08.02.2018

Von wegen Kinderkrankheit! ADHS bei Erwachsenen – elf Anzeichen

Alles anfangen und nichts zu Ende bringen: Das ist ein typisches Anzeichen von ADHS bei Erwachsenen.

Foto: iStock/fizkes

Alles anfangen und nichts zu Ende bringen: Das ist ein typisches Anzeichen von ADHS bei Erwachsenen.

Liebenswerte Chaoten, die oft zu spät kommen, schnell überfordert sind und ständig in Schwierigkeiten geraten: Häufig steckt ADHS dahinter. Auch Erwachsene können unter der Aufmerksamkeitsstörung leiden.

ADHS wächst sich mit den Jahren aus? Stimmt leider nicht. Aus Zappelphilipp-Kindern werden mitunter Erwachsene, die ebenfalls unter der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung leiden. Dabei beeinträchtigt ADHS bei Erwachsenen das gesamte Leben – privat und beruflich.

ADHS bei Erwachsenen: Die Diagnose im späteren Alter ist schwierig

Dass die Störung die Ursache für das viele Auf und Ab sein könnte, ist den Betroffenen meist nicht klar. Denn ADHS gilt noch immer vorrangig als Problem von Kindern. Mindestens jedes zweite Kind mit ADHS behält die Störung aber, typische Symptome treten dann noch im Erwachsenenalter auf. Allerdings können die Anzeichen etwas von denen bei Kindern abweichen – oder es kommen weitere dazu.

Eine Diagnose ist dann gar nicht mehr so einfach, da die Symptome auch auf viele andere Erkrankungen zutreffen können.

Wichtige Symptome von ADHS bei Erwachsenen sind:

  1. Hyperaktivität: Bei Kindern mit ADHS tritt das Hauptsymptom deutlich zutage, etwa indem sie nicht lange still sitzen können. Erwachsene können diese Unruhe nach außen zwar besser kontrollieren. Innerlich bleibt sie jedoch bestehen und zeigt sich durch ständiges Wippen mit dem Fuß, Fingertrommeln und Ähnliches.
  2. Unpünktlichkeit: Termine zu planen und sie dann auch gewissenhaft einzuhalten, ist für Menschen mit ADHS schwierig.
  3. Organisationsmangel: Typisch ist nicht nur ein chaotischer Terminkalender, sondern eine Unordentlichkeit, die sich durch alle Lebensbereiche zieht. Aufräumen und Ordnung halten sind Dinge, die für erwachsene ADHS-Patienten beinahe unmöglich sind.
  4. Stimmungsschwankungen: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – die seelischen Achterbahnfahrten von ADHS-Patienten belasten auch ihre nahen Kontaktpersonen und Angehörigen.
  5. Impulsivität: Erwachsene mit ADHS nehmen Kritik leicht persönlich und reagieren dann äußerst sensibel. Schnell fahren sie aus der Haut, ohne vorher die Folgen ihres Tuns abzuwägen.
  6. Selbstzweifel: Den meisten Betroffenen ist bewusst, dass sie oft überreagieren und kein Durchhaltevermögen haben. Sie stellen dadurch generell ihr Können infrage und zweifeln häufig an sich selbst.
  7. Mangelndes Selbstbewusstsein: Und häufig auch ein geringes Selbstvertrauen.

Daraus resultieren einige Folgen, die dem ADHS-Betroffenen sowie den Angehörigen das Leben noch schwerer machen. Dadurch können die Symptome auch noch weiter verstärkt werden, eine Art Abwärtsspirale kann entstehen.

  1. Partnerschaftsprobleme: Langjährige, harmonische Beziehungen sind für Menschen mit ADHS eher die Ausnahme. Sie sind wegen ihrer wechselhaften Art oft schwierige Partner.
  2. Schwierigkeiten im Straßenverkehr: Menschen mit ADHS sind oft in Unfälle verwickelt. Ursachen hierfür sind Impulsivität und dann wieder Zögerlichkeit sowie ihre Konzentrationsprobleme.
  3. Jobverlust: Auch beruflich wirken sich diese Eigenschaften negativ aus. Wer ADHS hat, wechselt häufig den Job oder ist länger mal arbeitslos.
  4. Finanzielle Probleme: Die Folgen dieser Planungsschwierigkeiten und des mangelnden Durchhaltevermögens sind finanzielle Engpässe, welche die Existenz bedrohen können.

ADHS bei Erwachsenen oft von weiteren Problemen begleitet

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen bei Erwachsenen, die durch ADHS begünstigt werden. So leidet rund jeder dritte erwachsene ADHS-Patient zusätzlich unter Depressionen oder Ängsten. Außerdem treten in Kombination mit der Störung häufig diese Probleme auf:

  • Schlafstörungen
  • Sucht, etwa nach Alkohol oder Nikotin
  • Zwänge

Wenn es darum geht, sich für etwas zu entscheiden, haben ADHS-Patienten oft Probleme und sind hin und her gerissen. Es kann sogar vorkommen, dass Symptome, die im Kindesalter aufgetreten sind, im Erwachsenenalter umschwenken. Auch wer als Kind eher aufgedreht und hyperaktiv war und nun als Erwachsener mit Antriebs- und Teilnahmslosigkeit zu kämpfen hat, kann am Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom leiden. Falsche Entscheidungen trifft aber jeder mal, ob von ADHS betroffen oder nicht. Hilfreich ist es, mit anderen zu sprechen und Wichtiges vorher genau zu prüfen.

