25.01.2019

Frauenleiden Bakterielle Vaginose: Wenn die falschen Bakterien übernehmen

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Eine bakterielle Vaginose ist gut behandelbar, ein Besuch bei der Gynäkologin ist aber unerlässlich.

Foto: iStock/Dangubic

Eine bakterielle Vaginose ist gut behandelbar, ein Besuch bei der Gynäkologin ist aber unerlässlich.

Brennen, Jucken, milchiger Ausfluss und unangenehmer, fischiger Geruch: Jede 5. Frau leidet einmal im Leben unter einer bakteriellen Vaginose.

Die bakterielle Vaginose tritt auf, wenn die "guten" Milchsäurebakterien in der Scheide von krankheitserregenden Keimen verdrängt werden. Die Beschwerden sind lästig, mit ein wenig Geduld aber gut behandelbar. Normalerweise überwiegen in der Scheidenflora sogenannte Milchsäurebakterien, auch Laktobazillen oder Döderlein-Bakterien genannt, die für einen sauren pH-Wert sorgen. In der gesunden Scheide liegt dieser etwa zwischen 3,8 und 4,5. Dieses günstige, saure Milieu bildet eine Barriere gegen Krankheitserreger aller Art.

Bakterielle Vaginose: zu viel Hygiene erhöht Risiko

Durch verschiedene Faktoren kann die gesunde Vaginalflora aus dem Gleichgewicht geraten, es kommt dann zu einem überschießenden Wachstum von anderen, schädlichen Bakterien wie Gardnerella vaginalis, welche auch ohne Sauerstoff überleben können und die Milchsäurebakterien nach und nach verdrängen. In der Folge steigt der pH-Wert an, die natürliche Schutzfunktion geht verloren und weitere Krankheitserreger können sich ungehindert ausbreiten.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt bemerken viele Frauen die typischen Anzeichen einer bakteriellen Vaginose: Juckreiz, eventuell Schmerzen und ein milchig-weißer oder gräulicher Ausfluss, der meist sehr unangenehm "fischig" riecht. Der Geruch entsteht durch Amine, die von den bei jeder Vaginose nachweisbaren Gardnerellen freigesetzt werden. Aus diesem Grund wird die bakterielle Vaginose auch "Amin-Vaginose" oder "Aminkolpitis" genannt.

Es kann jedoch auch vorkommen, dass die Erkrankung symptomlos verläuft. Denn die auslösenden Bakterien sind meist verschiedene. Ist etwa die Konzentration an Gardnerellen nicht so hoch, tritt auch nicht unbedingt Geruch auf. Rund 50 bis 70 Prozent aller betroffenen Frauen haben laut diverser Studien gar keine Beschwerden.

Vielen betroffenen Frauen sind die Anzeichen einer bakteriellen Vaginose sehr unangenehm, besonders die Geruchsentwicklung. Die Erkrankung ist jedoch nicht auf mangelnde Intimhygiene zurückzuführen. Im Gegenteil, eine übertriebene Verwendung von Seife oder Duschgel im Intimbereich kann die natürliche Bakterienflora stören und so das Risiko für eine bakterielle Vaginose sogar erhöhen.

Die Ursachen sind nicht immer klar

Warum die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht gerät, ist oft nicht genau bekannt. Zu den Risikofaktoren zählen übertriebene Intimhygiene, hormonelle Schwankungen, eine Behandlung mit Antibiotika sowie privater oder beruflicher Stress. Auch ein häufiger Partnerwechsel kann die Entstehung einer bakteriellen Vaginose begünstigen. Sie kann durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Es handelt sich jedoch nicht prinzipiell um eine sexuell übertragbare Krankheit. Denn das Beschwerdebild kann auch bei sexuell inaktiven Frauen auftreten.

Falls Sie Symptome wie Ausfluss, Schmerzen oder Geruchsentwicklung bemerken, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Nicht immer sind diese Beschwerden auf eine bakterielle Vaginose zurückzuführen, sie können auch durch andere Erkrankungen, etwa durch einen Scheidenpilz, verursacht werden. Aber auch eine sexuell übertragbare Krankheit kann dahinter stecken, so auch Chlamydien, deren Symptome ähnlich sind.

Vaginose immer behandeln lassen, um Spätfolgen zu vermeiden

Mithilfe eines Abstrichs kann der Arzt die genaue Diagnose ermitteln und anschließend eine gezielte Behandlung einleiten. Es ist wichtig, eine bakterielle Vaginose rechtzeitig zu behandeln, denn die Krankheitserreger können ansonsten in die Gebärmutter und weiter bis in die Eileiter aufsteigen. In der Folge können sie beispielsweise eine Eierstockentzündung hervorrufen. Auch wiederkehrende Harnwegsinfekte stehen nicht selten mit einer bakteriellen Vaginose in Verbindung. Während der Schwangerschaft können die bakteriellen Erreger vorzeitige Wehen und damit Frühgeburten begünstigen.

Eine konsequente Behandlung ist wichtig

Prinzipiell ist eine bakterielle Vaginose gut behandelbar, es ist jedoch wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen und die Therapie nicht frühzeitig abzubrechen. Üblicherweise wird der Arzt eine mehrtägige Antibiotika-Therapie verschreiben, entweder in Tablettenform oder als lokal anzuwendende Vaginalcreme oder Vaginaltabletten. Falls die Erkrankung bereits mehrmals aufgetreten ist, wird häufig auch eine Mitbehandlung des Partners empfohlen.

Im Anschluss an die Antibiotika-Behandlung ist eine gezielte Aufbautherapie mit Laktobazillen sinnvoll. Präparate mit Milchsäurebakterien sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und tragen dazu bei, die natürliche Vaginalflora wieder zu stabilisieren. Bei rezidivierenden, das heißt mehrmals wiederkehrenden Infektionen wird häufig eine längerfristige Behandlung mit Laktobazillen über mehrere Wochen bis Monate hinweg empfohlen, um dem Wiederauftreten der Erkrankung vorzubeugen.

Auf Hausmittel lieber verzichten

So manche Frau greift bei einer bakteriellen Vaginose zu Hausmitteln, etwa zu Joghurt, Milch, Oregano-Öl oder Teebaumöl sowie Essig- und Zitronenwasser. Allerdings sollten Sie von deren Gebrauch absehen und sich lieber von Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen beraten lassen. Generell gilt: Nicht einfach irgendein angebliches Hausmittel in die Vagina einführen! Im schlimmsten Fall kann dieses die Scheidenflora noch weiter aus dem Gleichgewicht bringen und schlimmere Krankheiten begünstigen.

Es besteht kein Grund, sich für eine bakterielle Vaginose zu schämen, die Erkrankung kann bei jeder Frau auftreten. Vorbeugen können Sie dem Beschwerdebild, indem Sie im Intimbereich keine herkömmlichen Seifen und Duschgels verwenden. Es gibt spezielle Reinigungs- und Pflegemittel für den äußeren Intimbereich, die den gesunden, sauren pH-Wert der Vagina nicht beeinträchtigen.

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