20.12.2018

Ursachen und Symptome Die Scheiden- und Gebärmuttersenkung: Was dahinter steckt

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Ihre Gynäkologin kann Sie bei einer Gebärmuttersenkung sowie Scheidensenkung über mögliche und eventuell notwendige Behandlungsschritte informieren.

Foto: iStock/romankosolapov

Ihre Gynäkologin kann Sie bei einer Gebärmuttersenkung sowie Scheidensenkung über mögliche und eventuell notwendige Behandlungsschritte informieren.

Bei einer Scheidensenkung reicht der Verlauf von Symptomlosigkeit bis hin zu deutlichen Beschwerden. Nach der Schwere richtet sich die Behandlung.

Die inneren Geschlechtsorgane der Frau – Scheide und Gebärmutter – werden durch einen Bänderapparat im Becken festgehalten. Neben der Schwerkraft können verschiedene Faktoren, etwa im Zusammenhang mit einer Geburt oder in den Wechseljahren dazu führen, dass sich dieser Halteapparat lockert. In der Folge senken sich beide Organe entweder einzeln oder gemeinsam ab. Man spricht von einer Scheidensenkung oder Gebärmuttersenkung. Die Senkungsprozesse können unterschiedlich schwerwiegend sein.

Dabei ist es aber völlig normal, dass sich die Geschlechtsorgane im Laufe der Zeit ein wenig absenken, etwa nach der Geburt. Ein graduelles Absenken ist außerdem der Gravitation geschuldet. Unser aufrechter Gang sorgt für eine ständige, kräftige Zugbewegung der Schwerkraft auf die Haltestrukturen im Beckenbereich. Frauen, die von Haus aus ein schwächeres Bindegewebe haben, können bereits in jüngeren Jahren von einer Absenkung der Scheide (Descensus vaginae) und der Gebärmutter (Desecensus uteri) betroffen sein.

Scheidensenkung und Gebärmuttersenkung: Ursachen und Symptome

Jede vaginale Geburt kann zu einer Überdehnung und zu Rissen im Halteapparat führen – bei vielen Geburten oder schweren Kindern umso mehr. Ähnliches gilt für das Heben schwerer Lasten, für chronische Verstopfung oder andauernden Husten. Die Beckenbodenmuskulatur wird dabei dauerhaft überanstrengt. Häufig ist die Bauchmuskulatur zu wenig ausgeprägt, um ihrerseits zur Stabilität im Beckenbereich beizutragen.

Nach den Wechseljahren geben die entsprechenden Haltestrukturen zunehmend nach. Übergewicht und Rauchen gelten als begünstigende Faktoren. Senkungen sind regelmäßig graduelle Prozesse, die allmählich fortschreiten. Viele Frauen spüren eine leichte Absenkung zunächst nicht. Bei anderen macht sich die Nähe von Scheide und Gebärmutter zu weiteren Organen sofort bemerkbar.

Die Geschlechtsorgane grenzen unmittelbar an die Blase, die Harnröhre und das Rektum (Mastdarm). Die Scheide stützt diesen Bereich ab. Senkt sie sich merklich, folgen Blase (Zystozele, Blasenvorfall), Harnröhre und Rektum (Rektozele, Enddarmvorfall) häufig nach. Manchmal lässt sich die abgesenkte Scheide zwischen den Schamlippen ertasten.

Betroffene Frauen klagen über ständigen Druck auf die Ausscheidungsorgane. Funktionsstörungen in Form von Harninkontinenz, Blasen- und Stuhlentleerungsstörungen sind möglich, wie bei einer Blasenschwäche . Vielen Frauen ist der Zustand daher peinlich, sie verzichten auf herzhaftes Lachen oder versuchen, Husten und Niesen zu unterdrücken, aus Angst, es könne etwas Urin abgehen.

Es können Beschwerden beim Geschlechtsverkehr auftreten. Durch Reibung können bei dauerhafter Scheidensenkung in seltenen Fällen auch offene, blutige Stellen, sogenannte Ulzerationen entstehen.

Der Prolaps – die Gebärmutter fällt vor

In der Regel ist eine leichte Gebärmuttersenkung nicht schlimm – sie kann sich aber verschlimmern. Auch die Gebärmutter wird von der Scheide abgestützt. In schweren Fällen einer Scheidenabsenkung ist es möglich, dass die Gebärmutter (Uterus) im Zuge der Senkungsbewegung weit nach unten rutscht und aus der Scheide austritt. Beim Prolaps werden verschiedene Schweregrade unterschieden. Im schlimmsten Fall tritt der gesamte Gebärmutterkörper aus.

Ein Prolaps ist der Endpunkt eines allmählichen Absenkungsprozesses. Als solcher ist er ein akutes Ereignis. Betroffene sollten unbedingt zügig einen Arzt konsultieren. Ein Gebärmuttervorfall darf nicht unbehandelt bleiben. Begleitsymptome wie Unterleibsschmerzen sowie Funktionsstörungen benachbarter Organe können schwerwiegend sein.

Diagnose und Behandlung von Scheiden- und Gebärmuttersenkung

Scheiden- und Gebärmuttersenkungen sind nicht selten. Immerhin leidet jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens unter einer Gebärmuttersenkung unterschiedlicher Ausprägung und auch die Vagina verändert sich bereits ab 35. Es empfiehlt sich, bei gynäkologischen Routineuntersuchungen per Ultraschall regelmäßig einen Blick auf die Lage der Geschlechtsorgane und benachbarter Regionen werfen zu lassen.

Dies ist besonders wichtig, wenn Bindegewebsschwächen bekannt sind. Wenn Beschwerden auftreten, erkennt der Arzt per Ultraschall wie etwa Blase und Harnröhre von einer Senkung betroffen sind. Komplexere Symptome erfordern eine Kernspintomographie oder spezielle Röntgenaufnahmen.

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Zunächst sollten Sie bei ganz leichter Senkung mit Beckenbodentraining als konservative Behandlung dafür sorgen, dass sich alles stabilisiert. Beckenbodentraining klappt unter anderem mit Liebeskugeln.

Zwar lässt sich eine Absenkung nicht mehr rückgängig machen, aber zumindest aufhalten. In schweren Fällen kommt eventuell eine Operation infrage, wenn die Beschwerden zu groß werden und ein Prolaps droht oder bereits passiert ist. Dabei können stützende Strukturen wie Kunststoff-Netze oder Pessare eingesetzt werden. Unter Umständen wird bei älteren Frauen oder abgeschlossener Familienplanung die Gebärmutter entfernt.

Was Sie selbst vorbeugend tun können

Frauen sollten ihren Beckenboden und ihre Bauchmuskeln regelmäßig trainieren. Der Gynäkologe steht hier als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Selbst wenn bereits leichte Formen der Absenkung auftreten, können diese sich durch das Training zurückbilden. Vor allem sollten Maßnahmen frühzeitig einsetzen, bevor es zu einem Prolaps kommt. Wer Übergewicht, Rauchen und körperliche Überanstrengung vermeidet, unterstützt die Stabilität im Beckenbereich außerdem.

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