Ursachen von ADHS: Gene haben starken Einfluss

Wie auch bei Kindern geht man bei Erwachsenen davon aus, dass die Ursachen einer ADHS-Erkrankung zum größten Teil auf erbliche Faktoren zurückgeführt werden können. Daher wird das Syndrom auch meist bereits im Kindesalter entdeckt. Die Forschung geht aktuell davon aus, dass Informationen im Gehirn fehlerhaft verarbeitet werden, vor allem in den Nervenbahnen, in denen die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin vorkommen. Grund scheinen aber nicht einzelne Gene zu sein, sondern ein Wechselspiel verschiedener Gene zusätzlich mit Umweltfaktoren und anderen Risikofaktoren. Daher wird ADHS bei einigen Menschen auch erst im Erwachsenenalter erkannt, obwohl es, wie man heute vermutet, bereits im Kindesalter als Entwicklungsstörung begonnen hat.

ADHS bei Frauen und bei Männern: Gibt es Unterschiede bei Diagnose und Verlauf?

Das Syndrom kann prinzipiell jeden treffen. Allerdings ist auffällig, dass die Diagnose vermehrt bei Männern gemacht wird. Das liegt sicherlich auch daran, dass frühere Studien nur mit Jungen gemacht wurden, die Symptomatik bei Mädchen und Frauen wohl aber ein wenig anders ausfällt. Man geht heute davon aus, dass ADHS bei Frauen und Mädchen eher mit Zurückgezogenheit, Tagträumerei und Ängsten in Verbindung gebracht werden kann. Diese internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten stehen im Gegenteil zu den eher externalisierenden bei Jungs und Männern (Aggressivität und impulsives Verhalten) und fallen seltener auf. Beobachtet wurde außerdem, dass die Symptome bei Frauen in der Pubertät eher zunehmen. Bei Männern hingegen nehmen sie dann eher ab. Allerdings wird hier noch geforscht.

Man kann sich ADHS mit drei Säulen vorstellen: Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörung (unaufmerksames Verhalten) und Impulsivität. Bei männlichen Patienten überwiegt meist die Hyperaktivität zusammen mit Impulsivität. Bei weiblichen Patientinnen leidet hingegen die Aufmerksamkeit vermehrt. Daraus resultiert oft Überforderung, die im sozialen Verhalten insofern einschränken kann, dass sie zu überspielen versucht wird. Probleme werden zuerst bei sich selbst gesucht. Aus dieser Bewältigung heraus können aber wiederum andere Folgeerkrankungen wie Depression, Angst- oder Essstörungen resultieren. ADHS selbst aus Ursache bleibt dabei häufig unentdeckt.

Auffällig bei Frauen mit ADHS sind vermehrt Depressionen, aber auch stärkere Schwankungen der Sexualhormone. Auch wird bei betroffenen Frauen öfter eine prämenstruell dysphorische Störung (PDMS) beobachtet. Diese zeigt sich durch depressive Verstimmungen, Ängste, Hoffnungslosigkeit, Überwältigung, Müdigkeit am Tage, aber auch Wut in Verbindung mit dem Zyklus, kurz vor der Menstruation. Hier kann möglicherweise der Frauenarzt weiterhelfen.

Therapie von ADHS bei Erwachsenen

ADHS als Schicksal hinnehmen muss niemand. Auch für Erwachsene ist es nicht zu spät, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt verschiedene Therapieoptionen bei ADHS, die sich gezielt an Erwachsene wenden. Basis der Behandlung sind in der Regel Medikamente, ergänzt werden sie durch sozialtherapeutische Unterstützung. Auch eine Verhaltenstherapie kann helfen, die Symptome zu bekämpfen. Eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung belegt allerdings, dass die medikamentöse ADHS-Behandlung bei Erwachsenen besser funktioniert als eine reine Psychotherapie. Dabei hatte man 419 erwachsene ADHS-Patienten untersucht. Ein Teil machte eine spezielle Gruppentherapie, ein anderer eine typische fachärztliche Betreuung mit medikamentöser und Placebo-Behandlung. Die Einnahme von Methylphenidat, einem Wirkstoff, unter fachärztlicher Betreuung zeigte dabei größere Erfolge als reine Gruppentherapien.

Treffen einige der aufgeführten Anzeichen auf Sie zu, zögern Sie nicht und wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder einen Psychologen.

Wenn Sie handeln und etwas gegen die Störung unternehmen, wird sie bei Ihnen oder jemandem in Ihrem Umfeld diagnostiziert, lässt sich ADHS bei Erwachsenen ganz gut einschränken, damit ein geregelteres Leben möglich wird.

Selbsthilfe: So können Sie der ADHS ein Schnippchen schlagen

Neben medikamentöser Behandlung und Therapie können Betroffene auch selbst mithelfen, die Symptome zu bekämpfen. Ein Terminplaner zum Beispiel kann Wunder wirken. So lässt sich der Tagesablauf besser strukturieren und mit Routine spicken – irgendwann wird dann Gewohnheit daraus. Auch Notizbücher helfen, um die eigene Erinnerung zu unterstützen.

Ziele sollten aufgeteilt werden in Etappen. Die lassen sich schneller und leichter erreichen. Das motiviert und bringt noch mehr Struktur in den Alltag.

Sollten Sie den Eindruck haben, der Nachwuchs leide bereits unter ADHS-Symptomen, machen Sie den Test:

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