22.05.2018

Alles dreht sich Schwindel: Das sind die Ursachen für Schwindelanfälle

Hinter Schwindelanfällen kann Stress stecken. Schwindel kann aber durchaus auch andere Ursachen haben.

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Hinter Schwindelanfällen kann Stress stecken. Schwindel kann aber durchaus auch andere Ursachen haben.

Plötzlich scheint sich alles zu drehen und der Boden unter den Füßen zu schwanken: Schwindelattacken können Sekunden bis Stunden dauern. Schwindel ist ein Symptom und kann viele Ursachen haben. Lesen Sie, was Sie über das plötzliche Drehgefühl wissen müssen und wann Sie zum Arzt gehen sollten.

Jeder kennt Schwindel – etwa vom Karussell fahren. Hier macht es keine Angst, und vor allem Kinder lieben es, wenn sich die Welt noch ein bisschen weiter dreht, obwohl sie gar nicht mehr im Karussell sitzen.

In allen anderen Fällen beunruhigt Schwindel (medizinisch Vertigo) jedoch eher – vor allem, weil es zahlreiche Schwindel-Ursachen gibt. Jeder dritte Deutsche ist mindestens einmal im Leben von Schwindel betroffen. Je nach Ausprägung führen die Schwindelattacken sogar zu Übelkeit.

Schwindel-Ursachen: Älteren Menschen ist besonders häufig schwindelig

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Schwindelattacken. Doch gerade bei älteren Menschen ist Schwindel oft folgenschwer: sie stürzen und fügen sich dabei oft massive Brüche zu. Aber im Grunde kann Schwindel in jedem Alter auftreten. Die Ursachen sind dabei sehr vielfältig.

Verschiedene Schwindel-Formen können auftreten

Je nach Ausprägung und Anzeichen des Schwindels unterscheidet der Arzt folgende Formen:

  • Drehschwindel: Er tritt anfallartig auf und dauert meist nur wenige Sekunden. Dauerhafter Drehschwindel dagegen ist sehr selten. Typisch ist hier ein Schwindel wie nach einer Karussellfahrt – alles dreht sich im Kreis, daher auch der Name. Drehschwindel kann im Sitzen und Liegen entstehen.
  • Lagerungsschwindel: Hier zeigen sich die Schwindelanfälle, wenn Sie den Kopf zur Seite, nach oben oder unten neigen. Halten Sie den Kopf dann wieder ruhig, legen sich die Schwindelattacken.
  • Schwankschwindel oder Bewegungsschwindel: Er zeigt sich beim Stehen oder Gehen und ist gekennzeichnet durch Benommenheit und Fallneigung.

Schwindel und Gleichgewichtssinn

Wenn Ihnen plötzlich schwindelig wird, ist das immer ein Anzeichen dafür, dass etwas im Gleichgewichtssystem (vestibuläres System) gestört ist. Es besteht aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, einem winzigen System zwischen Trommel und Gehörschnecke. Dieses besteht aus Gängen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind – bei jeder Bewegung schwingt diese Flüssigkeit mit. Diese Reize werden über Sinneszellen vom Gleichgewichtsnerv aufgenommen: er leitet diese Reize weiter ans Gehirn. Dort werden diese Informationen zusammen mit denen, die von Augen und Rezeptoren der Muskeln und Gelenke einströmen, verarbeitet.

Schwindel ist ein Symptom

Dieses komplizierte System funktioniert normalerweise präzise. Verschiedene körperliche, aber auch psychische Krankheiten können es jedoch stören, und Schwindel entsteht. Schwindel ist also keine Krankheit an sich, sondern gilt als Symptom. Folgende Ursachen kommen als Auslöser für Schwindelanfälle in Frage:

  • Stress und andere negative psychische Belastungen wie ausgeprägte Angst oder Trauer. Diese Faktoren verändern den Gefäßtonus: Blutgefäße ziehen sich etwas zusammen. Vor allem in den feinsten Blutgefäßen im Innenohr kann das Folgen haben. Es kommt zu Durchblutungsstörungen, die sich in Schwankschwindel äußern können. So kann auch orthostatischer Schwindel entstehen.
  • Verspannungen und Gelenkprobleme im Kiefer oder der Nackenwirbelsäule zeigen sich oft mit Schwindelanfällen. Übrigens ist Schwindel auch Symptom eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule.
  • Bluthochdruck verschlechtert die Durchblutung allgemein, auch im Gleichgewichtsorgan. Das Gleiche gilt bei Herzrhythmusstörungen. Aber auch bei niedrigem Blutdruck kommt es morgens bei zu schnellem Aufstehen zu Schwindelanfällen.
  • Schwindel kann auch in bestimmten Situationen auftreten, etwa wenn man sich auf einem hohen Punkt befindet (Höhenschwindel) oder mit dem Bus oder dem Schiff unterwegs ist (Reiseschwindel). Dagegen können Mittel gegen Reisekrankheit helfen.

Andere Schwindel-Ursachen: Morbus Menière und Lagerungsschwindel

Bei Morbus Menière kommt es zu Drehschwindel, Tinnitus und Hörminderung auf einem Ohr. Die Ursachen dafür sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Entzündung im Gleichgewichtsorgan, ausgelöst etwa durch Grippe- oder Herpesviren. Ebenso wie eine Hirnhautentzündung kann auch Morbus Menière einen beidseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans zur Folge haben – einer bilateralen Vestibuopathie.

Aber auch Steinchen im Gehörorgan irritieren den Gleichgewichtsnerv. Diese Ohrsteinchen oder Otolithen sind vergleichbar mit winzigen Kristallen. Sie bilden sich – vermutlich altersbedingt – in den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans. Eigentlich liegen sie in einer gallertartigen Masse. Bei Veränderungen der Körper- und Kopfhaltung geraten die Kristalle in Bewegung, können aus der Masse austreten und reizen die Sinneszellen. Der Gleichgewichtsnerv meldet diese falschen Informationen ans Gehirn, das mit Schwindel (Lagerungsschwindel) reagiert.

Bei Schwindel ist der HNO-Arzt Ansprechpartner

Die Ursachen von Schwindel können also ganz verschieden sein. Besonders häufig sind Stress und Verspannungen. Sie brauchen also erst einmal keine Panik zu haben, wenn Schwindel Sie quält. Trotzdem sollten Sie mögliche Schwindel-Ursachen von einem HNO-Arzt abklären lassen, gerade wenn Ihnen öfter mal schwindelig ist, der Schwindel immer in bestimmten Situationen oder bei bestimmten Bewegungen auftritt oder einhergeht mit

  • Ohrensausen (Tinnitus),
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Sehstörungen,
  • Benommenheit
  • Kopfschmerzen oder sogar Migräne.

Auch wenn der Schwindel in Zusammenhang mit einer Krankheit wie Grippe, Mittelohrentzündung, einer Herpes-Zoster-Infektion oder bei Scharlach oder Masern auftritt, sollten Sie zumindest erst einmal Ihren Hausarzt aufsuchen. Auch ein Besuch in einer Schwindelambulanz kann helfen.

Die Ursachen von Schwindel lassen sich meist gut behandeln.Was Sie bei Schwindel selbst tun können: Für den Lagerungsschwindel gibt es einfache Körperübungen, die die Kristalle im Ohr wieder in eine Position bringen, in der sie den Hörnerv nicht irritieren.

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