13.05.2019

Fast jede zweite Frau betroffen Was bedeutet die Diagnose Mastopathie?

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Regelmäßiges Abtasten der Brust ist wichtig. Denn Veränderungen des Brustgewebes müssen immer untersucht werden – auch wenn Mastopathie meist unbedenklich ist.

Foto: iStock/Rudyanto Wijaya

Regelmäßiges Abtasten der Brust ist wichtig. Denn Veränderungen des Brustgewebes müssen immer untersucht werden – auch wenn Mastopathie meist unbedenklich ist.

Jede Frau ist beunruhigt, wenn sie Veränderungen in ihrer Brust feststellt. Doch die Erklärung muss nicht immer Krebs sein, sondern kann auch harmlose Gründe haben. Es nachprüfen zu lassen lohnt sich trotzdem.

Die Diagnose Mastopathie klingt erst einmal beunruhigend – betroffene Frauen müssen sich aber in aller Regel keine Sorgen machen. Unter Mastopathie versteht man eine Veränderung des Drüsengewebes in der Brust, die meist gutartig ist. Heute weiß man, dass fast jede zweite Frau solche Veränderungen durchmacht. Oft läuft das ganz unbemerkt ab, ohne irgendwelche Beschwerden zu verursachen.

Veränderungen des Brustdrüsengewebes können zwischen dem Einsetzen der Geschlechtsreife bis zum Eintreten der Wechseljahre eintreten. Oft sind Frauen ab Mitte Dreißig bis etwa Mitte Fünfzig davon betroffen. In und nach den Wechseljahren kommt Mastopathie kaum noch vor, solange keine Hormone zum Mindern von Wechseljahrsbeschwerden eingenommen werden.

Heute geht man nämlich davon aus, dass ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone und hier vor allem ein Östrogenüberschuss für die Veränderungen der Brustdrüsen verantwortlich ist, meist in Begleitung eines Mangels an Progesteron. Für den Überschuss an Östrogen kann es allerdings viele unterschiedliche medizinische Gründe geben, die für eine erfolgreiche Therapie genauer untersucht werden müssen.

Woran erkennen Sie eine Mastopathie?

Hauptsymptome einer Mastopathie sind ein Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brust sowie im Bereich der Achseln oder Achselhöhlen. Diese Beschwerden verschlimmern sich etwa eine Woche vor der monatlichen Periode, um dann nach dem Abklingen der Regelblutung wieder zu verschwinden. Neben diesen Beschwerden kann es auch zur Bildung von etwa kirschkerngroßen Knoten und Verhärtungen in der Brust kommen, die ebenfalls während der Regelblutung deutlicher zu ertasten sind. In den meisten Fällen sind beide Brüste von den Beschwerden betroffen. Manchmal sondern die Brustwarzen auch eine Flüssigkeit ab.

Besondere Formen: Fibröse und Zystische Mastopathie

Es gibt verschiedene Arten der Mastopathie, wobei man zwischen drei verschiedenen Schweregraden unterscheidet. Dazu sei allerdings gesagt, dass selbst der dritte und schwerste Grad nur höchst selten und in keinem Fall zwangsläufig zu einer Krebserkrankung der Brüste führen muss.

Die in seltenen Fällen produzierte Flüssigkeit rührt daher, dass die Drüsenzellen bei der Mastopathie besonders wachsen und "produktiv" werden. Dadurch können viele kleine Zysten in den Drüsenläppchen entstehen – dann auch "zystische Mastopathie" genannt.

Wenn vor allem im Bindegewebe Veränderungen auftreten, wird hingegen von einer "fibrösen Mastopathie gesprochen.

Meist tritt aber eine Mischform auf, die "fibrös-zystische Mastopathie", von der fast jede Frau einmal betroffen ist. Die Ausprägung der Symptome ist ganz unterschiedlich. Wie erwähnt: manche Frauen merken gar nichts.

