30.10.2019

Gefährlicher Bauchspeck Übergewicht: Folgen sind geschlechtsspezifisch – und schlimmer als gedacht!

Böses Bauchfett: Folgen von Übergewicht gibt es viele. Umso wichtiger, etwas dagegen zu tun.

Foto: Shutterstock/Backgroundy

Böses Bauchfett: Folgen von Übergewicht gibt es viele. Umso wichtiger, etwas dagegen zu tun.

Pölsterchen an Bauch und Hüften gelten vor allem unter Frauen als kosmetisches Problem. Doch Übergewicht kann das Risiko für eine Reihe von Krankheiten erhöhen. Dazu gehören nicht nur Bluthochdruck und Diabetes, sondern sogar manche Krebsarten. Und die häufigsten Todesursachen unterscheiden sich bei Männern und Frauen.

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig. Darunter 62 Prozent der Männer, 43 Prozent der Frauen. Das ist das Ergebnis, das die Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2017 zeigen. Und mit dem Alter steigt das Übergewicht, 70 Prozent aller Männer ab 55 neigen zu zu vielen Kilos. Aber auch rund 15 Prozent aller Kinder sind betroffen.

Als übergewichtig gilt, wer einen Body-Mass-Index (BMI) ab 25 aufweist, liegt der BMI über 30, gilt man als adipös, also fettleibig. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße im Quadrat. Betroffene leiden unter den zusätzlichen Kilos. Nicht nur die Zahl auf der Waage, sondern auch der kritische Blick in den Spiegel lässt vor allem Frauen Übergewicht als unschön empfinden. Das gängige Schönheitsideal wird nicht erreicht. Doch zu viele Kilos sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Die Folgen von Übergewicht können gravierend sein. Und offenbar unterscheiden sie sich bei Männern und Frauen.

Übergewicht hat Folgen für die Gesundheit

Weil die Extrakilos nicht wehtun – zumindest bis zu einem gewissen Grad –, denkt kaum einer daran, dass Übergewicht auch ein gesundheitliches Problem ist. Ob bei Frauen, Männern oder Kindern, Übergewicht kann viele Krankheiten auslösen, bei Adipositas steigen die Risiken umso mehr:

  • Diabetes (Zuckerkrankheit): Bei Übergewicht entwickelt der Körper eine Insulinresistenz, er reagiert also immer weniger auf das Blutzucker senkende Hormon Insulin. Der Blutzuckerspiegel steigt an.
  • Erhöhte Blutfettwerte: Schädliches Cholesterin belastet die Gefäße und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.
  • Bluthochdruck: Übergewicht ist der größte Risikofaktor für die Entstehung von Bluthochdruck. Zehn Kilogramm Übergewicht erhöhen den Blutdruck um rund 3 mmHg. Dieser Wert ist verbunden mit einem etwa zehn Prozent höheren Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt sowie andere Herz-Kreislauf-Krankheiten.
  • Arthrose: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet die Gelenke. Vor allem die Lendenwirbelsäule, Hüftgelenke, Knie und Fußgelenke sind bei Übergewicht durch Abnutzung gefährdet (Arthrose).
  • COPD
  • chronische Nierenerkrankungen

Adipositas ist verantwortlich für zwei Drittel der häufigsten Todesursachen durch nicht übertragbare Krankheiten.

Verbindung zwischen Adipositas und häufigen Todesursachen scheint geschlechtsspezifisch zu sein

In einer Untersuchung kamen Wissenschaftler der University of Oxford, vorgestellt im Fachjournal "PLOS Genetics", jetzt zu der Erkenntnis, dass sich das Risiko für Folgeerkrankungen nach Übergewicht und Adipositas bei Männern und Frauen unterscheidet.

  • Demnach steige bei fettleibigen Frauen das Risiko für Diabetes Typ 2.
  • Bei Männern erhöhe sich dagegen vor allem das Risiko für chronische Nierenerkrankungen sowie für die chronische Lungenkrankheit COPD.

