20.09.2017

Medikamente und Impfung Alzheimer: Diese neuen Therapien lassen hoffen

Eine Impfung gegen Alzheimer-Demenz befindet sich aktuell in der Entwicklung.

Foto: ©iStock/mediaphotos

Eine Impfung gegen Alzheimer-Demenz befindet sich aktuell in der Entwicklung.

Alzheimer lässt sich nicht heilen, doch es gibt Arzneien, die das Fortschreiten hinauszögern. Auch neue Behandlungsoptionen wecken Hoffnungen.

Warum Alzheimer entsteht und ob es vermeidbare Auslöser gibt, ist noch nicht ganz geklärt. Fest steht, dass die Krankheit mit einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Bei den Betroffenen bilden sich Ablagerungen innerhalb der Nervenzellen sowie in deren Zwischenräumen. Diese sogenannten Plaques bestehen aus zwei Eiweißstoffen: Beta-Amyloid und Tau.

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Die Plaques stören die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und den Stoffwechsel im Gehirn. Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel werden nicht mehr abtransportiert. Das Gehirn erstickt buchstäblich daran. Die Plaques wurden von Dr. Alois Alzheimer (1864 - 1915) entdeckt. Er beschrieb die Krankheit als Erster, weshalb diese Form der Demenz nach ihm benannt wurde.

Seither wurden weitere Veränderungen im Gehirn entdeckt, die für Alzheimer typisch sind. So mangelt es am Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin. Produziert der Körper davon immer weniger, zeigt sich das mit der für Alzheimer typischen Vergesslichkeit. Im Gegenzug steigt im Gehirn die Konzentration von Glutamat, einem weiteren Neurotransmitter. Die Nervenzellen werden dadurch ständig überreizt und sterben ab.

Die Ursachen für den Mangel an Acetylcholin und den Überschuss an Glutamat sind nach wie vor unbekannt.

Diese Medikamente bremsen den Gedächtnisverlust

Gegen die genannten Veränderungen im Gehirn gibt es seit wenigen Jahren wirksame Medikamente. Sie können das Fortschreiten von Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz, hinauszögern. Dabei handelt es sich um zwei Wirkstoffgruppen:

  • Cholinesterase-Hemmer wie Galantamin, Donepezil und Rivastigmin gleichen den Abbau von Acetylcholin aus.

  • Memantine schützen die Zellen vor einem Übermaß an Glutamat.

Neben Medikamenten gibt es eine Reihe weiterer Therapien bei Alzheimer. Das sind etwa:

  • kognitives Training: spielerisches Lernen in der Gruppe, auch mit Bewegungsübungen

  • Verhaltenstherapie: Hier lernen Betroffene, mit Alzheimer umzugehen und so lange wie möglich eigenständig zu bleiben.

  • Realitätsorientierung: Dabei wird geübt, den aktuellen Ort zu erkennen sowie die Zeit gegenwärtig zu haben.

  • gezielte Förderung aller Sinne, also Sehen, Riechen, Hören, Schmecken, Tasten.

Auch wenn Alzheimer bis heute nicht heilbar ist – mit Medikamenten und den vorgestellten Therapien lässt sich die Krankheit lange gut beherrschen, die durchschnittliche Krankheitszeit nach der Diagnose beträgt sieben Jahre.

Aducanumab und andere neue Wirkstoffe gegen Alzheimer

Derweil arbeiten Forscher weltweit an Arzneimitteln, die Alzheimer besiegen könnten. Für gleich 35 neue Wirkstoffe startet in den kommenden fünf Jahren die Erprobungsphase, 27 davon befinden sich sogar schon in Studienphase III.

Das bedeutet, dass die Medikamente mehreren tausend Menschen verabreicht werden, um ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bezüglich Neben- und Wechselwirkungen unter Beweis zu stellen. Damit sind Phase-III-Studien der letzte große Stolperstein auf dem Weg zur Zulassung eines neuen Arzneimittels.

Als besonders vielversprechender Kandidat wird dabei der Wirkstoff Aducanumab gehandelt. Erste Studien hatten nahegelegt, dass das Medikament in einem frühen Stadium der Alzheimerschen Krankheit gute Wirkung erzielt.

Allerdings bremsen Experten die Euphorie etwas: Die Probandenzahl war klein, die Aussagekraft deshalb begrenzt. Seit 2016 läuft eine große Phase-III-Studie mit Aducanumab an 2.300 Patienten. Belastbare Ergebnisse werden allerdings noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Gibt es in Zukunft eine Impfung gegen Alzheimer-Demenz?

Als weiterer Baustein der künftigen Alzheimer-Therapie ist zudem eine Impfung vorstellbar. Damit soll sich das Gehirn gezielt von den Plaques reinigen. Die sehr vielversprechenden Ergebnisse aus Tierversuchen konnten Forscher bislang allerdings nicht auf menschliche Probanden übertragen. Zudem besteht bei der Alzheimer-Immunisierung aktuell noch das Risiko schwerer Nebenwirkungen wie einer Hirnhautentzündung.

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