11.02.2020

Verdauungsstörung Durchfall: Das sind die Ursachen eines gestressten Darms

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Mi, 18.09.2019, 13.00 Uhr

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Wenn es im Bauch rumort und schmerzhaft krampft, kann die nächste Toilette gar nicht nah genug sein. Unter Durchfall leidet jeder einmal. Was die Auslöser sind und was Sie dagegen unternehmen können.

Die Ursachen für Durchfall sind vielfältig. Lebensmittelunverträglichkeiten, chronische Störungen des Verdauungstraktes, Medikamente, Bakterien und Viren aber auch Stress, Genussmittel, psychische Belastungen und Hormone können verantwortlich sein. Durchschnittlich ist ein Drittel der Deutschen mindestens einmal im Jahr betroffen.

Wenn Sie häufiger unter Durchfall (medizinisch: Diarrhö) leiden, kann die Suche nach dem Auslöser also etwas Geduld erfordern. Dabei sind das falsche Essen oder Krankheitserreger nicht in jedem Fall verantwortlich. Mit den richtigen Mitteln und Maßnahmen können Sie aber vorbeugen.

Durchfall ist unangenehm, aber kann nützlich sein

Mindestens dreimal täglich muss Stuhl von dünnerer Konsistenz auftreten, bevor von Durchfall die Rede ist. Der eigentliche Sinn der eiligen Toilettengänge: Der Körper versucht sich zu reinigen. Ob Giftstoffe oder Krankheitserreger schnellstmöglich aus dem Darm befördert werden sollen, Durchfall kann also durchaus nützlich sein.

Allerdings gehen dabei auch viel Flüssigkeit und Mineralstoffe verloren. Ihr erster Behandlungsschritt sollte daher nicht das medikamentöse Stoppen der Diarrhö, sondern der Flüssigkeitsausgleich sein. Gut geeignet sind Tees mit etwas Zucker und einer Prise Salz, isotonische Sportgetränke, Wasser und leicht gesalzener Reis oder Reisschleim. Aber dazu unten mehr.

Vorsicht: Neben der schützenden Funktion des Durchfalls kann dieser aber auch auf eine Störung der Darmflora oder andere ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Leiden Sie länger als drei Tage, besonders schlimm oder sehr häufig unter Diarrhö, sollten Sie daher umgehend einen Arzt aufsuchen. Das gilt ebenso, wenn zugleich Erbrechen und Fieber auftreten oder es sich um blutigen Durchfall handelt.

Die Durchfall-Ursachen sind vielfältig

Vor allem dann, wenn der Durchfall völlig überraschend auftritt, wissen viele nicht, welcher Auslöser dahintersteckt. Es gibt eine ganze Reihe von viralen und bakteriellen Ursachen für den akuten Durchfall, die mit einer Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe) einhergehen:

  • Rotavirus
  • Norovirus
  • Salmonellen
  • Listerien
  • Clostridien
  • Kolibakterien wie etwa Ehec spielen beispielsweise beim Reisedurchfall eine große Rolle, zusätzlich Typhus- und Cholera-Erreger

Die Ansteckungsquelle mit Bakterien wie Salmonellen und Listerien ist meist ein verdorbenes Lebensmittel. Mit Rota- und Norovirus können Sie sich dagegen vor allem durch den direkten Kontakt mit einem Erkrankten infizieren.

Akuter Durchfall hat andere Ursachen als chronischer Durchfall

Als Ursache für akuten Durchfall kommen neben Krankheitserregern auch weitere Faktoren infrage:

  • Stress, Angst
  • Reizstoffe wie Koffein
  • Medikamente (neben Abführmitteln, bei denen diese Wirkung erwünscht ist, führen Antibiotika häufig als Nebenwirkung zu Durchfall)
  • Magnesium- und Eisenpräparate
  • Magenmittel

Akuter Durchfall hält meist nicht lange an. Je nach Ursache ist er in der Regel nach zwei bis drei Tagen abgeklungen. Bakterielle Infektionen können jedoch länger dauern.

Chronischer Durchfall dagegen tritt immer wieder auf oder quält ständig. Die Ursachen dafür sind meist Krankheiten wie:

  • Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)
  • Fruktoseunverträglichkeit
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Reizdarm
  • Divertikel
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Mukoviszidose

Durchfall während der Menstruation

Jede dritte Frau hat vor und während ihrer Menstruation nicht nur mit schmerzhaften Krämpfen, sondern auch mit Durchfall zu kämpfen. Vollständig geklärt ist der Zusammenhang noch nicht. Experten vermuten jedoch, dass das Hormon Prostaglandin verantwortlich ist. Dieser Botenstoff steht hinter den Kontraktionen der Gebärmutter. Er begünstigt und beschleunigt also das Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut. Den gleichen Effekt kann das Hormon auch auf den Darm haben, der dann ebenfalls beschleunigt kontrahiert. Der Nahrungsbrei wird dadurch schneller ausgeleitet. Verdauungsprozesse im Darm können nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden.

Die möglichen Folgen sind Mangelzustände, Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Da sich der Darm hierbei nicht durch Durchfall reinigt, sondern gewissermaßen überreagiert, ist die Verwendung durchfallstoppender Medikamente durchaus sinnvoll. Auch der Verzicht auf tierische Lebensmittel, die vermehrte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (beispielsweise in Form von Chia Samen) und Entspannungsübungen können zusätzlich oder als Alternative zu den Medikamenten eine spürbare Verbesserung bewirken.

