Aktualisiert: 18.05.2020 - 20:45

Tinnitus ist keine Einbildung Ursachen von Tinnitus: Woher kommen die Ohrgeräusche?

Foto: iStock/AaronAmat

Es kann ein leises Zirpen sein, aber auch ständiges Dröhnen. Die Ohrgeräusche bei Tinnitus entstehen nicht nur wegen Stress oder Durchblutungsstörungen, wie immer angenommen wird.

Wer von Tinnitus spricht, meint damit meist Ohrensausen und Ohrgeräusche, die der Betroffene klar hört, obwohl es keine Geräuschquelle gibt. Die landläufige Meinung lautet deshalb, bei Tinnitus handelt es sich um so etwas wie Phantomgeräusche.

Tinnitus ist keine Einbildung oder psychische Störung

Hirngespinste sind sie deswegen jedoch auf keinen Fall. Bei Untersuchungen mit PET (Positronen-Emissions-Tomographie) lassen sich bei Menschen mit Tinnitus auf der Großhirnrinde typische Aktivitäten erkennen. Die störenden Dauergeräusche sind demnach im Gehirn nachweisbar.

Die Betroffenen – in Deutschland hat bereits jeder Vierte dauerhaften Tinnitus erlebt – können das Ohrgeräusch klar definieren. Anhand von Hörtests in der HNO-Praxis lässt sich genau feststellen, in welcher Höhe oder Tiefe und mit welcher Lautstärke der Tinnitus quält.

Vor allem Lärm überfordert das Ohr

Dabei gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die Auslöser für Ohrgeräusche sein können. Zu den häufigsten gehört Lärm: die dröhnenden Bässe auf einem Konzert, Dauerbeschallung über den Kopfhörer oder ein plötzlicher lauter Knall. Das überstrapazierte Ohr reagiert darauf mit Tinnitus.

Tinnitus und Stress

Mindestens genauso häufig soll Stress die Ursache sein. Typischerweise tritt Tinnitus oft bei Überarbeitung und Burnout auf. Doch wie ein hoher Stresspegel das Innenohr, den Hörnerv und die Hörbahn negativ beeinflussen kann, ist noch nicht geklärt. Dass Stress alleinige Ursache von Tinnitus sein kann, ist also nicht bewiesen.

Zuerst Hörsturz, danach Tinnitus

Wesentlich häufiger tritt Tinnitus nach einem Hörsturz auf. Zwei Drittel der Menschen, die einen Hörsturz haben, sind betroffen. Handelt es sich um einen sogenannten Tieftonhörsturz – die tiefen Töne werden nicht mehr wahrgenommen –, ist übrigens die Chance groß, dass der anschließende Tinnitus rasch wieder verschwindet. Beim Hochtonhörsturz ist das jedoch nicht der Fall.

Akuter oder chronischer Tinnitus?

Beim Tinnitus unterscheiden Ärzte zwischen den beiden Formen akut oder chronisch. Vom einem akuten Tinnitus spricht man, wenn die Ohrgeräusche nicht länger als 3 Monate bestehen. Besteht der Tinnitus länger als 3 Monate, so wird er als chronisch bezeichnet. Der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) zufolge hat jeder vierte Deutsche schon einmal Geräusche im Ohr gehabt und jährlich komme es hierzulande bei insgesamt zehn Millionen Erwachsenen zu einem Tinnitus.

Ganz wichtig: Sollte der Tinnitus erstmalig auftreten, raten Ärzte dazu, möglichst schnell einen HNO-Spezialisten aufzusuchen. Je früher die Behandlung bei einem akuten Tinnitus angesetzt wird, desto wahrscheinlicher verschwinden die störenden Dauergeräusche auch wieder. Was übrigens in 80 Prozent der Fälle so ist!

Tinnitus und Schwerhörigkeit treten oft gemeinsam auf

Oft treten die Ohrgeräusche auch gemeinsam mit einer Schwerhörigkeit auf. Eine Studie zeigt, dass über 90 Prozent der Menschen, die Tinnitus haben, zusätzlich schlecht hören. In welchem Zusammenhang die beiden Ohrprobleme stehen, ist nicht geklärt – ob etwa Schwerhörigkeit Tinnitus auslösen kann oder umgekehrt. Fest steht jedoch: Wenn bestehende Schwerhörigkeit mit einem Hörgerät ausgeglichen wird, sinkt das Risiko für zusätzlichen Tinnitus.

Morbus Menière – Drehschwindel und Tinnitus

Wiederkehrende Schwindelanfälle (Vertigo) und Ohrgeräusche sind typisch für den sogenannten Morbus Menière. Außerdem verschlechtert sich zunehmend das Hörvermögen. Hörverlust, Schwindel (Link zu Schwindel) und Tinnitus entstehen, wenn sich im Innenohr die Flüssigkeit in den feinen Gleichgewichts- und Gehörkanälchen staut. Es entsteht ein Überdruck. Die Ursache dafür konnte noch nicht entdeckt werden.

Wenn Tinnitus eigentlich Körpergeräusche sind

In den allermeisten Fällen entsteht Tinnitus also ohne Geräuschquelle. Der Arzt spricht dann von subjektivem Tinnitus, weil außer dem Betroffenen niemand das Geräusch hört. Manchmal bildet sich Tinnitus jedoch durch eine Schallquelle, die im Bereich von Ohr, Hals oder Kopf liegt. Handelt es sich beim Tinnitus also um tatsächliche Körpergeräusche, wird das als objektiver Tinnitus bezeichnet. Diese Form der Erkrankung ist jedoch sehr selten und betrifft nur ein Prozent der Patienten.

Was dann als Rauschen oder pulsierendes Dröhnen wahrgenommen wird, sind etwa Herzschlag und Blutstrom, wenn die Halsschlagader verengt ist. Neben Karotisstenose kommen noch andere Gefäßerkrankungen in Frage wie ein Aneurysma, aber auch Blutarmut.

>> Aneurysma im Kopf oder Bauch – eine tickende Zeitbombe

Behandlung von Tinnitus

Vor allem also bei akutem Tinnitus ist eine schnelle Behandlung wichtig, um möglichst zu vermeiden, dass die unangenehmen Ohrgeräusche chronisch werden. Diese Möglichkeiten zur Behandlung gibt es:

  • Des akute subjektiven Tinnitus wird medikamentös behandelt, häufig mit Kortison in Tablettenform oder als Infusion.
  • Beim objektiven Tinnitus wird die zugrundeliegende Ursache behandelt.
  • Generell helfen Entspannungsübungen und Meditation
  • Pflanzliche Präparate können die Durchblutung des Ohres verbessern
  • Bei chronischem Tinnitus können auch eine Psychotherapie, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder auch sogenanntes Retraining und Noiser helfen, die Situation zu verbessern.

Tinnitus vorbeugen mit drei einfachen Maßnahmen

Abgesehen von diesen sehr seltenen Ursachen für Tinnitus können Sie die häufigsten Auslöser sehr einfach umgehen:

  • Meiden Sie hohe Lärmbelastung.
  • Tragen Sie Gehörschutz bei allen lauten Arbeiten.
  • Entspannen Sie sich, lassen Sie Stress nicht Ihr Leben bestimmen. Dabei können sicher diese Anti-Stress-Tipps zur Entspannung helfen.

Mehr rund um die Themen Entspannung und Stressbewältigung und Meditation lesen Sie auf unseren passenden Themenseiten.

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