27.03.2019

Rundum vorsorgen Schon gepiekst? Die wichtigsten Impfungen im Überblick

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Den Impfpass immer dabei: Über diese wichtigen Impfungen sollten Sie den Überblick behalten.

Foto: imago/Christian Ohde

Den Impfpass immer dabei: Über diese wichtigen Impfungen sollten Sie den Überblick behalten.

Impfungen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen in der Medizin, um bestimmten Krankheiten vorzubeugen. Experten geben nun Auskunft darüber, auf welche Impfungen es ankommt.

Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind sich einig: Impfungen gehören zu den "wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen". Wir haben für Sie im Folgenden die wichtigsten Impfungen zusammengefasst – und worauf es bei dem Eingriff ankommt.

Wichtige Impfungen beugen Krankheiten vor

Vor bestimmten Erkrankungen sollte man sich permanent schützen. Es gibt Standardimpfungen, die sogenannte Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Keuchhusten verhindern.

Trotz des harmlosen Begriffs "Kinderkrankheiten" stellen gerade diese Beschwerdebilder zum Teil recht aggressive Infektionskrankheiten dar, die erhebliche und bleibende Folgeschäden im weiteren Lebensverlauf verursachen können – oder auch im Erwachsenenalter auftreten können und dann umso schlimmer ausfallen. Daher ist es wichtig, darauf vorbereitet – und vor allem abgehärtet zu sein.

Laut einer Forsa-Umfrage von 2016 lassen sich rund 13 Prozent der Deutschen nicht impfen. Tendenz steigend. Immer mehr Eltern sind verängstigt und überlegen lieber dreimal, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen. Grund sind Berichte von etwaigen Nebenwirkungen, die – selten ausreichend belegt – von Impfgegnern verbreitet werden. So werden etwa Ängste vor Autismus durch Masernimpfung geschürt, obwohl die einzige Studie, die diese These jemals aufgestellt hat, mittlerweile revidiert wurde. Selbst zahlreiche, weit repräsentativere Gegenstudien vermögen kaum zu überzeugen.

Warum die Gefahr der Krankheiten die Impfangst überwiegen sollte

Selbstverständlich müssen Ängste von Eltern ernstgenommen werden. Das könnten solche Studien eigentlich erreichen. Impfschäden können vorkommen. Und zu unterschätzen sind sie keinesfalls. Doch die Gefahren und auch Langzeitfolgen von Krankheiten, gegen die geimpft werden kann, kommen weitaus häufiger vor als gesundheitliche Folgen durch eine Impfung. Und: Wer nicht geimpft ist, schadet auch seinen Mitmenschen, indem Erreger etwa auf noch nicht geimpfte Babys oder auf durch andere Krankheiten oder das Alter geschwächte Menschen übertragen werden.

Und auch das Argument, gewisse Krankheiten müsse man als Kind durchmachen, um als Erwachsener ein stärkeres Immunsystem zu haben, ist mit Blick auf Folgeschäden durch ebendiese Krankheiten heute nicht mehr haltbar – etwa eine spät entwickelte Hirnhautentzündung als Folge einer Masernerkrankung in der Kindheit.

Krankheiten wie Masern könnten ausgerottet sein, würde sich jeder impfen lassen. Impfungen gegen Reaktionserkrankungen wie Tetanus hingegen bieten bei Verletzungen einen Schutz, den der Körper selbst kaum leisten kann.

Empfohlene Impfungen: Diese sollten im Impfpass stehen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, sich gegen folgende Erkrankungen beziehungsweise Erreger impfen zu lassen:

Impfungen im Baby- und Kleinkindalter: Grundimmunisierung ab 6 Wochen bis 2 Jahre

  • Rotavirus: Die erste Grundimmunisierung gegen das Virus, das Durchfallerkrankungen bei Kindern hervorruft, sollte früh, nämlich mit Abschluss der 6. Lebenswoche, erfolgen. Später folgen zwei bis drei weitere Schluckimpfungen, jeweils im Abstand von mindestens vier Wochen.
  • Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B: Die Impfung gegen diese Erkrankungen wird heute für Babys ab 2 Monaten empfohlen, in der Regel mit einem 6-fach-Impfstoff, der kurze Zeit später aufgefrischt wird. Vor der Einschulung und vor der Volljährigkeit können Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten noch einmal aufgefrischt werden. Die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sollten dann alle zehn Jahre erneuert werden.
  • Pneumokokken: Die Impfung schützt gegen Lungenentzündung (Pneumonie), aber auch Hirnhaut- oder Mittelohrentzündung und wird ab dem 2. Monat gegeben. Sie sollte später aufgefrischt werden. Zudem sollten Erwachsene über 60 sowie geschwächte Patienten (durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Diabetes, Bronchitis, Nieren- und Lebererkrankungen, HIV oder Leukämie) geimpft sein.
  • Meningokokken: Gegen die Erreger von Hirnhautentzündung werden Kinder ab einem Jahr geimpft. Ab dem zweiten Jahr wird die zweite Impfdosis gegeben.
  • Mumps, Masern und Röteln (MMR): Die Dreifachimpfung gegen die typischen Kinderkrankheiten, die auch im Erwachsenenalter noch auftreten können, wird im Alter von elf bis 14 Monaten begonnen. Einer MMR-Impfung sollten das alle tun, die sich nicht mehr genau daran erinnern können, wie oft sie geimpft wurden, oder die nur einmal als Kind geimpft wurden. Achtung: Masern-Infektionen können von Komplikationen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung begleitet werden, wenn man sich nicht richtig schützt.
  • Varizellen (Windpocken): Die Windpocken-Impfung erfolgt ebenfalls im Alter von 11 bis 14 Monaten, in der Regel zeitgleich mit der MMR-Impfung oder frühestens vier Wochen danach. Die zweite Teilimpfung findet im Alter von 15 bis 23 Monaten statt.

