.

Heilbar ist die Erkrankung allerdings nicht. Bei entsprechender Behandlung und frühzeitiger Diagnose lassen sich jedoch bleibende Schäden verhindern und eine normale Lebenserwartung erreichen. Durch den Gebrauch von Kondomen (Safer-Sex) kann die Erkrankung effektiv vorgebeugt werden.

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