29.01.2018

Fakt oder Mythos? Bluthochdruck durch zu viel Salz?

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Kann Bluthochdruck durch zu viel Salz verursacht werden? Wir haben Studien, die sich mit diesem Zusammenhang beschäftigen, unter die Lupe genommen.

Foto: iStock/DanielTaeger

Kann Bluthochdruck durch zu viel Salz verursacht werden? Wir haben Studien, die sich mit diesem Zusammenhang beschäftigen, unter die Lupe genommen.

Soll bei erhöhtem Blutdruck auf eine salzarme Ernährung gesetzt werden? Wir zeigen auf, ob und inwieweit der Salzverzehr mit Bluthochdruck in Zusammenhang steht.

Bluthochdruck oder Hypertonie ist eine Volkskrankheit unter der etwa 27 Millionen Deutsche leiden. Zu hoher Blutdruck gilt als wesentlicher Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nieren- und Herzschwäche. Es hält sich die Meinung, dass die Einschränkung des Salzkonsums Linderung verschaffen soll. Doch stimmt das? Kann es zu Bluthochdruck durch zu viel Salz kommen?

Wir reflektieren die bekanntesten Studien zu der Annahme, dass die Salzaufnahme in Zusammenhang mit erhöhtem Bluthochdruck steht, und zeigen auf, ob eine salzarme Ernährung das Risiko von Bluthochdruck wirklich reduziert.

Wissenschaftliche Studien: Bluthochdruck durch zu viel Salz?

Anfang der 70er Jahre führte der amerikanische Forscher Lewis Dahl einen Versuch mit Ratten durch, bei dem er die Tiere mit großen Mengen Salz fütterte. Das Ergebnis war eindeutig: Die Ratten hatten Bluthochdruck und starben früher. Der Mythos war geboren und hielt sich vehement, obwohl später wurde bekannt, dass die verabreichte Menge Salz, auf den menschlichen Körper bezogen, ungefähr 500 g pro Tag entsprach – eine Menge, die kein Mensch verzehren würde. Dieser Fakt änderte jedoch nichts daran, dass Salz damals als ein Hauptrisikofaktor für hohen Blutdruck galt. Die Erklärung hierfür war lange, dass das im Kochsalz enthaltene Natrium Wasser im Blut bindet. Die Niere sollte daraufhin dem Blut als Ausgleich nicht mehr so viel Wasser entziehen, was wiederum zu einem steigenden Blutvolumen und somit einem höheren Druck in den Arterien führen sollte. Klingt ersteinmal logisch, allerdings ist heute bekannt, dass der Vorgang des Bluthochdrucks viel komplizierter ist.

In den 80er Jahren wurde die Intersalt-Studie in über 30 Ländern durchgeführt. Bei über 10.000 Teilnehmern wurde der Blutdruck und die Kochsalzzufuhr gemessen. Die Ergebnisse konnten die "Bluthochdrucklegende" von Dahl nicht bestätigen: Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und dem Salzkonsum konnte nicht hergestellt werden. Die Studie zeigte eher, dass Übergewicht und Alkohol den Blutdruck von Menschen aus Industrienationen in die Höhe treiben.

Andere Studien knüpften an der Intersalt-Studie an und prüften, wie sich der Blutdruck bei einem reduzierten Salzkonsum verändert. Solch eine Salzdiät zeigte bei Bluthochdruck-Patienten nur minimal Wirkung und wird von Medizinern und Wissenschaftlern als irrelevanter Fakt bezeichnet. Hinzu kommen Erkenntnisse, dass es "salzsensitive" und "salzresistente" Menschen gibt: Bei ersteren hat salzhaltiges Essen einen größeren Effekt auf den Blutdruck als bei den letzteren. Eine Faustregel kann es in diesem Fall also nicht geben.

Millionen Deutsche haben Bluthochdruck, ohne davon zu wissen. Lesen Sie, an welchen Symptomen Sie Bluthochdruck erkennen können.

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Zu wenig Salz kann auch gefährlich sein!

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt nicht mehr als sechs Gramm Salz pro Tag aufzunehmen, in der Regel liegt die Menge aber deutlich höher – Grund dafür sind insbesondere der hohe Konsum an Fertigprodukten bzw. verarbeiteten Lebensmitteln mit Konservierungsstoffen, die sehr salzhaltig sind. Dass ein zu hoher Salzverzehr schädlich ist und u. a. zu Herz-Kreislauf-Problemen, Herzinfakten, Schlaganfällen oder Magenkrebs führen kann, ist bekannt. Aber auch zu wenig Salz ist nicht ratsam!

Viele Wissenschaftler sehen aber eine salzarme Ernährung sogar als Risiko. Salz mit seinen Mineralstoffen Natrium und Chlorid ist für unseren Körper essentiell. Deshalb sind wir auf die Zufuhr angewiesen. Natrium ist im Körper verantwortlich für die Regulation des Wasserhaushalts und an der Reizübertragung von Muskel- und Nervenzellen beteiligt, Chlorid ist Bestandteil der Verdauungssäfte.

Gerade bei älteren Menschen der Salzverzicht riskant, da er die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt. Außerdem sorgt Salz dafür, dass ältere Personen, deren Durstregulation häufig geschwächt ist, Durst entwickeln und trinken.

Fazit: Salzkonsum bei Bluthochdruck

In der Praxis empfehlen besonders niedergelassene Ärzte ihren Bluthochdruckpatienten weiterhin die Einschränkung des Salzkonsums. Wissenschaftler sind sich über die Richtigkeit dieser Empfehlung nicht so recht einig. Dennoch geht die Tendenz immer deutlicher weg von der salzarmen Ernährung bei Bluthochdruck.

Als Hauptursachen für Bluthochdruck gelten:

  • genetische Veranlagung
  • Übergewicht
  • hoher Alkoholkonsum
  • mangelnde körperliche Bewegung
  • zu viel Stress

Nur bei ca. 15 bis 30 Prozent der Betroffenen scheint eine Reduzierung der Salzaufnahme dem Bluthochdruck entgegenzuwirken. Diese Personen werden von Medizinern als "salzsensitiv" bezeichnet. Doch auch sie können in der Regel trotz "Salzdiät" nicht auf Medikamente verzichten.

Da es zur Zeit noch keinen Test gibt, der anzeigt, ob ein Patient salzsensitiv ist oder nicht, sollte eine salzarme Ernährung bei Bluthochdruck ausprobiert werden und je nach Erfolg weitergeführt oder wieder verworfen werden, je nachdem ob sich beim entsprechenden Patienten zeigt, dass der Bluthochdruck durch zu viel Salz verursacht wird. In unserem Ratgeber können Sie außerdem lesen, wie Sie Ihren Bluthochdruck senken können – ohne Tabletten und ganz natürlich.

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