26.10.2018

Verdauungsprobleme & Co. Beschwerden bei Laktoseintoleranz: nicht so leicht erkennbar

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Ein Glas Milch zum Frühstück? Für Menschen mit ausgeprägter Laktoseintoleranz unvorstellbar.

Foto: iStock/NoSystem images

Ein Glas Milch zum Frühstück? Für Menschen mit ausgeprägter Laktoseintoleranz unvorstellbar.

Die Laktoseintoleranz bzw. Milchzucker-Unverträglichkeit hat oft starke Verdauungsprobleme zur Folge. Wir klären über weitere Nebenwirkungen auf.

Laktoseintoleranz ist bei den betroffenen Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt. Beschwerden treten nach wenigen Minuten oder Stunden auf und können sich in Form von Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen äußern. Zumeist kommen die Beschwerden als reine Verdauungsprobleme zutage.

Der Bauch rebelliert bei Laktoseintoleranz: klassische Symptome einer Milchzucker-Unverträglichkeit

Eine Laktoseintoleranz ist bei starker Ausprägung eine unsägliche Qual. In diesem Fall muss vollständig auf laktosehaltige Nahrungsmittel verzichtet werden. Wie stark die Beschwerden sind, hängt vom individuellen Grad der Laktoseintoleranz ab. Diese ist evolutionsbiologisch betrachtet allerdings eigentlich recht klug: Erwachsene entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Intoleranz gegen Milchzucker, damit sie ihrem Nachwuchs nicht die Milch wegtrinken können.

Im Grunde ist jeder Erwachsene mehr oder weniger laktoseintolerant. Bei manchen Erwachsenen ist die Laktoseintoleranz derart stark ausgeprägt, dass sich spürbare Beschwerden äußern.

Um das zu verstehen, müssen wir tiefer reingehen: Laktose besteht nämlich aus zwei Zuckermolekülen, die miteinander verbunden sind – der Glukose und der Galaktose. Der Darm kann allerdings nicht mit der Verbindung umgehen und beide nur als einzelne Moleküle aufnehmen. Hierzu rückt die Laktase an, ein Enzym, das den Milchzucker spaltet. Ist die Laktose dann in ihre zwei Bestandteile gespalten, dienen diese dem Körper als Energielieferant bzw. Energiespeicher. Die Verdauungsbeschwerden treten auf, wenn der Dünndarm nicht genügend Laktase bildet.

Krankhafte Beschwerden äußern sich bei den einen erst nach einer immensen Milchzufuhr. Bei anderen Personen reichen bereits wenige Milliliter Milch aus, um starke Beschwerden hervorzurufen. Als Faustregel gilt, dass dem Körper durchschnittlich ca. 25 bis 35 Gramm Milchzucker pro Tag zugeführt werden kann – bei Menschen, die "normal" darauf reagieren. Die Toleranz von empfindlichen Personen beträgt in etwa zehn Milligramm.

Beschwerden nach Milchgenuss: Eine Viertelstunde reicht aus

Eine Viertelstunde kann bereits ausreichen, damit sich Beschwerden äußern – spätestens treten diese nach zwei Stunden auf. Startpunkt ist das Trinken von Milch oder der Verzehr von Milchprodukten wie Käse. Nach dem Verzehr kommt es zu einer Gasbildung im Darm, die einen Blähbauch verursacht. Bauchkrämpfe und Blähungen sind ebenfalls typische Symptome.

Wie Sie einen Blähbauch vermeiden, sehen Sie im Video:

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Der Darm arbeitet hart. Deshalb ist die Eigenbewegung erhöht. Dies macht sich anhand von Durchfall und einem deutlich hörbaren Rumoren bemerkbar. Mögliche Beschwerden sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, schmerzhafter Stuhldrang und Bauchkrämpfe. Einige Betroffene klagen auch über Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit, Herzklopfen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.

Ob ein Zusammenhang zur Laktoseintoleranz gegeben ist, kann bei den letzteren Symptomen nicht eindeutig festgestellt werden. Einige Ärzte diskutieren auch über psychische Einflüsse. Generell gilt, dass Bauchbeschwerden, die nach dem Verzehr von laktosehaltiger Nahrung auftreten, eine Milchzucker-Unverträglichkeit nahe legen.

