14.11.2018

Insulinmangel Diabetes mellitus: Arten, Symptome, Ursachen und Therapie

Von

Spritzen von Insulin ist gerade bei Diabetes mellitus Typ 1 bei der Therapie Pflicht.

Foto: iStock/PeopleImages

Spritzen von Insulin ist gerade bei Diabetes mellitus Typ 1 bei der Therapie Pflicht.

Bei einer Erkrankung an Diabetes mellitus liegt eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels vor. Die Bauchspeicheldrüse produziert kein oder keine ausreichende Menge an Insulin, um die mit der Nahrung aufgenommene Glucose (Zucker) abzubauen.

Diabetes mellitus ist eine echte Volkskrankheit. Die "Zuckerkrankheit", wie sie im Volksmund oft genannt wird, zwingt in Deutschland rund sechs Millionen Menschen zur Behandlung. Auslöser dieser Störung ist ein Mangel an Insulin, der vielfältige Ursachen haben kann. Es kommt zu einer erhöhten Glucose-Konzentration im Blut, die vom Körper selbst nicht mehr bewältigt werden kann. Der Zucker wird mit dem Urin ausgeschieden. Daher rührt auch der Name, der übersetzt aus dem Griechischen und Lateinischen soviel bedeutet wie "honigsüßer Durchfluss".

Im Grunde ist "Diabetes" nur der Überbegriff für eine Reihe an Stoffwechselerkrankungen, denen aber genau dieser Insulinmangel gemein ist.

Diabetes mellitus: Das sind die verschiedenen Typen

Unterschieden werden zwei Haupttypen, doch es gibt auch noch weitere spezifische Diabetes-Typen.

  • Diabetes mellitus Typ 1, auch "insulinabhängiger Diabetes" genannt, tritt meistens schon im Kindes- und Jugendalter auf. Ursache ist eine Autoimmunerkrankung oder eine Infektion, die zur Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse führt. Eine lebenslange Insulinbehandlung ist für Erkrankte unerlässlich.
  • Diabetes mellitus Typ 2, umgangssprachlich auch "Altersdiabetes" genannt, ist nicht nur erblich bedingt, sondern kann auch durch jahrelange Fehl- und Überernährung entstehen. Durch die ständige Produktion großer Mengen an Insulin aufgrund einer kalorien- und zuckerreichen Ernährung ist die Bauchspeicheldrüse ermüdet und kann nicht mehr genügend Insulin produzieren. Diese Art kommt wesentlich häufiger vor, etwa 90 Prozent der von Diabetes Betroffenen leiden an dieser Form.

Daneben können weitere seltene Formen auftreten, die manchmal als "Diabetes mellitus Typ 3" zusammengefasst werden. Außerdem gibt es noch die sogenannte Schwangerschaftsdiabetes. Diese Gestrationsdiabetes, manchmal auch "Diabetes Typ 4" genannt, bezeichnet eine während der Schwangerschaft kurzzeitig auftretende Zuckerkrankheit, wohl hervorgerufen durch die Ausschüttung von Hormonen, die Insulin binden, sowie eine geringere Insulinsensitivität.

Symptome und Diagnose

Ein vermehrtes Durstgefühl, Müdigkeit, Schwindel und Gewichtsverlust sind erste Anzeichen einer Diabetes-Erkrankung. Durch die verringerte Insulinzufuhr kann die Glukose im Blut nicht mehr vollständig abgebaut werden und wird mit dem Harn ausgeschieden. Mit einem Schnelltest in der Apotheke lassen sich erhöhte Blutzuckerwerte bereits feststellen. Die endgültige Diagnose erfolgt dann beim Arzt mittels eines Zuckerbelastungstests.

Als wichtigste Symptome lassen sich also festhalten:

  • starkes Durstgefühl
  • häufiger Harndrang mit tatsächlicher Wasser-/Urinausscheidung
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Gewichtsabnahme ohne Erklärung
  • Heißhungerattacken
  • schlecht verheilende Wunden und Infektionsneigung
  • Juckreiz
  • Wadenkrämpfe
  • Sehstörungen (können auch plötzlich auftreten)
  • Störungen in der Potenz
  • Atem riecht nach Aceton

Bei Diabetes mellitus Typ 1 treten die Symptome oft heftig und plötzlich auf, was durchaus gefährlich werden kann. Ein schneller Weg zum Arzt ist Pflicht. Bei Typ 2 treten die Beschwerden erst mit der Zeit auf, anfangs teilweise gar nicht. Manchmal werden Symptome übersehen oder die Erkrankung wird so spät festgestellt, dass bereits Schäden an Herz, Nieren, Augen und Nerven aufgetreten sind.

Ist der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum starken Schwankungen ausgesetzt, (man spricht auch von "schlecht eingestelltem Diabetes"), kann es auf Dauer zu schwerwiegenden Durchblutungsstörungen im Gehirn, im Herzen, der Niere, der Netzhaut und den Gliedmaßen kommen. Spätfolgen können u.a. Erblindung, Arteriosklerose, diabetischer Fuß, Nierenfunktionsstörungen und Impotenz sein.

Blutwerte geben Aufschluss bei der Diagnose

Ihr Arzt testet Ihr Blut mithilfe einer Blutzuckermessung – entweder mit Blutplasma aus der Vene oder am Vollblut. Wird der Test mit Blutplasma durchgeführt, gelten folgende Werte als eindeutig diabetisch:

  • Gelegenheitsblutzucker bei 11,1 mmol/l oder mehr (200 mg/dl)
  • Nüchtern-Blutzucker bei 7 mmol/l (126 mg/dl) oder mehr, dabei wird zweimal getestet, nachdem der Patient acht Stunden vorher nichts gegessen hat.