Die Schweregrade der Mastopathie

Nach Prechtel, einem Mediziner, der in den 1970er Jahren die Mastopathie auch im Zusammenhang mit dem Mammakarzinom genauer untersucht hat, werden drei Schweregrade unterschieden:

  • Grad 1: Vermehrte Bindegewebszellen und erweiterte Milchgänge, manchmal Zysten. Bösartige Weiterentwicklung nicht zu erwarten. Betrifft rund 70 Prozent aller Mastopathien.
  • Grad 2: Gutartige Zellwucherungen im Milchgangsystem, Krebsrisiko gering erhöht. Betrifft rund 20 Prozent aller Mastopathien.
  • Grad 3: "Proliferierende Mastopathie": Zellveränderungen sind krankhaft bzw. atypisch, oft mehrere Herde in einer Brust, in 30 Prozent der Fälle in beiden Brüsten. Erhöhtes Krebsrisiko, insbesondere wenn familiär bereits vermehrt Brustkrebs aufgetreten ist. Betrifft rund zehn Prozent aller Mastopathien.

Ruhe bewahren und ärztlichen Rat einholen

Die Brust verändert sich im Alter, das ist normal. Wenn Sie aber solche Beschwerden bei sich feststellen, ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen, um sicherzustellen, dass nichts Ernsthafteres dahinter steckt. Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, um festzustellen, ob es sich bei diesen Veränderungen um eine Mastopathie handelt. Dazu gehören zum einen das Abtasten der Brust, da die Veränderungen der Brustdrüsen zumeist leicht zu erfühlen sind. Als weitere Untersuchungsmethoden stehen dem Arzt unter anderem eine Ultraschalluntersuchung der Brüste oder eine Röntgenuntersuchung zur Verfügung. Um eventuelle Mikroverkalkungen zu entdecken, die auf eine bösartige Veränderung hinweisen können, kann sich auch eine Mammographie anbieten. Falls aus den Brustwarzen eine Flüssigkeit austritt, wird der Arzt diese untersuchen. Auch eine Gewebeentnahme gehört im Zweifelsfall zu den Untersuchungsmethoden.

Zu den Therapien für diese Störung gehören in der Regel Medikamente, die den Hormonhaushalt wieder ausgleichen und, wenn nötig, solche, die als Prolaktinhemmer wirken. Sollte es erforderlich werden, können auftretende Knoten auch operativ entfernt werden. Nach Einsetzen der Wechseljahre bilden sich mastopathische Veränderungen meist von selbst wieder zurück, und die Beschwerden klingen ab.

Veränderungen des Gewebes können auch bei Männern auftreten

Zwar haben Männer nur sehr kleine Brustdrüsen, dennoch sind sie vorhanden. Daher kann Mastopathie auch beim Mann auftreten – ebenso wie übrigens auch Brustkrebs. Die Zahlen unterscheiden sich jedoch deutlich: Erhalten jährlich rund 71.000 Frauen die Diagnose, sind es im gleichen Zeitraum nur etwa 600 Männer. Auch Männern wird aber geraten, einen Arzt aufzusuchen, wenn sie einen Knoten im Brustgewebe ertasten – nicht nur dann, wenn sie unter Gynäkomastie, dem sogenannten "Männerbusen", leiden. Die Diagnose und Behandlung laufen ab wie bei Frauen.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Wenn bei Ihnen eine Mastopathie festgestellt wird, ist dies erst einmal kein Grund zur Sorge. Es gibt inzwischen gut wirkende Medikamente, um etwa Ihren Hormonhaushalt auszugleichen und Ihre Beschwerden zu lindern, darunter sogar progesteronhaltige Gele zum Eincremen. Auch heißt es, dass Mönchspfeffer als natürliches Mittel gegen Mastopathie helfen kann. Mönchspfeffer soll die Gestragenproduktion anregen.

Allerdings ist es wichtig, auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu achten, um eine eventuelle Veränderung rasch feststellen und behandeln zu können. Zur Krebsvorsorge gehört auch richtiges Brustabtasten – und das kann man zum Glück lernen und sollte es dann regelmäßig durchführen.

Untersuchen Sie etwa einmal im Monat Ihre eigene Brust auf Veränderungen und nehmen Sie auf jeden Fall die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen wahr. Damit sind Sie in der Lage, auftretende Veränderungen rasch zu bemerken. Selbst wenn es zu Veränderungen Ihres Brustgewebes gekommen ist, ist Ihr Arzt so rasch in der Lage, eine Therapie einzuleiten.

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