Extra-Tipp: Fetter Seefisch wie Lachs, Thunfisch und Makrele enthalten viel entzündungshemmendes und leicht verwertbares Omega-3. Nehmen Sie Ihre Menstruation also ruhig zum Anlass, um sich mit einer großen Portion Sushi zu verwöhnen. Immerhin ist es Ihrer Gesundheit zuliebe.

Durchfall und Stress

Eine Rede halten, ein wichtiges Gespräch mit dem Chef führen oder eine Prüfung absolvieren – Druck, Angst und Stress schlagen vielen nicht nur auf den Magen, sondern vor allem auf den Darm. Das erhöht wiederum den Stressfaktor und läutet einen Teufelskreis ein.

Wenn Sie unter stressbedingtem Durchfall leiden, sind Sie diesem aber nicht hilflos ausgeliefert. Nehmen Sie sich Zeit für die Vorbereitung der schwierigen Aufgabe, gehen Sie diese in Gedanken oder Rollenspielen durch und legen Sie sich mögliche Antworten bereit. Diese Übungen stärken das Selbstbewusstsein und reduzieren die Angst vor der Situation. Zudem können Sie ein paar Anti-Stress-Tipps zum Entspannen erlernen, Entspannungstechniken, wie Meditation und autogenes Training, erlernen. Diese beruhigen nicht nur den Kopf, sie entspannen auch den nervenreichen Bauch und können Durchfällen so effektiv entgegenwirken.

Bedenken Sie zudem, dass Aufregung nicht nur bei Ihnen abführend wirkt. Allein dieses Wissen kann entlastend sein.

Durchfall wird je nach Ursache anders behandelt

Vor allem, wenn der Durchfall länger als drei Tage anhält oder chronisch ist, sollten Sie die Ursache feststellen lassen. Nur so kann eine gezielte Behandlung in Angriff genommen werden. Denn Durchfall ist nicht harmlos, bereits ein Tag mit wässriger Diarrhö kann einen Flüssigkeitsmangel hervorrufen und den Körper gefährlich austrocknen (Dehydration).

Essen und Trinken bei Durchfall: Was bleibt denn jetzt noch drin?

Durch den Flüssigkeitsverlust werden auch wichtige Mineralstoffe ausgeschwemmt. Medizinisch heißt das Verlust der Elektrolyte. Dann kann ein Kreislaufzusammenbruch drohen. Dieses Risiko besteht vor allem für Babys, Kinder und Senioren. Erste Maßnahme bei Durchfall ist deshalb immer: Trinken. Am besten geeignet sind bei Durchfall:

  • Tee (Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Anis-Kümmel, Schwarztee)
  • Mineralwasser
  • Gemüsebrühe
  • Mineralstoff-Traubenzucker-Lösungen (Apotheke)

Oder Sie bereiten sich ein Elektrolyt-Getränk aus einem Viertelliter Mineralwasser, zwei Teelöffeln Traubenzucker und einer Prise Salz zu.

Daneben sollten Sie nicht vergessen, zu essen. Denn auch, wenn Sie sich möglicherweise denken, dass ja sowieso nichts "drin bleibt", kann der Darm so tatsächlich entlastet und der Körper mit Nährstoffen versorgt werden. Am besten eignet sich leichte Kost mit wenig Fett – sozusagen alle Hausmittel, die auch bei Magen-Darm-Grippe helfen:

Die einst vielgepriesene Kombination aus Cola und Salzstangen empfehlen Experten hingegen heute nicht mehr als Hausmittel gegen Durchfall.

Hausmittel helfen nicht? Ab zum Arzt!

Zum Arzt sollten Sie – wie bereits erwähnt – gehen, wenn der Durchfall länger als drei Tage dauert. Sofort ärztliche Hilfe ist jedoch nötig bei

  • blutigem oder eitrigem Durchfall
  • hohem Fieber (über 39 Grad)
  • ausgeprägtem Schwindel, Schwäche oder sogar Kreislaufkollaps

Medikamente bei Durchfall

Je nach Ursache stehen mehrere Medikamente zur Verfügung. Bei einer leichten Magen-Darm-Grippe gibt es rezeptfreie Arzneimittel, etwa

  • Uzarawurzel
  • medizinische Kohle
  • Motilitätshemmer (beruhigen den überaktiven Darm, Wirkstoff Loperamid)
  • Tabletten mit Gerbstoffen wie Tanninalbuminat
  • Medikamente mit Hefebakterien
  • Spezielle Milchsäure-Produkte

Gegen eine bakterielle Infektion über Lebensmittel, etwa mit Salmonellen, reichen diese Maßnahmen meist nicht und die Ärztin oder der Arzt wird Antibiotika verschreiben. Generell sollten Sie jegliche medikamentöse Behandlung ärztlich absprechen.

Die Ursachen von chronischem Durchfall minimieren

Bei chronischem Durchfall sollten Sie sich am besten darum kümmern, die Ursache zu beheben oder die auslösenden Faktoren wenn möglich zu vermeiden. Für Menschen mit Laktoseintoleranz heißt es also, auf laktosefreie Produkte umzusteigen. Und wer Zöliakie hat, sollte in Zukunft auf Gluten verzichten. Dann normalisiert sich auch die Darmtätigkeit. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa dagegen müssen speziell behandelt werden. Die ständigen Darmentzündungen können mit Entzündungshemmern, notfalls auch operativ gemildert werden.

Weitere Tipps und hilfreiche Infos zum Thema Verdauung finden Sie auch auf unserer Themenseite.

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