Für die Studie wurden die genetischen Daten von 228.466 Frauen und 195.041 Männern aus der UK Biobank ausgewertet. Das Ergebnis: Fettleibigkeit spiele eine Rolle bei der Entwicklung verschiedener Gesundheitsprobleme – mehr als bisher angenommen: Nämlich Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Schlaganfälle, Diabetes, COPD, Lungenkrebs, Nierenversagen, nichtalkoholische Fettleber und chronische Lebererkrankungen.

Übergewicht ist auch Risikofaktor für Krebs

In den vergangenen Jahren kam zusätzlich die Erkenntnis, dass Übergewicht auch bei der Entstehung mancher Krebsarten eine wichtige Rolle spielen kann. Übergewicht ist demnach ein Risikofaktor für

  • Brustkrebs nach den Wechseljahren
  • Krebs der Speiseröhre
  • Gebärmutterschleimhautkrebs
  • Darmkrebs
  • Nierenkrebs

Die Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg gehen sogar davon aus, dass Übergewicht sogar das Rauchen als Risikofaktor Nummer eins für Krebs ablösen könnte.

Übergewicht: Bauchfett am gefährlichsten

Beim Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kommt es vor allem darauf an, wo sich die Pölsterchen befinden. Bauchfett birgt dabei das höchste Risiko, weil es bestimmte Hormone (Adipokine) produziert, die unter anderem das Krebswachstum fördern. Neben dem BMI sollten Sie deshalb auch den Bauchumfang messen. Bei Männern sollte nicht über 102 Zentimetern, bei Frauen nicht über 80 Zentimeter liegen. Ab dieser Grenze besteht Übergewicht, ab 88 sogar Fettleibigkeit.

Die Liste an nachweisbaren Folgen von Übergewicht wird zunehmend länger – während gleichzeitig weltweit mehr Menschen übergewichtig werden. Die neuen Untersuchungen der Ursachen sowie der Folgen lassen aber auch Schlüsse ziehen, wie sich Fettleibigkeit individuell am besten behandeln lässt und auf welche Folgeerkrankungen bei wem erhöhtes Augenmerk gelegt werden sollte.

Abnehmen bei Übergewicht – Sport wirkt doppelt

Fakt ist jedoch: Bewegung hilft. Wer aber erst einmal Übergewicht hat, tut sich meist schwer, abzunehmen, gerade, wenn man sich bereits im Bereich von Adipositas bewegt, sind die Behandlungsmöglichkeiten gefühlt eingeschränkt. Bewegung ist dann aber in zweifacher Hinsicht wichtig:

  1. Mit Sport und Fitness verbrennt der Körper zusätzlich Kalorien. Werden Muskeln aufgebaut, helfen die wiederum dabei, Kalorien zu verbrennen.
  2. Bewegung schützt vor Krebs und Gefäßkrankheiten – sogar, wenn Sie dabei gar nicht abnehmen. Welche Mechanismen genau dahinter stecken, ist noch nicht ausreichend untersucht. Tatsache ist jedoch, dass körperlich fitte Menschen mit erhöhtem oder hohem BMI die negativen Folgen ihres Übergewichts teilweise abmildern können.

Fangen Sie am besten mit einfachen Tipps gegen Bauchfett an. Viele davon lassen sich schon im Alltag leicht umsetzen – es erfordert nur eine Gewöhnungszeit.

Wer unter starkem Übergewicht leidet, die Folgen aber umgehen will, sollte sich dennoch vor zu schnellen und zu viel gewollten sportlichen Aktivitäten mit den behandelnden Hausärzten unterhalten. Langsam anfangen lautet die Devise. Denn der Körper muss sich erst einmal umorientieren und sich an eine Ernährungsumstellung und sportliche Aktivitäten gewöhnen. Sonst sind Verletzungen möglich.

Hier finden Sie die Studie der University of Oxford in englischer Sprache.

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