04.04.2016

Therapien bei nervigen Ohrgeräuschen Das hilft bei Tinnitus: Retraining und Noiser

Retraining und Noiser sind Hilfsmittel, die sich bei Tinnitus bewährt haben.

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Retraining und Noiser sind Hilfsmittel, die sich bei Tinnitus bewährt haben.

Wer schon einmal von dauerhaften Ohrgeräuschen gequält wurde, weiß, wie stark sie die Lebensqualität einschränken. Doch es gibt Möglichkeiten, die Phantomgeräusche loszuwerden.

Zuerst die gute Nachricht: Ohrgeräusche, die Sie wahrnehmen, obwohl es dazu keine Lärmquelle gibt, sind eigentlich ganz normal. Tinnitus tritt oft unter starker Anspannung wie Stress oder Angst auf und verschwindet innerhalb von 24 Stunden wieder. Hält das Ohrensausen jedoch länger an, sollten Sie das von einem HNO-Arzt abklären lassen.

Manchmal kann ein Hörsturz dahinter stecken oder die Krankheit Morbus Menière, die mit Schwindelattacken einhergeht. Werden solche Grundleiden behandelt, legt sich auch der Tinnitus. In den meisten Fällen hat das Piepen, Brummen oder Klingeln jedoch andere Auslöser, die sich nicht direkt angehen lassen.

Tinnitus beruht vermutlich auf Fehlschaltung im Gehirn

Weil bis jetzt noch nicht bekannt ist, was die genaue Ursache des Tinnitus im Innenohr und Gehirn ist, gibt es auch noch kein Medikament, das permanente Ohrgeräusche sicher heilt.

Fest steht jedoch, dass es sich um eine Schädigung des Innenohrs handelt, die häufig mit Schwerhörigkeit einhergeht, oder aber um eine Fehlverarbeitung im Gehirn. Doch mit der richtigen Behandlung verschwindet das Ohrgeräusch in rund 80 Prozent der Fälle wieder.

Medikamente gegen Tinnitus

Je nach Schwere des chronischen Tinnitus eignen sich folgende Therapien:

  • Kortison kann vor allem zu Beginn hilfreich sein, wenn Entzündungsprozesse bei der Entstehung des Tinnitus eine Rolle spielen.

  • Ebenfalls nur in den ersten Tagen nach Auftreten des Tinnitus sind durchblutungsfördernde Medikamente sinnvoll. Sie verbessern die Versorgung der feinen Gefäße im Innenohr. Falls minimale Durchblutungsstörungen an der Entstehung des Tinnitus beteiligt sind, besteht die Chance, dass sich die Ohrgeräusche dadurch legen.

  • Der Heilpflanze Ginkgo biloba in Form eines Extrakts wird eine ähnliche Wirkung zugesprochen.

Was Tinnitus-Retraining-Therapie bedeutet

Die wichtigste Behandlungsform ist jedoch die sogenannte Retraining-Therapie gegen Tinnitus. Dazu gehören:

  • Counselling: Der HNO-Arzt klärt den Patienten über die Krankheit auf und bespricht mit ihm den Behandlungsplan. Dieses Beratungsgespräch informiert und soll Betroffenen die Angst nehmen.

  • Psychologische Betreuung: Verhaltenstherapie kann dabei helfen, mit dem Tinnitus zu leben, ohne dass er den Alltag beherrscht.

  • Entspannung: Chronischer Tinnitus belastet die Psyche enorm. Wenn Sie Entspannungsmethoden wie Autogenes Training erlernen, reduzieren Sie damit diesen zusätzlichen Stress. Sinnvoll ist auch Entspannungsmusik, die das Ohr nebenbei vom Tinnitus ablenkt.

  • Noiser (Masker, Rauscher): Dabei handelt es sich um eine Art Hörgerät. Diese Hilfsmittel verbessern jedoch nicht das Hörvermögen, sondern senden ein bestimmtes, leises und angenehmes Geräusch aus. Wenn man sich darauf konzentriert, nimmt man mit der Zeit den Tinnitus nicht mehr wahr.

Relativ neu ist eine weitere Behandlungsform, die Entspannungsmusik und Noiser verbindet: Dabei handelt es sich um Musikstücke, die technisch so bearbeitet sind, dass sie keine Frequenzen des individuellen Tinnitus enthalten. Ohr und Gehirn sollen so lernen, sich auf etwas anderes als den Tinnitus zu fokussieren und das quälende Dauergeräusch sozusagen zu vergessen.

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