29.03.2016

Masern, Mumps und Windpocken Kinderkrankheiten - besonders gefährlich für Erwachsene

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Warum Kinderkrankheiten nicht nur für Kinder gefährlich sind
Mi, 06.12.2017, 11.24 Uhr

Warum Kinderkrankheiten nicht nur für Kinder gefährlich sind

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77 Prozent der Keuchhusten-Patienten und 40 Prozent der Masernkranken sind älter als 20 Jahre. Je älter wir sind, desto schwerwiegender sind die Komplikationen.

Erst fühlen wir uns schlapp, dann trieft die Nase. Der Kopf schmerzt, wir krächzen heiser wie ein Rabe, haben Fieber, die Augen tränen. Doch was sich zunächst anfühlt wie ein banaler, lästiger Schnupfen, kann sich zwei bis drei Tage später als Masern mit ihrem typischen, rotbraunen Hautausschlag entpuppen. Seit Anfang des Jahres ist die Zahl der Masernfälle in Deutschland auf über 1000 gestiegen, so das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Allein in der Bundeshauptstadt wurden rund 700 Fälle von Masern gemeldet, ein Kleinkind starb sogar.

Bei Impflücken drohen Superinfektionen

"Problematisch sind die Impflücken bei Erwachsenen", warnt der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), der Virologe Dr. Jan Leidel. Denn für sie kann die hochansteckende Krankheit bedrohlich sein. Von 1000 erwachsenen Patienten entwickeln ein bis zwei eine lebensgefährliche Gehirnhautentzündung. Bei jedem fünften bis zehnten Infizierten tritt zudem eine schwere, schmerzhafte Superinfektion wie z. B. eine Mittelohr-oder Lungenentzündung auf, weil das Immunsystem durch das Paramyxo-Virus akut schwächelt.

Genau das hätte sich durch eine Impfung verhindern lassen können, denn vor der Tröpfcheninfektion gibt es sonst kaum einen Schutz. Die Erreger sitzen in jedem Speicheltröpfchen, sausen in der Luft quer durchs Zimmer und schlagen zu: 90 Prozent der erwachsenen Masern-Patienten sind nicht geimpft. Paradoxerweise oft Frauen, die sich sehr bewusst um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder kümmern, nachhaltig leben, sich vollwertig ernähren. Diese hinterfragen oft auch die klassische Schulmedizin kritisch und stehen Impfungen skeptisch gegenüber. Tatsächlich bietet ja auch die Masernimpfung keinen perfekten Schutz. Von 100 Menschen bekommen einer bis acht die Krankheit trotzdem, doch bei Nicht-Geimpften infizieren sich mindestens 90 von 100.

Kinderkrankheiten befallen immer häufiger Erwachsene

Andere Kinderkrankheiten tragen diesen Namen längst schon zu Unrecht. Zum Beispiel der Keuchhusten. "Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt heute bei knapp 40 Jahren", sagt Dr. Leidel. Die stakkatoartigen Hustenattacken können zu Rippenbrüchen führen, aber auch chronische Erkrankungen deutlich verschlimmern. Die Gefahr ist groß, das heute die Oma den Enkel ansteckt und nicht etwa wie früher das Enkelkind seine Großeltern.

Bei Mumps, auch Ziegenpeter genannt, sind 73 Prozent der Erkrankten älter als 20 Jahre. Bei Männern kann er zu einer Hoden-Entzündung führen. Oft treten Hirnhautentzündungen mit bleibenden Schäden auf, seltener eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Zunehmend zwingen auch die Windpocken mit ihren stark juckenden und linsengroßen Bläschen immer mehr Erwachsene ins Bett. Rund 29 Prozent waren es vor etwa einem Jahr - dreimal mehr als 2010. Die Komplikationsrate liegt um 25 Prozent höher als bei Kindern. Das Varizella-Zoster-Virus kann zu chronischen Nervenschmerzen wie Gürtelrose führen, Lungen-und Hirnhautentzündungen fördern oder Missbildungen bei Neugeborenen verursachen.

Röteln können das ungeborene Baby schädigen

Für Röteln gibt es seit 2013 eine Meldepflicht, obwohl die Viren für Erwachsene ziemlich harmlos sind. Mit einer wichtigen Ausnahme: In der Schwangerschaft kann die Kinderkrankheit dem Embryo vor allem in den ersten drei Monaten schaden, sowie Früh- oder Fehlgeburten auslösen. Wer als Erwachsener die himbeerrote Scharlach-Zunge bekommt, muss mit einer Herz oder Nierenentzündung als Folgekrankheit rechnen, auch mit rheumatischem Fieber.

Schutz bieten eigentlich nur Impfungen. Doch wer weiß schon ohne großes Nachdenken, wo sein Impfausweis liegt oder ob er auf dem neuesten Stand ist? Da gilt die Faustregel: Wer keinen Impfpass hat, ist ungeimpft. Er sollte sich lieber einmal mehr als einmal zu wenig piksen lassen.

Vorbeugen durch Impfung

Diphterie, Tetanus, Polio

Jeder deutsche Erwachsene sollte sich in seinem Leben mindestens dreimal gegen Diphtherie, Tetanus und Poliomyelitis (Kinderlähmung) impfen lassen und den Impfschutz gegen Diphtherie und Tetanus alle zehn Jahre auffrischen, rät die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Gegen Polio sollte es mindestens eine Auffrischungs-Impfung geben.

Masern

Vor Masern sollten sich alle Erwachsene mit einer Impfung schützen, die nach 1970 geboren sind und keinen ausreichenden Impfschutz haben. Verabreicht wird ein Kombinationsimpfstoff (MMR), der auch Mumps und Röteln vorbeugt. Besonders wichtig ist der Rötelnschutz für Frauen, die einen Kinderwunsch haben. Der MMR-Impfstoff enthält übrigens weder Aluminium, Formaldehyd noch die Quecksilberverbindung Thiomersal, wie viele Impfgegner fürchten.

Keuchhusten

Sind Sie in den letzten zehn Jahren nicht gegen Keuchhusten geimpft worden, sollten sich vor allem Eltern, Geschwister, Großeltern, Tagesmütter oder Babysitter spätestens vier Wochen vor der Geburt eines Kindes immunisieren lassen. Das verringert die Ansteckungsgefahr für den Säugling und natürlich auch für einen selbst. Der Krankheitsschutz sollte mit der nächsten fälligen Impfung gegen Diphtherie und Tetanus per Kombi-Impfstoff erfolgen.

Impfschutz für besondere Fälle

FSME

Eine Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist ratsam für Forstarbeiter, Landwirte und Touristen in Risikogebieten. Eine Übersicht darüber bietet die Internetseite www.zecken.de

Pneumokokken

Für Menschen ab 60 Jahren gibt eine Pneumokokkenimpfung Schutz vor Lungenentzündung. Sie sollte alle fünf Jahre aufgefrischt werden.

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Quelle: Bild der Frau 10042015

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