26.03.2019

Folgen von Vitamin-D-Mangel Rachitis und Osteomalazie: Ursachen und Symptome bei Kindern und Erwachsenen

Rachitis und Osteomalazie sind Bezeichnungen für die Krankheit bei Kindern und Erwachsenen.

Foto: iStock/PREDRAG VUCKOVIC

Rachitis und Osteomalazie sind Bezeichnungen für die Krankheit bei Kindern und Erwachsenen.

Eine Entwicklungsstörung und Aufweichen der Knochen – Rachitis und Osteomalazie sind die Bezeichnungen einer Krankheit, die bei Kindern andere Ursachen und Symptome hat als bei Erwachsenen. Was steckt dahinter?

Weiche Knochen, Verformungen, Schmerzen – die Störung in der Knochenentwicklung und kann bei Kindern und Erwachsenen auftreten. Bei Kindern spricht man von einer Rachitis. Osteomalazie heißt die Erkrankung bei Erwachsenen. Bei beiden Formen unterscheiden sich die Symptome sowie die Auswirkungen, die Ursache ist jedoch dieselbe: ein Vitamin-D-Mangel, der eine Störung im Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel hervorruft. Warum der Mangel auftritt, ist aber bei Kind und Erwachsenem wieder unterschiedlich.

Rachitis und Osteomalazie: Deutliche Symptome vor allem bei Kindern

Gerade bei Kindern fällt die Knochenentwicklungsstörung früh auf. Die Knochen werden weich, verformen und verbiegen sich.

Die Rachitis zeigt sich bei Kindern schon früh. Erste Anzeichen sind bereits ab zwei bis drei Monaten Lebensalter bemerkbar – in erster Linie aber nicht körperlich. Vielmehr weisen betroffene Säuglinge bestimmte Verhaltensmuster auf. So sind sie etwa besonders schreckhaft oder unruhig und schwitzen stark, vor allem am Hinterkopf, an dem oft die Haare fehlen.

Die ersten körperlichen Symptome zeigen sich dann aber kurz später, etwa ab dem vierten Lebensmonat. Häufig zeigt sich der sogenannte Froschbauch: Der Brustkorb ist im unteren Bereich erweitert, die Bauchmuskulatur nicht genügend ausgeprägt. Diese Verformung geht einher mit Verdauungsstörungen bis hin zu Verstopfung. Zusammengefasst sehen die Symptome der Rachitis so aus:

  • Weiche, verformte und verbogene Knochen
  • Unruhe und Schreckhaftigkeit in den ersten Lebensmonaten
  • starkes Schwitzen
  • Froschbauch (glockenförmiger Brustkorb, perlschnurartig verdickte Rippen – rachitischer Rosenkranz)
  • Hinterkopfglatze
  • Quadratschädel
  • Beinverkrümmungen ("O-Beine")
  • herzförmiges Becken
  • Teilweise Verformungen der Wirbelsäule bis hin zur Skoliose
  • übererregte Muskulatur und Muskelkrämpfe
  • später schlechte, teils ausfallende Zähne

Bei Erwachsenen zeigen sich Osteomalazie-Symptome ebenfalls durch weicher werdende Knochen:

  • Skelettverformungen (aber nicht so ausgeprägt wie bei Säuglingen, keine direkten Knochenverformungen)
  • Höheres Risiko für Knochenbrüche
  • Watschelartiger Gang
  • Schmerzen an Hüfte, Oberschenkeln und Rücken

Warum entstehen Rachitis und Osteomalazie?

Ausschlaggebend ist ein Mangel an Vitamin D. Tritt dieser schon früh auf und wird nicht behoben, wird zu viel Kalzium aus den sich im Wachstum befindenden Knochen gelöst. Das verringert die Härte und lässt die Knochensubstanz abnehmen. Auch an den Zähnen zeigt sich das Phänomen. Schlechte Zähne, die sogar ausfallen können, sind das Resultat.

Bei Kindern ist der Vitamin-D-Mangel in der Regel erblich bedingt oder liegt an einer erhöhten Phosphatausschüttung. Vitamin D regelt eigentlich zusammen mit den Hormonen Parathormon und Calcitonin das Gleichgewicht zwischen Kalzium und Phoshat im Körper.

