08.06.2020 - 09:49

Formen und Anzeichen Demenz-Symptome: Es ist nicht immer die Vergesslichkeit!

Demenz frühzeitig erkennen - Das sind die Symptome von Alzheimer und Co.

Demenz frühzeitig erkennen - Das sind die Symptome von Alzheimer und Co.

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Demenzerkrankungen wie Alzheimer können zwar nicht geheilt werden. Doch Verlauf und Lebensqualität der Betroffenen lassen sich positiv beeinflussen, wenn früh eine Behandlung einsetzt. Dafür ist ein Blick auf die Symptome wichtig – und die sind vielfältiger, als Sie denken.

Demenzerkrankungen tun nicht weh, sind aber trotzdem grausam. Es drohen Gedächtnisverlust und damit Verlust der Persönlichkeit. Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit betroffen, bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl sogar verdoppeln, denn die Lebenserwartung steigt und das Demenzrisiko vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Demenz kündigt sich aber schon weit im Voraus an – und je früher entdeckt, desto besser lässt sich gegenlenken. Dabei haben die Symptome der Demenz aber nicht immer nur mit Vergesslichkeit zu tun. Wir geben Ihnen einen Überblick, worauf Sie achten sollten – bei sich und bei anderen.

Demenz und ihre Symptome: Es kommt auf die Form an

Die bekannteste Form von Demenz ist Alzheimer. Sie trifft bis zu 70 Prozent der Demenzkranken. Deshalb werden die beiden Begriffe Demenz und Alzheimer in der Umgangssprache oft gleichgesetzt. Es gibt jedoch verschiedene Demenzformen:

  • Morbus Alzheimer: Die häufigste Form der Demenz tritt meist bei Personen ab 65 auf und entsteht durch schleichendes Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Nach und nach treten bei Betroffenen Gedächtnislücken auf und die Beeinträchtigung im Alltag wird immer größer. Alzheimer-Patienten werden stark pflegebedürftig. Alzheimer selbst ist zwar nicht tödlich, jedoch steigt aufgrund späterer Bettlägerigkeit und anderer Einschränkungen das Infektionsrisiko. Häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung.
  • Vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz: Nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform. Die Ursache sind wiederholte, kleine Schlaganfälle. Dadurch sterben nach und nach Gehirnzellen ab. Risikofaktoren sind Krankheiten und Gewohnheiten, die die Gefäße schädigen, also Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Alkoholsucht, Herzerkrankungen. Die Anzeichen der vaskulären Demenz ähneln denen von Alzheimer.
  • Frontotemporale Demenz: Dabei sterben Nervenzellen im Gehirn ab, zuerst in den Bereichen hinter den Schläfen und der Stirn. Die Erkrankung verändert vor allem die Persönlichkeit, nicht aber die Merkfähigkeit. Frontotemporale Demenz wird auch als Pick-Krankheit (Morbus Pick) bezeichnet und ist eher selten.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Hier ähneln die Anzeichen denen von Alzheimer, allerdings schreitet der Gedächtnisverlust wesentlich langsamer voran. Typisch sind jedoch Halluzinationen. Außerdem tritt die Lewy-Körperchen-Demenz meist gemeinsam mit Parkinson (Morbus Parkinson) auf. Die Betroffenen sind damit auch unsicher beim Gehen.

Primäre und sekundäre Demenz – auch Depressionen spielen eine Rolle

Medizinisch werden all diese Formen übrigens als primäre Demenz bezeichnet. Daneben gibt es noch die sekundären Varianten. Dabei handelt es sich um Demenzformen, die durch andere Krankheiten ausgelöst werden, etwa Alkoholsucht, Depressionen, Delir oder eine Schilddrüsenerkrankung. Sekundäre Demenz unterscheidet sich noch in einem weiteren wichtigen Punkt von den primären Demenzformen: Sie ist oft heilbar, wenn die zugrunde liegende Krankheit richtig behandelt wird.