Impfungen für Kinder und Jugendliche

Im Alter zwischen zwei und 17 Jahren können noch nicht geschehene Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung und Hepatitis B sowie Meningokokken, MMR und Windpocken nachgeholt werden. Auch auffrischende Impfungen stehen an.

Darüber hinaus sollten Mädchen vor dem ersten Sexualkontakt (in der Regel Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren) gegen das humane Papillomvirus (HPV) geimpft werden, um sich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen. Die Impfung wird auch Jungen mittlerweile empfohlen.

Auch bereits sexuell aktive Frauen können sich impfen lassen, jedoch sinkt der Impfschutz mit steigender Partneranzahl. Zudem wird die HPV-Impfung später nicht mehr von der Krankenkasse übernommen.

Impfungen für Erwachsene

Im Erwachsenenalter werden grundsätzlich alle zehn Jahre Auffrischungen der Impfung gegen den Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie empfohlen. Auch eine Auffrischung gegen Keuchhusten kann einmalig mit diesen beiden erfolgen. Wer viel reist, sollte außerdem seinen Polio-Schutz auffrischen. Für diesen Fall steht eine Vierfachimpfung gegen die genannten Erkrankungen zur Verfügung.

Wissen nach 1970 geborene Erwachsene nicht, ob sie gegen Masern geimpft sind, ist auch hier eine Masernimpfung sinnvoll, da die Krankheit im Erwachsenenalter noch sehr stark zuschlagen kann.

Chronisch Kranke und über-60-Jährige sollten ihre Pneumokokken-Impfung zudem auffrischen. In diesem Alter ist auch die eigentlich optionale, jährliche Grippeimpfung anzuraten. Denn die Influenza kann einen im Alter sehr zusetzen. Neuerdings zahlen die Krankenkassen den neuen Vierfach-Impfstoff gegen den Grippe-Virus.

Welche Imfpungen jeder Erwachsene haben sollte, sehen Sie zusammengefasst im Video:

Diese Impfungen sollte jeder Erwachsene haben

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Wer sollte sich impfen lassen?

Grundsätzlich sind insbesondere die sogenannten Standardimpfungen immer zu empfehlen, unabhängig vom Alter. Die Impfung von Babys, Kleinkindern und Kindern wird sogar dringend angeraten. Zudem sollte der im Kindesalter erworbene Impfschutz regelmäßig aufgefrischt werden.

Einige Personengruppen sollten sich zusätzlich impfen lassen, etwa Personen, die oft im Ausland unterwegs sind (Hepatitis A, Hepatitis B), bestimmte Berufsgruppen aus dem Pflegebereich, in der Lebensmittelverarbeitung, Ärzte oder Berufe mit möglichem Kontakt mit infektiösem Material (Grippe, Hepatitis A und B) und besonders Senioren (Grippe, Pneumokokken), da deren Immunsystem weniger leistungsfähig und somit anfälliger für Infektionen ist.

Wer in Zecken-Risikogebieten lebt, sollte sich außerdem gegen FSME, die Frühsommer-Enzephalitis, impfen lassen, eine durch die Zecke übertragene Art der Hirnhautentzündung, die sehr schwer ausfallen und tödlich enden kann. Kinder können ab dem ersten Geburtstag geimpft werden. Bei Kindern unter drei Jahren kann es aber mit 15-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu Fieberreaktionen kommen, daher sollte die Impfung mit dem Arzt besprochen werden. Die Reaktion tritt bei älteren Personen seltener auf.

Spezialfall: Impfungen bei Schwangeren

Schwangere sollten sich lediglich in der Schwangerschaft impfen lassen, wenn ansonsten eine akute Gefahr besteht. In der Regel sind sogenannte Totimpfstoffe aber prinzipiell nach Rücksprache mit dem Arzt erlaubt und im Allgemeinen unbedenklich. Diese sind erhältlich gegen die Krankheiten Diphtherie, FSME (Meningokokken), Influenza (Grippe), Hepatitis A und B, Keuchhusten, Polio, Tetanus und Tollwut. Es sollte aber zuvor mit dem Arzt gesprochen und geklärt werden, ob eine Impfung zwingend nötig ist – etwa weil die Schwangere Kontakt zu infizierten Personen hatte.

Gegen Tetanus sollte jede Schwangere geimpft sein – am besten schon vor der Schwangerschaft. Denn Erreger lauern überall. Zudem überträgt die Mutter die Antikörper auf das Kind, so dass dieses über den sogenannten Nestschutz ab der Geburt profitiert.

Die STIKO empfiehlt zudem seit 2010, dass sich Schwangere ab dem 2. Trimester gegen Grippe impfen lassen sollten.

Absehen sollten Schwangere dagegen – wenn nicht zwingend erforderlich – auf Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, Windpocken, Gelbfieber, Cholera, Japanische Enzephalitis und Typhus. Letztere vier sind typische Reiseimpfungen, die im Vorfeld vor Auslandsreisen in gefährdete Länder empfohlen werden.

Mehr zum Thema Impfung? Schauen Sie auf unserer Themenseite vorbei! Weitere Informationen erhalten Sie außerdem beim RKI sowie auf den Seiten der Gelben Liste.

Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei einer Hepatitis-Erkrankung.

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