23.08.2017

Gefährliche Blutsauger FSME und Borreliose: Zeckenimpfung nützt nur teilweise

Eine Zeckenimpfung sowie bestimmte Zeckenschutzmaßnahmen sind in gewissen Fällen sehr wichtig, denn ein Zeckenbiss kann gefährlich werden: Die Krabbeltiere übertragen mitunter Borreliose und FSME.

Foto: ©iStock/ErikKarits

Eine Zeckenimpfung sowie bestimmte Zeckenschutzmaßnahmen sind in gewissen Fällen sehr wichtig, denn ein Zeckenbiss kann gefährlich werden: Die Krabbeltiere übertragen mitunter Borreliose und FSME.

Zecken können zwei verschiedene gefährliche Krankheiten übertragen: FSME und Borreliose. Alles über die Zeckenschutzimpfung und wie Sie Zeckenbissen vorbeugen.

Sorglos mit nackten Beinen durch hohes Gras laufen kann Folgen haben. Zecken lauern vor allem in Flussauen, auf Wiesen und im Unterholz. Die winzigen Spinnentiere brauchen Blut, um zu wachsen – und beißen deshalb Mäuse, Igel und auch Menschen. Mit dem Zeckenbiss können gefährliche Krankheitserreger in den Körper gelangen:

  • Viren, die eine Hirnhautentzündung auslösen, die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Sie ruft bei zehn Prozent der Betroffenen bleibende neurologische Schäden hervor. In Deutschland wird bei rund 300 Menschen pro Jahr eine FSME durch Zeckenbiss festgestellt.
  • Bakterien (Borrelien), die Borreliose verursachen, bekannt auch als Lyme-Borreliose. Die Krankheit zeigt sich mit Hautrötung (Wanderröte) und Fieber. Unbehandelt können noch nach Jahren Organschäden, Lähmungen und Gelenkprobleme auftreten. Pro Jahr infizieren sich bei uns rund 100.000 Menschen mit Borreliose.

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Doch können diese gefährlichen Krankheiten durch eine Zeckenimpfung vorgebeugt werden?

Die Zeckenimpfung und ihre Nebenwirkungen

Impfung gegen FSME

Schutz vor Zecken und den gefährlichen Folgen ihres Bisses sind wichtig. Gegen FSME gibt es eine Impfung. Die Zeckenschutzimpfung enthält inaktivierte FSME-Viren. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen im Abstand von einem Vierteljahr und einem Jahr. Eine Auffrischimpfung alle drei bis fünf Jahre schützt dauerhaft und zuverlässig vor FSME und den möglichen bleibenden Schäden.

Die FSME-Impfung wird meistens gut vertragen. In der ersten Woche nach der Impfung können jedoch Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Für Kinder steht ein spezieller Zeckenschutzimpfstoff zur Verfügung. Allerdings verläuft die FSME bei Kindern meist milder als bei Erwachsenen. Deshalb sollten Kinderarzt und Eltern genau abwägen, ob für das Kind eine FSME-Impfung nötig ist.

Wer sich gegen FSME impfen lassen sollte

Die Zeckenimpfung wird vor allem Menschen empfohlen, die sich in den FSME-Risikogebieten viel im Freien aufhalten. Risikogebiete sind Regionen, in denen Zecken häufig dem FSME-Virus infiziert sind. Dazu zählen in Deutschland Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. In diesen FSME-Gebieten beträgt das Risiko, nach einem Zeckenbiss an FSME zu erkranken, etwa eins zu 150. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Anzahl der FSME-gefährdeten Landkreise mehr als verdoppelt. Ursache sind milde Winter und lange, warme Sommer – also die allgemeine Klimaerwärmung.

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Keine Impfung gegen Borreliose

Für die andere, von Zecken übertragene Krankheit – Borreliose – steht keine Schutzimpfung zur Verfügung. Zwar gibt es wesentlich mehr Fälle von Borreliose als von FSME. Doch oft verläuft die Borreliose-Infektion unbemerkt und harmlos. Erst wenn die Wanderröte auftritt, besteht das Risiko eines schwereren Verlaufs. Dann sollten Sie zum Arzt gehen. Mit Antibiotika lässt sich Borreliose gut behandeln und zwar umso besser, je früher die Therapie startet. Gegen Borreliose gibt es also Medikamente, gegen die FSME jedoch nicht.

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Zeckenschutz: Was Sie selbst tun können

Am besten ist es, erst gar nicht von einer Zecke gebissen zu werden. Der Schutz vor Zecken liegt in Ihrer Hand. Dazu gib es verschiedene Zeckenschutzmittel.

Es gibt insektenabweisende Mittel (Repellentien), die nicht nur gegen Stechmücken, sondern auch Zecken wirken sollen. Manche enthalten synthetische, andere natürliche Wirkstoffe. Je nach Wirkstoff halten die Produkte Zecken für mindestens ein bis drei Stunden fern, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte.

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Synthetische Stoffe können bei besonders empfindlichen Menschen zu Irritationen führen. Wer dadurch meint, Mittel mit natürlichen Wirkstoffen sind besser verträglich, könnte sich irren. Bestimmte Stoffe wie Teebaumöl oder Kokosfett in den Mitteln zum Zeckenschutz können die Haut reizen und zu Allergien führen.

Doch auch ohne Zeckenimpfung oder Schutzmittel können Sie sich gezielt vor den Blutsaugern schützen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei:

  1. Möglichst keine nackte Haut! Tragen Sie geschlossene, langärmelige Oberteile und Hosen. Stopfen Sie die Hosenbeine in die Socken und durchstreifen Sie am besten in hohen Stiefeln Wald und Wiesen.
  2. Wählen Sie helle Kleidung! Auf heller Kleidung sehen Sie Zecken besser als auf dunkler. Dann können Sie Zecken von der Kleidung einfach mit einem Taschentuch abstreifen.
  3. Zeckenkontrolle nach jedem Aufenthalt im Freien! Ziehen Sie sich aus, wenn Sie nach Hause kommen. Suchen Sie dann den ganzen Körper nach Zecken ab. Dann können Sie die Zecke entfernen. Denn Zecken beißen meist nicht sofort zu. Sie sind wählerisch und wandern oft stundenlang auf der Haut umher, bis sie eine für sie besonders geeignete Bissstelle gefunden haben. Dabei bevorzugen sie dünne und warme Hautstellen, etwa Achselhöhle, Kniekehle, Leiste und Schritt. Kontrollieren Sie nach dem Ausziehen aber auch die Kleidung, die Sie draußen getragen haben. Oft befindet sich eine Zecke bereits auf der Innenseite eines Ärmels oder im Hosenbein. Wenn Sie dann beim nächsten Mal das Kleidungsstück anziehen, erwischt die Zecke Sie doch noch.

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