Auch bei Erwachsenen ist ein anhaltender Vitamin-D-Mangel schuld an der Osteomalazie. Meist wird das Krankheitsbild bei Erwachsenen noch vom Knochenschwund, der Osteoporose begleitet.

Bei Erwachsenen sind die Ursachen der Osteomalazie und dem vorausgehenden Vitamin-D-Mangel aber breiter gefächert als bei Kindern. Meist liegt einfach ein Mangel an Sonnenlicht vor, aber auch Fehl-, Mangel- oder Unterernährung können ausschlaggebend sein. Gründe dafür können Verdauungsstörungen, Nierenprobleme bis hin zu Nierenversagen, Leberschwäche oder gar Leberzirrhose sein. Auch Chemotherapie und Bestrahlungen sowie angeborene Enzymdefekte sind als Gründe zu nennen.

Was lässt sich gegen Rachitis und Osteomalazie tun?

Da Vitamin D in Muttermilch und Babynahrung nicht ausreichend vorhanden ist, haben Kinder bis zum Alter von zwei Jahren einen erhöhten Bedarf am Vitamin. Der Körper muss zudem erst lernen, die Vitamin-D-Produktion über die Haut anzukurbeln. Normalerweise wird Säuglingen ab der zweiten Lebenswoche eine Vitamin-D-Prophylaxe gegeben – etwa für ein Jahr. Die Gabe sollte aber genauestens mit den behandelnden Kinderärzten abgesprochen werden.

Auch Erwachsene können mit Präparaten nachhelfen, um einen Vitamin-D-Mangel auszugleichen – vor allem im fortgeschrittenen Alter. Denn die Vitamin-D-Synthesefähigkeit des Organismus lässt irgendwann wieder nach. Nahrungsergänzungsmittel helfen aber nur bedingt. Vitamin-D-Präparate stehen in der Kritik, da sie einen Überschuss an Vitamin D, eine D-Hypervitaminose, hervorrufen können, die über natürliches Vitamin D nicht entstehen kann. Eine Vorbeugung oder Selbstbehandlung ist laut Stiftung Warentest nicht empfehlenswert. Daher sollte die Gabe von Vitamin D am besten mit dem Arzt abgesprochen werden.

Über die Nahrung lässt sich Vitamin D vor allem über Lebensmittel wie fetten Fisch (Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch), Eigelb, einige Pilze, fettreiche Milchprodukte oder Avocados aufnehmen. Eine ausgewogene Ernährung mit diesen Lebensmitteln deckt etwa ein Fünftel des Bedarfs. Viele der Lebensmittel sowie eine ausgewogene Ernährung kämpfen gleichzeitig gegen Osteoporose an. Und eine gute Nachricht für alle Süßmäuler: Auch in Schokolade, genauer in Kakao steckt Vitamin D. Aber von einem übermäßigen Verzehr raten wir hier aus Gründen dennoch ab.

Der Vitamin-D-Bedarf wird am Besten über Sonnenlicht gedeckt. Denn der Körper kann das Vitamin nur in geringem Maße aus Nahrung und Co. aufnehmen. Unter Sonneneinstrahlung – Tageslicht reicht hier in der Regel – stellt der Organismus eine Vorstufe des Vitamins her, die dann in Leber und Nieren in aktives Vitamin D umgewandelt wird – und zwar in genau der Menge, die der Körper benötigt. Ein Zuviel an Vitamin D ist bei Aufnahme über Tageslicht nicht möglich. Bei Kindern reichen rund zwei Stunden pro Woche im Freien – nicht in der prallen Sonne! Gesicht, Arme und Hände sollten dabei frei sein. Achten Sie aber bei starker Sonnenstrahlung unbedingt auf einen Hautschutz!

Kinder bis 12 Monate benötigen rund 10 µg Vitamin D am Tag, Erwachsene, auch während Schwangerschaft und Stillzeit rund 20 µg. Ganz einig sind sich die Experten aber nicht. Daher: Lieber vernünftig ausgewogen essen und viel Zeit draußen an der frischen Luft verbringen.

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