Verschiedene Laktoseintoleranz-Stufen

Eine Milchzucker-Unverträglichkeit als solche ist eher harmlos. Diese kann zwar unangenehm sein, aber keinesfalls schlimme Ausmaße annehmen. Eine Laktoseintoleranz kann durch eine Ernährungsumstellung weitestgehend in den Griff bekommen werden. Dann treten weder Mangelerscheinungen noch andere Erscheinungen auf. Die Darmschleimhaut selbst wird dabei nicht geschädigt. Diese kann alle anderen Substanzen, die eben keinen Milchzucker enthalten, nach wie vor normal verdauen und aufnehmen.

Zwischen zwei Arten der Laktoseintoleranz wird meist entschieden: die primäre und die sekundäre. Bei ersterer verbleiben noch etwa 50 Prozent Laktase – und die gelten in der Regel als ausreichend, wenn nicht Unmengen an Milchprodukten konsumiert werden. Geringe Milchzuckermengen in der Nahrung oder auch in Medikamenten machen den Betroffenen meist nichts aus. Die primäre Milchzucker-Unverträglichkeit ist aufgrund ihrer genetisch festgelegten Entwicklung keinesfalls ein Todesurteil. Es wird lediglich die Ernährung eingeschränkt.

Eine sekundäre Laktoseintoleranz ist anders. Diese baut auf einer Erkrankung auf, welche die Milchzucker-Unverträglichkeit hervorruft. Unter Umständen können auch andere Nährstoffe betroffen sein. Dies kann zu schweren Mangelzuständen führen, z. B. einem Fehlen von Mineralstoffen wie Kalzium oder Spurenelementen wie Eisen. Vitamine und Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette können ebenfalls betroffen sein. Dies führt zu einem ungewollten Gewichtsverlust. Auch Antibiotika können ein solches Laktasedefizit hervorrufen.

Als dritte Möglichkeit gibt es noch die angeborene Milchzucker-Unverträglichkeit – aber dieser kongenitaler Laktasemangel ist sehr selten. Und meist besitzen Neugeborene in der ersten Lebenszeit genügend Laktase, um Muttermilch zu vertragen. Noch seltener ist der absolute Laktasemangel (Alaktasie). Dann vertragen Neugeborene schon keine Muttermilch. Hier muss frühzeitig gehandelt werden, damit keine Komplikationen auftreten.

Selbstdiagnose und Arztbesuch

Wenn die oben genannten Beschwerden auftreten, ist das Vorliegen einer Laktoseintoleranz möglich. Wer einfach ein bis zwei Wochen auf laktosehaltige Lebensmittel verzichtet, wird schnell bemerken, ob seine Beschwerden wirklich von einer Laktoseintoleranz stammen. Unter Umständen kann sich die Darmflora nach längerem Verzicht auf Laktose vollständig regenerieren und Milchprodukte anschließend besser aufnehmen. Beim Arzt können verschiedene Tests durchgeführt werden, mit welchen eine Laktoseintoleranz nachgewiesen werden kann.

Sie überlegen, ob Sie an Allergien und Intoleranzen leiden? Schauen Sie auf unsere Themenseite – fragen Sie aber unbedingt auch bei Ihrem Arzt nach! Eine Diagnose kann Ihnen nur dieser stellen!

Meist arbeiten Fachärzte, in den meisten Fällen die Gastroenterologen, mit einem H2-Laktose-Atemtest – umgangssprachlich auch Wasserstoffatemtest genannt. Der Patient darf zwölf Stunden nichts essen und trinkt dann eine gewisse Menge in Wasser aufgelösten Milchzucker. Dann wird in ein spezielles Gerät geatmet. Liegt ein Laktasemangel vor, bilden sich im Darm Gase, darunter Wasserstoff – und der lässt sich dann über das Testgerät in der Atemluft nachweisen. Zusätzlich gibt es noch einen Bluttest sowie einen Gentest.

Leben mit Laktoseintoleranz funktioniert aber: Schränken Sie den Konsum von Milchprodukten weitgehend ein. Gewisse Käsesorten aber sind auch mit Laktoseintoleranz verträglich. Für absolute Notfälle gibt es aber auch Laktase-Tabletten, die den Körper mit dem Enzym versorgen. Diese sollten Sie aber auch nur in Maßen zu sich nehmen.

Übrigens: Intoleranzen bei Nahrungsmitteln werden gefühlt immer häufiger. Was Sie über Zöliakie und Glutenintoleranz wissen müssen, lesen Sie auch bei uns.

Woher Reizdarm-Beschwerden sonst noch kommen können und was Sie dagegen tun können, auch dafür haben wir Ratschläge!

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