Bei Werten des Nüchternblutzuckers zwischen 100 und 125 mg/dl wird zusätzlich meist noch ein oraler Glukosetoleranztest gemacht. Hier sollten Sie zehn Stunden vorher auf Nahrung verzichten und drei Tage vorher viele Kohlenhydrate zu sich genommen haben. Dann nehmen Sie eine standardisierte Glucoselösung ein. Im Anschluss wird der Blutzucker über abgenommenes Blut gemessen – und dann nach zwei Stunden noch einmal. Liegt der Wert nach den zwei Stunden bei über 200 mg/dl, liegt Diabetes mellitus vor.

Die Blutbild-Abkürzungen können ganz schön verwirrend sein. Ihr Arzt gibt Ihnen da weitere Auskunft – trauen Sie sich ruhig, nachzufragen!

Therapie

Oberstes Ziel der Therapie ist es, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Dies geschieht beim Diabetes Typ 2 vor allem über eine Ernährungstherapie mit oder ohne zusätzliche Medikamentengabe. Die Ernährungsempfehlungen sollten unbedingt eingehalten werden, da sie wesentlich zu einer Blutzuckerregulierung beitragen.

Es gibt Faktoren, die die Entstehung und Therapie des Diabetes negativ beeinflussen. Dazu gehören:

  • Übergewicht, ab einem BMI > 25
  • Bewegungsmangel
  • zu viel Fett in der Nahrung, speziell gesättigte oder tierische Fette
  • zuckerhaltige Lebensmittel (mit einem hohen glykämischen Index)
  • Alkohol

Hier sollte darauf geachtet werden, dass Genussmittel nicht oder nur in strikten Maßen konsumiert werden. Außerdem kann Bewegung helfen, Typ 2 der Erkrankung in Schach zu halten oder gar nicht erst richtig auftreten zu lassen.

Der Diabetes Typ 1 muss allerdings mit einer Insulintherapie behandelt werden. Zwar sollten die oben genannten Verhaltensweisen auch überdacht werden, aber nur mit Ernährungsumstellung und Bewegung bekommen Sie die Autoimmunerkrankung nicht in den Griff.

Wer an Diabetes leidet, muss regelmäßig seinen Blutzuckerspiegel messen, vor allem, wenn Insulin gespritzt werden muss. Dann ist die Menge an zu spritzendem Insulin abhängig vom aktuellen Blutzuckerstand. Dazu gibt es heute praktische Testgeräte.

Patienten müssen auf ihren optimalen Blutzuckerspiegel "eingestellt" werden. Dabei wird der sogenannte HbA1c-Wert, das "Blutzuckergedächtnis", auf einen Wert auf optimal unter 6,5 Prozent eingestellt. Mit diesem Wert kann der Arzt die durchschnittliche Blutzuckerhöhe der letzten vier bis sechs Wochen bestimmen.

Ernährungsempfehlungen

Bei Diabetes mellitus Typ 2 muss vor allem auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

  • kaloriengerechte Mischkost
  • frische Lebensmittel, schonende Zubereitung
  • Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index, wenig Zucker
  • wenig gesättigte oder tierische Fette, dafür maßvoll pflanzliche Öle
  • ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte
  • mäßige Cholesterinaufnahme (tierische Produkte)
  • fettarme Milch und Milchprodukte

Sie sollten darauf achten, ihre Mahlzeiten regelmäßig zu festen Zeiten zu sich zu nehmen. Außerdem sollte regelmäßige Bewegung auf dem Programm stehen. So kann Übergewicht abgebaut werden. Ziel ist das Normalgewicht.

Übergewicht abbauen und Normalgewicht anstreben

Jedes überflüssige Kilo verschlechtert die Aufnahme des Insulins in die Zellen. Daher sollte vorhandenes Übergewicht abgebaut und Normalgewicht angestrebt werden. In Hinblick auf weitere Erkrankungen, die in Verbindung mit Diabetes häufig auftreten wie Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte, ist eine Reduktion außerdem sinnvoll.

Kohlenhydrate sinnvoll auswählen

Etwa 50 Prozent der täglichen Nahrungszufuhr sollte durch Kohlenhydrate gedeckt werden. Entscheidend dabei ist die richtige Auswahl der Lebensmittel. Man unterscheidet zwischen den Kohlenhydraten, die "langsam" vom Darm ins Blut übergehen, und den "schnellen" Kohlenhydraten, die nur kurz im Darm verweilen. Je schneller die Kohlenhydrate ins Blut gelangen, desto explosiver steigt der Blutzuckerspiegel an und desto mehr Insulin wird benötigt. Traubenzucker, stärkehaltige Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke lassen den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Langsame Kohlenhydrate aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten werden nach und nach abgebaut und gelangen nur langsam in den Blutkreislauf.

Obst allerdings kann ebenfalls viel Zucker mitbringen. Ob Obst bei Diabetes erlaubt ist, und wenn ja, welches, verraten wir Ihnen.

Was Sie bei der Ernährung bei Diabetes noch beachten sollten, haben wir für Sie zusammengestellt.

Und falls Sie noch mehr Informationen zu Diabetes mellitus mit seinen verschiedenen Typen suchen, schauen Sie auf unsere Themenseite. Dort finden Sie weitere Artikel.

Seite