Verlauf der Demenz lässt sich hinauszögern

Dagegen gibt es gegen Alzheimer, vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz bis heute keine Therapie, die diese Krankheiten an der Ursache erfolgreich bekämpft. Trotzdem ist es wichtig, Demenz so früh wie möglich zu erkennen. Dann gibt es nämlich verschiedene Medikamente, die den Verlauf verzögern und die Lebensqualität länger erhalten. Deshalb sollten Sie bei sich und Ihren Angehörigen auf diese Anzeichen achten:

Symptome einer Demenz

Das wohl bekannteste Symptom ist die Vergesslichkeit. Ein schleichender Prozess, bei dem Erinnerungsbruchstücke wegfallen und es zu Lücken im Gedächtnis kommt – zu Beginn in der Regel im Kurzzeitgedächtnis. Aber es gibt auch andere Symptome, auf die zu achten es sich lohnt. Und viele davon haben mit Gedächtnislücken nichts zu tun, können aber auch schon vorher auftreten.

  • Vergesslichkeit: Ereignisse, die kurz zurückliegen, werden vergessen. Beispiel: Sie wissen abends nicht mehr, dass Sie morgens schon einkaufen waren.
  • Alltagsschwierigkeiten treten auf: Gewohnte Tätigkeiten auszuführen wird zum Problem, etwa am Bankautomaten Geld abheben oder sogar das Anziehen oder Essen kochen, und auch das Zurechtfinden in einer fremden Umgebung bereitet Schwierigkeiten. Der Betroffene wirkt zunächst zerstreut
  • Antriebslosigkeit: Das Interesse an früheren Hobbies geht verloren und Kontakte zu Freunden und Familie werden vernachlässigt. Es findet ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld statt. Es fehlt an Energie und Eigeninitiative. Oft meiden Betroffene soziale Situationen aufgrund ihrer Persönlichkeitsveränderung, manchmal auch, weil sie selbst bemerken, dass sich ihre Persönlichkeit verändert. All das kann zu einer Depression führen.
  • Sprachstörungen können auftreten: Bestimmte Worte fallen nicht mehr ein und es werden vermehrt Füllworte benutzt, die vielleicht gar nicht passen. Manchmal erfinden Betroffene ganz neue Begriffe.
  • Stimmungsschwankungen: Ängstlichkeit, Misstrauen, Reizbarkeit – manchmal wechselt die Stimmung ganz extrem. Betroffene geraten leicht aus der Fassung, beispielsweise, wenn sie ihrer Routine nicht so nachgehen können, wie sie es gewohnt sind. Manchmal passiert dies aber auch einfach so. Die Stimmung schwankt schnell zwischen Verwirrtheit, Ängstlichkeit, Unruhe, Misstrauen bis hin zur depressiven Verstimmung.
  • Sehstörungen: Man kann Demenz aber auch an den Augen ablesen – und das sogar sehr früh. Denn lange, bevor sich Plaques im Gehirn bilden – die für Gedächtnisstörungen und Co verantwortlich sind – lagern sich sogenannte Beta-Amyloid-Eiweiße in der Netzhaut und Augenlinse von Betroffenen ab. Das äußert sich zum einen in hin und wieder auftretenden Sehstörungen trotz normaler Augenfunktion. So erkennen Patienten manchmal einfach Gesichter oder Gegenstände nicht mehr. Die Ablagerungen und damit Anzeichen von Demenz lassen sich mittlerweile auch von außen an den Augen erkennen.

Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen auf Sie oder einen Menschen in Ihrem engen Umkreis zutreffen: Wenden Sie sich am besten an Ihren Hausarzt, er ist der Ansprechpartner, der Ihre Bedenken zerstreuen oder eine Behandlung einleiten kann. Es wird oft ein Test angeordnet, der die Anzeichen auf Demenz klärt. Je schneller also erkannt wird, was los ist, desto besser kann der Verlauf der Erkrankung – Demenz und Alzheimer verlaufen übrigens in drei Stadien – verlangsamt werden.

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